GROSSER ANDRANG BEI JOBVERMITTLUNG
Karin Bänsch über Vergangenes und Gegenwärtiges in der Entwicklung des Potsdamer Studentenwerkes
Mit der Verordnung zur Errichtung von Studentenwerken in den Neuen Bundesländern vom 18. September 1990 begann auf dem Gebiet der ehemaligen DDR ein neues Kapitel in der Hochschulgeschichtsschreibung. Der Grund: die damals den akademischen Bildungsstätten inhärenten sozialen Einrichtungen sollten nun in die Eigenständigkeit überführt werden. Damit erfolgte von jenem Zeitpunkt an eine strikte Trennung von Lehre/Forschung einerseits und begleitender Dienstleistung andererseits. Das Studentenwerk Potsdam selbst erfuhr seine Gründung am 1. Januar 1991. Fortan existierte es wirtschaftlich selbständig und übernahm sogleich eine Vorreiterrolle, denn im Osten Deutschlands gab es bis dato noch keine vergleichbare Institution. Die Kembereiche kristallisierten sich schnell heraus. Es waren dies das studentische Wohnen, die Verpflegung und das BAföG. Dem folgte aufgrund des vorhandenen Bedarfs bald die Installierung einzelner Dienste. Dazu gehören heute die Jobvermittlung, Sozialberatung, aber auch die gerade ins Leben gerufene psychotherapeutische Beratungsstelle. Insgesamt betreuen die Mitarbeiter jener Anstalt des öffentlichen Rechts gegenwärtig 11.000 Studierende an fünf Hochschulen in der Landeshauptstadt, Wildau und Brandenburg. Über die Bilanz der vergangenen Jahre sprach kürzlich PUTZ-Redakteurin Petra Görlich mit der Geschäftsführerin des Potsdamer Studentenwerkes, Karin Bänsch.
PUTZ: Für ostdeutsche Studenten stellte Ihre Einrichtung zunächst etwas völlig Neues dar. Fanden sie dennoch den Weg zu Ihnen? Bänsch: Am Anfang gab es starke Vorbehalte. Viele verstanden uns als erneute Obrigkeit, die das studentische Leben mit praxisfernen Anweisungen und Festlegungen in der Perspektive eher behindern denn fördern würde. Erst jetzt setzt sich langsam ein verändertes Verständnis durch. Die jungen Leute merken, daß in bestimmten Fragen das Studentenwerk die einzige Alternative ist. Diese Umorientierung vollzieht sich übrigens möglicherweise auch infolge der Vermischung Studierender aus allen "feilen der Bundesrepublik. PUTZ: Das Potsdamer Studentenwerk ist das größte im Land Brandenburg. Was bedeutet diese Tätsache für Sie?
Bänsch: Das bringt zum einen mit sich, daß die unmittelbare Studentennähe teilweise verlorengeht. Zum anderen birgt die Stadt selbst spezifische Probleme. Hier existieren große Wohnraumversorgungsengpässe. Das tangiert natürlich auch uns. Liegenschaftsrechtliche Belange bilden ernsthafte Hindernisse beim Bau neuer Wohnheime. In Cottbus und Ffankfurt/O herrschen diesbezüglich glücklichere Umstände. Eine 30prozentige studentische Wohnraumversorgung auf Dauer zu sichern, wird damit in Zukunft nicht einfach. PUTZ: Welchen Stand gibt es derzeit bei der Ihnen obliegenden Wohnraumvergabe? Bänsch: Das Studentenwerk Potsdam bietet gegenwärtig insgesamt 2925 Bettplätze an. Daraus ergibt sich ein Rückgang von Wohn- raumkapazität. Zum Vergleich: in der Vergangenheit standen immerhin 4000 Betten zur Verfügung. Der Grund dafür sind Sanierungsmaßnahmen an den einzelnen Häusern, die mit Grundrißveränderungen einhergingen. Aber auch in nicht rekonstruierten Heimen entstanden oftmals aus Zweibett- nun Einbettzimmer. Diese Tfendenz entspricht letztlich den Wünschen der Studierenden. Eine Belegung von Mehrbettzimmern wird in der Regel von den Bewerbern abgelehnt. Jene Entwicklung hat somit das Vorhandensein freier Plätze zur Folge. Für Einbettzimmer jedoch existieren lange Wartelisten.
