Heft 
(1.1.2019) 04
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ZU BRITISCHEN KULTUR- UND GESELLSCHAFTSSTUDIEN

Potsdamer Uni an internationalem Seminar in Ludwigsfelde beteiligt

The British Council

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Im Pädagogi­schen Landes- institut Bran- denburg (PLIB) Lud­wigsfelde fand vor kurzem das dritte Pots­damer Semi­nar zu British Cultural Studies statt. Diese Veranstaltung zur Weiterbildung von wissenschaftlichen Mitarbeitern und Lehrkräften im Fach Englisch an ostdeutschen Universitäten und Hochschulen wurde gemeinsam von der Universität Potsdam und dem British Council Berlin ausgerichtet. In diesem Jahr hatte die Universität Potsdam unter Federführung des Institutes für Anglistik und Amerikanistik zum ersten Mal die Verantwortung für die inhaltliche und or­ganisatorische Gestaltung des Projektes (Leitung: Prof. Dr. Peter Drexler und Dr. Wolfgang Petschan) übernommen. Wie bereits zuvor, wirkten auch diesmal mit Unterstützung von Prof. Susan Bassnett Wissenschaftler des Centres for British and Comparative Cultural Studies der University of Warwick, Coventry, in Ko­operation als Gastlektoren und Seminar­leiter an der inhaltlichen Umsetzung mit.

!!»! Zentrales Thema des diesjähri- j j ; J J J 9 en Seminars waren Fragestellun- !!!*!*! gen zur postkolonialen Kultur- und Gesellschaftsentwicklung im gegenwärti­gen Großbritannien. Die Diskussion kon­zentrierte sich dabei auf zwei Schwerpunk­te. Zum einen suchte sich der von Dr. Clive Barker, einem britischen Theaterwissen­schaftler und Regisseur, geleitete Work­shop aus einer sehr persönlichen Erfah­rungsperspektive der historischen Aufar­beitung des Zerfalls des britischen Empires nach dem Zweiten Weltkrieg zu nähern. Am Beispiel der letzten großen kolonialen Kon­flikte in Malaysia und Ägypten wurde der fundamentale TYansformationsprozeß auch in der britischen Gesellschaft verdeutlicht. Die Beschäftigung mit diesem Problem­komplex über die Medien Literatur, Thea­ter und Film in Großbritannien erwies sich dabei letztlich nicht nur schlechthin als eine Reproduktion von Erkenntnissen aus frühe­ren Aufarbeitungsansätzen, sondern ver­mochte anhand eigener Erfahrungen die Komplexität dieses Prozesses anzudeuten. Bei allem mahnte Clive Barker gesellschaft­liche Notwendigkeit und Dnnglichkeit einer längst überfälligen kritischen und authenti­schen Aufbereitung dieses recht wider­sprüchlichen Segments der jüngeren briti­

schen Geschichte an. Zum anderen be­schäftigte sich ein Diskussionspanel unter Leitung von Dr. Joanne Collie, einer Kenne­rin multikultureller Strukturen in Großbritan­nien, vor allem mit aktuellen Fragen der Kultur- und Gesellschaftsentwicklung in je­nem Land. Ausgehend von nachhaltigen Belegen aus der postkolonialen britischen Literatur wurde dem Problem der künstle­risch-literarischen Dokumentation der Evo­lution postkolonialer Identität im Vereinigten Königreich nachgegangen. In einer weite­ren, in diesem Jahr erstmals praktizierten Sektion bot die Veranstaltung den Tteilneh- mern Gelegenheit, durch Vorträge mit anschließender Diskussion eigene For­schungsergebnisse und Lehrerfragen in British Cultural Studies" vorzustellen. Darüber hinaus bot sich den Teilnehmern des Seminars die Gelegenheit, einen eige­

nen Beitrag als Einstieg in die mittlerweile an einigen ostdeutschen Universitäten sehr intensiv betriebene systematische Aufarbei­tung und Neubewertung von Lehre und For­schung in der Landeskunde Großbritanni­ens an Hochschulen und Universitäten der ehemaligen DDR zu leisten. Die Diskussion hierzu ergab einen ersten Aufschluß über tat­sächliche Strukturen und Projekte in Lehre und Forschung in diesem Bereich der Englischausbildung in der DDR und unter­strich die zeitliche Notwendigkeit einer inten­siven Beschäftigung mit dem Gegenstand und dessen angemessener Bewertung.

Für die Tbilnehmer erwies sich die Veran­staltung als äußerst anregend für die eige­ne Forschung und Lehre, zumal der verhält­nismäßig kleine Kreis eine intensive Be­sprechung der aufgeworfenen Fragen er­möglichte. Wolfgang Petschan

BESUCH AUS OSTPOLEN

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Auf Einladung des brandenburgischen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe weilten im März die Wojewoden der ostpolnischen Wojewodschaften Siedlice, Biala Podlaska und Bialystok mit Vertretern aus den Bereichen Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft in Potsdam. (Polen ist in insgesamt 49 Wojewodschaften gegliedert, denen jeweils ein Wojewode vor­steht. Diese Gliederung ist in Ansätzen den bundesdeutschen Ländern mit ihren Minister­präsidenten an der Spitze vergleichbar.) Auf Wunsch der polnischen Gäste stand auch die Universität Potsdam auf dem Besuchsprogramm. Um den Gästen darüber hinaus mögli­che Kontaktpartner für einen Austausch in Lehre und Forschung zu vermitteln, nahmen an dem Gespräch in der Potsdamer Uni ebenfalls Mitglieder der Fachhochschulen Branden­burg, Eberswalde und Wildau teil. Das Interesse an Kooperationen vor allem auf den Ge­bieten Umweltschutz, Botanik, der sportwissenschaftlichen Lehrerausbildung, der Son­derpädagogik, Chemie, Mathematik und Biologie war dabei seitens der polnischen Besu­cher sehr groß. Die Anbahnung einzelner Austauschbeziehungen soll nun zwischen inter­essierten einzelnen Wissenschaftlern betrieben werden. Die Universität Potsdam als Gan­zes stellte die Prorektorin Prof. Dr. Bärbel Kirsch vor, einen Überblick über die branden- burgische Hochschullandschaft und deren Verbindung von Wissenschafts- und For­schungspolitik mit regionaler Wirtschafts- und Entwicklungs-politik gab der Staatssekre­tär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Prof. Dr. Friedrich Buttler. Un­ser Bild zeigt einen Teil der Gäste bei einem kleinen Rundgang über den Campus der Uni Am Neuen Mais. Hg./Foto: Fritze

PUTZ 4/96

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