VOM NAHEZU EINZIG MÖGLICHEN WEG MENSCHLICHER LEBENSÄUSSERUNG
Professor Dr. Frank Bittmann hielt seine Antrittsvorlesung
Menschliche Lebensäußerungen sind unendlich vielfältig. Der größte Teil von ihnen jedoch richtet sich darauf, Signale und Informationen an die Umwelt zu senden. Geschehen kann dies wiederum auf zweierlei Art: zum einen durch nonverbale Aktionen, zum anderen etwa durch das Sprechen oder Schreiben. Daß aber bei aller Variabilität dieser Erscheinungsformen im wesentlichen nur ein einziger Weg zu deren Realisierung besteht, machte vor wenigen Wochen Prof. Dr. Flank Bittmann aus dem Institut für Sportmedizin und Prävention der Universität Potsdam in seiner Antrittsvorlesung deutlich.
Die Ausführungen zum Thema: „Über den nahezu einzig möglichen Weg menschlicher Lebensäußerung“ beinhalteten das Aufzeigen jener unumgänglichen Beziehungen zwischen den Stationen Nervenzelle, Nervenfaser und Muskelzelle. Nichts gehe demnach ohne das Aktivieren von Muskelfasern. Als dafür verantwortlich zeichneten motorische Zentren des Nervensystems, jede Etage des Gehirns nämlich befasse sich mit der Organisation von Bewegung, An deren Steuerung beteiligten sich annähernd 30 Milliarden miteinander stark vernetzte Neuronen. Sie führten letztlich zur Entstehung einer großen Anzahl von Schaltstellen (Synapsen). Bittmann verglich mit dem Prozessor eines Rechensystems, nicht ohne allerdings darauf zu verweisen, daß erst das komplexe Zu- sammenspiel aller Tteilsysteme eine harmonische Bewegung ausmache.
Wie gravierend sich Störungen dieses Netzwerkes auswirken, demonstrierte der Inhaber des Lehrstuhls „Sportmedizin 11“ an der Mathe- matisch-N aturwissenschaft- lichen Fakultät anhand der Rarkmsonschen Krankheit.
Zustande komme sie durch mangelnde 'Iiansmittersub- stanz (Dopamin) in der Sub- stantia nigra (einer Region im Mittelhirn). Bewegung aber vollziehe sich in Mustern zeitlich-räumlicher Koordination. Ihre Ausprägung sei höchst individuell. Bittmann dazu: „jeder einzelne Mensch bildet seine ganz pnvate Interpretation für bestimmte Bewegungen und damit auch individuelle Aktivierungsmuster der Muskulatur aus.“
Der Referent betonte die enge Verflechtung von Muskel, Skelett und den anderen Organsystemen. So fänden Emotionen, kognitive Fähigkeiten (z.B. Lesefähigkeit), Störungen innerer Organe oder die Ernährung Niederschlag in der Bewe
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RIEHT
Verlauf und Streuung der hier markierten Ganglinien geben Auskunft über das Abrollverhalten des Fußes. Wissenschaftler können daraus auf die Belastbarkeit nach Extremitätenverletzungen rückschließen. Abb.: zg.
gung. Der aus der funktionellen Medizin hervorgegangene Begriff vom Arthron stelle ein Zeichen für diese Komplexität dar. Er berücksichtige das „Kommunizieren“ jedes Gelenks mit verschiedenen anderen Strukturen wie Flautoberfläche, Unterhaut, Muskeln, Gelenkrezeptoren, vegetativem Nervensystem, Durchblutung und anderen mehr. Zwei Bespiele aus der Forschungsarbeit des Instituts für Sportmedizin und Prävention sorgten für Anschauung. Die Mitarbeiter gehen seit langem der Frage nach: Was kann uns Bewegung über Störungen körperlicher Funktionen sagen?“ Unter anderem führten Ganglinien zu Erkenntnissen über das Abrollverhalten des FUßes nach Verletzung, in der Wiederherstellungsphase und bei extremer Ermüdung. Die Kurven verrieten: Motonsche Steuerung besitzt verschiedene Grundqualitäten. Deren Rohform sei stereotyp roboterhaft vorgeprägt, passe sich bei intakter Funktion aber aktuell an die jeweilige Situation an. Die Adaptationsleistung entfalle bei Störungen des Systems. Die Folge: nur das Grundprogramm wird realisiert, also ein unkorrigiertes stereotypes Gehen.
Dagegen erlaubten Analysen zyklischer Kopfbewegungen Aufschluß über die Steuerung und Funktion der Halswirbelsäule. Erste Resultate bestätigen: noch bevor klinisch relevante Beschwerden aufträten, existiere die Chance, funktionelle Störungen zu erfassen. Zur Zeit entwickle man in Potsdam eine ultraschallgestützte Wirbelsäulenzyklogra- phie. „Damit“, so hofft Bittmann, „könnte ein wirksames Werkzeug zur Früherkennung von Halswirbelsäulenproblemen geschaffen werden.“ EG.
EINE PERSPEKTIVE FÜR JEDEN
Um universitäre Fremdsprachenausbildung (FSA) für Nicht-Philologen ging es in einer regionalen Arbeitstagung des Sprachenzentrums der Universität Potsdam unter Beteiligung von 80 Sprachlehrerinnen und -lehrern aller Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen der Länder Berlin und Brandenburg.
Gegenstand der Diskussionen im Plenum waren Ziele und Ansprüche einer universitären Fhemdsprachenausbildung. Der Ple- narvortrag von Michaela Seidel-Braun, Leiterin der Abteilung Personal und Bildung Ausland der Mercedes-Benz AG und Vorsitzende des Arbeitskreises „Erfahrungsaustausch Fremdsprachen Wirtschaft“, widmete sich der Frage: Welches fremdsprachliche Profil erwartet die Wirtschaft von Hochschulabsolventen?
Der sich anschließende Beitrag von Dr. Wolfgang Mackiewicz, Initiator eines europäischen Dachverbandes für Sprachen und Koordinator des „Thematic Network Projekt in the Area of Languages“, befaßte sich mit den Anforderungen an eine universitäre FSA für Europa.
Trotz unterschiedlicher Perspektiven bekräftigten beide Referenten übereinstimmend folgende Schwerpunkte: die Aneignung solider allgemeinsprachlicher und fachbezogener Fachsprachenkenntnisse im Sinne der Ausbildung einer allgemeinen Studierfähigkeit, einer berufsüber- greifenden Kompetenz und als Grundlage für die spätere spezifische, unternehmens- bzw. berufsbezogene Fachsprachenausbildung; die Vermittlung nicht nur der englischen, sondern auch mindestens einer weiteren Fremdsprache als Voraussetzung für die erfolgreiche Teilnahme an fremdsprachigen Lehrveranstaltungen im Rahmen des Fachstudiums im In- und Ausland und als Profilbildung im Hinblick auf spätere berufliche Einsatzmöglichkeiten; die Vermittlung von Lernstrategien und Techniken als wichtigste Grundlage für den selbständigen Fremdsprachenerwerb sowohl während des Studiums als auch vor allem in der späteren beruflichen Praxis und die Ausbildung einer grundlegenden interkulturellen Handlungskompetenz als eine wesentliche Voraussetzung für einen effektiven Auslandsstudienaufenthalt und als Vorbereitung auf das Leben und Arbeiten im internationalen Rahmen.
Die Tägung erwies sich nach Einschätzung der Tbilnehmer als eine wichtige Etappe auf dem Wege zu einer verstärkten Kooperation innerhalb der Hochschulregion Berlin/ Brandenburg und eröffnete Perspektiven für die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft.
D.E
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