GESPRÄCH
ES BLEIBT NOCH VIEL ZU TUN
Ehrenkolloquium für Prof. Dr. Lothar Klingberg
Er zählte zu den führenden und bekanntesten Didaktikern der DDR. Die Rede ist von Prof. Dr. Lothar Klingberg, der von 1965 bis 1979 an der Sektion für Pädagogik und Psychologie der Pädagogischen Hochschule Potsdam lehrte und forschte. Aus Anlaß seines 70. Geburtstages würdigte ihn das Institut für Pädagogik der Universität Potsdam mit einem Ehrenkolloquium. Die Referenten aus verschiedenen Universitäten Deutschlands widmeten sich insbesondere Hagen der Entwicklung der Allgemeinen Didaktik und dem Beitrag des Jubilars dazu. So sprach Uwe Wyschkon, Professor für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Allgemeine Didaktik an der Universität-Gesamthochschule Essen, zum Thema „Probleme und Ergebnisse der Potsdamer Äbiturstufenfor- schung“. Denn bis Oktober 1995 leitete er das an der Universität Potsdam ansässige Interdisziplinäre Zentrum für Pädagogische Forschung und Lehrerbildung. Mit dem Hochschullehrer unterhielt sich Dr. Barbara Eckardt für PUTZ.
Prof. Dr. Lothar Klingberg. Foto: Tribukeit
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Ortsangaben von Gremiensitzungen, Kolloquien, Seminaren, Symposien, Ring- und Antrittsvorlesungen, Vortragsreihen, Gastvorträgen sowie von Kultur- und Sportveranstaltungen.
Seit Beginn des Sommersemesters 1996 ist nun auch die Uni-Zeitung PUTZ nicht mehr nur in Papierform, sondern mit deren Auslieferung zeitgleich vollständig online präsent. Universitätsintern besteht ein direkter Zugang auf die digitale PUTZ über das hauseigene Netz. Nutzer, die von außerhalb online in der PUTZ blättern wollen, können zwischen zwei Darstellungsformen wählen. Diese Möglichkeiten bieten bislang nur sehr wenige deutsche Hochschulen. Zusätzlich zum bekannten HTML-Format des WWW steht die Zeitung im Original-Layout als Acrobat-Datei, einem rechnen und betriebssystemunabhängigen Dokumenten- format, bereit. B.E.
HAUSHALTSDISKUSSION
Mit besorgter Aufmerksamkeit verfolgt die Brandenburgische Landesrektorenkonferenz (BLRK) die Diskussionen über Einsparungen im Landeshaushalt für 1996 sowie die Beratungen der Landesregierung zu den Leitlinien und Prioritäten für den Haushalt 1997. Der Vorsitzende und der stellvertretende Vorsitzende der BLRK, die Professoren Helmut Knüppel (FH Potsdam) und Hans N. Weiler (Europa-Universität Fhankfurl/Oder) verweisen in einer gemeinsamen Erklärung darauf, daß sie bereits im November 1995 auf die Signalwirkung des Haushalts 1997 für die Konsolidierung der brandenburgischen Wissenschaftslandschaft hingewiesen haben. Nachdem in Brandenburg aus einem wegweisenden hochschulpolitischen Konzept in mühevoller Aufbauarbeit ein vielversprechender Anfang geworden sei, trete das brandenburgische Hochschulsystem nunmehr in die kritische Phase. „In einer Situation, in der der Wettbewerb um erstklassige Wissenschaftler, gute Studierende und ausreichende Drittmittel immer schärfer wird, kann der Aufbau eines leistungsfähigen Wissenschaftssystems nicht beliebig gestreckt werden“, betonen die Rektoren. „An diesem kritischen Punkt darf mühsam Erreichtes nicht aufs Spiel gesetzt und Erreichbares nicht für immer unerreichbar werden", heißt es weiter in der Erklärung. zg.
