STUDENTEN KÄMPFTEN FÜR HEP-STELLEN
„Die fachsprachliche Ausbildung muß bestehen bleiben"
Die Finanzierung von sieben Stellen im Sprachenzentrum aus dem Hochschulerneuerungsprogramm (HEP) läuft zum 31.12.1996 aus. Betroffen sind davon neben den Stellen für die Englische Rechtssprache von Carolyn Mills und Johanna Zimmer auch Fachsprachenstellen für das Wirtschaftswissenschaften-Englisch, das Sozialwissenschaf- ten-Englisch, Französisch, Latein und Spanisch. Angesichts der desaströsen Haushaltslage des Landes Brandenburg war mit einer Weiterführung dieser Stellen aus Landesmitteln zunächst kaum zu rechnen, obwohl gerade dies zuvor zugesagt worden war.
mehrfach revidierten Zeitplans Studiengänge installiert, die ihrerseits jeweils vom Ministerium genehmigt worden sind, Sie hat im Vertrauen auf die staatlichen Ausbauzusicherungen äußerst erfolgreich um die Einschreibung von Studierenden geworben und ihnen gegenüber entsprechende Ausbildungsverpflichtungen übernommen. Diese erreichen nun in großer Zahl das Hauptstudium, für welches indessen das Lehrangebot weder personell noch räumlich gewährleistet ist.
Sowohl diese Argumente als auch die Demonstration vor dem Landtag im Verbund mit massiven Protesten seitens der Studierenden (siehe „Studenten kämpften für HEP- Stellen“) scheinen Wirkung gezeigt zu haben: So ist zwar der Haushalt 1997 vom Parlament noch nicht beschlossen; doch war aus dem MWFK zu erfahren, daß alle HEP- fmanzierten Stellen der Umversität beim Finanzministerium angemeldet worden seien. Wissenschaftsminister Steffen Reiche bezeichnte die Aufnahme dieser HEP-Stellen in den Haushalt 1997 gegenüber dem Rektor als „Angelegenheit von höchster Priorität“, die er sich so zueigen machen würde, daß er notfalls auch sein politisches Schicksal damit verknüpfte. Hg.
Die Studenten der Juristischen Fakultät, die von einem Wegfall der HEP-Stellen besonders hart getroffen wären, versuchten bereits im Januar, Wissenschaftsminister Steffen Reiche durch eine Resolution von der Bedeutung der Englischen Rechtssprache für die Studenten und für das Profil der Juristenausbildung an der Uni Potsdam zu überzeugen. Eine Kleine Anfrage des Abgeordneten Dr. Markus Vette (CDU) machte die Englische Rechtssprache im Zusammenhang mit der HEP-Problematik auch zum Thema im Wissenschaftsausschuß des Landtages. Das Wissenschaftsministerium beteuerte, es habe die Notwendigkeit der Weiterführung der HEP-Stellen im Sprachenzentrum erkannt und Minister Reiche versprach, „alles in meiner Macht Stehen
de“ zu tun, um die Stellen zu retten. Doch die Mitarbeiter des Wissenschaftsministers vergaßen in der ersten Runde der Haushaltsverhandlungen, die Stellen überhaupt beim Finanzministerium zu beantragen. Die Vorzüge einer fachsprachlich begleiteten Ausbildung im Hinblick auf bessere Berufschancen zeigten sich erst kürzlich wieder bei einem Vortrag von Prof. Dr. Klaus Dierscherl aus Rassau, den dieser in Potsdam hielt. Neben dem Studiengang des Kulturwirts stellte er das renommierte Fäs- sauer Modell des Fachsprachenunterrichts in Einzelheiten vor. Dabei zeigte sich, daß das zur Zeit an der Um Potsdam praktizierte Modell der Ausbildung in der Englischen Rechtssprache mit sehr ähnlichen Unterrichtsinhalten, aber bei (unterrichtsraumbedingt) deutlich kleineren Kursgrößen, dem Passauer Konkurrenten stellenweise sogar überlegen ist. Bei dieser Gelegenheit hob Prof. Dierscherl noch einmal die „überragende Bedeutung“ der fachsprachlichen Ausbildung für Studenten aller Studiengänge vor dem Hintergrund eines inzwischen internationalen Arbeitsmarktes hervor.
