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(1.1.2019) 03
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GROSSER ANDRANG BEI JOBVERMITTLUNG

Karin Bänsch über Vergangenes und Gegenwärtiges in der Entwicklung des Potsdamer Studentenwerkes

Mit der Verordnung zur Errichtung von Studentenwerken in den Neuen Bundesländern vom 18. September 1990 begann auf dem Ge­biet der ehemaligen DDR ein neues Kapitel in der Hochschulgeschichtsschreibung. Der Grund: die damals den akademischen Bil­dungsstätten inhärenten sozialen Einrichtungen sollten nun in die Eigenständigkeit überführt werden. Damit erfolgte von jenem Zeit­punkt an eine strikte Trennung von Lehre/Forschung einerseits und begleitender Dienstleistung andererseits. Das Studentenwerk Potsdam selbst erfuhr seine Gründung am 1. Januar 1991. Fortan existierte es wirtschaftlich selbständig und übernahm sogleich eine Vorreiterrolle, denn im Osten Deutschlands gab es bis dato noch keine vergleichbare Institution. Die Kembereiche kristallisierten sich schnell heraus. Es waren dies das studentische Wohnen, die Verpflegung und das BAföG. Dem folgte aufgrund des vorhandenen Bedarfs bald die Installierung einzelner Dienste. Dazu gehören heute die Jobvermittlung, Sozialberatung, aber auch die gerade ins Leben gerufene psychotherapeutische Beratungsstelle. Insgesamt betreuen die Mitarbeiter jener Anstalt des öffentlichen Rechts ge­genwärtig 11.000 Studierende an fünf Hochschulen in der Landeshauptstadt, Wildau und Brandenburg. Über die Bilanz der vergan­genen Jahre sprach kürzlich PUTZ-Redakteurin Petra Görlich mit der Geschäftsführerin des Potsdamer Studentenwerkes, Karin Bänsch.

PUTZ: Für ostdeutsche Studenten stellte Ihre Einrichtung zunächst etwas völlig Neues dar. Fanden sie dennoch den Weg zu Ihnen? Bänsch: Am Anfang gab es starke Vorbe­halte. Viele verstanden uns als erneute Obrigkeit, die das studentische Leben mit praxisfernen Anweisungen und Festlegun­gen in der Perspektive eher behindern denn fördern würde. Erst jetzt setzt sich langsam ein verändertes Verständnis durch. Die jungen Leute merken, daß in bestimmten Fragen das Studentenwerk die einzige Alternative ist. Diese Umorientie­rung vollzieht sich übrigens möglicherwei­se auch infolge der Vermischung Studieren­der aus allen "feilen der Bundesrepublik. PUTZ: Das Potsdamer Studentenwerk ist das größte im Land Brandenburg. Was be­deutet diese Tätsache für Sie?

Bänsch: Das bringt zum einen mit sich, daß die unmittelbare Studentennähe teilweise ver­lorengeht. Zum anderen birgt die Stadt selbst spezifische Probleme. Hier existieren große Wohnraumversorgungsengpässe. Das tan­giert natürlich auch uns. Liegenschaftsrecht­liche Belange bilden ernsthafte Hindernisse beim Bau neuer Wohnheime. In Cottbus und Ffankfurt/O herrschen diesbezüglich glückli­chere Umstände. Eine 30prozentige studen­tische Wohnraumversorgung auf Dauer zu si­chern, wird damit in Zukunft nicht einfach. PUTZ: Welchen Stand gibt es derzeit bei der Ihnen obliegenden Wohnraumvergabe? Bänsch: Das Studentenwerk Potsdam bietet gegenwärtig insgesamt 2925 Bettplätze an. Daraus ergibt sich ein Rückgang von Wohn- raumkapazität. Zum Vergleich: in der Vergan­genheit standen immerhin 4000 Betten zur Verfügung. Der Grund dafür sind Sanierungs­maßnahmen an den einzelnen Häusern, die mit Grundrißveränderungen einhergingen. Aber auch in nicht rekonstruierten Heimen entstanden oftmals aus Zweibett- nun Einbett­zimmer. Diese Tfendenz entspricht letztlich den Wünschen der Studierenden. Eine Bele­gung von Mehrbettzimmern wird in der Regel von den Bewerbern abgelehnt. Jene Entwick­lung hat somit das Vorhandensein freier Plät­ze zur Folge. Für Einbettzimmer jedoch exi­stieren lange Wartelisten.

