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(1.1.2019) 03
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WIE DIE UNVERHOFFTE EINHEIT KAM

8000 Ostdeutsche überquerten am 11. Sep­tember 1989 die ungarische Grenze in Rich­tung Österreich, nachdem Außenminister Gyula Horn deren Öffnung bekanntgege­ben hatte. Ihnen war sicherlich bewußt, daß dies ein Wendepunkt in ihrem Leben sein würde. Nicht ahnen konnten sie hingegen, daß ihre Entscheidung Iteil jener umwälzen­den Entwicklung in Deutschland werden sollte, die letztendlich alsdie Wende" schlechthin in die Geschichte einging. Der Fall der innerdeutschen Grenze knapp zwei Monate später war zu diesem Zeitpunkt für jederman noch unvorstellbar.

Und heute? Wie weit läßt sich jetzt - bald sieben Jahre später - die Wiedervereini­gung nachvollziehen? Zwar sind punktuel­le Ereignisse noch gut im Gedächtnis. Daß aber trotz ausgeklügelter Grenzsicherung und trotz des zunächst weitverbreiteten Wunsches - vor allem auf ostdeutscher Sei­te -weiterhin zwei eigenständige Deutsche Staaten zu bilden, der verblüffend friedliche und rasante Verlauf der Vereinigung mög­lich war, versteht nur, wer einen Überblick besitzt.Die unverhoffte Einheit 1989-1990" von Konrad H. Jarausch ist das erste Buch, daß diesen Überblick vermittelt. Auf 319 Seiten läßt der Autor die Zeit vom 2. Mai 1989, als der Exodus aus der DDR über die österreichisch-ungarische Grenze begann, bis hin zu den ersten gesamtdeutschen Bundestagswahlen am 2. Dezember 1990 Revue passieren. Dabei ist er detailliert genug, um dem Leser Einblick in die Strö­mungen und ffendenzen der in den Ver- eimgungsprozeß involvierten Gruppen zu vermitteln, und oberflächlich genug, um den Überblick zu gewährleisten.

Der Verlauf des Buches ist nicht streng dem zeitlichen Ablauf untergeordet. Zwar sind die einzelnen Abschnitte chronologisch -geordnet, die Kapitel innerhalb eines Ab­schnittes widmen sich aber übergeordne­ten Aspekten, z. B. wie westdeutsche Poli­tiker auf das Zusammenbrechen der ost­deutschen Ordnung reagierten. Das ver­deutlicht zwar einerseits den Stellenwert von Einzelaspekten in der Gesamtentwick­lung. Andererseits kommt es dadurch zu zeitlichen Überschneidungen der Kapitel. Deswegen hätte man sich eine Zeittafel der wichtigsten Ereignisse im Anhang ge­wünscht. So würde ein Blick genügen, um beispielsweise festzustellen, daß Kohl sei­nen Zehnpunkteplan zur Deutschen Einheit dem Bundestag vor dem Rücktritt von Krenz vorstellte, obwohl er im Buch erst einige Seiten danach zur Sprache kommt. Ansonsten aber, sieht man von der nüchter­nen Darstellung ab, die die Dramatik der Ereignisse so überhaupt nicht wiedergibt und den Tfext manchmal etwas zäh erschei­

nen läßt, bildet Jarauschs Buch eine umfas­sende Grundlage für alle, die mit etwas Abstand die Wiedervereinigung besser verstehen wollen, auch um mit den in der Folge entstandenen Problemen umgehen zu können. ade

Konrad H. Jarausch: Die unverhoffte Ein­heit 1989-1990, Suhrkamp Verlag 1995,416 Seiten, 27,80 DM.

AUS DEM BLICKWINKEL VON STAATSSEKRETÄREN

Die im Sommersemester 1995 durch die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität Potsdam mit Staats­sekretären der brandenburgischen Landes­regierung veranstaltete Ringvorlesung Entwicklung und Perspektiven des Wirt­schaftsraumes Berlin-Brandenburg" liegt nunmehr auch als Publikation vor. Aufgrund des starken Interesses an der Thematik und im Hinblick auf die aktuelle Diskussion zur geplanten Länderfusion Berlin-Branden­burg hat sich der Veranstalter zu einer Ver­öffentlichung der Referate entschieden, in denen Staatssekretäre der Landesregie­rung Brandenburg aus dem Blickwinkel ihres Ressorts wirtschaftspolitische Fakten der Länderfusion ansprechen. pm.

