Heft 
(1.1.2019) 04
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VERBINDUNG PERFEKT DIE RECHTSPOLITIK DER 68ER-BEWEGUNG

In 16 Minuten von Gibt es Parallelen der studentischen Proteste damals und heute?

Griebnitzsee nach Golm

Die Signale für eine bessere verkehrs­technische Anbindung des dritten großen Potsdamer Universitätskomplexes stehen auf Grün. Nachdem bereits seit dem 17. De­zember vergangenen Jahres derStuden- ten-Shuttle" von Golm über Wildpark nach Potsdam-Stadt im Einstundentakt verkehrt, erfolgt jetzt der Anschluß des stark frequen­tierten Hochschulteils am Bahnhof Grieb­nitzsee. Der Startschuß dazu fällt mit dem Fahrplanwechsel am 2. Juni 1996. Bis zu jenem Zeitpunkt sind laut Auskunft der Deutschen Bahn-AG alle notwendigen Vor­aussetzungen geschaffen, um einen rei­bungslosen Betrieb zu sichern.

Die Studenten der Alma mater, die am Jäg darauf gemeinsam mit Politikern, Verkehrs­experten, Uni-Mitarbeitern und weiteren Gästen das Ereignis feiern wollen, haben auf diesen lüg lange gewartet. Für sie ist die Anbindung unabdingbar. Der Grund: weite Entfernungen zwischen den Standor­ten Babelsberg, Golm und Am Neuen Fälais erschweren den Besuch zeitlich eng beiein­anderhegender Lehrveranstaltungen im je­weils anderen Komplex.

Voraussetzung für den Halt desStudenten­expresses" war die Fertigstellung des Süd­tunnels. Der Bau der Unterführung lag in der Verantwortung der Stadt Potsdam, durchgeführt wurde das Projekt unter eisenbahntechnischen Gesichtspunkten von der Deutschen Bahn-AG. Widrige Wit­terungsverhältnisse und chronische Geld­knappheit verzögerten in der Vergangen­heit mehrfach die Beendigung des Vorha­bens. Aufgabe des Tiefbauamtes Potsdam ist es nun noch, den problemlosen Zugang zu Bahnsteig und TUnnel zu gewährleisten. Klärungsbedarf besteht des weiteren lang­fristig hinsichtlich der öffentlichen Erschlie­ßung des Südausganges. Erwartet wird an dieser Stelle möglicherweise ein starkes PKW-Aufkommen, das zu Belastungen der Universität Potsdam führen könnte. Eine Einigung über die erforderliche Straßen- und Busnetzanbindung steht ebenfalls noch aus. EG.

Vor einigen Wochen veranstaltete die Universität Potsdam gemeinsam mit der Christian - Albrechts-Universität Kiel in Sehlendorf an der Ostsee ein rechtshistorisches Seminar zum Thema Rechtspolitik der 68er-Bewegung. Organisiert und geleitet wurde die Ver­anstaltung von Prof. Dr. Jörn Eckert (Potsdam) und Prof. Dr. Hans Hattenhauer (Kiel). Oftmals werden mit der 68er-Bewegung vor allem studentische Proteste verbunden. Heute wird anläßlich von Studentendemonstrationen bezüglich der aktuellen BAföG- Diskussionen oder der Berliner Spardemos ein Wiederaufleben dieser Zeit befürch­tet oder erhofft. Doch was verbarg sich wirklich hinter dieser 68er-Bewegung?

Studentenproteste 1968: Was steckte dahinter - und was bewirkten sie?

Abb.: Archiv

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Diehistorische Studentenbe­wegung griff Mitte der sech­ziger Jahre von den USA auf eu­ropäische Uni- v e r s i t ä t e n über. Während sich der Protest in den USA vor allem gegen den Krieg in Vi­etnam und die Diskriminie­rung von Afro- Amerikanern richtete, entzün­dete sich die Studentenbewe­gung in Deutschland erstmals an der Berli­ner Freien Universität. Gegenstand der Pro­teste waren zunächst die verkrusteten Hochschulverhältnisse.