<r -ai
Kann Bänsch leitet das Studentenwerk Potsdam.
Foto: Wewetzer
PUTZ: Worauf sind Sie im Rückblick auf die vergangenen fünf Jahre besonders stolz? Bänsch: Zunächst ist es uns ja gelungen, überhaupt ein Studentenwerk mit der vorhandenen Struktur zu schaffen. Deren Effektivität bewährte sich schließlich. Die gesamte Entwicklung war allerdings nicht immer leicht. In der Gründungsphase begannen wir zum Beispiel damit, einen Tfeil des an den Hochschulen in den Bereichen der Verwaltung und der technischen Sicherstellung arbeitenden Personals bei uns zu integrieren. Von immerhin 350 Bediensteten erhielten dann lediglich 250 eine Anstellung. Sie an der richtigen Stelle einzusetzen, brachte weitere Probleme mit sich. Hinzu kamen oftmals veränderte Tätigkeitsinhalte. Das betraf die Zubereitung des Essens genauso wie die Mietberechnungen oder die Bearbeitung des BAföG. Annähernd 18 Monate dauerte es schon, bis alle in die gleiche Richtung gingen. Dabei stand immer im Vordergrund, uns nicht primär um uns selbst zu kümmern, sondern für die Studenten da zu sein. Besonders stolz sind wir natürlich auf die neu geschaffenen 545 Wohnheimplätze in Steinstücken. Der dortige Neubau war der erste in den neuen Bundesländern. Dafür gilt dem Land herzlichen Dank. Es übernahm bekanntlich die Vollfinanzierung des Projekts. PUTZ: Der gesamte Entwicklungsprozeß hatte doch auch sicher Schattenseiten?
Bänsch: Ja, leider. Schwierige Entscheidungen blieben nicht aus. Dazu gehörten Entlassungen, die aufgrund der zu sichernden Wirtschaftlichkeit des Unternehmens erfolgten. Nahezu 50 Prozent des Personals, es handelte sich um annähernd 100 Beschäftigte, verloren ihre Arbeit.
PUTZ: Wie schätzen Sie die Annahme der neben den genannten Hauptsäulen bestehenden zusätzlichen Dienste durch die Studenten ein?
Bänsch: Die Jobvermittlung erfreut sich einer großen Nachfrage. Der Andrang ist enorm. Viele Studierende möchten wenigstens einen Tfeil des von ihnen benötigten Geldes selbst verdienen. Die Eltern allerdings sind per Gesetz verpflichtet, die erste Ausbildung ihrer Kinder zu finanzieren. Um dies durchzusetzen, kommt es sogar im Extremfall zu Klagen. Die Sozialberatung besteht in der Regel im Aufzeigen von Wegen, die zum Beispiel zu einer finanziell besseren Situation des Betreffenden führen. Verteilen können wir selbstverständlich nichts. Obwohl es auch Härtefalldarlehen gibt. Rat suchen hier jedoch vergleichsweise weniger angehende Akademiker. Vor allem für Behinderte, chronisch Kranke oder auch Mütter mit Kind erweisen sich die informativen Gespräche dennoch als durchaus sinnvoll. Regen Zuspruch erfährt auch die psychotherapeutische Beratungsstelle. Hier allerdings stehen wir noch ganz am Anfang.
PUTZ: Vielen Dank für das Gespräch.
„Treffpunkt Beruf"
Am 14. Mai 1996 findet die 7. Veranstaltung der Reihe „Treffpunkt Beruf“ an der Universität Potsdam statt. Das Thema lautet: „Trainee-Programme: Ein Weg auch für Nichtökonomen in die Wirtschaft". Diese Veranstaltungsreihe wird gemeinsam von der Berufsberatung für Abiturienten und Hochschüler des Arbeitsamtes und der Zentralen Studienberatung der Universität organisiert. Interessierte Studierende können sich ohne Anmeldung im Raum 152, Haus 08 der Potsdamer Um Am Neuen Palais um 18.00 Uhr einfinden. zg.
Seite 29
PUTZ 3/96