neuer Schmelzen führen, die dann ihrerseits wieder aufsteigen. „So“, fügt Enzinger hinzu, „sind die Anden entstanden.“
Mit Edelgasen den Steinen auf der Spur
Wie aber kann man etwas über die Herkunft und die Geschichte von Schmelzen und Gesteinen erfahren? Ein wichtiger Ansatz ist dazu ihre Analyse. So läßt sich etwa anhand der Isotopenverhältnisse bestimmter Elemente in den Steinen ihr Alter bestimmen. Ein anderes Beispiel ist die Untersuchung der Isotopenverhältnisse von Edelgasen, der sich Erzinger derzeit hauptsächlich widmet: „Das He3/He4-Verhältnis liefert Aufschluß über die Herkunft von Schmelzen und den Einfluß von Mantelmaterial“, führt er aus. „In der Kruste ist dieses Verhältnis anders als im Mantel. Zwar ist schon von Natur aus He4 um etwa das lOO.OOOfache häufiger als He3, aber in der Kruste ist das Verhältnis noch stärker zu Gunsten des He4 verschoben als im Mantel." Das liegt daran, daß sowohl Uran als auch Thorium, die beide durch radioaktiven Zerfall He4 hersteilen, sich im Laufe der Erdentwicklung hauptsächlich in der Kruste angereichert haben, so daß dort ständig mehr He4 gebildet wird, als im Mantel. Gesteine, die also einen geringeren Gehalt an He4 aufweisen, sind demnach irgendwann vom Mantel in die Kruste gewandert. Weitere Aussagen lassen sich unter Umständen aus dem Konzentrationsgefälle von Neon-Isotopen im Gestein gewinnen: „Neon wird durch kosmische Strahlung aus Silizium hergestellt. Macht man einen Querschnitt durch den Stein und schaut sich an, wie die Neon-Isotopenkonzentration an der Oberfläche nach innen hin abnimmt, so kann man versuchen zu bestimmen, wie lange der Stein der kosmischen Höhenstrahlung ausgesetzt war“, erklärt Erzinger. Daraus ließen sich unter Umständen auch Vergletscherungsalter bestimmen. Allerdings müsse man das geochemische Verhalten des Neons sehr genau kennen, bevor man zu tief in die Interpretation geht. Sicher ist er sich aber, daß die Analyse von Edelgasen in Gesteinen zukünftig ein weiteres Werkzeug sein wird, Struktur und Verhalten der Erde zu verstehen.
Ein so komplexes Gebilde wie die Erde kann natürlich selbst mit einer Großforschungseinrichtung nicht im Aleingang erforscht werden. Deswegen ist es auch Aufgabe des GFZ, die auf viele Universitätsinstitute Deutschlands verteilten Geofor- schungsprojekte zusammenzuführen und in große Gemeinschaftsprojekte einzubinden. In diesem Sinne wird auch die Abeit des Instituts für Geowissenschaften der Potsdamer Universität in entsprechende Projekte des GFZ eingebunden werden, wobei die Nachbarschaft und personelle Überschneidung die Zusammenarbeit sicherlich optimieren. ade
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Studie über Grundlagen für Standortmarketing-Konzept
Brandenburgs
Mit den Attributen schön, anziehend, freundlich, aber auch kriminell, ländlich und teuer beschrieben 650 befragte Wirtschaftsunternehmen die Region Brandenburg. Das jedenfalls geht aus einer kürzlich veröffentlichten empirischen Studie hervor.
Daß ein Marketingkonzept derzeit noch fehlt, ist unübersehbar. Dabei kann Standortmarketing helfen, den Prozeß der wirtschaftlichen Konsolidierung zu beschleunigen, indem es regional verantwortlich Handelnden Wege aufzeigt, ihren Standort durch kooperatives Vorgehen international wettbewerbsfähig zu gestalten. Die dafür erfordern chen Daten bereitzustellen, zu systematisieren und zu Elementen eines Standortmarketings zu verdichten, ist das Ziel der Studie. Die Untersuchung ist eingebettet in das vom Wissenschafts- mmisterium des Landes Brandenburg und der Universität Potsdam geförderte Forschungsprojekt „Entwicklung eines effizienten Marketingkonzepts zur wirtschaftlichen Förderung Brandenburgs“.
Die Datenerhebung dafür fand im Herbst 1994 statt und richtete sich sowohl an in Brandenburg ansässige private Unternehmen als auch an jene, die hier noch nicht investierten. Prof. Dr. Ingo Balderjahn, Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Marketing in der Wirtschafts- und Sozialwis- senschaftlichen Fakultät an der Universität Potsdam, ist einer der beiden Autoren. Er wertet die relativ hohe Rücklaufquote von 34 Prozent, über 1920 Fragebögen wurden verschickt, als „Indiz für das große Interesse, das sowohl die ost- als auch die westdeutsche Unternehmerschaft unserem Forschungsprojekt entgegenbringt".
As wichtige Standortfaktoren erweisen sich die Einbindung der Region in internationale Kommumkations- und Verkehrssysteme, schlagkräftige Wirtschaftsförderung, effiziente Verwaltung und die Verfügbarkeit von qualifizierten Fachkräften.
Zu den Stärken der Wirtschaftsregion Brandenburg zählt der Wirtschaftswissenschaftler die Nähe zu Berlin und den osteuropäischen Märkten sowie die Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten. Die Datenerhebungen belegten aber auch, daß im Vergleich zu anderen Regionen das „Image Brandenburgs wenig ausgeprägt ist". Wofür das Land stehe, was es wolle bzw. darstellen möchte, sei bislang relativ unklar. Deshalb einigten sich die Befragten auf Leitbilder für die Region Brandenburg. As eindeutiger Nachteil krital- lisierte sich das mangelnde Angebot an qualifizierten Führungskräften heraus.
Die bürokratische Verwaltung und ungeklärte Eigentumsverhältnisse sahen die Unternehmer als größte Risiken für ihr Engagement in Brandenburg an.
Die informatorische und verkehrsmäßige internationale Vernetzung, die Schaffung eines gemeinsamen Wirtschaftsraumes Berlin-Brandenburg, eine tiefgreifende Verwaltungsreform sowie die Ausbildung von Führungskräften durch den zügigen Ausbau von Universitäten und Hochschulen haben die Wissenschaftler als strategische Stoßrichtungen zur Steigerung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit identifiziert. Brandenburg wolle sich als Tbchnologie- standort präsentieren. Dazu im Widerspruch stehen nach Prof. Balderjahns Überzeugung die geringen Finanzmittel, die für Kultur, Wissenschaft und Forschung zur Verfügung gestellt werden. Diese seien dringend aufzustocken.
„Die relevanten Akteure der Region an einen Tisch zu bekommen und in dialogischen Verhandlungsprozessen Konsens über die Eckpfeiler der wirtschaftlichen Entwicklung und Positionierung Brandenburgs zu erreichen", betrachtet der Hochschullehrer als Voraussetzung dafür, effizientem Standortmarketing eine Chance zu geben. Was die Reaktion auf die Ergebnisse der Studie betrifft, seien sie von der Privatwirtschaft äußerst positiv, von der Landesregierung eher reserviert aufgenommen worden. B.E.
PUTZ 3/96
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