SEHEN BABYS FARBEN?
Amerikanischer Wissenschaftler forscht gemeinsam mit Potsdamer Psychologen
Farben sehen zu können, ist wichtig. Handelt es sich doch um die Fähigkeit, in einem bestimmten Bereich elektromagnetische Wellen verschiedener Frequenz zu unterscheiden, die dann als Farben empfunden werden. Von Interesse für Fachleute ist dabei beispielsweise, der Veränderung der Farbwahr- nehmung im Verlaufe des Lebens auf die Spur zu kommen.
Auch an der Universität Potsdam leisten Wissenschaftler aus dem Institut für Psychologie dazu ihren Beitrag. Unterstützung erhalten sie vom amerikanischen Psychologen Prof. Dr. John S. Werner, einem seit 15 Jahren auf diesem Gebiet forschenden und inzwischen anerkannten Fachmann. Der mit einem Humboldt-Forschungspreis Ausgezeichnete weilte seit Beginn des Jahres für zwei Monate am Institut für Psychologie. Während seines Aufenthaltes half er mit, ein Labor aufzubauen, in dem Experimente zur Farbwahrnehmung durchgeführt werden können. Übrigens zeigte sich der Gast beeindruckt von der Kompetenz und Interessiertheit der Studierenden. „Es ist ungewöhnlich, daß die jungen Leute am Samstag und außerhalb der üblichen Lehrveranstaltungen für Seminare zu motivieren sind. Und in Potsdam ließen sie sich motivieren.“
Das allgemeine Ziel der Forschungen zum Farbensehen besteht in der Untersuchung jener im Nervensystem ablaufenden Vorgänge, die es ermöglichen, Farben so zu sehen, wie wir sie wahrnehmen. Der an der Umversity of Colorado/USA lehrende und forschende John Werner hat die Gehirn- aktivität bei erst wenige Monate alten Babys gemessen. „Ich stellte entgegen vorherigen Vermutungen fest, daß schon in diesem Alter im Prinzip alle drei Farbwahrnehmungs- rezeptoren von Blau über Grün bis Rot funktionsfähig sind“. Bis in das hohe Alter, als Probanden wurden Menschen auch über 80 Jahre alt ausgesucht, verändert sich die Qualität der Farbwahrnehmung kaum. Das besagen die Ergebnisse der elektroenze- phalographischen Messungen unter Einwirkung von Farbtönen.
Die Altersforschung ist auch der Anknüpfungspunkt für die Wissenschaftler um Prof. Dr. Reinhold Kliegl, Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Psychologie I. Sie befassen sich neben anderem mit psychologischen Altersprozessen und erhalten, durch die Kooperation mit dem amerikanischen Wissenschaftler, weitere wichtige Impulse für die eigene Forschungstätigkeit. „Es stellt beispielswei
se eine Herausforderung dar zu ergründen, welche Ursachen für die sich kaum verändernde Qualität der Farbwahrnehmung im Verlaufe des Lebens verantwortlich sind", erläutert Reinhold Kliegl.
Um die Forschungsergebnisse einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen, übernahm er gemeinsam mit John Werner und Dr. Werner Backhaus von der Freien Universität Berlin die wissenschaftliche Leitung eines Mitte Februar am Einstein Forum Potsdam unter Beteiligung nationaler und internationaler Wissenschaftler durchgeführten Symposiums. Die dreitägige Veranstaltung „On Color Vision/Über Farbwahrnehmung“ hatte das Ziel, einen aktuellen Überblick über die Forschungen auf dem Gebiet des Farbensehens aus der Sicht von Naturwissenschaft, Kunst und Philosophie zu geben. Deshalb arbeiteten im Vorfeld die Arbeitsgruppe Theoretische und Experimentelle Biologie der Freien Universität Berlin, das Interdisziplinäre Zentrum für kognitive Studien und das an der Universität Potsdam beheimatete Innovationskolleg „Formale Modelle kognitiver Komplexität“ eng zusammen. B.E.
DsefeönnCTi
! Steptnwt
Nimmt die Qualität der Farbwahrnehmung im Verlaufe des Lebens ab? Fällt es älteren Menschen schwerer als jüngeren, beispielsweise Rot, Gelb, Grün an einer Verkehrsampel voneinanderzu unterscheiden? Mit diesen Fragen setzen sich auch Potsdamer Psychologen auseinander. Foto: zg.
MIT FULBRIGHT- STIPENDIUM IN DIE USA
Im April eines jeden Jahres beginnt der Bewerbungszeitraum für Flilbright-Stipendien, die im Herbst des darauffolgenden Jahres wirksam werden. Die Stipendien dienen „dem deutsch-amenkanischen Kulturaustausch und werden für die persönliche Weiterbildung und die Begegnung mit dem Gastland bereitgestellt 11 . Sie werden im offenen Wettbewerb an besonders qualifizierte Bewerber vergeben, die sich durch „academic excellence“ und durch die Bereitschaft aus- weisen, als inoffizielle Botschafter am transatlantischen Austausch mitzuwirken... (aus der Ausschreibung des vergangenen Jahres.) Um allen Interessenten und Bewerbern aus der Universität Potsdam ein paar Hinweise an die Hand zu geben, was zu einer „runden“ Bewerbung gehört, worauf die Ful- bright-Kommission bei den Bewerbungsunterlagen und beim Interview Wert legt, bietet das Auslandsamt eine Informationsveranstaltung an, an der auch ehemalige deutsche Fulbrightees teilnehmen werden. Außerdem stehen amerikanische Studenten, die gegenwärtig ein Fulbright-Stipendium an der Potsdamer Universität erhalten, als Gesprächspartner zur Verfügung. Interessenten treffen sich bitte am Dienstag, dem 23. April 1996, Am Neuen Palais im Haus 12, Raum 134, um 17.00 Uhr. Weitere Auskünfte erteilt Antje Bürger vom Akademischen Auslandsamt unter Tfelefon 0331/ 977-1702. Einzelheiten zu den Bewerbungsvoraussetzungen für Studierende und Graduierte sind außerdem Plakaten in den Instituten zu entnehmen. A. B.
Vermittlung von Jobs, Praktika und Diplomarbeiten
Bei wachsenden Arbeitslosenzahlen und ungewisser wirtschaftlicher Zukunft neigen Unternehmen und Verwaltungen verstärkt dazu, Job-Shanng und flexible Tteilzeitan- stellungen anzubieten. Dies führt dazu, daß häufiger studentische Tfeilzeitkräfte und Jungabsolventen zur Lösung von qualifizierten Aufgaben in den Unternehmen hinzugezogen werden. Um interessierte Studierende bei der Vermittlung solcher Angebote zu unterstützen, haben kürzlich die studentische Personalvermittlung criteria, die Koopera- tions- und Beratungsstelle für Umweltfragen kubus der TU Berlin sowie die Informationsund Tfechnologie-Tfansferstelle PITT der Universität Potsdam einen Kooperationsverbund gegründet. Sie bieten Personalvermittlung, Kontaktherstellung und Praktikumsstellen an oder helfen bei der Suche von Diplomarbeitsthemen. Für weitere Informationen steht an der Universität Potsdam Dr. Andreas Bohlen unter der Tbl,-Nr. 0331/977-1119 oder der Fax-Nr. 0331/977-1143 zur Verfügung. TU
PUTZ 3/96
Seite 27