Die Publikation kann gegen eine Schutz­gebühr von DM 2,- angefordert werden bei der Universität Potsdam, Wirtschafts­und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Pro­fessur für Regionale Wirtschaftspolitik, Prof. Dr. Klaus Gloede, PF 900 327, 14439 Potsdam, Tel. 0331/977 3424.

VOM SPORT IM ALTER

Der Sport in den neuen Bundesländern be­findet sich im Umbruch. Damit eröffnen sich neue Chancen der sozial- und sport­politischen Gestaltung, die genutzt oder ver­tan werden können. Das trifft offensichtlich auch für die Entwicklung im Alterssport zu. Aus dieser Erkenntnis heraus entstand je­denfalls das erste Buch einer jüngst ins Le­ben gerufenen Publikationsreihe zu Sport­entwicklungen in Deutschland. Sein Titel: Seniorensport in Ostdeutschland. Zwischen Powersport und Kaffeeklatsch". Die jetzt vorliegende 375seitige Lektüre gedieh im Rahmen eines entsprechenden Modell­projektes, das sich mit der aktiven körperli­chen Betätigung Älterer im Land Branden­burg beschäftigte. Durchgeführt wurde es vom Arbeitsbereich Sport und Gesellschaft der Universität Potsdam, Förderung erhielt das Vorhaben durch das in der märkischen Landeshauptstadt angesiedelte Ministerium für Bildung, Jugend und Sport.

Als Ausgangspunkt für die Autoren um Jür­gen Baur diente die sich verändernde Bevöl­

kerungsstruktur Deutschlands. Denn es ist schon fast eine Binsenweisheit: der Anteil alter Menschen wächst demographisch. Damit ergeben sich auch für Vereine, Sport­organisationen und -anbieter spezifische Anforderungen an für jene potentiellen Nut­zer geeignete Programme. Die Wissen­schaftler geben in ihrem Band nun zum Bei­spiel Einblick in Aspekte des Sport­engagements als Elemente einer vernünfti­gen Lebensführung bei betagteren Perso­nen, beleuchten einzelne damit verbundene Tfendenzen in ihrer Veränderlichkeit, untersu­chen ostdeutsche Vereine mit Blick auf de­ren sich in reiferen Lebensjahren befinden­de Mitglieder. Empirische Befunde bilden die Grundlage der jeweiligen Betrachtun­gen. Diese reichen im übrigen auch über die teilweise engen Grenzen der Vereine hinaus. Dem Leser bietet sich damit erstmalig ein Überblick über die Situation des Senioren­sports in den neuen Bundesländern.

Die Konzeption der Veröffentlichung ent­spricht dem inhaltlichen Anliegen der ge­samten Reihe. Schließlich vollzog sich mit der Wiedervereinigung die Zusammenfüh­rung zweier unterschiedlicher Sportsyste­me und -kulturen. Daraus resultierende ost­westdeutsche Disparitäten, Entwicklungs­brüche sowie Transformationsverläufe sol­len hier künftig Aufmerksamkeit erhalten. Im Sinne einer laufenden empirischen Sozialbenchterstattung wollen die Experten deskriptiven wie explikativen Darstellungen des Sports und seiner ihm innewohnenden Prozesse Raum geben. Zugleich liefern sie soMaterial" für diesbezügliche, aber auch sozial- wie bildungspolitische Folgerungen und Forderungen. DemErstlingswerk folgt im Herbst dieses Jahres eine Analyse des Jugendsports in Deutschland. PG.

Jürgen Baur u.a.: Seniorensport in Ost­deutschland. Zwischen Powersport und Kaffeeklatsch, Meyer & Meyer Verlag, Aachen 1996, 34,- DM.

»eniorensport

i Ostdeutschland

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