TITEL
DIE GEHEIMNISSE DER TIEFE:
UNTER DEM ALTEN MARKT RUHEN DIE SPUREN DER POTSDAMER VERGANGENHEIT
„Renaissanceburg" (schraffiert), mittelalterliche Turmburg (schwarz), Stahlbetonfundament des abgerissenen Hans-Otto-Theaters (gepunktet), geplanter Grundriß für das Hans Otto Theater (gestrichelte Lime); Stadtschloß (Knobelsdorff-Bau) O , FH Potsdam und MWFK ©, Nikolaikirche ©, Altes Rathaus ©, Obelisk ©, provisorisches Hans-Otto-Theater 0, Blumenbeete O Grafik: Amt für Denkmalpflege
Laterne
Die Grundrisse der Bauten auf dem Alten Markt:
Baugrundgutachten und Nutzungsmodellen soll es Bestandteil des städtebaulichen Rahmenplanes werden. Dadurch sollen dort schon die von Seiten des Denkmalschutzes zu erwartenden baulichen Auflagen sowie der Umfang der zu erwartenden archäologischen Dokumentations- und Erhaltungsmaßnahmen berücksichtigt werden. Zwar ist der früheste Zeitpunkt für einen Baubeginn erst nach der Bundesgartenschau, aber bereits 1995 wurde das Planungsbüro Topos beauftragt, einen städtebaulichen Rahmenplan für den Alten Markt zu erstellen. Anfang dieses Jahres legte es denn schon acht Varianten zur Gestaltung, Nutzung und Finanzierung dieses Gebietes vor. Nach den Erfahrungen von Gundula Chnstl erspart es Ärger, wenn sich die Denkmalschutzbehörde möglichst früh einschaltet, „Dann wissen die Bauherren, was möglicherweise an zeitlichen Verzöge
rungen und Ausgrabungskosten auf sie zu- kommt“, erklärt sie.
An dem Projekt sind zwei Archäologinnen und zwei Geophysikennnen beteiligt. In einem archäologischen Kataster wurden alle erreichbaren Informationen aus früheren Grabungen und substanzzerstörenden Eingriffen in den Boden berücksichtigt. Der zweite TM des Projektes, der sich mit der geophysikalischen Erkundung des Alten Marktes befaßt, wird von Dr. Erika Lück, Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe „geophysikalische Erkundung" der Universität Potsdam, betreut. Die geophysikalischen Methoden werden dazu verwendet, Hinweise auf noch im Boden vorhandene Strukturen zu erlangen, ohne dabei Eingriffe in den Boden selbst vorzunehmen. Darüber hinaus sollen die Untersuchungen auch dazu beitragen, die Einsatzfähigkeit dieser Methoden innerhalb von Städten zu prüfen und
eventuell auch zu verbessern. „Geophysikalische Untersuchungen sind zum Auffinden archäologisch relevanter Strukturen in Stadtgebieten eigentlich ganz ungeeignet“, betont Dr. Lück. Der Grund dafür ist, daß unter Umständen die Meßsignale von modernen Bodenstrukturen, wie beispielsweise Rohrleitungen, Stahlbetonfundamenten, Trägern - also modernen Baumaßnahmen - sehr viel stärker sind, als diejenigen von historischen Fundamenten und ähnlichem. Dies ist vor allem der Fall bei den magnetischen sowie den elektromagnetischen Messungen.
Beispielsweise wird bei den magnetischen Messungen das Erdmagnetfeld an der Oberflläche gemessen. Befindet sich im Untergrund eisenhaltiges Material, so wird dieses im Erdfeld magnetisiert, d.h. die im Eisen natürlicherweise vorhandenen magnetischen Momente, die aber aufgrund
PUTZ 4/96
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