_ e_
5 JAHRE UNIVERSITÄT POTSDAM
Foto: Fhtze
Prof. Dr. Wolfgang Loschelder
Liebe Mitglieder und Freunde der Universität Potsdam!
Durch das Brandenburgische Hochschulgesetz vom 24. Juni 1991 wurde die Universität Potsdam mit Wirkung zum 15. Juli 1991 gegründet. Das heißt: Sie ist vor wenigen lägen fünf Jahre alt geworden. Ich bin oft gefragt worden, warum wir diesen Geburtstag nicht festlich begangen haben. Denn natürlich hätten wir Grund zum Feiern gehabt: Hinter uns liegen fünf Jahre eines stürmischen, oft mühsamen, aber erfolgreichen Aufbaus - und wenn wir das Ergebnis unserer Anstrengungen, die Universität Potsdam, kritisch betrachten, so dürfen wir, meine ich, auch ein wenig stolz sein.
Tfotzdem: fünf Jahre sind eine zu kurze Zeit für ein „Jubiläum“, es sei denn, das Werk wäre vollendet. Davon kann aber keine Rede sein. Im Gegenteil: Der Ausbau der Universität ist unter den Einbrüchen der staatlichen Haushalte zum Stillstand gekommen, und es drohen noch stärkere, gefährlichere Einschnitte in ihre Substanz. Das Haushaltsvolumen ist im Jahre 1996 erstmals seit der Gründung zurückgegangen; zusätzlich sollen wir bis zum 30. September Einsparungen von 3,55 Mio. DM nachweisen. Die Perspektive für 1997 ist noch bedrückender.
Kein Anlaß zum Feiern also - aber auch kein Anlaß, mutlos zu werden. Wenn wir zurückblik- ken, sehen wir, welche Schwierigkeiten wir in der Vergangenheit bewältigt haben. Es waren andere als heute, aber sie waren nicht geringer. Wir haben unsere Universität auf einem sicheren Boden solide aufgebaut und daher allen Grund, entschlossen an die Probleme zu gehen, die vor uns liegen.
Und noch etwas zeigt der Blick zurück: Die Universität Potsdam ist das Ergebnis einer großen gemeinschaftlichen Anstrengung. Wir haben von vielen Seiten Hilfe erhalten, und dafür sind wir dankbar. Vor allem aber war es das Zusammenstehen aller Mitglieder und Gruppen der Universität, der gemeinsame Einsatz für ein gemeinsames Ziel, was den Erfolg gebracht hat. Gemeinsam werden wir auch künftig das Erreichte sichern und den notwendigen weiteren Ausbau betreiben. Gemeinsam werden wir unzumutbare und sachwidrige Eingriffe abwehren. Gemeinsam werden wir, eigenverantwortlich, ein Konzept entwik- keln, wie wir mit den verfügbaren Mitteln diese schwierige Phase durchstehen kön
nen. Gemeinsam werden wir, trotz der verschlechterten Bedingungen, unsere Leistungen in Forschung und Lehre weiter steigern und den Nachweis führen, daß es sich lohnt, in diese Universität zu investieren. Und wir werden nicht aufhören, gemeinsam dafür zu kämpfen, daß in unserem Land die politischen Prioritäten endlich richtig gesetzt werden - bei den Zu-kunftsin- vestitionen nämlich, zu denen vor allem die wissenschaftliche Forschung und die Ausbildung der nächsten Generation gehören.
Ihr Wolfgang Loschelder, Rektor
PROFILSETZUNG JA, ABER SINNVOLL MUSS SIE SCHON SEIN
Für den Rektor der größten Universität Brandenburgs - der Universität Potsdam - liegt es auf der Hand, daß in Zeiten knapper Finanzen die Prioritäten des Landeshaushaltes neu gesetzt werden müssen. Das Sparen nach dem Gießkannenprinzip, so Prof. Dr. Wolfgang Loschelder, müsse ein Ende haben und einer klaren Profilsetzung Platz machen. Diese dürfe jedoch nicht dazu führen, daß Stärken der einen Hochschule zugunsten einer anderen Hochschule geschwächt und abgebaut würden. Vielmehr müßte die Profilbildung dazu führen, bereits vorhandene Qualitäten zu fördern bei gleichzeitiger Bereitschaft, Schwächen an anderen Stellen abzubauen.
Wenn man vor diesem Hintergrund die beiden Juristischen Fakultäten Brandenburgs, die sich an der Universität Potsdam und an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder befinden, vergleicht - so, wie es kürzlich der Rektor der Viadrina getan hat -, ist es für Prof. Dr. Wolf gang Loschelder keine Frage, wo notfalls gespart werden müßte: auf jeden Fall nicht an der Juristischen Fakultät der Potsda
Seite 4
mer Universität als einem ihrer Glanzpunkte.
Die Potsdamer Rechtswissenschaft hat sich von Anfang an einer außerordentlichen Beliebtheit bei den Studierenden und auch bei Lehrkräften erfreut: 1.854 Studentinnen und Studenten sind in diesem Sommersemester in der Juristischen Fakultät der Universität Potsdam eingeschrieben. Ohne einen Numerus clausus könnten es leicht noch mehr sein, was aber unter Qualitätskriterien bewußt vermieden wird. Auch hatte die Juristische Fakultät in Potsdam nie Schwierigkeiten, qualifizierte Wissenschaftler als Lehrkräfte zu gewinnen. An einer solchen Stelle zu sparen und Qualität damit bewußt zu beschneiden, ist -so der Rektor der Universität Potsdam - auch in Zeiten knapper Finanzen nicht akzeptabel.
Für ebenso sinnlos hält Loschelder den kürzlich von Brandenburgs Verkehrsminister Hartmut Meyer gemachten Vorschlag, die von Schließung bedrohte landwirtschaftliche Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin an die Europa-Universität Frankfurt/Oder anzubinden. Zwar sei es in Anbetracht der aktuellen Haushaltslage
unrealistisch, über die Übernahme einer solch teuren Fakultät ernsthaft nachzudenken - auch wenn sie hervorragend in die Wirtschaftsstrukturen des Landes passen würde. Wenn es jedoch den dafür zuständigen Stellen trotz aller Widrigkeiten gelänge, eine kostenneutrale Lösung für die Übernahme der landwirtschaftlichen Fakultät zu finden, dann müßte diese auch in einem fachlich passenden Umfeld angesiedelt werden. Insoweit böte die Universität Potsdam den Vorteil einer leistungsfähigen Ma th ematisch -Na turwissenschaftlich en Fakultät samt einer ausgezeichneten Ernährungswissenschaft, die eng mit dem Deutschen Institut für Ernährungsforschungin Potsdam-Rehbrücke zusammenarbeitet. An der Viadrina in Frankfurt/Oder dagegen sind derartige Anknüpfungspunkte überhaupt nicht erkennbar. Diese Universität wurde vielmehr gezielt mit einem Schwerpunkt in den Kultur- und Sozialwissenschaften (einschließlich der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften) gegründet. In diesem Umfeld müßte eine landwirtschaftliche Fakultät wie ein Fremdkörper erscheinen. Hg.
PUTZ 6/96