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(1.1.2019) 03
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chen Lehrstuhls m der Verlegung des MGFA nach Potsdam gesehen wird, so stellt dies die Objektivität der Forschung grundsätzlich in Frage. Das Archiv des MGFA, dessen Sitz nach wie vor Konstanz ist, beschäftigt dar­über hinaus einige Wissenschaftler in leiten­den Funktionen, deren Bereitschaft zur Geschichtsfälschung und Verharmlosung der Nazidiktatur erst in jüngster Zeit wieder offen ans Licht der Öffentlichkeit getreten ist. Fazit: Von einerNormalität der Vorgehens­weise zur Einrichtung dieses Lehrstuhls kann vor dem Flintergrund der oben ange­führten Umstände wohl keinesfalls die Rede sein. Vielmehr hätte es einer breiten und offenen Auseinandersetzung mit dieser Problematik bedurft, gerade weil es um das Profil unserer Universität geht. Potsdam ist ein zu sensibles Pflaster, um sich mal eben von einer deutschen Armee einen Lehrstuhl schenken zu lassen. Martin Weiß

Vorstand Studierendenrat

Thematisieren unhaltbarer, längst ausgeräumter Vorwürfe"

Mit seinen Anmerkungen verstößt Martin Weiß nicht nur gegen die vom Presserefe­rat, dem Stura und mir getroffene Vereinba­rung, die Vorgänge um die Einrichtung ei­ner Professur für Militärgeschichte in einem gemeinsamen Gespräch zu klären, das wie verabredet stattgefunden hat und in Heft 2/ 96 der PUTZ dokumentiert ist, sondern er stellt auch die vom Stura in dem Interview vertretene Position wieder in Frage. Außer­dem wiederholt er völlig unhaltbare Vorwür­fe, die in dem Gespräch längst ausgeräumt waren. Ich möchte deshalb noch einmal ausdrücklich folgende Punkte festhalten:

1. Niemand istüber den Tisch gezockt" worden. Die Angelegenheit wurde seit 1991 in allen Gremien der Universität immer wie­der beraten: im Gründungssenat, im Rekto­rat und auch im jetzigen Akademischen Senat. Die notwendige Strukturänderung wurde vom Institutsrat des Historischen In­stituts beschlossen und von der Philosophi­schen Fakultät I ausdrücklich gebilligt.

2. Eine Lehrstuhlvertretung kann es erst geben, wenn der Ruf ausgesprochen ist. Da die Kommissionsberatungen - wie inzwi­schen feststeht - erst im Apnl 1996 begin­nen werden, ist es in der Tät faktisch ausge­schlossen, daß es bereits zum Sommerse­mester 1996 eine Vertretung gibt. An dem Berufungsverfahren sind studentische Ver­treter, mit denen ich bereits ausführliche Gespräche geführt habe, selbstverständ­lich von Anfang an beteiligt.

3. Die Kritik am Ablauf der Veranstaltung zur Einrichtung der Professur kann ich teilweise nachvollziehen. Ich hätte mir ebenfalls eine weit stärkere Beteiligung von Studierenden gewünscht. Allerdings muß auch festgestellt werden, daß die Vorbereitung und die Durchführung des Festaktes in allen Einzel­

heiten von der Universität und dem Bundes­ministerium der Verteidigung gemeinsam erfolgt ist. Sicherheitsvorkehrungen sind bei hochrangigen Regierungsvertretern allge­mein üblich und unterliegen der Verantwor­tung der zuständigen Sicherheitsorgane. Die Universität hätte diese Verantwortung doch wohl kaum übernehmen können!

4. Völlig abwegig ist dagegen der Vorwurf, durch die Kooperation zwischen dem Mili­tärgeschichtlichen Forschungsamt und dem Lehrstuhl für Militärgeschichte in Potsdam werde dieObjektivität der Forschung grund­sätzlich in Frage gestellt. Die Arbeit am Lehrstuhl für Militärgeschichte in Potsdam wird sich in völliger akademischer Freiheit vollziehen. Die Verbindung zum MGFA be­steht nur in der Form von Kooperationsbe­ziehungen, wie sie für Einrichtungen dieser Art allgemein üblich sind und ohne die - wie auch Martin Weiß wissen sollte - ein wissen­schaftlicher Disput nicht geführt werden kann. Im übngen genießt das MGFA im In- und Ausland einen exzellenten Ruf, der durch

die große Anzahl sowie die thematische und methodische Breite seiner Veröffentlichun­gen bestätigt wird. Die Bibliothek des MGFA steht auch jedem Studierenden offen.

