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(1.1.2019) 04
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auf studentische Forderungen zeitlich zu fi­xieren. Die eigentliche Revolution fand 1968 weniger in der Realität, als in den Köpfen statt. So kam es zu ganz unterschiedlichen Verzögerungen bei der Umsetzung der neu­en Ideen. Die Strafrechtsneuordnung bei­spielsweise stellt einen tiefen Einschnitt dar, der sich nur in fünf großen Etappen bis 1974 vollziehen ließ. Auf die Ausgestaltung des veränderten Strafrechtes hatte die Studen­tenbewegung und die in ihrem Zuge zu Wort kommende alternative Strafrechtslehre ei­nen nicht unerheblichen Einfluß. Inhaltliche Reformierungen fanden insbesondere im Sexualstrafrecht und bei Delikten gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung statt. Eine umfassende Änderung der Regelungen zur Abtreibung scheiterte jedoch an der durch das Bundesverfassungsgericht fest­gestellten Verfassungswidrigkeit. Geändert wurde 1974 auch das Strafprozeßrecht. Andere Forderungen, wie die nach einer Ersetzung beziehungsweise Beteiligung von Soziologen an richterlicher Entscheidungs­findung oder die nach einer Bodenreform, erfüllten sich me. Auch die Forderung nach einer veränderten Juristenausbildung konn­te sich in verschiedenen Versuchsprojekten bis heute nicht durchsetzen.

Ob die Proteste gegen neue BAföG- und Studiengebührenpläne erneut zu einer der­art starken, politischen Bewegung führen werden, bleibt abzuwarten. In der politi­schen Diskussion, die 1968 Kernstück der Bewegung war, sind heute jedenfalls Ex­trempositionen weitgehend weggefallen. Ein historischer Moment der heutigen Zeit besteht nach dem Wegfall der Ost-West- Urennung weniger im Protest gegen beste­hende Herrschaftsverhältnisse, sondern vielmehr im Aufbau einer neuen, gemeinsa­men Ordnung. Thilo Seelbach

AUF DER SUCHE NACH EINER STUDENTENSPRACHE"

Germanistisches Projektseminar mit umfangreicher Analyse

Für das 17. und 18. Jahrhundert war der Befund weitgehend eindeutig: Der Stand der Studenten (es waren wirklich fast nur männliche Studenten) besaß neben anderen ei­gentümlichen und eigenwilligen Verhaltens- und Ausdrucksweisen auch eigene sprachliche Besonderheiten. Die sogenannte Burschensprache grenzte sich deutlich von der Sprache derPhilister, der Nichtstudierenden, ab. In zahlreichen Wörterbü­chern zur Studentensprache ist dies dokumentiert worden. Ihre Spuren findet man noch heute in der Allgemeinsprache. Wörter wie blechen, büffeln, pumpen galten in der damaligen Zeit als typischstudentensprachlich.

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Existiert vielleicht doch mehr Studentenspra­chliches als bislang vermutet? Die Antwort auf diese Frage suchen derzeit Studierende in einem germanistischen Projektseminar an der Universität Potsdam. Foto: Tribukeit

Wie sieht es nun in der Gegenwart mit ei­ner Studentensprache aus? Die originäre Kultur studentischer Aushänge, Aufrufe, Plakate u.ä. ist wohl jedem auffällig. Be­kannt ist auch, daß durchaus nicht wenige der Studierenden von sich meinen, eine andere,eigene sprachliche Ausdrucks­weise zu besitzen. Die moderne Sprachwis­senschaft ist sich nicht sicher: Vor allem außersprachliche Prozesse (Veränderun­gen in der Sozialstruktur und der Lebens­weise der Studentenschaft) sowie ein ver­ändertes Selbstverständnis der Studieren­den hätten einerseits dazu geführt, daß ihre Sprache sich derSprache der Normalbür­ger nähere, die Vielfalt der studentischen Lebenswelten lasse eine relativ homogene Sprachwelt nicht mehr zu. Auf den ersten Blick und nach einem Vergleich mit der hi­storischen Studentensprache kann man dieser These sicherlich zustimmen, Ande­rerseits wird bei den Studierenden eine neue Art von Standessprache vermutet. Was stimmt? Gibt es vielleicht dochmehr Studentensprachliches, als gemeinhin an­genommen wird? Wenn ja, wodurch ist es gekennzeichnet? Ist es nur ein subjektives Phänomen ohne sprachliche Spezifika? Diese und andere Fragen sind Gegenstand eines Projektsemi­nars am Institut für Germanistik der Uni­versität Potsdam. Es begann im Winterse­mester 95/96 unter der Leitung von Dr. Elisabeth Berner und Dr. Karl-Heinz Siehr. Seme Fortsetzung er­folgt derzeit. Etwa 100 Studierende der Universität haben da­bei indirekt bereits mitgewirkt. Hinter­grund: ein erster Schritt bei den Erkun­dungen bestand dar­in, die Meinung der Studierenden selbst zur Studentensprache genauer zu erfassen. Zu diesem Zweck wurde ein Ragebogen erar­beitet, getestet und ausgewertet, der in die­

sem Sommersemester an einen weitaus grö­ßeren Kreis von Studierenden verteilt wird. Zwar benötigen Elisabeth Berner und Karl- Heinz Siehr noch weitere Rückmeldungen; doch liegen trotzdem bereits erste Ergeb­nisse vor. Demnach gaben mehr als zwei Drittel aller Befragten an, daß der Sprach­gebrauch von Studierenden Besonderhei­ten aufweist. Worin diese Besonderheiten liegen, ist den Befragten jedoch im allge­meinen wenig bewußt. Eine Ttendenz zeich­net sich dahingehend ab, daß die heutige Studentensprache keine relativ deutlich abgrenzbareSondersprache mehr ist. Vielmehr stellt sie eine spezifische Mi­schung allgemeinsprachlicher, fachsprach­licher, jugendsprachlicher u.a. Mittel und Strategien dar. Die allerdings werden situa­tiv sehr differenziert eingesetzt und tragen darüber hinaus stark individuelle Züge. Dennoch scheint die Vermutung berechtigt, daß einige Studenten einsprachliches Register ausbilden und besitzen. Das wie­derum ist mit den sprachlich-kommunika­tiven Erfordernissen und Gegebenheiten der InstitutionUniversität in Verbindung zu bringen. Auf die Rage nach möglichen Funktionen einer - wie auch immer verstan­denen - Studentensprache wurden z.B. fol­gende Angaben gemacht:ökonomischere Verständigung,Überspielen von psychi­schen und fachlichen Unsicherheiten", Selbstdarstellung,Abgrenzung gegen­über Nichtstudenten.

Noch basieren die Daten auf relativ schma­ler Grundlage. Im Sommersemester starte­te dieeigentliche Ragebogenaktion, spä­ter sollen dann sprachliche Primärdaten (d.h. mündliche und schriftliche Original­belege studentischen Redens und Schrei­bens) gesammelt und ausgewertet werden. Erst auf jener Basis scheint letztlich eine Antwort auf die Rage nach der Existenz ei­ner Studentensprache annähernd möglich. Die sich an der Ragebogenaktion beteili­genden Studierenden hoffen jedenfalls auf eine rege Rückantwortaktivität ihrer Kommi- litomnnen und Kommilitonen!

Doreen Brüggemann, Britta Chmielewski, Silke Lieber, Benjamin Stengl, Manuela Stübner

PUTZ 4/96

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