Heft 
(1.1.2019) 06
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VOM NAHEZU EINZIG MÖGLICHEN WEG MENSCHLICHER LEBENSÄUSSERUNG

Professor Dr. Frank Bittmann hielt seine Antrittsvorlesung

Menschliche Lebensäußerungen sind unendlich vielfältig. Der größte Teil von ihnen je­doch richtet sich darauf, Signale und Informationen an die Umwelt zu senden. Gesche­hen kann dies wiederum auf zweierlei Art: zum einen durch nonverbale Aktionen, zum anderen etwa durch das Sprechen oder Schreiben. Daß aber bei aller Variabilität die­ser Erscheinungsformen im wesentlichen nur ein einziger Weg zu deren Realisierung besteht, machte vor wenigen Wochen Prof. Dr. Flank Bittmann aus dem Institut für Sport­medizin und Prävention der Universität Potsdam in seiner Antrittsvorlesung deutlich.

Die Ausführungen zum Thema:Über den nahezu einzig möglichen Weg menschlicher Lebensäußerung beinhalteten das Aufzei­gen jener unumgänglichen Beziehungen zwischen den Stationen Nervenzelle, Ner­venfaser und Muskelzelle. Nichts gehe dem­nach ohne das Aktivieren von Muskelfasern. Als dafür verantwortlich zeichneten motori­sche Zentren des Nervensystems, jede Eta­ge des Gehirns nämlich befasse sich mit der Organisation von Bewegung, An deren Steu­erung beteiligten sich annähernd 30 Milliar­den miteinander stark vernetzte Neuronen. Sie führten letztlich zur Entstehung einer gro­ßen Anzahl von Schaltstellen (Synapsen). Bittmann verglich mit dem Prozessor eines Rechensystems, nicht ohne allerdings dar­auf zu verweisen, daß erst das komplexe Zu- sammenspiel aller Tteilsysteme eine harmo­nische Bewegung ausmache.

Wie gravierend sich Störungen dieses Netz­werkes auswirken, demonstrierte der Inha­ber des LehrstuhlsSport­medizin 11 an der Mathe- matisch-N aturwissenschaft- lichen Fakultät anhand der Rarkmsonschen Krankheit.

Zustande komme sie durch mangelnde 'Iiansmittersub- stanz (Dopamin) in der Sub- stantia nigra (einer Region im Mittelhirn). Bewegung aber vollziehe sich in Mu­stern zeitlich-räumlicher Ko­ordination. Ihre Ausprägung sei höchst individuell. Bitt­mann dazu:jeder einzelne Mensch bildet seine ganz pnvate Interpretation für be­stimmte Bewegungen und damit auch individuelle Ak­tivierungsmuster der Mus­kulatur aus.

Der Referent betonte die enge Verflechtung von Mus­kel, Skelett und den ande­ren Organsystemen. So fän­den Emotionen, kognitive Fähigkeiten (z.B. Lesefähig­keit), Störungen innerer Or­gane oder die Ernährung Niederschlag in der Bewe­

RIEHT

Verlauf und Streuung der hier mar­kierten Ganglinien geben Auskunft über das Abrollverhalten des Fußes. Wissenschaftler können daraus auf die Belastbarkeit nach Extremitätenverlet­zungen rückschließen. Abb.: zg.

gung. Der aus der funktionellen Medizin her­vorgegangene Begriff vom Arthron stelle ein Zeichen für diese Komplexität dar. Er be­rücksichtige dasKommunizieren jedes Ge­lenks mit verschiedenen anderen Strukturen wie Flautoberfläche, Unterhaut, Muskeln, Gelenkrezeptoren, vegetativem Nervensy­stem, Durchblutung und anderen mehr. Zwei Bespiele aus der Forschungsarbeit des Instituts für Sportmedizin und Präventi­on sorgten für Anschauung. Die Mitarbeiter gehen seit langem der Frage nach: Was kann uns Bewegung über Störungen körper­licher Funktionen sagen? Unter anderem führten Ganglinien zu Erkenntnissen über das Abrollverhalten des FUßes nach Verlet­zung, in der Wiederherstellungsphase und bei extremer Ermüdung. Die Kurven verrie­ten: Motonsche Steuerung besitzt verschie­dene Grundqualitäten. Deren Rohform sei stereotyp roboterhaft vorgeprägt, passe sich bei intakter Funktion aber aktuell an die je­weilige Situation an. Die Adaptationsleistung ent­falle bei Störungen des Systems. Die Folge: nur das Grundprogramm wird realisiert, also ein unkorrigiertes stereoty­pes Gehen.

