Heft 
(1.1.2019) 05
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WISSENSCHAFT AKTUELL

lien, die Biochemie der Stoffausscheidun­gen, so z. B. die Emission schwefelhaltiger Verbindungen über die Blätter oder die Ex­kretion von Stoffwechselprodukten, und die Biochemie pflanzlicher Signalstoffe unter­sucht werden. Neben der Gentechnik wird weiterhin auch konventionell durch Kreu­zung das Erbmaterial verändert.

Daß die Ergebnisse der Arbeiten an dem

Der Wunder höchstes ist es, daß uns die wahren, echten Wunder so alltäglich werden können., läßt Lessing seinen Nathan ausru- fen. Tatsächlich ist die Selbstverständlich­keit, mit der wir uns der Sprache bedienen, beinahe noch wunderbarer, als die Sprache an sich. Selbst unbekannte und komplizier­te Sätze können wir, zumindest von ihrer Struktur her, verstehen. Niemals würden wir auf die Idee kommen, unseren Gesprächs­partner mit der Bitte zu unterbrechen, er möge doch das eben Gesagte noch einmal anders formulieren, weil wir mit dieser Art von Satzkonstruktionen immer etwas Proble­me hätten. Umgekehrt können bereits Kin­der einenormale" Unterhaltung ohne lan­ges Zögern führen. Um einen Sachverhalt mitzuteilen, wählen sie aus einer Vielzahl von erdenklichen Sätzen unbewußt einen aus, der inhaltlich möglichst präzise ist, ohne gleichzeitig einen zu komplizierten Aufbau zu besitzen. Dabei müssen Kinder Sprache nicht erst formell lernen wie beispielsweise Rechnen oder Lesen.

Tätsächlich fanden Sprachwissenschaftler in den letzten Jahrzehnten heraus, daß die Sprachverwendung auf angeborenen Kennt­nissen und Fähigkeiten fußt. Dafür spricht beispielsweise, daß partielle Übereinstim­mungen in der Struktur verschiedener Spra­chen gefunden wurden, hinter denen ge­meinsame biologische Grundlagen ange­nommen werden. Prof. Dr. Hubert Haider führte in dem Vortrag, den er anläßlich der offiziellen Eröffnung des Graduiertenkollegs an der Humboldt-Universität am 10. Mai 1996 hielt, aus, daß dieGrammatik ein neuro-biologisch determiniertes, kognitives Modul sei. Das bedeutet, daß es eine uni­

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Institut zusätzlich Auswirkungen auf Proble­me der Anwendung haben, zum Beispiel bei der Nutzung von Pflanzen als Nahrungs­oder Rohstoffquellen oder zur Erzeugung neuer Inhaltsstoffe, ist in der Zielsetzung durchaus miteinkalkuliert. Zu den Vorwürfen im Zusammenhang mit den Freilandver­suchen mit gentechnisch veränderten Kartof­feln sagt Höfgen, daß nach seiner Überzeu-

verselle Grammatik gibt, die auf bestimmte Strukturen im Gehirn abgebildet ist.

Als Beweis für diese These beschrieb er unter anderem die Beobachtungen, die an taubstummen Patienten gemacht wurden, die sich über die (nichtsprachliche) Gesten­sprache verständigten, und die zusätzlich unterschiedliche Verletzungen am Gehirn hatten (die aber nicht im Zusammenhang mit ihrer Tkub- und Stummheit standen). Bei ei­nigen von ihnen zeigten sich infolge der Lä­sionen Sprachstörungen (gestisch), ohne daß jedoch die nichtsprachliche Gestik be­hindert war. Des weiteren waren Untersu­chungen an Kindern mit deutlich unterdurch­schnittlichen kognitiven Fähigkeiten, wie sie beispielsweise für das Wiliams-Syndrom charakteristisch sind, durchgeführt und bei ihnen eine normale bis überdurchschnittli­che sprachliche Begabung festgestellt wor­den. An diesen und anderen Fällen machte Haider deutlich, daß die Sprachbeherr- schung also nicht einfach eine spezifische kognitive Kapazität ist.

