Heft 
(1.1.2019) 04
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MAN SCHAUT AUF POTSDAM

Vereinigung für Jüdische Studien gegründet

Die Eröffnung des StudiengangesJüdische Studien Ende 1994 an der Universität Pots­dam bezeichnete Prof. Dr. Karl E. Grözinger, Geschäftsführender Direktor des Institu­tes für Religionswissenschaft, damals als einenMarkstein in der deutschen Univer­sitätsgeschichte. Das deshalb, weil hier die Historie und Gegenwart des Judentums in ihren vielfältigen kulturellen, interkulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Verflech­tungen in einem Studiengang mit großer Fächer- und Methodenvielfalt erforscht und gelehrt wird. Diese Besonderheit hat sich bewährt und herumgesprochen. Aus ganz Deutschland erreichten den Hochschullehrer deshalb Anfragen.

Aus der Wirklichkeit geboren, entstand so die Idee, eine Vereinigung für Jüdische Stu­dien ins Leben zu rufen.In Potsdam konn­ten wir die Gunst der Stunde nutzen. Die Gründung der Universität gab uns Gelegen­heit, neue Wege zu gehen. Wir haben diese Chance bei der Ausgestaltung des interdis­ziplinären Studienganges Jüdische Studien nicht verstreichen lassen", erklärte Grözin­ger. Der Wunsch der an anderen Hochschu­len zum Tfeil auf diesem Gebiet vereinzelt Arbeitenden bestand darin, sich zusammen­zuschließen. Anfang 1996 wurde dann auch an der Universität Potsdam von 20 Wissen­schaftlern der Universitäten Darmstadt, Ol­denburg, Halle/Wittenberg, Bremen, Mainz, Greifswald, Potsdam und der Humboldt- Universität zu Berlin die .Vereinigung für Jü­dische Studien e.V" gegründet. Heute gehö­ren 40 Personen zum Mitgliederstamm, wo­bei die Hälfte von ihnen Professoren sind. In der Satzung heißt es zum Anliegen:Aus­schließliche Aufgabe der Vereinigung ist die Vertretung und Förderung der Belange Jüdi­scher Studien an deutschen Hochschulen und entsprechend wissen­schaftlich arbeitender Bil- dungs-, Kultur- und Wis­senschaftseinrichtungen im In- und Ausland. Auf diese Weise kann beispielsweise eine Repräsentanz in jenen Gremien geschaffen wer­den, die Forschungsmittel und Stipendien vergeben.

Zunehmend erhält Karl E.

Grözinger auch Bitten um Betreuung von Dissertatio­nen, deren Themen in der traditionellen Fakultätsstruk­tur untergehen würden. In Potsdam finden sich auf­

grund des interdisziplinären Ansatzes der Jü­dischen Studien relativ leicht Mentoren. Der Verein bietet außerdem günstige Vorausset­zungen dafür, die Forschungsergebnisse von Spezialisten begutachten zu lassen.

Die Initiatoren wollen aberkeinen For­schungsverein, keinen Verein, der histori­sche Forschung anregt, sondern eine Wis­senschaftlervertretung für die jüdischen Wis­senschaften im interdisziplinären Sinne". Ein weiteres Motiv für die gemeinsame Interes­senvertretung stellt die Tätsache dar, daß die Jüdische Studien Betreibendennicht für den Elfenbeinturm arbeiten, sondern ebenso nach außen wirken wollen. Als Partner sehen sie dabei unter anderem Museen oder Geschichtsvereine. Der Verein versteht sich ebenso als Gesprächsforum für jüdische Themen. So soll noch in diesem Jahr eine breite öffentliche Diskussion zur Darstellung des Judentums im Rahmen der geisteswis­senschaftlichen Disziplinen angeregt wer­den. Die Vereinsmitglieder schauen auf Pots­dam, so Grözinger.Denn wir sind so weit, wie sie alle kommen wollen". B.E.

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Ansprechpartner für an den Jüdischen Studien Interessierte:

Prof. Dr. Karl E. Grözinger, Institut für Religions­wissenschaft und Studien­gang Jüdische Studien der Universität Potsdam, Tel./Fax 0331/977-12S4.

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MMZ NUN AM NEUEN MARKT

Zum 1. April 1996 konnte das Moses Men­delssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien an der Universität Potsdam (MMZ) ein neues Quartier am Potsdamer Neuen Markt beziehen. Der Umzug war nach An­gaben von Direktor Prof. Dr. Julius H. Schoeps notwendig geworden, da die bis­herigen Räume in der Potsdamer Rem- brandtstraße für die wissenschaftliche und öffentliche Arbeit des MMZ nicht mehr aus­reichten. Nun können die Bibliothek des MMZ - bisher in Kellerräumen unterge­bracht - besser genutzt und Veranstaltun­gen des Zentrums im eigenen Haus ange- boten und einem größeren Tteilnehmerkreis zugänglich gemacht werden.

Mit dem barocken Platzensemble am Neu­en Markt, einem alten zentralen Stadtbe­reich von Potsdam, der zu Teilen von den Architekten Kühns, von Kaehne und Partner saniert wird, hat das Mendelssohn Zentrum nun ein Domizil in direkter Nachbarschaft zum Einstein Forum gefunden. Mit den ebenfalls am Neuen Markt angesiedelten Forschungsgruppen der Berlin-Branden- burgischen Akademie der Wissenschaften ist auf diese Weise ein interessantes Wis­senschaftszentrum im Entstehen.

Der Neue Markt, der seit dem ausgehen­den 17. Jahrhundert bebaut ist, beherberg­te in diesem Jahrhundert im Haus Nr. 8, in dem heute das Mendelssohn Zentrum zu finden ist, den Potsdamer Verleger und Drucker Werner Stichnote. Stichnote nahm 1945 für einige Monate den aus dem Kon­zentrationslager Sachsenhausen entlasse­nen Verleger Peter Suhrkamp auf. Später arbeitete Werner Stichnote im Ullstein-Ver­lag, wo ihm Prof. Dr. Julius H. Schoeps in seiner Volontärszeit begegnete.Das- chermachen, so der Direktor des MMZ, habe ich bei Stichnote gelernt." rd.

Die neue Adresse des MMZ:

Am Neuen Markt 8, m mmm 14467 Potsdam.

Telefon und Fax sind gleich geblieben.

Eine Seite aus der Leipmk-Haggadah mit hebrä­ischen Texten aus der Antike, der spanisch- italienischen und deutschen Renaissance, jiddi­schen Bildunterschriften und Anweisungen, Ro­koko-Illustrationen des deutsch-mährischen Ju­den Joseph ben David aus dem Amsterdam des Jahres 1738. Sie ist ein gutes Beispiel für die Not­wendigkeit interdisziplinärer Zusammenarbeit in den Jüdischen Studien an Hochschulen und Forschungsinstitutionen, wofür sich die in Pots­dam gegründeteVereinigung für Jüdische Stu­dien e. V." bundesweit einsetzen will. Abb.: zg.

PUTZ 4/96

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