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(1.1.2019) 04
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SOZIAL- UND ARBEITSLOSEN­VERSICHERUNGSREFORM GEFORDERT

Prof. Dr. PaulJ.J. Welfens aus der Wirt­schafts- und Sozial- wissenschaftlichen Fakultät ist Grün­dungspräsident des EI1W

Foto: Fritze

Die Arbeitslosigkeit grassiert m der Euro­päischen Union (EU), wo die Arbeitslosen- quote 1996 insgesamt 11% und der Anteil der Dauerarbeitslosen rund ein Drittel be­trägt. Hingegen sind in den USA, aber auch in der Schweiz die entsprechenden Zahlen nicht einmal halb so hoch. Die Sozialversi­cherungssysteme der EU-Länder stehen vor massiven Finanzierungsproblemen, da sie in die Schere von infolge hoher Arbeits­losigkeit sinkender Einnahmen und stei­gender Ausgaben - bei ungünstiger demo­graphischer Entwicklung - geraten sind. Die hohen Beitragssätze tragen ihrerseits zu hohen Lohnnebenkosten bei, so daß eine Zementierung der Arbeitsmarkt- und Sozi­

alversicherungsprobleme droht. Dies bil­dete den Ausgangspunkt einer internationa­len Konferenz, zu der das Europäische In­stitut für internationale Wirtschaftsbezie­hungen (EIIW) e.V in Potsdam kürzlich Wirtschaftswissenschaftler in das histori­sche Truman-Haus geladen hat. Initiator und Vorsitzender dieses Institutes ist Prof. Dr. Paul J.J. Welfens aus der Wirtschafts­und Sozialwissenschaftlichen Fakultät.

Die Vertreter führender deutscher Wirt­schaftsforschungsinstitute, von Europäi­scher Kommission und der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Ent­wicklung (OECD) sowie der eingeladenen Universitäten stimmten in der Problemdiag­nose weitgehend überein. Angesichts der Öffnung Osteuropas und der verschärften internationalen Konkurrenz halten sie stärker produktivitätsorientierte Lohnabschlüsse, die Neugründung von Unternehmen und die Verbesserung der Standortbedingungen in Deutschland und anderen EU-Ländern von entscheidender Bedeutung für die Überwin­dung der Arbeitslosigkeit. Eine Reform der Sozialversicherung sei in Deutschland uner­läßlich: zeigen doch Modellsimulationen,

WENIG BOCK AUF NATURWISSENSCHAFTEN?

Immer mehr Schülerinnen und Schüler wählen nach der 11. Klasse die Fächer Chemie und Physik ab. Dies war für den Landesverband Brandenburg zur Förderung des mathematischen und natur­wissenschaftlichen Unterrichts (MNU) Anlaß, in einer Tägung an der Universität Potsdam darüber nachzudenken, wie die naturwissenschaftlichen Fächer interessanter und lebensnaher gestaltet werden können. Entsprechend abwechslungsreiche Vorträge zur Physik, Chemie und Biologie sowie eine umfangreiche Lehrbuchausstellung von zehn Verlagen belebten die Jahrestagung, in deren Verlauf Dr. Wieland Müller vom Institut für Experimentalphysik und Physikdidakük der Mathematisch- Naturwissenschaftlichen Fakultät zum Landesvorsitzenden der MNU-Brandenburg gewählt wurde. Unser Bild zeigt den Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät und Physikdidaktiker, Prof, Dr. Helmut Mikelskis, bei seinem mit Experimenten durchsetzten Vortrag auf der Tägung. Hier bläst er einen Spiegel zum Wölbspiegel auf und demonstriert dabei die Gesetzmäßigkeiten der Reflexion, indem er durch Aufblasen und Absaugen die Brennweite des variablen Hohl-Wölbspiegels stufenlos verändert. Hg./Foto: Tribukeit

daß andernfalls bis zum Jahr 2015 ein An­stieg der Beiträge zur Rentenversicherung um 10 Prozentpunkte zu erwarten ist. Die im­plizite Realverzinsung für nach dem Jahr 2015m Rente gehende Arbeitnehmer wird - so die Konferenzteilnehmer - bei angenom­menem Wirtschaftswachstum von 2% pro Jahr nur 1% erreichen - weit weniger als der reale Kapitalmarktzins von etwa 4%. Prof. Welfens wies auf die Notwendigkeit einer Reform der Arbeitslosenversicherung hin, die stärkere Anreize zur Vermeidung des Arbeitslosigkeitsrisikos durch regional diffe­renzierte Beitragssätze und gegebenenfalls eine Beitragsrückerstattung für Vollbeschäfti­gungsregionen setzen müßte. R.H.

KOOPERATION VON SCHULSPORT UND SPORTVEREIN

Möchte den kon­kreten Modell­maßnahmen für eine engere Zu­sammenarbeit von Sportverei­nen und Schulen im Rahmen eines Forschungspro­jektes genauer nachgehen: Prof.

Dr. Jürgen Baur.

Foto: Fritze

Die engere Zusammenarbeit zwischen Sportvereinen und Schulen im Bereich des Breiten- ebenso wie im Leistungssport war Thema eines Expertenseminars, das die Deutsche Sportjugend (dsj) in Kooperation mit dem Arbeitsbereich Sport und Gesell­schaft (ASuG) am Institut für Sportwissen­schaft der Universität Potsdam vor kurzem durchführte. An der Tägung nahmen über 30 Fachleute teil: Neben den mit Koopera­tionsbeziehungen befaßten Wissenschaft­lern standen die Verantwortlichen der Lan­dessportbünde und der Sportjugenden der neuen Bundesländer, Beauftragte der Schul­behörden und die an Kooperationsmaßnah­men beteiligten Lehrer und Fünktionsträger der Sportvereine in der Diskussion. Mit der diesjährigen Potsdamer Veranstaltung wur­den die seit 1992 regelmäßig durchgeführ­ten Seminare fortgesetzt. Die Beiträge befaß­ten sich vor allem mit der praktischen Um­setzung der Kooperationsprogramme in den neuen Bundesländern. Auch im folgenden Jahr soll diese schon zur Tradition geworde­ne Tägung weitergeführt werden, betonte Bernd Dreke von der dsj.

Die Vielfalt und Spannbreite der unterschied­lichen Modellmaßnahmen in den einzelnen Bundesländern erörterten Evelyn Rudorf- Pöltz und Thomas Buttendorf vom Ministe­rium für Kultus und Sport Baden-Württem-

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PUTZ 4/96