INTERNATIONALES STUDIUM IN DEUTSCHLAND
Mitgliederversammlung des DAAD an der Uni Potsdam
„Die Gestaltung von Studiengängen als Instrument der Intemationalisierung der Hochschulen - Präsentation ausgewählter Beispiele“ lautete der etwas sperrige Titel einer Veranstaltung, die die diesjährige Mitgliederversammlung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) an der Universität Potsdam einleitete. Dahinter stehen die Bemühungen des DAAD, die deutschen Hochschulen für ausländische Studenten attraktiver zu machen, nachdem sich gezeigt hat, daß für diese Deutschland nicht mehr unbedingt ein lohnendes Ziel für ein Auslandsstudium zu sein scheint.
Mögliche Gründe dafür smd die hohen Lebenshaltungskosten in Deutschland, die vertrackte Sprache, die oft schlechte Betreuung an den Universitäten und die häufige Unbekanntheit der Abschlüsse im Ausland. Nicht alle diese Barrieren lassen sich
abbauen: Die Lebenshaltungskosten werden nicht durch eine Initiative des DAAD schrumpfen, und die deutsche Sprache wird für Ausländer schwieng bleiben. Allerdings gibt es an einzelnen Hochschulen modellhafte Projekte, die mit hohem persönlichen Einsatz und dem Willen, Lösungen zu finden, entwickelt und umgesetzt wurden. Vier derartige Programme wurden bei der Veranstaltung vorgestellt.
Als erstes präsentierte Prof. Dr. Hans Jochen Diesfeld ein an der Universität Heidelberg angebotenes Aufbaustudium, das sich vor allem an Studenten aus Entwicklungsländern mit bereits abgeschlossenem Medizin- oder Soziologiestudium richtet. Es bereitet die Tteilnehmer auf die Arbeit in ihrer Heimat vor, wo die medizinische Ausstattung und die Anforderungen an den Arzt anders als in den westlichen Industrieländern sind. Besonders ist, daß die Prüfungen in englisch gehalten
Der Präsdent des DAAD, Prof. Dr. Theodor Berchem, bei der Eröffnung der Mitgliederversammlung m Potsdam. Foto: Pütze
werden und das Studium mit einem „Master of Science“ abschließt. Diesfeld schilderte ausführlich die Langsamkeit des baden-württembergischen Wissenschaftsministeriums: Erst als bereits der Vorbereitungskurs für das erste Semester lief, kam die Genehmigung des Studienganges. Für ähnlichen Situationen empfiehlt er, nicht lange die behördliche Zustimmung abzuwarten, sondern unbeirrt die Umsetzung der Planung fortzusetzen.
Dann stellte Prof. Dr. Holger Dahms einen Studiengang für Nachrichtentechnik an der Fachhochschule Lübeck und der Milwaukee School of Engineenng vor. Hierbei sind die Studenten der beiden Hochschulen zunächst gemeinsam ein Jahr in Lübeck und im Anschluß ein Jahr in Milwaukee, wo sie auch ihr - in Deutschland und den USA zugleich anerkanntes - Examen ablegen. Da die amerikanischen Studenten während ihres Deutschlandaufenthaltes die Studiengebühren in Amerika weiterzahlen, brauchen die deutschen Studenten bei ihrem Gegenbesuch keine Gebühren zu zahlen.
Prof. Dr. Sigurd Littbarski stellte eine Zusatzausbildung Rechtswissenschaft für polnische Studierende vor, die gemeinsam mit den deutschen Jurastudenten Lehrveranstaltungen an der Viandrina in Frankfurt/ Oder studieren und ab dem dritten Semester an Lehrveranstaltungen zum Polnischen Recht an der Universität Poznan teilnehmen.
Als letztes präsentierte Prof. Dr. Werner Merle aus der Juristischen Fakultät die Deutsch-französische Juristenausbildung an der Universität Potsdam m Zusammenarbeit mit der Universität Nannterre. Ähnlich dem Internationalen Studium der Nachrichtentechnik besuchen auch hier deutsche und französische Studenten gemeinsam die beiden Universitäten. Allerdings gibt es keinen übergreifenden Abschluß. Merle strebt jedoch eine Anerkennung des Auslandsstudiums als Wahlpflichtfach an. ade
BELARUSSISCHE EXPERTEN ZEIGTEN INTERESSE FÜR LEHRERBILDUNG
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Auf Einladung der Hochschulrektorenkonferenz weilte kürzlich eine Delegation des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft der Republik Belarus' in Deutschland. Sie stand unter der Leitung von Prof. Dr. Vladimir Anestievic Pletjuchov (links), Vorsitzender des Ständigen Ausschusses für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Obersten Sowjets der Republik Belarus'. Die Gäste sind in ihrer Heimat mitderReform des Bildungs- und Hochschulwesens befaßt. Sie brachten im Vorfeld ihres Besuches den Wunsch zum Ausdruck, bei einem Aufenthalt an der Universität Potsdam Auskünfte über die hier praktizierte Lehrerausbildung erhalten zu können. Im Gespräch mit dem Rektor der Potsdamer Hochschule, Prof. Dr. Wolfgang Loschelder (rechts), der Prorektorin für Lehre und Studium, Prof. Dr. Bärbel Kirsch, und anderen Wissenschaftlern informierten sich die Besucher dann auch über das Potsdamer Modell der Lehrerbildung. Dieser Profilbereich der Alma mater sieht eine integrierte und stufenübergreifende Ausbildung vor, die nach Auffassung des Rektors eine bewahrenswerte Tradition der Vorgängeremnchtungen der Hochschule darstellt. Reges Interesse zeigten die Dele- gationsteilnehmer an der Entwicklung der pädagogischen Bildung in der Bundesrepublik. So richteten sich ihre Fragen insbesondere auf solche Schwerpunkte wie das System der Lehrerbildung an den deutschen Universitäten, die Inhalte der psychologischen und pädagogischen Ausbildungs- abschnitte, die Gestaltung der praktischen Ausbildung im Rahmen des Referendariats sowie die Fort - und Weiterbildung der Lehrer. B.EJ Foto: Tribukeit
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PUTZ 6/96