EIN „THINK TANK" FÜR DIE ZUKUNFT
Informationen aus erster Hand auf dem Australientag an der Uni
„Study in Australia" lautete das Motto des ersten Austrahentages an der Universität Potsdam. Abb.: Australian International Education Foundation
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„Student - go Australia“ konnte man am erstmals an der Potsdamer Universität veranstalteten „Australientag“ nicht nur auf zahlreichen Plakaten lesen; interessierte Studierende und Lehrende erhielten im Rahmen des Seminars „Hochschulstudium in Australien“ auch Informationen aus erster Hand - von Studienberatem und Lehrkräften 13 australischer Universitäten, je einem Vertreter des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und einem Austauschstudenten, der über seine Erfahrungen auf dem fünften Kontinent berichtete. Veranstaltet vom Interdisziplinären Zentrum für Australienforschung der Universität Potsdam, der Australian International Education Foundation (AIEF), dem Australischen Generalkonsulat in Rrankfurt/Main und der Australischen Botschaft in Bonn sollte die Veranstaltung erste Kontakte ankurbeln und Interesse an einem Studium in Australien wecken.
In ihrem Grußwort betonte die australische Generalkonsulin in Berlin, Margaret Adam- son, die akademische Exzellenz bei gleichzeitig hohen Freizeitwerten ihres Landes. Außerdem, so meinte sie, könnten in Australien inmitten einer exotischen Flora und Fauna die englischen Sprachkenntnisse deutscher Studierender verbessert werden - ein Vorteil, der sich auf dem akademischen Arbeitsmarkt schließlich immer stärker nieder- schlage. Derzeit sind deutsche Studentinnen und Studenten allerdings noch recht träge, wenn es um Ausländserfahrungen geht: nur sieben Prozent verbringen einen Tteil ihres Studiums im Ausland - und das hauptsächlich in Europa. Australien haben bislang nur sehr wenige von ihnen entdeckt.
Um diesem Zustand abzuhelfen, hat die HRK 1993 eine Vereinbarung mit dem Australian Vice-Chancellors 1 Committee (ÄVCC) geschlossen. Darin wird z.B. festgehalten, daß die Austauschstudierenden von der Entrichtung zusätzlicher Studiengebühren an der aufnehmenden Hochschule befreit sind. Dies ist vor allem im Hinblick auf das australische Studiengebührensystem von Interesse, das dort 1989 eingeführt wurde und aktuell in Deutschland als modellhaft für mögliche eigene Studiengebühren diskutiert
wird. Des weiteren werden Fragen der Zulassung und des Bescheinigens erbrachter Leistungen festgehalten.
Auch das 1995 an der Universität Potsdam gegründete und bundesweit einzigartige Zentrum für Australienforschung soll bei der Initiierung von Austauschbeziehungen in Lehre und Forschung beider Länder behilflich sein. Nach nunmehr einem Jahr des Bestehens zeichnet sich schon deutlich ab, in welche Richtung die Entwicklung gehen wird: Das Zentrum möchte nicht nur in immer stärkerem Maße als Ansprechpartner für Studierende, Wirtschaftsvertreter und kulturelle Repräsentanten - und somit als Vermittler zwischen Australien und Deutschland - wirken, sondern auch gemeinsame Forschungsprojekte durchführen, von denen einige bereits angelaufen sind. Genannt seien hier nur „Developmg Metropolis - Tbward an Urban Civilization", eine Studie über die Entwicklung großer Städte wie Berlin und auch Sydney von Prof. Dr. Heinz Kleger aus der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät, Studien im Bereich der Umweltwissenschaften, eines multimedial unterstützten Unterrichts über größere Distanzen hinweg oder Projekte, die dem asiatisch-pazifischen Markt gelten.
Allerdings, so der Tfenor des Australientages, brauchten der angestrebte wachsende Uransfer von Know-how, der Abbau von Vorurteilen und Aufbau von Wissen um den anderen ihre Zeit. Wie wichtig bei diesem Prozeß gerade auch die Möglichkeit zu direkten zwischenmenschlichen Beziehungen ist, zeigte sich auch bei dem Seminar in Potsdam: Alle australischen Referenten brachten ihre Fireude über den Aufenthalt in der Region Berlin-Potsdam zum Ausdruck, wobei ein jeder von ihnen damit ganz persönliche Erfahrungen verknüpfte. (So war einer der Professoren das erste Mal seit 40 Jahren wieder in Berlin und wollte zuhause zunächst einmal über die großen Veränderungen der Region, die für ihn immer noch Urümmerlandschaft gewesen war, berichten.)
Ein verstärkter Austausch zwischen australischen und deutschen Lehrenden und Studierenden dürfte jedoch auch im Hinblick auf die aktuellen Studienreformdiskussionen in der Bundesrepublik interessant sein. So berichteten die australischen Tfeilnehmer von einem 1993 bei ihnen eingeführten Qualitäts- überprüfungsprogramm ihrer Hochschulen; Universitäten, die sich einer entsprechenden Überprüfung stellen, erhalten beispielsweise mehr staatliche Unterstützung. Studierende wiederum wissen durch das „Ranking“, woran sie an den einzelnen Hochschulen sind. - Bereits diese wenigen Beispiele mögen genügen, um zu zeigen, daß die Neugierde der deutschen wie auch der australischen Teilnehmer an dem jeweils anderen Land bzw. System durch den Australientag in vielerlei Hinsicht geweckt und befördert werden konnte. Und darauf, so Prof. Dr. Hans-Georg Petersen, der deutsche Direktor des Australienzentrums, wolle man in Potsdam nun aufbauen. Hg.
PUTZ 5/96
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