Der Landtag wurde am 12. Juni 1996 erneut mit dieser Problematik im Zusammenhang mit der Haushaltsanmeldung der HEP-Stellen konfrontiert. Die sich besonders für die Stellen im Sprachenzentrum einsetzenden Studierenden haben sehr wohl vernommen, daß dieses Thema für Minister Reiche „von höchster Priorität" sei und er notfalls sein „politisches Schicksal damit verknüpfen würde.“ Unterdessen wurden seitens des Wissenschaftsministeriums diese Stellen beim Finanzministerium nachgemeldet. Das Finanzministerium hat dazu erklärt, daß es Stellennachforderungen besonders kritisch betrachte, da es einen Lawineneffekt für die Haushaltsverhandlungen mit anderen Ministerien befürchte. Am 13. August verhandelt das Kabinett den Haushalt erneut. Der Landtag wird den Haushalt 1997 wohl erst Ende August oder später verabschieden. Spätestens dann herrscht Klarheit über die Zukunft der Fachsprachenausbildung im Sprachenzentrum an der Uni Potsdam.
Wir Jurastudenten bangen jedenfalls gemeinsam mit den HEP-Leuten um das „politische Schicksal“ von Wissenschaftsminister Steffen Reiche. Marc Wesser
ALGEBRAISCHE TRADITION IN POTSDAM
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Vom 23. bis 30. August 1970 fand an der Pädagogischen Hochschule ln Potsdam die Spezialtagung über algebraische Strukturen und ihre Anwendungen statt. Fast 26 Jahre danach eröffnete Prof. Dr. Helmut Mikelskis, Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam, die „Conference on General TUgebra and Discrete Mathematics“, die zu Ehren von Dr. habil. Hans-Jürgen Hoenke organisiert wurde. In seinen Begrüßungsworten wies der Dekan auf die drei Wurzeln der Konferenz hin. Die lägung von 1970 war eine der Wurzeln, die sich im Verlauf von 20 Jahren unter dem Sammeltitel „TUgebra und Grenzgebiete" zu einer Tradition entwickelte, die eng mit Hoenke verbunden ist. Eine zweite Wurzel ist die von Darmstädter JUgebraikern ins Leben gerufene Reihe „Arbeitstagung Allgemeine Algebra", die in Kooperation mit Universitäten aus Österreich und der Bundesrepublik stattfand. Potsdam beteiligte sich an deren Organisation erstmals 1992. Die dritte Wurzel erwuchs aus der Zusammenarbeit der Potsdamer Algebraiker mit Kollegen aus Bulgarien, die bis 1980 zurückgeht. So war die Konferenz im Juni 1996 gleichzeitig die „52. Arbeitstagung Allgemeine Algebra " und die „ 7. Conference on Discrete Mathematics“. Die Themen der neun Haupt- und 78 kürzeren Vorträge reichten von der Allgemeinen Algebra über Verbandstheorie, Graphentheorie, Gruppen- und Ringtheorie, Partieller Algebra bis zur Anwendung in der Informatik. Die 104 Teilnehmer kamen aus Bulgarien, Deutschland, Estland, Frankreich, Großbritannien, Hongkong, Italien, Kanada, Lettland, Österreich, den Philippinen, Polen, Rußland, Südafrika, Thailand, Tschechien, der Ukraine, Ungarn, den USA und Weißrußland, was dem Anliegen der Organisatoren entsprach, Mathematiker aus Ost und West zusammenzuführen.
Hans-Jürgen Vogel/Foto: Fritze
PUTZ 6/96
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