S. Geradezu skandalös finde ich die Behaup­tung, das Archiv des MGFA beschäftigeei­nige Wissenschaftler in leitenden Funktio­nen, deren Bereitschaft zur Geschichtsfäl­schung und Verharmlosung der Nazidiktatur erst in jüngster Zeit wieder offen ans Licht der Öffentlichkeit getreten ist". Abgesehen davon, daß das Bundesarchiv-Militärarchiv -wie jedes andere zentrale deutsche Archiv - nicht dem MGFA, sondern dem Bundesin­nenministerium untersteht und sich auch nicht in Konstanz, wie Martin Weiß meint, sondern in Freiburg i, Br. befindet, würden sich die dort tätigen Archivare sicherlich gegen die von Martin Weiß vorgetragene verantwortungslose und haltlose Unterstel­lung zu wehren wissen, wenn sie öffentlich erhoben würde. Manfred Görtemaker Historisches Institut

DER HAUSHALT 1996

Kanzler Alfred Klein macht Gezeitenwende in der Hochschulfinanzierung aus

Überdimensionales Engagement und echter Aufbauwille sind bei vielen Mitarbeitern der Universität Potsdam nach wie vor vorhanden. Doch müssen immer mehr Energien in den mühevollen Kampf um ständig knapper werdende Mittel gesteckt werden. Steht ein Sinkflug beim Aufflug bevor? Der Kanzler der Universität Potsdam, Alfred Klein, nimmt in der PUTZ zum Haushalt 1996 und den Perspektiven Stellung. Hg.

Nach haushaltswirtschaftlichen Einschrän­kungen im Haushaltsjahr 95 durch pau­schale Minderausgaben und Stelleneinspa­rungen von elf wissenschaftlichen Mitar­beiterstellen und sieben sonstigen Mitar­beitern stellt der Haushalt 96 eine echte Gezeitenwende beim Aufbau der Universi­tät Potsdam dar. Erstmals wird der Haushalt der Universität Potsdam aus Sicht der Uni­versität in einem Umfang zurückgefahren, der nicht nur den weiteren Aufbau der Uni­versität zum Stillstand bringt, sondern die vorhandene Substanz gefährdet.

1996 stehen insgesamt nur noch 181 Mio. DM gegenüber 188 Mio. DM 1995 zur Ver­fügung. Auch wenn die Kürzung überwie­gend im Bereich der baulichen Investitio­nen und der Ersteinrichungen erfolgte und die Zuweisungen für sächliche Ausgaben nominell um 3.5 Mio DM gestiegen sind, sind dennoch die Folgen für den laufenden Betrieb der Universität gravierend. Der no­minelle Zuwachs im Sachmittelbereich ist ausschließlich bedingt durch erhöhte Miet- und Gebäudeunterhaltungskosten. In der Titelgruppe 94, dem für die Aufgabenwahr­nehmung in Lehre und Forschung entschei­denden Indikator, mußte die Potsdamer Universität Kürzungen in Höhe von 784.000 DM hinnehmen. Dies entspricht der Aus­stattung von rund 46 Professoren mit laufen­den Mitteln bei einem zugrunde gelegten

Kanzler Alfred Klein Foto: Dribukeit

Durchschnittsbetrag von 18.000 DM pro Professur. Zugleich muß die Universität für die personelle Realisierung des Personal­aufwuchses aus den vorangegangenen Haushaltsjahren 1996 ca. zehn Berufungen mit laufenden Mitteln zusätzlich ausstatten. Man muß kein Experte sein, um allem aus diesen Zahlen zu ersehen, daß dies ohne Qualitätsverlust nicht realisierbar ist. Ich habe deshalb dem Minister erklärt, daß die von ihm ausgesprochenen Rufe für das Haushaltsjahr 96 austattungsmäßig nur

PUTZ 3/96

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