TUTORIEN ALS STARTHILFE IN DER ORIENTIERUNGSPHASE?
Bärbel Kirsch möchte eine breite Diskussion initiieren
In verschiedenen Instituten der Universität erfolgt derzeit bereits auf Initiative von Studierenden die Betreuung von Erstsemestlem. Und das mit großem Erfolg, Foto: TYibukeit
Hochschulpolitisch wird gegenwärtig eine breite Diskussion zur Verbesserung von Lehre und Studium geführt. Unterschiedliche Aspekte finden dabei Beachtung. An der Universität Potsdam stehen neben fragen der Lehrevaluation auch fragen der Verbesserung von Studienbedingungen zur Diskussion. In diesem Zusammenhang scheint es geboten, Hitorienprogramme ins Spiel zu bringen. Hitorien sind eines der klassischen Mittel zu einer besseren Lehre. Sie sind in der Regel von älteren Studierenden geführte studentische Kleingruppen, die das Ziel haben, Studienanfängerinnen und -anfänger bei der Orientierung in der Universität zu unterstützen, zum Studium allgemein anzuleiten oder den in den Lehrveranstaltungen vermittelten Stoff zu vertiefen und bei Studienschwierigkeiten zu helfen.
Noch gibt es in dieser Hinsicht an der Universität Potsdam wenig Erfahrungen. Mit Blick auf andere Hochschulen kann man Tütorien sehr unterschiedlicher Konzeption registrieren. So gibt es hinsichtlich der Trägerschaft 111101060 in Verantwortung einzelner oder mehrerer Lehrender oder eines Lehrstuhls, Ihtorien in Verantwortung einer Fachschaft und Tütorien in gemischter Verantwortung.
Hinsichtlich der Komplexitätsstufe ist ebenfalls auf Differenzierungen zu verweisen: entweder bietet ein Lehrender mit einer Gruppe von ausgewählten Tütoren für das eigene Seminar Begleittutorien ohne Beteiligung anderer Lehrender an oder leitet ein Lehrender ein mstitutsbezogenes Tütorium, in dem mehrere Lehrende mit je einer Gruppe der Tütoren Zusammenarbeiten. Hinsichtlich der Integration der Fachdimension sind Orientierungs-Tütorien vorstellbar, die außerhalb und zeitlich oft vor fachlichen Veranstaltungen stattfinden sowie Orientierungs-Tütorien als Element in fachzentrierten Veranstaltungen. Welches Tütorienkonzept letztendlich gewählt wird, hängt von den Bedingungen der jeweiligen Institute und den Personen ab, die die Tütorien initiieren.
Klar sind hingegen die Ziele von Tütorien für Studienanfängerinnen und -anfänger; es sind im wesentlichen:
Die Orientierung im neuen Lebensraum Universität.
Dabei geht es um das Vertrautmachen mit den Instituts- und fakultätseigenen sowie den universitären Einrichtungen, aber auch mit den Kultur- und Freizeitangeboten. Zugleich sollte die Fachschafts- und Studierendenrats- arbeit kennengelernt werden.
Das Knüpfen von sozialen Kontakten.
Der Studiengang bedeutet für viele Studie
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rende einen Bruch in der Lebenssituation, den Verlust von Bindungen. Der vergleichsweise hohe Anonymitätsgrad an der Universität wirkt oft überfordernd und entmutigend. Über die Tütorien entstehen nicht selten Arbeits- und Lerngruppen, die den Studienverlauf überdauern und sozialer Isolation entgegenwirken.
Die Weiterentwicklung der Studierfähigkeit. Tütorien können und sollten dazu beitragen, das eigene Lernverhalten zu reflektieren und weiterzuentwickeln, Strategien hochschulischen Arbeitens und Lernens auszubilden oder zu vervollkommnen sowie grundlegende wissenschaftliche Arbeits- und Studiertechniken zu üben.
Die fachliche Orientierung.
Inhalte von Lehrveranstaltungen können begleitet und vertieft werden. Die Kombination von vertrauensvoller Atmosphäre in kleinen Gruppen mit fachlichem Üben fördert den Studienerfolg. Überdies können Lehrende die Rückmeldungen der Tütoren zur Verbesserung ihrer Lehrkonzepte nutzen.
As Tütoren sollten „ältere“ Studierende, möglichst solche, die das Grundstudium abgeschlossen haben, wirksam werden. Bislang gibt es in der Tütorienarbeit an der Universität Potsdam kaum Erfahrungen. Die Einführung von Tütorien könnte die Studienberatung ergänzen. Diese Aufgabe lohnt es, in Angriff genommen zu werden. Wünschenswert ist der Beginn einer breiten Diskussion zur Einführung von Tütorienprojek- ten in den Fakultäten, Instituten und Fach- schaften. Zahlreiche fragen werden dabei zu klären sein: Wer soll Träger von Tütorien- projekten sein? Welche Zielstellung sollte die
Tütorienarbeit haben? Wie sind Abeitsdauer und -umfang der Tütorien zu planen? Welche Voraussetzungen soll ein Tütor in dieser Tätigkeit mitbringen? Und: Wie ist die Tätigkeit zu honorieren?
Die Senatskommission Lehre und Studium und die Studienfachberater wollen sich demnächst mit diesen fragen beschäftigen. Schon jetzt ist jedoch festzuhalten, daß Voraussetzungen für eine Tütorentätigkeit nicht nur gute Leistungen, sondern vor allem auch soziales Engagement sind. Tütoren sollen an fachlichem und sozialem Lernen und Lehren der Studienanfänger und der eigenen Person interessiert sein. Die Schulung der Tütoren dürfte neben der persönlichen Eignung ein wesentlicher Schritt zur erfolgreichen Einführung eines Tütorenprogramms sein. Deshalb soll demnächst im Sinne eines Pilotprojektes an der Universität ein erstes Aus- bildungsangebot für interessierte Studierende offeriert werden.
Interessierte Studierende können sich schriftlich wenden an: Elisabeth Hilligardt c/o Prof. Dr. Weber, Universität Potsdam, Park Babelsberg, Haus 7, 14482 Potsdam.
Bärbel Kirsch
030/6946070
• Banddurchsagen Tag + Nacht!
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