BIBLIOTHEK ERHÄLT NEUES DOMIZIL
Ausschreibung zur Bauaufgabe erfolgt
Die Universität Potsdam und das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur halten an ihrer Entscheidung fest, im jetzigen Studentenwohnheim TI künftig die Bibliothek unterzubringen. Der dafür notwendige Umbau des in der Kaiser-Friedrich-Straße gelegenen Gebäudes steht somit außer Frage. Seit Anfang April liegt der entsprechende Ausschreibungstext vor. Die öffentliche Bekanntmachung des europaweit offenen Wettbewerbs, beispielsweise im EU-Amtsblatt, erfolgte bereits. Auch über die Zusammensetzung des aus Sach- und Fachpreisrichtern bestehenden Preisgerichts herrscht Einigkeit. Dem Gremium gehört neben dem Rektor der Alma mater auch die Leitende Direktorin der Universitätsbibliothek, Barbara Schneider-Eßlinger, an. Die Entscheidung der Jury fällt vermutlich Ende Oktober dieses Jahres. Die beteiligten Architekten haben also annähernd vier Monate Zeit, ihre Vorschläge einzureichen.
Zur Bauaufgabe selbst existieren konkrete Vorstellungen. So sollen die beiden oberen Etagen des Hauses abgetragen werden, um eine gleiche Höhe mit nebenstehenden Einnchtungen zu erreichen und um schließlich den Intentionen der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg zu folgen. Hinzu kommt, auch in diesem Sinne, ein nur zweigeschossiger Anbau. „Der", so Schneider-Eßlinger, „beinhaltet dann die Lesesäle und Buchstellflächen“. Für das TI selbst sei Mischnutzung angedacht. Das wiederum bedeute konkret den Einzug der Bibliothekszentrale mit deren Verwaltungstellen, der geisteswissenschaftlichen TMbibliothek sowie einiger Fakul- tätseinrichtungen. Als Folge dessen würde die Bibliothek im Haus 11 Am Neuen Palais aufgelöst und jene in Golm für den mathematisch-naturwissenschaftlichen Bedarf umfunktioniert. Notwendige Voraussetzung: die Realisierung geplanter Umzüge sowohl der Philosophischen als auch der Mathematisch-N aturwissenschaftlichen Fakultäten. Weitgehend unberührt von allen Plänen bleibe die Babelsberger Tfeilbiblio- thek. Sie stehe ihren Lesern auch perspektivisch in gewohnter Weise zur Verfügung. Mit dem jetzt avisierten Umbau verlieren
die Studenten wichtige Wohnheimplätze. Wissenschaftsminister Steffen Reiche sicherte deshalb den jungen Leuten bereits während einer Diskussionsrunde im Juni '95 Ersatz zu. Gegenwärtig allerdings fehlen definitive Angebote. Im Gespräch befindet sich seit langem der Standort Ned- litzer Straße. Dort stehen ehemalige GUS- Kasernen leer.
Für einen maßgeblichen Fortschritt bei der Vorbereitung des Ausbauvorhabens sorgte erst der Besuch der „Arbeitsgruppe Bibliotheken" des Wissenschaftsrates im Juli vergangenen Jahres. Der Grund: jene Expertenrunde entscheidet letztlich über den Zuschuß des Bundes für das gesamte Projekt. Insgesamt 40 Mio. DM sind es immerhin, die es aufzubringen gilt. Nach gegenwärtiger Ansicht sollen dabei Land und Bund jeweils die Hälfte der Kosten übernehmen. „Anders scheint die Finanzierung nicht möglich", so die Leitende Bibliotheksdirektorin. Zustimmung jedenfalls signalisierte in der Vergangenheit schon das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur. Das Landesbauamt erhielt wenig später vom Finanzministerium den Planungsauftrag. Damit waren wesentliche Voraussetzungen für die jetzt vollzogene Ausschreibung gegeben. PG.
„DIE UNIVERSITÄT POTSDAM WIRD WEITER AUFGEBAUT"
Bei einer sehr gut besuchten öffentlichen Podiumsdiskussion zur Hochschullandschaft in einem gemeinsamen Bundesland Berlin-Brandenburg erklärte der brandenburgische Wissenschaftsminister Steffen Reiche, daß die Universität Potsdam im Hinblick auf die Zukunft sehr gute Karten habe. „Ich bin mir ganz sicher, daß die Universität Potsdam auch in einem gemeinsamen Bundesland Berlin-Brandenburg weiter aus- und aufgebaut werden wird“, sagte Reiche. „Gute Perspektiven“ sprach er des weiteren vor dem Hintergrund erst jüngst erfolgter, etwas diffuser Äußerungen aus Berlin den brandenburgischen Plänen des Aufbaus eines Wissenschaftsparks in Golm zu. Auch bekräftigte er das Festhalten Brandenburgs an den geplanten 34.400 Studienplätzen. An der vom Studierendenrat der Universität Potsdam organisierten Podiumsdiskussion nahmen neben Steffen Reiche der Staatssekretär für Wissenschaft, Forschung und Kultur Berlins, Wolfgang Thies, der frühere brandenburgische Wissenschaftsminister Hinrich Enderlein, der wissenschaftspolitische Sprecher der PDS-Landtags- fraktion Dr. Andreas Hrunschke sowie Dr, Uta Sandig von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft teil. Die Moderation hatte der Chefredakteur der Potsdamer Neuesten Nachrichten, Michael Erbach, übernommen, Hg.
AUSBAU DURCH LEASING
Der Ausbau der Hochschulen, der hinter dem wachsenden Bedarf zurückbleibe, sollte verstärkt durch Leasing finanziert werden. Dieser Weg beschleunige den Ausbau erheblich und sei in vielen Fällen wegen des Zeitgewinns nicht teurer als herkömmliche Finanzierungsmethoden. Dies forderten der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT), Hans Peter Stihl, und der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Professor Dr. Hans-Uwe Erichsen, anläßlich eines Gesprächs beider Organisationen in Bonn von der Bundesregierung. Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft sei untrennbar mit der Leistungsfähigkeit der Bildungs- und Forschungseinrichtungen verbunden. Die deutschen Hochschulen hätten im internationalen Wettbewerb an Boden verloren. Es sei alarmierend, daß sich immer weniger ausländische Studenten und Forscher für deutsche Hochschulen entschieden. DIHT und HRK drängen auf ein schnelles Handeln, pm.
Das Studentenwohnheim TI soll bald vorrangig Bibliothekszwecken dienen. Derzeit bietet es mit rund 300 Bettenplätzen noch Unterkunft für zahlreiche künftige Akademiker. Foto: Fritze
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PUTZ 4/96
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