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(1.1.2019) 06
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5 JAHRE UNIVERSITÄT POTSDAM

Foto: Fhtze

Prof. Dr. Wolfgang Loschelder

Liebe Mitglieder und Freunde der Universität Potsdam!

Durch das Brandenburgische Hochschul­gesetz vom 24. Juni 1991 wurde die Univer­sität Potsdam mit Wirkung zum 15. Juli 1991 gegründet. Das heißt: Sie ist vor we­nigen lägen fünf Jahre alt geworden. Ich bin oft gefragt worden, warum wir diesen Geburtstag nicht festlich begangen haben. Denn natürlich hätten wir Grund zum Fei­ern gehabt: Hinter uns liegen fünf Jahre eines stürmischen, oft mühsamen, aber er­folgreichen Aufbaus - und wenn wir das Ergebnis unserer Anstrengungen, die Uni­versität Potsdam, kritisch betrachten, so dürfen wir, meine ich, auch ein wenig stolz sein.

Tfotzdem: fünf Jahre sind eine zu kurze Zeit für einJubiläum, es sei denn, das Werk wäre vollendet. Davon kann aber keine Rede sein. Im Gegenteil: Der Ausbau der Univer­sität ist unter den Einbrüchen der staatlichen Haushalte zum Stillstand gekommen, und es drohen noch stärkere, gefährlichere Ein­schnitte in ihre Substanz. Das Haushaltsvo­lumen ist im Jahre 1996 erstmals seit der Gründung zurückgegangen; zusätzlich sol­len wir bis zum 30. September Einsparun­gen von 3,55 Mio. DM nachweisen. Die Per­spektive für 1997 ist noch bedrückender.

Kein Anlaß zum Feiern also - aber auch kein Anlaß, mutlos zu werden. Wenn wir zurückblik- ken, sehen wir, welche Schwie­rigkeiten wir in der Vergangen­heit bewältigt haben. Es waren andere als heute, aber sie wa­ren nicht geringer. Wir haben unsere Universität auf einem si­cheren Boden solide aufgebaut und daher allen Grund, ent­schlossen an die Probleme zu gehen, die vor uns liegen.

Und noch etwas zeigt der Blick zurück: Die Universität Potsdam ist das Ergebnis einer großen gemeinschaftlichen Anstren­gung. Wir haben von vielen Seiten Hilfe er­halten, und dafür sind wir dankbar. Vor al­lem aber war es das Zusammenstehen al­ler Mitglieder und Gruppen der Universität, der gemeinsame Einsatz für ein gemeinsa­mes Ziel, was den Erfolg gebracht hat. Ge­meinsam werden wir auch künftig das Er­reichte sichern und den notwendigen wei­teren Ausbau betreiben. Gemeinsam wer­den wir unzumutbare und sachwidrige Ein­griffe abwehren. Gemeinsam werden wir, eigenverantwortlich, ein Konzept entwik- keln, wie wir mit den verfügbaren Mitteln diese schwierige Phase durchstehen kön­

nen. Gemeinsam werden wir, trotz der ver­schlechterten Bedingungen, unsere Lei­stungen in Forschung und Lehre weiter stei­gern und den Nachweis führen, daß es sich lohnt, in diese Universität zu investieren. Und wir werden nicht aufhören, gemeinsam dafür zu kämpfen, daß in unserem Land die politischen Prioritäten endlich richtig ge­setzt werden - bei den Zu-kunftsin- vestitionen nämlich, zu denen vor allem die wissenschaftliche Forschung und die Aus­bildung der nächsten Generation gehören.

Ihr Wolfgang Loschelder, Rektor

PROFILSETZUNG JA, ABER SINNVOLL MUSS SIE SCHON SEIN

Für den Rektor der größten Universität Brandenburgs - der Universität Potsdam - liegt es auf der Hand, daß in Zeiten knapper Finanzen die Prioritäten des Lan­deshaushaltes neu gesetzt werden müs­sen. Das Sparen nach dem Gießkannen­prinzip, so Prof. Dr. Wolfgang Loschelder, müsse ein Ende haben und einer klaren Profilsetzung Platz machen. Diese dürfe jedoch nicht dazu führen, daß Stärken der einen Hochschule zugunsten einer ande­ren Hochschule geschwächt und abge­baut würden. Vielmehr müßte die Profil­bildung dazu führen, bereits vorhandene Qualitäten zu fördern bei gleichzeitiger Bereitschaft, Schwächen an anderen Stel­len abzubauen.

Wenn man vor diesem Hintergrund die beiden Juristischen Fakultäten Branden­burgs, die sich an der Universität Potsdam und an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder befinden, vergleicht - so, wie es kürzlich der Rektor der Viadrina getan hat -, ist es für Prof. Dr. Wolf gang Loschelder keine Frage, wo notfalls ge­spart werden müßte: auf jeden Fall nicht an der Juristischen Fakultät der Potsda­

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mer Universität als einem ihrer Glanz­punkte.

Die Potsdamer Rechtswissenschaft hat sich von Anfang an einer außerordentlichen Be­liebtheit bei den Studierenden und auch bei Lehrkräften erfreut: 1.854 Studentinnen und Studenten sind in diesem Sommersemester in der Juristischen Fakultät der Universität Potsdam eingeschrieben. Ohne einen Nu­merus clausus könnten es leicht noch mehr sein, was aber unter Qualitätskriterien be­wußt vermieden wird. Auch hatte die Juristi­sche Fakultät in Potsdam nie Schwierigkei­ten, qualifizierte Wissenschaftler als Lehr­kräfte zu gewinnen. An einer solchen Stelle zu sparen und Qualität damit bewußt zu beschneiden, ist -so der Rektor der Univer­sität Potsdam - auch in Zeiten knapper Fi­nanzen nicht akzeptabel.

Für ebenso sinnlos hält Loschelder den kürzlich von Brandenburgs Verkehrsmini­ster Hartmut Meyer gemachten Vorschlag, die von Schließung bedrohte landwirt­schaftliche Fakultät der Humboldt-Univer­sität zu Berlin an die Europa-Universität Frankfurt/Oder anzubinden. Zwar sei es in Anbetracht der aktuellen Haushaltslage

unrealistisch, über die Übernahme einer solch teuren Fakultät ernsthaft nachzuden­ken - auch wenn sie hervorragend in die Wirtschaftsstrukturen des Landes passen würde. Wenn es jedoch den dafür zustän­digen Stellen trotz aller Widrigkeiten ge­länge, eine kostenneutrale Lösung für die Übernahme der landwirtschaftlichen Fa­kultät zu finden, dann müßte diese auch in einem fachlich passenden Umfeld angesie­delt werden. Insoweit böte die Universität Potsdam den Vorteil einer leistungsfähigen Ma th ematisch -Na turwissenschaftlich en Fakultät samt einer ausgezeichneten Er­nährungswissenschaft, die eng mit dem Deutschen Institut für Ernährungsfor­schungin Potsdam-Rehbrücke zusammen­arbeitet. An der Viadrina in Frankfurt/Oder dagegen sind derartige Anknüpfungs­punkte überhaupt nicht erkennbar. Diese Universität wurde vielmehr gezielt mit ei­nem Schwerpunkt in den Kultur- und Sozi­alwissenschaften (einschließlich der Wirt­schafts- und Rechtswissenschaften) ge­gründet. In diesem Umfeld müßte eine landwirtschaftliche Fakultät wie ein Fremd­körper erscheinen. Hg.

PUTZ 6/96