Zur Kooperation der Potsdamer Universität mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen
EINE REISE DURCH DIE LITHOSPHÄRE
Das GeoForschungsZentrum Potsdam
Eines der Markenzeichen der Potsdamer Universität ist ihre enge Zusammenarbeit mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, die sich in Potsdam und seinem unmittelbaren Umland sehr zahlreich angesiedelt haben. Für diese Kooperation, die über an anderen Standorten üblichen Verknüpfungen weit hinausgeht, wurden verschiedenartige Formen entwickelt: so z. B. gemeinsame Berufungen von Professoren, die Durchführung gemeinsamer Studiengänge und der Aufbau Interdisziplinärer Zentren. Auch laufen die Vorbereitungen für die Errichtung eines gemeinsamen Campus’ der Potsdamer Naturwissenschaften mit Instituten der Max-Planck-Gesellschaft und der Fraunhofer- Gesellschaft in Golm derzeit auf Hochtouren. Mit diesem Artikel über das GeoForschungsZentrum Potsdam wird in der PUTZ eine Reihe fortgeführt, in der nach und nach die Einrichtungen vorgestellt werden sollen, die vor allem auf naturwissenschafttlichem Gebiet mit der Universität Potsdam kooperieren.
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POTSDAM
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Der aktive Vulkan Merapi in Indonesien ist eines der Forschungsziele. Hier wird demnächst von Mitarbeitern der Arbeitsgruppe Prot Erzmgers eine Meßstation installiert, die laufend die austretenden Gase analysieren und messen soll. Aus den Ergebnissen hofft man Aufschluß über die genauen Ursachen und Mechanismen der Eruptionen zu erhalten. Foto: Lühr/GFZ
Von den 16 Großforschungsemrichtungen in Deutschland, die in der Hermann von Helmholz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren zusammengeschlossen sind, befinden sich lediglich drei in den Neuen Ländern. Eines von ihnen ist das GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ). Wie die übrigen Institute der Gemeinschaft wird es zu 90% durch den Bund und zu 10% durch das Land finanziert. Gegründet wurde es auf Empfehlung des Wissenschaftsrates am 1. Januar 1992 auf der Basis des Zentralinstituts für die Physik der Erde (ZIPE). Gut zwei Jahre später, zu Beginn des Jahres 1994, wurde an der Universität Potsdam das Institut für Geowissenschaften ins Leben gerufen. Seine Kooperation mit dem GFZ von der ersten Minute an ist evident, da der Gründungsdirektor und stellvertretende geschäftsführende Direktor des Universitätsinstituts, Prof. Dr. Jörg Erzinger, gleichzeitig Projektbereichsleiter für den Bereich „Stoffliche Eigenschaften und Transportprozesse“ am GFZ ist. Von den derzeit sieben Professoren sind fünf gemeinsame Berufungen: neben Erzinger Prof. Dr. Georg Dresen und Prof. Dr. Jörg Negendank für die Geologie sowie Prof. Dr. Chnstoph Reigber und Prof. Dr. Jochen Zschau für die Geophysik.
Bis zur Fertigstellung der neuen Labore des Instituts in Golm „muß das GFZ weiterhin die Amme spielen“, äußert sich Erzinger mit Blick auf die derzeit noch dürftige Ausstattung und fehlenden Apparaturen. Umgekehrt profitiere aber auch das GFZ von der Kooperation: „Eine Großforschungseinrich
tung geht kaputt ohne Studenten“. Man brauche den Nachwuchs, denn „es sind ja Diplomanden und Doktoranden, die die Forschung machen“. Zwar sind die Potsdamer Studenten noch nicht ganz so weit, da der Studiengang Geowissenschaften erst seit drei Semestern läuft, aber bereits jetzt mangelt es nicht an Möglichkeiten, als studentische Hilfskraft fachbezogen sein Monatsbudget beim GFZ etwas aufzustocken.
Die Erde als Labor
Zwar ist das GFZ mit etwas über 500 Mitarbeitern die kleinste der Großforschungseinrichtungen, dafür besitzt es aber eines der größten Labore „weltweit“. Wem sonst stehen für Experimente schon 510 000 000 km2 zur Verfügung? Dabei interessieren Geowissenschaftler sich weniger für die Erdoberfläche. Diese ist ja nur die Haut der Erde und dient ihnen hauptsächlich als Ausgangspunkt, um die gesamte Lithosphäre zu erforschen. Diese ist der relativ starre, äußere TM der Erde, der die Erdkruste und den oberen Teil des Erdmantels umfaßt und durchschnittlich etwa 100 km dick ist. Man kann sie sich wie eine mehrfach gesprungene Kugelschale vorstellen, deren einzelne Scherben die Platten sind, die auf dem heißeren, zähflüssigen unteren Mantel treiben. Wo sich zwei Platten gegeneinanderschieben, werfen sich Faltengebirge auf. Dabei wird tiefer gelegenes Material nach oben befördert.
Ein ganz anderer Prozeß, bei dem Stoffe aus unteren Schichten an die Erdoberfläche ge
langen, läuft ab, wenn festes Gestein aus dem äußeren Mantel plötzlich aufschmilzt. Dies geschieht zum Beispiel dann, wenn Wasser dort eindringt. Wasser setzt den Schmelzpunkt des Gesteins herab, so daß es schmilzt und, da es dadurch leichter als das umhegende Material ist, aufsteigt. Da einige Elemente aus dem umgebenden Material es bevorzugen, in die Schmelze zu gehen, anstatt im Kristallverband zu bleiben, ändert sich die chemische Zusammensetzung der Schmelze: Eisen, Aluminium, Kalium, Uran und Thorium werden so angereichert und die ursprünglich sehr basische Schmelze (das Basaltgestein des Erdmantels ist durch einen hohen Magnesium- und einen geringen Siliziumgehalt charakterisiert) wird, je weiter sie aufsteigt, immer weniger basisch. Tritt diese Schmelze beispielsweise am Mittelatlantischen Rücken im Nordatlantik an die Oberfläche, wo nach diesem Prinzip ständig neue Erdkruste gebildet wird, so erstarrt sie zum einen schlagartig. In den nächsten 150 Millionen Jahren schiebt sich diese neugebildete Kruste auf die Kontinente zu, wobei zum anderen in das Gestein bis zu zwei Prozent Wasser eingebaut werden (bei einem 5 kg schweren Stein macht das immerhin 100 ml aus). Am Rand des Nordatlantiks taucht sie dann unter die kontinentale Platte ab. Bei bestimmten Tiefen, wenn gewisse Tbmperaturen erreicht sind, wird das zuvor aufgenommene Kristallwasser wieder freigesetzt. Während sich die Kruste immer tiefer in den Mantel schiebt, kann das abgeschiedene Wasser wieder zur Bildung
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PUTZ 3/96