Heft 
(1.1.2019) 03
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BAHNT SICH DER ABFALL VON DEN HERKÖMMLICHEN MÜLLVERBRENNUNGSANLAGEN AN?

Tagung zur mechanisch-biologischen Behandlung von zu deponierenden Abfällen

Damit unsere Nachwelt nicht unter den Folgen unserer Abfallproduktion zu leiden hat, werden derzeit verschiedene Verfahren untersucht, wie der Müll vor seiner Deponierung möglichst effizient unschädlich gemacht werden kann. Foto: Fritze

Die Zahlen, die kürzlich das Statistische Bundesamt vorgelegt hat, lösen zunächst einmal milde Freude aus: In den ersten drei Jahren dieses Jahrzehnts ist die Ab­fallmenge in Deutschland um rund ein Zehntel zurückgegangen. Hält man sich hingegen vor Augen, daß die verbliebe­ne Menge von einer drittel Milliarde Ton­nen Müll immerhin dem Gewicht von zehn Millionen voll beladenen Lastwagen mit Anhängern entspricht, schwindet die Begeisterung rasch wieder. Zwar kann ein Teil davon wiederverwertet werden, aber der Rest wandert eben doch auf die Deponie. Bevor man den Müll jedoch deponieren darf, muß er derart vor­behandelt werden, daß er anschließend gewisse Grenzwerte einhält.

Über eben diese Vorbehandlungsmetho­den herrscht derzeit unter Fachleuten eine tiefe Uneinigkeit, die sich auch am Rande einer Tägung zeigte, die von der Fachgrup­peÖkotechnologie" am Zentrum für Um­weltwissenschaften der Universität Pots­dam sowie der ProjektträgerschaftAbfall­wirtschaft und Altlastensanierung" beim Umweltbundesamt veranstaltet wurde. The­ma der Veranstaltung war die mechanisch- biologische Behandlung von zu deponie­renden Abfällen. In 25 Vorträgen von Refe­renten aus dem gesamten Bundesgebiet erfuhren die rund 300 Tfeilnehmer alles über die derzeitigen Erkenntnisse und Erfahrun­gen bei der Behandlung von Restabfall mit mechanisch-biologischen Methoden.

Was ist einemechanisch-biologische" Vorbehandlung von Müll?

Bei diesen Verfahren wird der Müll nach einer Vorsortierung zerkleinert und homo­genisiert und anschließend zum bakteriel­len Abbau des organischen Materials für einige Wochen in Mieten gelagert. Auf der Tägung wurden dazu verschiedene Anla­gen vorgestellt, beispielsweise die Zentra­le Abfallwirtschaftsanlage im Landkreis Stendal. Hier wird nach der Zerkleinerung das Material mit Klärschlamm durchmischt. Anschließend schichtet man das Gemisch in einer Art Silo zu acht Meter hohen Rotten auf. Diese werden durch ein Luft/Sauerstoff- gemisch stoßartig belüftet. Durch die sich ausbreitende Stoßwelle wird die Rotte ge­lockert und intensiv belüftet. Dadurch sol­len optimale Lebensbedingungen für die zersetzenden Mikroorganismen geschaffen werden. Nach 15 Wochen kommt das Ma­terial für weitere 15 Monate in eine Nach­rotte. Ziel ist es, bei der abschließenden Endlagerung in der Deponie die Bildung

von Sickerwässern, Gasbildung und Set­zung des Müllkörpers zu verhindern, die durch biologische Restaktivitäten zustande kommen. Eine andere Möglichkeit ist die thermische Vorbehandlung von Müll, bei der alles organische Material schlichtweg verbrannt wird. Die Kombination beider Verfahren war ebenfalls ein Diskussions­punkt.

Der Streit um geeignete Parameter

Wie aber stellt man fest, ob eine Vor­behandlungsmethode ausreicht, daß ange­strebte Ziel zu erfüllen? Dazu gibt es eine von der Bundesregierung ausgearbeitete Verwaltungsvorschrift, die TA Siedlungsab­fall, die seit 1993 in Kraft ist. In ihr wird ge­fordert, daß ab dem Jahr 2005 nur noch sol­che Abfälle abgelagert werden dürfen, die gewisse Grenzwerte nicht überschreiten. Bei Einhaltung dieser Grenzwerte sind die oben genannten Ziele erreichbar. Dennoch sind genau sie es, an denen sich der Streit zwischen den Anhängern der thermischen Vorbehandlung und denen der mecha­nisch-biologischen Verfahren entzündet. Denn der Grenzwert des ParametersGlüh­verlust, welcher üblicherweise die Effekti­vität eines Verbrennungsprozesses charak­terisiert und die Restmenge an organi­schem Material an gibt, kann bisher nur von thermischen Verfahren erreicht werden. Nach Meinung von Dr. Konrad Soyez, dem Leiter der FachgruppeÖkotechnologie" und gleichzeitig Koordinator eines Verbund­vorhabensMechanisch-biologische Vor­behandlung von zu deponierenden Abfäl­len , erweist sich dieser Parameter für die mechanisch-biologischen Abfälle als nicht geeignet. Durch ihn wird keine Unterschei­dung zwischen den unter Deponiebe­

dingungen abbaubaren und nicht-abbau­baren Organikanteilen geleistet. Geeigne­ter sei deswegen ein Parameter, der die ei­gentliche biologische Aktivität des Rest­abfalls wiedergibt. Hierfür stellte er eine Reihe von Alternativen vor, wobei derzeit von den Wissenschaftlern besonders die Atmungsaktivität 11 diskutiert wird. Sie gibt die Menge an Sauerstoff an, die durch die Mikroorganismen beim Abbau des organi­schen Anteils im Müll verbraucht wird.

Das Verbundprojekt zur mechanisch­biologischen Vorbehandlung

Zur Klärung derartiger Unstimmigkeiten, wie sie sich etwa in der Diskussion um die am besten geeigneten Parameter zeigen, aber beispielsweise auch in der Frage, wie sich mechanisch-biologisch vorbehandel­ter Müll langfristig verhält, hat das Bundes­ministerium für Bildung und Forschung das oben erwähnte Verbundprojekt ins Leben gerufen, das seit 1995 arbeitet. Insgesamt sind 17 Vorhaben beteiligt, von denen der­zeit zwölf vom Bund mit zusammen 14 Mil­lionen Mark gefördert werden. Der Ver­bund gliedert sich in vier Aufgabenberei­che: Die Systembewertung, die Entwick­lung und Optimierung von Verfahren, die Untersuchung des Ablagerungsverhaltens sowie die Schadstoffbilanzierung. Bis 1998 wollen die beteiligten Wissenschaftler ihre Kenntnisse bezüglich des Verhaltens von mechanisch-biologisch vorbehandeltem Müll sowie ihr Know-how über möglichst effiziente Anlagen soweit entwickelt haben, daß die TA Siedlungsabfall bezüglich der angegebenen Parameter und deren Grenz­werte geändert werden und die mecha­nisch-biologische Vorbehandlung sich ne­ben der thermischen etablieren kann, ade

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PUTZ 3/96