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Kann Bänsch leitet das Studentenwerk Potsdam.

Foto: Wewetzer

PUTZ: Worauf sind Sie im Rückblick auf die vergangenen fünf Jahre besonders stolz? Bänsch: Zunächst ist es uns ja gelungen, überhaupt ein Studentenwerk mit der vor­handenen Struktur zu schaffen. Deren Effek­tivität bewährte sich schließlich. Die gesam­te Entwicklung war allerdings nicht immer leicht. In der Gründungsphase begannen wir zum Beispiel damit, einen Tfeil des an den Hochschulen in den Bereichen der Verwal­tung und der technischen Sicherstellung ar­beitenden Personals bei uns zu integrieren. Von immerhin 350 Bediensteten erhielten dann lediglich 250 eine Anstellung. Sie an der richtigen Stelle einzusetzen, brachte weitere Probleme mit sich. Hinzu kamen oft­mals veränderte Tätigkeitsinhalte. Das be­traf die Zubereitung des Essens genauso wie die Mietberechnungen oder die Bearbei­tung des BAföG. Annähernd 18 Monate dau­erte es schon, bis alle in die gleiche Richtung gingen. Dabei stand immer im Vordergrund, uns nicht primär um uns selbst zu kümmern, sondern für die Studenten da zu sein. Besonders stolz sind wir natürlich auf die neu geschaffenen 545 Wohnheimplätze in Stein­stücken. Der dortige Neubau war der erste in den neuen Bundesländern. Dafür gilt dem Land herzlichen Dank. Es übernahm be­kanntlich die Vollfinanzierung des Projekts. PUTZ: Der gesamte Entwicklungsprozeß hatte doch auch sicher Schattenseiten?

Bänsch: Ja, leider. Schwierige Entscheidun­gen blieben nicht aus. Dazu gehörten Ent­lassungen, die aufgrund der zu sichernden Wirtschaftlichkeit des Unternehmens er­folgten. Nahezu 50 Prozent des Personals, es handelte sich um annähernd 100 Be­schäftigte, verloren ihre Arbeit.

PUTZ: Wie schätzen Sie die Annahme der neben den genannten Hauptsäulen beste­henden zusätzlichen Dienste durch die Stu­denten ein?

Bänsch: Die Jobvermittlung erfreut sich ei­ner großen Nachfrage. Der Andrang ist enorm. Viele Studierende möchten wenig­stens einen Tfeil des von ihnen benötigten Geldes selbst verdienen. Die Eltern aller­dings sind per Gesetz verpflichtet, die erste Ausbildung ihrer Kinder zu finanzieren. Um dies durchzusetzen, kommt es sogar im Extremfall zu Klagen. Die Sozialberatung besteht in der Regel im Aufzeigen von We­gen, die zum Beispiel zu einer finanziell bes­seren Situation des Betreffenden führen. Ver­teilen können wir selbstverständlich nichts. Obwohl es auch Härtefalldarlehen gibt. Rat suchen hier jedoch vergleichsweise weniger angehende Akademiker. Vor allem für Behin­derte, chronisch Kranke oder auch Mütter mit Kind erweisen sich die informativen Ge­spräche dennoch als durchaus sinnvoll. Re­gen Zuspruch erfährt auch die psychothera­peutische Beratungsstelle. Hier allerdings stehen wir noch ganz am Anfang.

PUTZ: Vielen Dank für das Gespräch.

Treffpunkt Beruf"

Am 14. Mai 1996 findet die 7. Veranstaltung der ReiheTreffpunkt Beruf an der Univer­sität Potsdam statt. Das Thema lautet: Trainee-Programme: Ein Weg auch für Nichtökonomen in die Wirtschaft". Diese Veranstaltungsreihe wird gemeinsam von der Berufsberatung für Abiturienten und Hochschüler des Arbeitsamtes und der Zentralen Studienberatung der Universität organisiert. Interessierte Studierende kön­nen sich ohne Anmeldung im Raum 152, Haus 08 der Potsdamer Um Am Neuen Pa­lais um 18.00 Uhr einfinden. zg.

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