Potsdam ist mehr als „nur“ Sanssouci. Aber weder Touristen noch Bürger der Stadt konnten sich bisher von dieser Thtsache in ausreichendem Maße überzeugen. Foto: zg.
dekommen von Stiftungslehrstühlen unterstützen. Die Vermittlung von Praktikumsplätzen, auch von Auftragsforschung könnte weiter erfolgen. Diese Zusammenarbeit betrachtet Egenter nicht als Einbahnstraße. „Unsere Institution nutzt natürlich auch das vorhandene wissenschaftliche Potential der erst 1991 gegründeten Universität“, sagt er. Das beträfe vor allem die Erstellung von Studien, die der Wirtschaft bzw. der Wirtschaftsentwicklung dienten. Notwendige Abstimmung über entsprechende Forschungsvorhaben finde zum Heil durch ein gemeinsames Netzwerk im Rahmen der Itechnologie- und Innovations- Agentur (T.IN.A.) GmbH mit Sitz in Potsdam statt. Die Nutzung der in der Hochschule vorhandenen geistigen Ressourcen vollzieht sich auch auf einem anderen Gebiet: gemeint ist die Weiterbildung. Ein erst vor kurzem vom Regionalen Weiterbildungsrat herausgegebener Wegweiser durch entsprechende Potsdamer Einrichtungen umfaßt immerhin 17 Tingebote. Das für die Bürger bekannteste stellt vermutlich die Volkshochschule dar. Dr. Roswitha Vogtländer, seit 1993 deren stellvertretende Direktorin und zugleich Fachbereichsleiterin auf dem Sektor Persönlichkeitsbildung und Gesundheitsförderung, schätzt die Beziehungen zur Uni als gut ein. Sie tut dies allerdings nicht, ohne auf deren Ausbaufähigkeit hinzuweisen. Anfänge eines Miteinanders gäbe es unter anderem auf dem Gebiet der Seniorenbildung, Beiden Partnern liegt gleichfalls die Jugendbildung
am Herzen. Hierzu existiert der Vorschlag, die Idee einer „Schüler-Akademie" wieder aufleben zu lassen. Die möglichen Beteiligten: Urania, Volkshochschule und Um. „Hier sind wir noch in der Anfangsphase", so Vogtländer dazu. Die Stadtverwaltung habe im Vorfeld bereits Unterstützung signalisiert. Gegenwärtig erteilen universitäre Mitarbeiter vor allem in den Bereichen Elektronische Datenverarbeitung, Naturwissenschaften- Ttechnik sowie Sprachen Unterncht. Nicht selten sind es Vorruheständler und Senioren, die die jeweiligen Kurse belegen. „Studenten kommen nur vereinzelt, noch zählen sie
nicht zum festen Bestandteil des Klienteis", meint die stellvertretende Direktonn.
Für jene Gruppe aber scheint ihr eine Offerte denkbar: „Die jungen Leute könnten hier Praktika in Form der Durchführung von Lehrgängen absolvieren“, sagt sie. Doch die Realisierung des Vorschlages liegt noch in der Ferne, ebenso die umfänglichere Einbindung an der Alma mater wirkender Dozenten in den Volkshochschulbetrieb. Bedarfserkundungen sowie erforderliche Abstimmungen auf allen Ebenen dürften dafür zunächst notwendige Voraussetzung sein. RG.
KULTURELL REICHE STADT WÜRDE SPASS AM STUDIEREN ERHÖHEN
Die 140 000 Einwohner zählende Landeshauptstadt Potsdam kann sich mit einer besonders schönen Kulturlandschaft rühmen. Wenn auch nicht immer augenscheinlich, so ist die Metropole doch weit mehr als „nur“ Sanssouci. Andererseits sehen nicht wenige kulturelle Einrichtungen der Stadt wie freie Träger aufgrund der Finanzsituation einer ungewissen Zukunft entgegen. Wie nutzen sie die Potentiale der ansässigen akademischen Einrichtungen, insbesondere der Universität Potsdam? Wie bringen sich Studierende und Wissenschaftler auf diesem Gebiet ein, um das Image der Stadt aufzupolieren?
Die Zusammenarbeit zwischen der Stadt und ihren wissenschaftlichen Einrichtungen gestaltete sich nach den Worten Claus Dobberkes auch in der Vergangenheit nie besonders eng. Man habe sie immer in erster Linie als Bürde aufgefaßt. Das Juwel Uni gehöre jedoch zum Bild der Stadt. „Ich bin froh darüber, daß nun zumindest die Sprachlosigkeit beider Seiten überwunden ist, was allerdings noch nicht
die Lösung der Probleme bedeutet.“ Daß die Existenz der Universität Potsdam mit ihren Studierenden und Mitarbeitern zur Kultur dieser Stadt zählt, sich auf ihr Klima auswirkt, möchte der Beigeordnete stärker in das Bewußtsein sowohl der Verantwortlichen als auch der Bürger rücken. Die Ansiedlung der drei Universitätskomplexe an der Peripherie Potsdams dürfe nicht davon abhalten, studentisches Leben in der City zu verankern. Dem Politiker schwebt deshalb für die Zukunft die Einrichtung eines Studentenzentrums vor. Angesichts leerer Kassen sucht man allerdings zunächst nach Zwischenlösungen. In der Diskussion mit den Studierenden will er herausfinden, wo ihre Interessen liegen und welche Vorschläge sie zur Realisierung der Vorhaben anbieten. Um trotz der gegenwärtigen Finanzkrise auf diesem Wege Fortschritte zu erreichen, seien Ressourcen zusammenzufassen. Das betreffe beispielsweise die gegenseitige Nutzung von Räumlichkeiten wie des Auditorium maximums einerseits und des Alten Rathauses oder des Theaters andererseits. Das trage gleichzeitig zu einem Näherkommen von Stadt
und Uni bei. Des weiteren plädiert Claus Dobberke dafür, das akademische Potential der Hochschule stärker in der Stadtverwaltung zu nutzen und erkennt in diesem Zusammenhang vielfältige Möglichkeiten der Arbeitsteilung. Er denkt dabei an analytische Untersuchungen von Wissenschaftlern, deren Forschungen sich auf für die Stadt relevante Bereiche beziehen.
Hoffen auf studentisches Publikum
Gretel Schulze, die künstlerische Geschäftsführerin des Potsdamer Kabaretts Obelisk, bedauert schon lange den unzureichenden Kontakt zur Um. „Wir leben dicht beieinander und doch aneinander vorbei." Oft werde leicht dahingesagt, daß Kleinkunst für ein Publikum zwischen 30 und 60 Jahren ausgelegt sei. „Wir würden uns sehr freuen, wenn die Studierenden unsere Angebote weit mehr nutzten.“ Allerdings müsse sich das kulturelle Klima in der Stadt prinzipiell verbessern, denn „jede Nicht-Veranstaltung schlägt auf uns zurück. “ Auch sie ist der Auffassung, daß die fehlende Präsenz der Studierenden im Stadtzentrum durch ein entsprechendes
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PUTZ 3/96