Heft 
(1.1.2019) 04
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UNIVERSITÄTEN IN DEUTSCHLAND - NOCH ZU RETTEN ODER

SCHON IM KERN VERROTTET?

Drei Veröffentlichungen zum Wesen der deutschen Hochschulen

Es vergeht kaum ein 1hg, an dem nicht ir­gendein Hochschulpolitiker oder Univer­sitätsprofessor einen Vorschlag macht, der in Richtung Veränderung an den Hochschulen oder sogar der Hochschu­len insgesamt abzielt. Ob es sich bei­spielsweise um den Beamtenstatus der Professoren, die Finanzierung des Hoch­schulbaus, BAföG oder die Zulassungs­verfahren zu den einzelnen Universitäten handelt - kaum ein Thema, das ausge­spart würde und keinen Ansatzpunkt für Kritik bildete. Nichts an den deutschen Universitäten scheint gut zu sein. In die­ser Situation sind kürzlich drei Bücher herausgekommen, die sich alle mit den deutschen Universitäten befassen.

Das erste, das bereits Ende Februar öffent­lich vorgestellt wurde, ist ein repräsentativer, 320 Seiten dicker und knapp 1,8 kg schwe­rer Bildband mit dem TitelUniversitäten in Deutschland - Umversities in Germany". Herausgeber sind der DAAD-Generalsekre- tär Christian Bode, HRK- Publikationschef Werner Becker und der frühere DUZ-Chef- redakteur Rainer Klofat. Auf dem Umschlag sind das spätbarocke Hauptgebäude der Universität Greifswald (mit einem davor par­kenden Trabi und einem Lada) und die mo­derne Mensa der Universität Konstanz abge- bildet. Diese Umschlaggestaltung spiegelt bereits das Programm des Buches wider: Es gilt, die 113 deutschen Universitäten in ihrer Vielfalt und Individualität darzustellen: Vom Südwesten Deutschlands bis zum Nord­osten, alte sowie neue Bundesländer, von alt­hergebrachter Tradition bis zu modernen Konzepten. Dabei sollen nach den Worten der Herausgebereinerseits die deutsche Universität als Institution und zugleich die universitäre Wirklichkeit im heutigen Deutschland dar(ge)stellt und andererseits die Universitäten unseres Landes einzeln porträtiert (werden). Und da sich das Buch an in- und ausländische Besucher gleicher­maßen wenden soll, sind alle Ttexte auf deutsch und in englisch abgedruckt (wobei, wie die FAZ feststellte,so manches Faktum bei der Übertragung ins Englische unter den Tisch (fiel), (...) aber auch Erhellendes hin­zu (kam).

Der Band enthält die 113 Einzelporträts der Universitäten, die von diesen selbst verant­wortet werden. Entsprechend präsentieren sie sich hauptsächlich von ihrer besten Sei­te, und man bekommt den Eindruck, daß mit dem Universitätswesen in Deutschland alles in schönster Ordnung sei. Selten, daß Kritik anklingt, wie etwa bei der Universität

Konstanz, die ihren stockenden Aufbau in­folge knapper Finanzen beklagt. Im großen und ganzen erfährt man hauptsächlich (vielleicht nicht unbegründet) von der Ein­zigartigkeit jeder Hochschule. Unterbrochen wird diese Serie von Einzel­präsentationen durch einige Beiträge von verschiedenen Experten des Forschungs­und Hochschulwesens, die sich zu überge­ordneten Themen Gedanken machen. Den Abschluß bilden 37 Grafiken zum deut­schen Hochschul- und Forschungssystem. Beispielsweise erfährt man hier knapp und übersichtlich, wie die Deutsche Forschungs­gemeinschaft organisiert ist, wie sie ent­stand, welches Ziel sie hat und wie sie die­ses Ziel verwirklicht, woher die Mittel kom­men und an wen sie gehen. Dieser Anhang ist der wohl informativste und aufschluß­reichste TM des Buches.

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UNIVERSITÄTEN IN DEUTSCHLAND

UNIVERSITIES IN GERMANY

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Insgesamt vermittelt der Band einen passa­blen, vielleicht etwas einseitigen Überblick über die Universitäten und das Universitäts­wesen in Deutschland. Nicht ganz klar ist, wer das Buch für immerhin 78,- DM kaufen soll, ln der Umschlagklappe heißt es, daß der Bandauch als Geschenkbuch für Hochschulabsolventen und Akademiker interessant sei. Daß dieses Buch bei ihnen wirklich große Freude hervorrufen könnte, bleibt zu bezweifeln.

Mit den beiden anderen soeben erschiene­nen Büchern, die sich mit der Hoch­schulpolitik bzw. den Möglichkeiten, wie eine sinnvolle Erneuerung der Hochschu­

len erzielt werden kann, befassen, hat man es leichter:Ist die Um noch zu retten? von Michael Daxner bringt gerade mal 170 g auf die Waage, das Buch von Peter Glotz Im Kern verrottet; - Fünf vor zwölf an Deutschlands Universitäten bringt es auf 200 g. Inhaltlich allerdings sind sie nicht ganz so leicht.

Obwohl beide Bücher eher provozierend pessimistische Titel tragen, sind sie im Grunde beide optimistisch: Daxner beant­wortet seine Frage mit einem überzeugten Jawohl!, Glotz die seine mit einem energi­schenDurchaus nicht!. Beide aber sind der Meinung, daß die Strukturen innerhalb und außerhalb der Hochschulen geändert werden müssen, um einen Kollaps zu verhin­dern. Der Unterschied liegt bei ihnen in dem wie". Das könnte bereits an der Art und Weise liegen, wie die beiden Autoren an die Wagen herangehen. Während Glotz die Ent­wicklung und den momentanen Zustand mit den momentanen Problemen der Universitä­ten auf den ersten 70 Seiten seines Buches vorstellt, und dann gebündelt seine Lösungs­vorschläge auf den folgenden 50 Seiten prä­sentiert, bringt Daxner seine Lösungs­strategien parallel zur Zustandsbeschrei­bung vor. Er bespricht die einzelnen Punkte - beispielsweise wie Studium und Hoch­schule finanziert werden sollten oder die Wa­ge nach Zulassungsverfahren - jeweils ge­trennt in einem Kapitel und diskutiert dabei den derzeitigen Stand und seine zugehöri­gen Lösungsstrategien. Dadurch sind die Bücher nicht nur anders gegliedert, auch die unterschiedlichen Ergebnisse, zu denen die Autoren kommen, könnten darin begründet sein.

Beispiel Studiengebühren: Imersten TM" seines Buches hat Glotz herausgestellt, daß die Universitäten tatsächlich mehr Geld brauchen (durch Effizienz und Struktur­maßnahmen allein die Finanzknappheit also nicht behoben werden kann) - und das dauerhaft und mit sofortiger Wirkung. Im zweiten TM erschließt sich ihm dafür nur eine realistische Quelle: Die Studenten müssen mit Semestergebühren die Lücke schließen. Daxner diskutiert das Thema Studiengebühr zwar auch in seinem Kapi­telHochschul- und Studienfinanzierung - Ist Wissenschaft Luxus?, er widmet ihm aber ein eigenes Unterkapitel, stellt es also nicht nur und nicht hauptsächlich in den Zusammenhang mit der Hochschulfinan­zierung. Er behandelt es vielmehr als eige­ne FYage, was nämlich Studiengebühren - aus welchem Grund auch immer - eigent­lich bedeuten und welche Folgen sie haben

PUTZ 4/96

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