Ziel des GraduiertenkollegsÖkonomie und Komplexität der Sprache ist allerdings nicht die Erforschung des Sprachvermögens auf neurowissenschaftlicher Basis. Das Studien- und Forschungsprogramm widmet sich viel­mehr der Frage, wie sprachliches Wissen organisiert ist. Ausgangspunkt für die ver­schiedenen Tteilprojekte ist die Annahme, daß eine Sprache zum einen dazu befähigen sollte, auch komplizierte Inhalte exakt wie­derzugeben, zum anderen sollte sie aus ökonomischen" Gründen - um möglichst flexibel, leicht handhabbar undplatzspa­rend zu sein - aus minimalen und optima­len Elementen und Prinzipien bestehen.

gung die Gentechnik hier keine Risiken be­inhalte, die nicht auch bei den herkömmli­chen Kreuzungsmethoden bestünden. Le­diglich das Einptlanzen des antibiotika- resistent-machenden Gens ist eine weiterge­hende Modifakation des Erbgutes. Die Ge­fahr, daß es bei Menschen eine allergische Reaktion hervorruft, ist seiner Meinung nach jedoch verschwindend gering. ade

Ohne Sprache ist nur ein sehr eingeschränktes Verstehen unter den Menschen möglich.

Zeichnung: Oliver Wfe/ss

Daraus ergibt sich zum einen die Hage, in welchem Verhältnis die Komplexität der Strukturen zur Ökonomie der Elemente und Prinzipien bei der Organisation sprachlichen Wissens stehen und welche Rolle dieses Ver­hältnis bei den Verlaufsbedingungen des ge­schichtlichen Sprachwandels, des Sprach- erwerbs und der Sprachstörung sowie der verschiedenen Modalitäten der Sprachver­wendung spielt.

Um diese Hagen zu beantworten, werden die Struktur der Sprachkenntnis, die SpracH- veränderung, die Entwicklung und Störung der Sprachkenntnis sowie die Sprachverar- beitung in vier Tfeilprojekten untersucht. Bei­spielsweise soll geklärt werden, in welcher Weise der individuelle Spracherwerb in der Kindheit sowie die allmähliche Sprachstö­rung durch Alterung oder Krankheit von der Komplexität der jeweiligen Sprachelemente oder -Strukturen bestimmt wird. Hierzu muß natürlich eine Annahme gemacht werden, wovon die Komplexität eines Begriffes ab­hängt. So wird angenommen, daß Verben umso komplexer sind, je mehr Argumente sie haben, so daß demnach transitive Verben (Verben mit Akkusativobjekt), wiesingen oderkaufen, komplexer wären als intran­sitive Verben (Verben ohne Akkusativobjekt) wieschlafen odergähnen". Würde diese Komplexität beim Spracherwerb eine Rolle spielen, so müßten intransitive Verben früher aufgenommen werden als transitive. Durch derartige Untersuchungen hofft man, im Rahmen des Graduiertenkollegs beispiels­weise dazu beizutragen, die Hage, wie Reifungsprozesse, angeborenes Sprachwis- sen, Verarbeitungsfaktoren und die Struktur der zu erwerbenden Sprache voneinander abhängen, beantworten zu können. ade

PUTZ 5/96

Ökonomie und Komplexität: regel-

MECHANISMEN FÜR DIE STRUKTUR DER SPRACHE

Das erste Graduiertenkolleg der Universität wurde eröffnet

Die Erkenntnis ist uralt und so wichtig, daß sie sogar Eingang in die Bibel fand: Ohne Sprache ist die kollektive Handlungsfähigkeit der Menschheit weitgehend unmöglich. Denn was geschah, als die Menschen beschlossen hatten, einen Türm zu bauen, der bis in den Himmel reichen sollte? Gott warf nicht etwa Steine herab oder ließ die Erde beben. Er löste das ganze ebenso unblutig wie wirkungsvoll: Er nahm den Menschen die Fähigkeit, miteinander zu kommunizieren - und schon brach die Bautätigkeit auf­grund mangelnder Verständigung ab. An der Universität Potsdam und der Humboldt- Universität zu Berlin wurde nun ein Graduiertenkolleg mit dem TitelÖkonomie und Komplexität der Sprache eingerichtet (siehe auch PUTZ/März 1996 zum Aufbau und Umfang des Kollegs), das einen Beitrag zur Erforschung dieser Begabung leisten soll.