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(1.1.2019) 06
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NESTOR DER DEUTSCH-JUDISCHEN GESCHICHTSSCHREIBUNG GEEHRT

Ehrendoktorwürde der Unversität Potsdam für Arnold Paucker

Es läßt sich mit Sicherheit errechnen, daß über anderthalb Millionen jüdischer Männer ( auch viele Frauen) in den Ar­meen der antifaschistischen Allianz ge­kämpft haben, 1.200.000 von ihnen in der Roten Armee und den Armeen der Verei­nigten Staaten und Großbritanniens.... In Spanien in den Internationalen Brigaden waren über 15% der 45 000 Brigadisten Juden. (Arnold Paucker im November 1988 in der Gedenkstätte Deutscher Wi­derstand, Berlin)

Jüdischer Widerstand gegen die Nazidikta­tur ist seit mehreren Jahrzehnten eines der wissenschaftlichen Themen des deutsch­jüdischen Historikers Arnold Fäucker, den die Universität Potsdam am 25. Juni 1996 vor einem großen Auditorium mit der Ehren­doktorwürde der Philosophischen Fakul­tät I ehrte. In der Urkunde, die der Dekan der Fakultät, Prof. Dr. Knut Kiesant, über­reichte, heißt es:... in Würdigung seines hervorragenden Wirkens als Direktor des Leo Baeck Institutes und in Anerkennung seiner Forschung auf dem Gebiet der deutsch-jüdischen Geschichte.

Arnold Paucker, deutsch-jüdischer Herkunft und mit knapp 16 Jahren zur Emigration ge­zwungen, hat sich Forschungsgegenständen verschneben, die bis heute ein schwienges Dasein haben. Deutlich machte dies der Hi­storiker Prof. Dr. Julius Schoeps in seiner Laudatio, als er davon sprach, daß die Fra­gen der deutsch-jüdischen Geschichts­schreibung von der allgemeinen Ge­schichtswissenschaft bis heute nur beiläufig oder gar nicht zur Kenntnis genommen wer­den. Die bereits vor Erscheinen des Buches Hitlers Willing Executioners: Ordinary Ger­mans and the Holocaust (Daniel Goldha­gen) entbrannte Diskussion werfe ein bered­tes Licht auf die Situation unter den Histori­kern in Deutschland und die Akzeptanz von Fragestellungen.

Arnold Paucker gehöre zu denen, die trotz bitterer Erfahrungen die Wissenschafts­disziplin deutsch-jüdische Geschichte ge­wählt und sie gegen Widerstand etabliert haben und schon bald nach 1945 für die Verständigung von Juden und Nichtjuden, von Deutschen und Engländern wirkten. Uber das Jahrbuch des Leo Baeck Institu­tes hat Fäucker den Erkenntnissen der Wis­senschaft einen Weg gebahnt, auch Beiträ­ge von Nichtjudenzugelassen, so daß die deutsch-jüdische Geschichte seit dem 18. Jahrhundert heute als eines derbester­schlossenen Tteilgebiete der neueren deut­schen Geschichte (Reinhard Rürup) gilt. Unter Pauckers Ägide konnte man im Jahr­buch Beiträge zur Alltags- und Geschlech­

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tergeschichte wie auch solche über den Nationalsozialismus und den organisierten Judenmord lesen. Die deutsch-jüdische Geschichtswissenschaft erfuhr durch Pau­ckers Arbeiten zum Widerstand deutscher und österreichischer Juden gegen die natio­nalsozialistische Diktatur Bereicherung, und den Beteiligten widerfuhr nachträglich Gerechtigkeit.

Paucker kannte viele seiner Forschungs­gegenstände aus eigenem Erleben. Leb­haft und nicht ohne Humor, niemals beleh­rend und sehr persönlich ließ der Fünfund- siebzigjährige vor einem bewegten Audito­rium an der Potsdamer Universität sein Le­ben Revue passieren. Die Kindheit in Ber­lin-Charlottenburg, die Besuche in der Pots­damer Karlstraße, seine ersten Erlebnisse im Jugenddorf Ben Schemen in Palästina formten ihn. Prägend waren für Paucker wie für viele seiner Generation der Kampf der Internationalen Brigaden in Spanien und der eigene Militäreinsatz in der Britischen Armee. In Großbritannien hat er 1950 sei­nen Wohnsitz genommen. Typisch für seine Generation sind der späte Weg der Ausbil­dung und der verzögerte Eintritt ms Berufs­leben. Der Germanistik und Geschichte gehörte seine Neigung. Diese Fächer stu­dierte er in den fünfziger Jahren in Birming­ham und Nottingham und promovierte spä­ter in beiden. 1959 wurde er zum Direktor des Londoner Leo Baeck Institutes berufen, eine Funktion, die er heute noch ehrenamt­lich mne hat. Fäucker baute früh Kontakte zu

Erster Ehrendoktor der Philosophischen Fakul­tät I: Arnold Paucker, ehrenamtlicher Direktor des Londoner Leo Baeck Instituts. Foto: Fritze

deutschen Historikern auf, weil er deren Mitwirkung für unerläßlich hielt. Die ganze Versöhnungs-Industrie hat er mit Mißtrau­en betrachtet.Mit der neuen Generation, die ohne persönliche Schuld ist, aber eine historische Verantwortung für die Vergan­genheit fühlt, muß ich mich nicht erst ver­söhnen. Diese Worte richteten sich wohl auch an die vielen Jüngeren, die Paucker in der Stunde seiner Ehrung interessiert zu­hörten und eine einheitliche Persönlichkeit erleben konnten. Regine Derdack

VOLKSBANK BERLIN ÜBERREICHT FÖRDERPREIS

Das Auditorium maximum der Universität Potsdam ist nicht nur ein Raum, m dem sich hehre Wissenschaft präsentiert oder der hoch- schulrelevanten Veranstal­tungen Vorbehalten ist. Das zeigte sich wieder einmal am 20. Mai 1996: Die Ber­liner Volksbank verlieh im Audimax ihren Förderpreis 1996 mit dem MottoAr­beitsplätze schaffen" an ein Potsdamer und zwei Ber­liner Unternehmen.

Mit der Wahl dieses Veran­staltungsortes sollte die not­wendige und natürliche Verbindung zwischen Berlin und Brandenburg verdeut­licht werden. Für Prof Dr. Wolfgang Loschelder, Rektor der Universität und Mitglied der 13köpfigenjury, zeigte sich hierauch die Beziehung zwischen Universität und Wirtschaft. Unsere Abbildung zeigt den Diplom-Ingenieur Ulrich Maltry (links), dessen Potsdamer Fachbetrieb für Rehabilitation für die engagierte Betreuung seiner Kunden auf der Basis guter handwerklicher Arbeit mit dem 2. Preis ausgezeichnet wurde, und Dr. Burkhard Dreher, Minister für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie des Landes Brandenburg und Mitglied der Jury, wärend der Veranstaltung. ade/Foto: Tribukeit

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