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(1.1.2019) 03
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SEHEN BABYS FARBEN?

Amerikanischer Wissenschaftler forscht gemeinsam mit Potsdamer Psychologen

Farben sehen zu können, ist wichtig. Handelt es sich doch um die Fähigkeit, in einem bestimmten Bereich elektro­magnetische Wellen verschiedener Fre­quenz zu unterscheiden, die dann als Farben empfunden werden. Von Inter­esse für Fachleute ist dabei beispiels­weise, der Veränderung der Farbwahr- nehmung im Verlaufe des Lebens auf die Spur zu kommen.

Auch an der Universität Potsdam leisten Wissenschaftler aus dem Institut für Psy­chologie dazu ihren Beitrag. Unterstützung erhalten sie vom amerikanischen Psycho­logen Prof. Dr. John S. Werner, einem seit 15 Jahren auf diesem Gebiet forschenden und inzwischen anerkannten Fachmann. Der mit einem Humboldt-Forschungspreis Ausgezeichnete weilte seit Beginn des Jah­res für zwei Monate am Institut für Psycho­logie. Während seines Aufenthaltes half er mit, ein Labor aufzubauen, in dem Expe­rimente zur Farbwahrnehmung durchge­führt werden können. Übrigens zeigte sich der Gast beeindruckt von der Kompetenz und Interessiertheit der Studierenden.Es ist ungewöhnlich, daß die jungen Leute am Samstag und außerhalb der üblichen Lehr­veranstaltungen für Seminare zu motivie­ren sind. Und in Potsdam ließen sie sich motivieren.

Das allgemeine Ziel der Forschungen zum Farbensehen besteht in der Untersuchung jener im Nervensystem ablaufenden Vor­gänge, die es ermöglichen, Farben so zu sehen, wie wir sie wahrnehmen. Der an der Umversity of Colorado/USA lehrende und forschende John Werner hat die Gehirn- aktivität bei erst wenige Monate alten Babys gemessen.Ich stellte entgegen vorherigen Vermutungen fest, daß schon in diesem Al­ter im Prinzip alle drei Farbwahrnehmungs- rezeptoren von Blau über Grün bis Rot funk­tionsfähig sind. Bis in das hohe Alter, als Probanden wurden Menschen auch über 80 Jahre alt ausgesucht, verändert sich die Qualität der Farbwahrnehmung kaum. Das besagen die Ergebnisse der elektroenze- phalographischen Messungen unter Ein­wirkung von Farbtönen.

Die Altersforschung ist auch der Anknüp­fungspunkt für die Wissenschaftler um Prof. Dr. Reinhold Kliegl, Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Psychologie I. Sie befassen sich neben anderem mit psychologischen Altersprozessen und erhalten, durch die Kooperation mit dem amerikanischen Wissenschaftler, weitere wichtige Impulse für die eigene For­schungstätigkeit.Es stellt beispielswei­

se eine Herausforderung dar zu ergrün­den, welche Ursachen für die sich kaum verändernde Qualität der Farbwahrneh­mung im Verlaufe des Lebens verantwort­lich sind", erläutert Reinhold Kliegl.

Um die Forschungsergebnisse einer breite­ren Öffentlichkeit vorzustellen, übernahm er gemeinsam mit John Werner und Dr. Wer­ner Backhaus von der Freien Universität Berlin die wissenschaftliche Leitung eines Mitte Februar am Einstein Forum Potsdam unter Beteiligung nationaler und internatio­naler Wissenschaftler durchgeführten Sym­posiums. Die dreitägige VeranstaltungOn Color Vision/Über Farbwahrnehmung hat­te das Ziel, einen aktuellen Überblick über die Forschungen auf dem Gebiet des Farbensehens aus der Sicht von Naturwis­senschaft, Kunst und Philosophie zu geben. Deshalb arbeiteten im Vorfeld die Arbeits­gruppe Theoretische und Experimentelle Biologie der Freien Universität Berlin, das Interdisziplinäre Zentrum für kognitive Stu­dien und das an der Universität Potsdam beheimatete InnovationskollegFormale Modelle kognitiver Komplexität eng zu­sammen. B.E.

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Nimmt die Qualität der Farbwahrnehmung im Verlaufe des Lebens ab? Fällt es älteren Men­schen schwerer als jüngeren, beispielsweise Rot, Gelb, Grün an einer Verkehrsampel von­einanderzu unterscheiden? Mit diesen Fragen setzen sich auch Potsdamer Psychologen aus­einander. Foto: zg.

MIT FULBRIGHT- STIPENDIUM IN DIE USA

Im April eines jeden Jahres beginnt der Be­werbungszeitraum für Flilbright-Stipendien, die im Herbst des darauffolgenden Jahres wirksam werden. Die Stipendien dienen dem deutsch-amenkanischen Kulturaus­tausch und werden für die persönliche Wei­terbildung und die Begegnung mit dem Gast­land bereitgestellt 11 . Sie werden im offenen Wettbewerb an besonders qualifizierte Be­werber vergeben, die sich durchacademic excellence und durch die Bereitschaft aus- weisen, als inoffizielle Botschafter am transat­lantischen Austausch mitzuwirken... (aus der Ausschreibung des vergangenen Jahres.) Um allen Interessenten und Bewerbern aus der Universität Potsdam ein paar Hinweise an die Hand zu geben, was zu einerrun­den Bewerbung gehört, worauf die Ful- bright-Kommission bei den Bewerbungsun­terlagen und beim Interview Wert legt, bie­tet das Auslandsamt eine Informationsver­anstaltung an, an der auch ehemalige deut­sche Fulbrightees teilnehmen werden. Au­ßerdem stehen amerikanische Studenten, die gegenwärtig ein Fulbright-Stipendium an der Potsdamer Universität erhalten, als Gesprächspartner zur Verfügung. Interessenten treffen sich bitte am Dienstag, dem 23. April 1996, Am Neuen Palais im Haus 12, Raum 134, um 17.00 Uhr. Weitere Auskünfte erteilt Antje Bürger vom Akade­mischen Auslandsamt unter Tfelefon 0331/ 977-1702. Einzelheiten zu den Bewerbungs­voraussetzungen für Studierende und Gra­duierte sind außerdem Plakaten in den In­stituten zu entnehmen. A. B.

Vermittlung von Jobs, Praktika und Diplomarbeiten

Bei wachsenden Arbeitslosenzahlen und un­gewisser wirtschaftlicher Zukunft neigen Unternehmen und Verwaltungen verstärkt dazu, Job-Shanng und flexible Tteilzeitan- stellungen anzubieten. Dies führt dazu, daß häufiger studentische Tfeilzeitkräfte und Jungabsolventen zur Lösung von qualifizier­ten Aufgaben in den Unternehmen hinzuge­zogen werden. Um interessierte Studierende bei der Vermittlung solcher Angebote zu un­terstützen, haben kürzlich die studentische Personalvermittlung criteria, die Koopera- tions- und Beratungsstelle für Umweltfragen kubus der TU Berlin sowie die Informations­und Tfechnologie-Tfansferstelle PITT der Uni­versität Potsdam einen Kooperationsverbund gegründet. Sie bieten Personalvermittlung, Kontaktherstellung und Praktikumsstellen an oder helfen bei der Suche von Diplomarbeits­themen. Für weitere Informationen steht an der Universität Potsdam Dr. Andreas Bohlen unter der Tbl,-Nr. 0331/977-1119 oder der Fax-Nr. 0331/977-1143 zur Verfügung. TU

PUTZ 3/96

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