Dagegen erlaubten Ana­lysen zyklischer Kopf­bewegungen Aufschluß über die Steuerung und Funktion der Halswirbel­säule. Erste Resultate bestätigen: noch bevor klinisch relevante Be­schwerden aufträten, existiere die Chance, funktionelle Störungen zu erfassen. Zur Zeit ent­wickle man in Potsdam eine ultraschallgestützte Wirbelsäulenzyklogra- phie.Damit, so hofft Bittmann,könnte ein wirksames Werkzeug zur Früherkennung von Halswirbelsäulenpro­blemen geschaffen wer­den. EG.

EINE PERSPEKTIVE FÜR JEDEN

Um universitäre Fremdsprachenausbildung (FSA) für Nicht-Philologen ging es in einer regionalen Arbeitstagung des Sprachen­zentrums der Universität Potsdam unter Be­teiligung von 80 Sprachlehrerinnen und -lehrern aller Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen der Länder Berlin und Brandenburg.

Gegenstand der Diskussionen im Plenum waren Ziele und Ansprüche einer universi­tären Fhemdsprachenausbildung. Der Ple- narvortrag von Michaela Seidel-Braun, Lei­terin der Abteilung Personal und Bildung Ausland der Mercedes-Benz AG und Vorsit­zende des ArbeitskreisesErfahrungsaus­tausch Fremdsprachen Wirtschaft, widme­te sich der Frage: Welches fremdsprachli­che Profil erwartet die Wirtschaft von Hochschulabsolventen?

Der sich anschließende Beitrag von Dr. Wolfgang Mackiewicz, Initiator eines euro­päischen Dachverbandes für Sprachen und Koordinator desThematic Network Projekt in the Area of Languages, befaßte sich mit den Anforderungen an eine universitäre FSA für Europa.

Trotz unterschiedlicher Perspektiven be­kräftigten beide Referenten übereinstim­mend folgende Schwerpunkte: die Aneig­nung solider allgemeinsprachlicher und fachbezogener Fachsprachenkenntnisse im Sinne der Ausbildung einer allgemei­nen Studierfähigkeit, einer berufsüber- greifenden Kompetenz und als Grundlage für die spätere spezifische, unternehmens- bzw. berufsbezogene Fachsprachenaus­bildung; die Vermittlung nicht nur der eng­lischen, sondern auch mindestens einer weiteren Fremdsprache als Voraussetzung für die erfolgreiche Teilnahme an fremd­sprachigen Lehrveranstaltungen im Rah­men des Fachstudiums im In- und Ausland und als Profilbildung im Hinblick auf spä­tere berufliche Einsatzmöglichkeiten; die Vermittlung von Lernstrategien und Tech­niken als wichtigste Grundlage für den selbständigen Fremdsprachenerwerb so­wohl während des Studiums als auch vor allem in der späteren beruflichen Praxis und die Ausbildung einer grundlegenden interkulturellen Handlungskompetenz als eine wesentliche Voraussetzung für einen effektiven Auslandsstudienaufenthalt und als Vorbereitung auf das Leben und Arbei­ten im internationalen Rahmen.

Die Tägung erwies sich nach Einschätzung der Tbilnehmer als eine wichtige Etappe auf dem Wege zu einer verstärkten Kooperati­on innerhalb der Hochschulregion Berlin/ Brandenburg und eröffnete Perspektiven für die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft.

D.E

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