struktureller Unordnung und der thermischen Bewegung der Eisenatome statistisch in alle Richtungen weisen, richten sich aufgrund des Erdmagnetfeldes bevorzugt in Richtung des Feldes aus. Daraus resultiert ein magnetisches Moment für die gesamte eisenhaltige Struktur, so daß in diesem Bereich zusätzlich zum Erdmagnetfeld das von ihm hervorgerufene Feld des Eisens gemessen wird. Wie groß dieses zusätzliche Feld ist, hängt zum einen von der Tiefe ab, in der sich das Eisen befindet, vor allem aber von der Konzentration des Eisens. Bei mittelalterlichen Fundamenten erhält man ein Signal, wenn beispielsweise Ton- materialien verwendet wurden.
Allerdings ist Eisen darin nur in geringen Mengen enthalten und liefert deswegen auch nur ein kleines Signal. Hingegen bestehen moderne Stahlbetonfundamente oder Rohrleitungen zu einem Großteil aus Eisen, was in einem starken Signal resultiert. Befinden sich in der Nähe von alten, schwach eisenhaltigen Strukturen moderne Leitungen, Schrott oder ähnliches, so wird das kleine „alte" Signal von dem um Größenordnungen stärkeren „modernen" Signal überdeckt.
Bei den Arbeiten zu dem Projekt am Alten Markt wurde die Not deswegen zu einer fügend gemacht. Da sie darauf abzielten, den Umfang notwendiger Grabungen abzuschätzen, war es auch wichtig festzustellen, wo Baumaßnahmen aus jüngerer Zeit die historischen Strukturen zerstört haben, sich eine archäologische Untersuchung also nicht lohnt. Speziell interessierte hier vor allem, wie weit die Baugrube und das Stahlbetonfundament, die für den Neubau des Hans-Otto-Theaters 1989 nahe der westlichen Mauer des 1961 abgetragenen Stadtschlosses in den Boden gebracht wurden, die alten Mauerfundamente dort zerstört haben. Mithilfe der magnetischen und auch der elektromagnetischen Messungen (letztere eignet sich zum Aufspüren von Metall überhaupt), stellte Dr. Lück fest, daß die Baumaßnahmen zwar die äußere Schloßmauer, nicht aber die hofseitige Mauer tan
giert hatten, weswegen Grabungen sich an dieser Stelle durchaus lohnen.
Die aufschlußreichsten Messungen konnten aber bislang kaum durchgeführt werden. „Schuld daran war der lange und kalte Winter“, begründet das Erika Lück. Bei diesen geoelektrischen Meßverfahren wrd ein Gleichstrom über zwei Elektroden in den Boden eingespeist. Über zwei weitere Elektroden wird das Po- tentialfeld zwischen dem ersten Paar gemessen. Es hängt von der Leitfähigkeit des Untergrundes ab. Mauerwerk hat im allgemeinen eine niedrigere Leitfähigkeit als Erde. Entsprechend verändern Fundamente im Boden das Potentialfeld. Man ist dabei nicht auf bestimmte Stoffe im Fundament angewiesen. Ein Vorteil ist auch, daß man mit dieser Methode dreidimensionale Strukturen erkennen kann: Indem man den Abstand zwischen allen Elektroden vergrößert, lassen sich tieferliegende Mauerwerke erkennen.
Darüber hinaus werden auch verschiedene Materialien unterschieden: Kalkstein hat eine andere Leitfähigkeit als beispielsweise Ziegel oder Feldstein. Allerdings gibt es auch Tücken, denn ragt das Fündament bis in das Grundwasser und hat es sich vollgesogen, so steigt die Leitfähigkeit gegenüber dem trockenen Gestein drastisch und kann sogar höher als das umgebende Erd- matenal sein!