Im Jahr 1966 stürzte Ludwig Erhards Regie­rung über die in der wirtschaftlichen Rezes­sion entstandene Haushaltskrise, die nur durch die Bildung einer Großen Koalition gelöst werden konnte. Mit dem Vorwurf, der Bundestag, in dem nunmehr über 90% der Abgeordneten zu den Regierungsparteien zählten, stelle kein effektives Diskussions­forum mehr dar, erweiterte sich der Protest der Studenten zur sogenannten Außerparla­mentarischen Opposition (ApO). Mit den Protesten kam ein neues Lebensgefühl auf, das vor allem von marxistisch-leninistischem Gedankengut getragen war und sich gegen jegliche Autoritäten in Schule, Elternhaus, Gesellschaft und Staat sowie gegen dikta­

torische Staatsformen in der Welt richtete. Als 1967 bei einer Demonstration in West- Berlin der Student Benno Ohnesorg durch eine Polizeikugel getötet wurde, eskalierte die Protestbewegung und erfaßte nun nahe­zu alle Universitätsstädte. Störungen von Universitätsveranstaltungen und Blockaden des Straßenverkehrs durch sogenannte sit- ins häuften sich.

Nach einem Attentat auf Studentenführer Rudi Dutschke am 11. April 1968 auf dem Berliner Kurfürstendamm kam es in mehre­ren Universitätsstädten erneut zu Demon­strationen und Aktionen gegen Zeitungs­betriebe des Springer-Konzerns, der für die Manipulation weiter Bevölkerungsschich­ten verantwortlich gemacht wurde. Weitere Großdemonstrationen fanden anläßlich der am 30. Mai 1968 verabschiedeten Not­standsverfassung statt. Mit Ausnahme eim-

Griebnitzsee - Potsdam (Stadt) - Wildpark - Golm - Nauen

Reqionalbahn

aSa.

MF

aSa

aSa.

aSa

aSa

Griebnitzsee

5.38

6.38

7 38

8 48

9.38

10.42

1 1.38

12.42

13.38

14 42

15.38

Potsdam (Stadt)

543

5.55

643

7.43

8.52

9.43

10 46

11.43

12.46

13.43

14 46

15 43

Charlottenhof

5.46

1

6.46

7.46

8.55

9.46

10.49

11.46

12.49

13.46

14 49

15.46

Wildpark

5.49

l

6.49

7.49

8.58

9.49

10 52

1 1.49

12.52

13.49

14 52

15.49

Golm

5.54

6.03

6.54

7.54

9.02

9.54

10 56

1 1.54

12.56

13.54

14 56

15.54

Nauen

6.23

7.23

8.23

10.22

12.22

14.23

16.22

Regionalbahn

aSa.

aSa.

aSa

Regionalexpress

MF

MF

aSa.

aSa.

Gnebmt 2 see

16.38

17.38

18.42

19.38

20.42

2138

22.42

Potsdam (Stadt)

8.26

12.26

16.26

20.29

Potsdam (Stadt)

1643

17.43

18.46

19.43

20.46

2143

22.51

Charlottenhof

Charlottcnhof

16.46

17.46

18.49

19.46

20.49

21.46

22.54

Wildpark

8.39

12.39

16.39

20.39

Wildpark

1649

17.49

18.52

19.49

20.52

2149

22.57

Golm

8.45

12.45

16.45

20.45

Golm

16.54

17.54

18.56

19.54

20.56

21.56

23.01

Rathenow

9.45

13.45

17.45

21.39

Nauen

17.22

18.22

20.22

22.24

Stendal

10.14

14.14

18.14

22.08

DB

, 2 2 C/o m

3 3

j w w 3 er er

3 % P oo

ger kleiner Gruppen, die mitunter in den Tferrorismus abglitten, verebbte die Studen­tenbewegung gegen Ende des Jahres 1969. Die studentischen Proteste blieben nicht ohne Auswirkungen auf politische Kultur und Rechtspolitik in der Bundesrepublik. Es ist allerdings schwierig, die eine oder andere Änderung in der deutschen Rechtspolitik eindeutig und ausschließlich der 68er-Bewe- gung zuzuordnen. Vielmehr griff die Bewe­gung vieles auf, was vorher schon diskutiert wurde. Schwierig ist es auch, Auswirkungen

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PUTZ 4/96