PUTZ: Prof. Klingberg baute in Potsdam die Abiturstufenforschung auf. Welche Erkenntnisse konnten Sie als sein Schüler bei Ihren eigenen Untersuchungen nutzen? Wyschkon: ich war am gesamten Aufbau und der Realisierung der Abiturstufenforschung beteiligt. Zunächst arbeitete ich als Sekretär des Forschungskreises Abiturstufe, dann als Forschungsstudent mit eigenem Promotionsvorhaben zum forschenden Lernen in der Abiturstufe. Später war ich Mitglied und ab 1987 in der Leitung der Forschungsgemeinschaften „ Intervallanalyse EOS“ und „Abiturstufe“ sowie als Leiter der Forschungsgruppe Didaktik tätig. Dabei konnte ich mich immer auf die Unterstützung und den Rat Lothar Klingbergs verlassen. Bis auf wenige Ausnahmen trafen wir uns jährlich einmal zu einem ausführlichen Gespräch. Wir diskutierten aktuelle Ffagen der Entwicklung der Didaktik-Forschung. Die gegenseitige kritische Durchsicht von Manuskripten sahen wir als Selbstverständlichkeit an. In meinen Untersuchungen und wissenschaftlichen Arbeiten konnte ich beispielsweise auf Ergebnissen zur Stufenspezifik des Unterrichtsprozesses, auf Untersuchungen des Jubilars zur Unternchtsprozeß- gestaltung sowie auf seinen Positionen zu Führung und Selbsttätigkeit aufbauen. PUTZ: Wichtige Aspekte dieser praxisbezogenen Forschung gingen in das Potsdamer Modell der Lehrerbildung ein. Welche sind das?
Wyschkon: Grundlegend dabei ist die Position, daß Forschung für die Schule und nicht im luftleeren Raum erfolgen sollte. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit der engen Kooperation zwischen Allgemeiner Didaktik und den Fachdidaktiken in Lehre und Forschung. Die Studierenden müssen in diese wissenschaftliche Forschungsarbeit einbezogen werden. Sie ist allerdings durch das praktische Verbot der Anfertigung wissenschaftlicher Hausarbeiten in den Erzie
hungswissenschaften für die Lehramtsstudierenden der Sekundarstufe II sehr eingeengt. Wir hatten in Potsdam an der damaligen Sektion Pädagogik/Psychologie regelmäßig 20 bis 30 Studierende jedes Jahrganges in die Abiturstufenforschung integriert. Dies ist heute undenkbar. Erwähnen möchte ich in diesem Kontext auch die stufengemäße Akzentuierung didaktischer Lehrveranstaltungen an der Universität Potsdam. PUTZ: Zu den Forschungsschwerpunkten des Jubilars gehörten pädagogische Führung und Selbsttätigkeit der Schüler. Welchen Stellenwert haben die gewonnenen Ergebnisse bei der Umsetzung in die Praxis? Wyschkon: Aus meiner Sicht ist hinsichtlich der Realisierung der vorhandenen theoretischen Positionen zur Subjektposition der Lernenden, zum lernenden Lehren und lehrenden Lernen, zur Entwicklung und didaktischen Verwertung" der Kompetenzen der Lernenden in der Unterrichtspraxis noch umfangreiche praktische Arbeit zu leisten. Lothar Klingberg entwickelte ein Konzept des Lernens und Lehrens im Unterricht, das sehr hohe Ansprüche an die Akteure stellt. Es gibt relativ viele, die dazu nicht bereit und/oder nicht fähig sind. Das war so und ist auch heute nach meinen Beobachtungen und Erfahrungen nicht anders. Das größte Lob für die unter Lothar Klmgberg geleistete Forschungsarbeit mit Schulen habe ich 1989/90 in der Aufbruchstimmung im Zusammenhang mit den Entwicklungen eigener Konzeptionen durch unsere Färtner- schulen gehört. Schulleiter betonten damals, daß sie nach dem Gewinn von Fireiräumen erst die Möglichkeit sehen, die mit uns erarbeiteten und erprobten Konzepte eines hochschulvorbereitend angelegten allgemeinbildenden Unterrichts zu verwirklichen. Leider sind diese Neuansätze durch die „Schulreform von oben“ zunichtegemacht worden. Es bleibt also noch viel zu tun. PUTZ: Vielen Dank für dieses Interview.
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