Abgesehen davon, daß diese Methode sehr viel aufwendiger als die anderen geophysikalischen Verfahren ist (die Vermessung des Profils entlang eines 42 m langen Schnittes nimmt dabei etwa einen halben füg in Anspruch), kann man bei vereistem Boden die Elektroden nicht an den Untergrund ankoppeln. Gerade diese Messungen würden aber den vermutlich größten Aufschluß über noch in der Tiefe befindliche Haus- und Burgreste und deren genaue Lage geben. Das Gutachten stützt sich in diesem Punkt hauptsächlich auf die Auswertung alter Grabungsbefunde. Dabei handelt es sich vor allem um archäologische Untersuchungen, die der Potsdamer Heimatforscher Richard Hoffmann zu Beginn der fünfziger und sechziger Jahre durchführte, sowie um be
Die Studentin Diana Ditz (links) und Dr. Erika Lück bei geoelektrischen Messungen am Alten Markt. Bei dem sechsmonatigen Projekt halfen drei Potsdamer Studentinnen der Geoökologie mit. Foto: Fritze
gleitende Grabungen beim Neubau des Hans-Otto-Theaters 1989, Dabei sind insgesamt nach Aussage von Gundula Chrtistl acht Prozent der Grundnsse der Vorgängerbauten des Stadtschlosses untersucht worden. „Hoffmann“, betont sie, „war ein sehr engagierter Autodidakt, der alles verfügbare Wissen zusammentrug. Ihn interessierte vor allem die Lage der Vorgängerbauten.“ Dazu legte er im Bereich der Stadtschloß- rume zunächst Sondagegräben an und grub dort ausführlicher, wo er Hinweise auf das Gesuchte erhielt. So entdeckte er die vermutlich älteste Befestigung, die eingangs schon erwähnte mittelalterliche Türmburg, sowie die später erweiterte Anlage, die von ihm als „Renaissanceburg" bezeichnet wurde und den Türm und zumindest (teile der Umfassungsmauer der Türmburg mitintegrierte. „Der Unterschied zwschen uns und Hoffmann ist, daß er wußte, was er finden wollte“, sagt Christi.
Neben genaueren Untersuchungen der alten Burg- und Schloßfundamente interessiert sie vor allem die mittelalterliche und neuzeitliche Besiedlung, beispielsweise wann die erste deutsche Siedlung entstand oder wie die Struktur der mittelalterlichen Stadt aussah. Die Grabungsbedingungen sind äußerst günstig. Zum einen umfaßt das Areal des ehemaligen Stadtschlosses immerhin etwa 13.500 Quadratmeter des historischen Stadtkerns, zum anderen wurde diese Fläche bis heute nur geringfügig überbaut. Aus diesen Gründen hält Christi die Durchführung von Ausgrabungen, die wohl mehr als ein Jahr in Anspruch nehmen werden, für unverzichtbar. Bevor also auf den Grundrissen des alten Stadtschlosses ein neuer Gebäudekomplex in die Höhe wächst, werden Denkmalpfleger und Archäologen zunächst in die Tiefen der Potsdamer Vergangenheit tauchen.
Da bei den Grabungen aber die historischen Quellen gleichzeitig zerstört werden, ist die Verantwortung dabei groß. Die sorgfältige Vorarbeit kann hier das Risiko von Versäumnissen bei den Untersuchungen verringern. Dazu gehört es, alte Dokumente, die Hinweise auf zu erwartende Funde liefern, auszuwerten, eventuell früher durchgeführte Grabungen oder anderweitige Fünde erneut zu bewerten, vielleicht Vergleiche mit anderen Städten zu ziehen. Die Einbeziehung geophysikalischer Vorarbeiten setzt erst allmählich ein. Dabei hält sie Gundula Chnstl auch für andere archäologische Untersuchungen in Städten für wichtig. Liefern sie doch aufschlußreiche Anhaltspunkte darüber, wo beispielsweise Strukturen gut erhalten sein können - oder umgekehrt spätere Eingriffe alte Spuren zerstört haben. Aus Kostengründen und wegen des nötigen Know hows bietet sich - so die Mitarbeiterin des Amtes für Denkmalpflege - auch in Zukunft die Zusammenarbeit mit Universitäten an. ade
PUTZ 4/96
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