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(1.1.2019) 06
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NACHWUCHSWISSENSCHAFTLER NUTZEN SPITZENTECHNOLOGIE

Doktorandenseminar des InnovationskollegsBiochemische Erkennungssysteme"

Im Herbst 1995 begann das an der Univer­sität Potsdam eingerichtete Innovations­kollegBiochemische Erkennungssyste­me für die biochemische Analytik seine Arbeit (PUTZ 7/95 berichtete). Dieses in­terdisziplinäre Forschungsvorhaben wird von der Deutschen Forschungsgemein­schaft finanziert und ist eines von insge­samt 21 derartig geförderten Projekten an Hochschulen der neuen Bundesländer. Wie bei jeder akademischen Forschung wird ein Großteil der praktischen Arbeit in­nerhalb dieses Projektes von Doktoranden und Diplomanden getragen. Am 14. Mai 1996 fand in der Außenstelle des Instituts für Biochemie und Molekulare Physiologie im Max-Delbrück-Centrum für Molekula­re Medizin in Berlin-Buch das erste Dok­torandenseminar des Innovationskollegs statt, um den jungen Wissenschaftlern der beteiligten Arbeitsgruppen Gelegenheit zu geben, die Zielstellungen und erste Ergebnisse ihrer Arbeit zur breiten Diskus­sion zu stellen.

Claudia Lehmann (Deutsches Institut für Ernährungsforschung Rehbrücke) konnte über Erfahrungen bei der Isolierung und Charakterisierung eines Enzyms aus biolo­gischem Material berichten. Dieses Enzym enthält das in Lebewesen äußerst selten verwendete Element Selen und zerstört hochtoxische organische Peroxide. Diese Fähigkeit soll zum Nachweis solcher Stof­fe ausgenutzt werden. Dazu müssen dieses und auch andere Enzyme an Elektroden­oberflächen gebunden werden. Die Tatsa­che, daß isolierte Biomoleküle auf eine che­mische Bearbeitung meist mit einem Verlust ihrer Fünktion reagieren, macht solche Ver­fahren zu einer großen Herausforderung. Jm Wen (Universität Potsdam) konnte hier ihre bereits äußerst reichhaltigen Erfahrun­gen bei der Ttestung verschiedener Tbchni- ken zur Bindung von Proteinen an Metall­oberflächen und Möglichkeiten zur Mes­sung elektrochemischer Vorgänge in sol­chen Systemen darstellen.

Ein weiteres Problem stellt die Notwendig­keit dar, mehrere Enzymsysteme an Senso­ren zu binden. Die Natur löst dieses Problem durch Multienzymkomplexe, die in Zellmem­branen eingelagert sind. Im Innovations­kolleg soll durch die gekoppelte Verwen­dung von mehreren Enzymen eine ähnliche Effektivität erreicht werden. Katrin Streffer (Universität Potsdam) arbeitet mit an solchen Verfahren. Sie konnte im Laufe ihrer Tätigkeit bereits ein System entwickeln, das zum Nachweis von Phenolen in Trinkwasser ge­eignet ist. Phenole gehören zu Indikator­substanzen für die Wasserqualität.

PUTZ 6/96

Enzyme, die die natürlichen Biokatalysato- ren aller Lebewesen sind, besitzen zwar eine hohe Effektivität bei der Ausführung chemi­scher Reaktionen, ihre Vielfalt ist aber von der Natur vorgegeben. Daraus ergibt sich der zweite Schwerpunkt des Innovations­kollegs. Hier geht es darum, mit Hilfe von Tbchniken der Immunologie und der Mole­kularbiologie neuartige Biomoleküle mit gewünschten Eigenschaften zu produzieren. Ein möglicher Weg erschließt sich durch die Nachvollziehung der Fälligkeit des Immun-

Modellierte Struktur der Erkennungsregion ei­nes im Innovationskolleg hergestellten Antikör­pers, der em Hamstoffpestizid bindet, Abb.: zg.

Calder führte einem beeindruckten Publi­kum die Entstehung einer Legende vor. Den Erfolg desMythos Schliemann sie­delte er dabei zwischen zwei Koordinaten an. Hierbei gehört zum einen nach Ansicht des Referenten die aus verschiedenen Quellen gespeiste Bereitschaft, Schliemann zur Ikone deutscher Archäologie zu erhe­ben. Zum anderen aber fließe die Mythi- sierung Schliemanns aus dessen eigener Geltungssucht, die in einer pathologischen Selbstinszenierung mündete, bei der er Ungenauigkeiten und sogar Fälschungen in Kauf nahm.

Mit dem einfachen Handwerkszeug des Hi­storikers - der Quellenverifizierung -, aber auch mit psychologischen Deutungsmu­stern kam Calder der Legende auf die Spur.

Systems von Tieren, spezifisch Gifte oder Krankheitserreger über Antikörper zu erken­nen und aus dem Körper zu entfernen. Ge­lingt es, Antikörper zusätzlich mit der Fähig­keit von Enzymen zur Ausführung einer che­mischen Reaktion zu versehen, eröffnen sich vollkommen neue Wege zur Anwendung von biotechnologischen Verfahren in der Tech­nik. Das Innovationskolleg beteiligt sich an dieser jungen Forschungsrichtung mit der Produktion und Charakterisierung von An­tikörpern, die spezifisch ein bestimmtes Pe­stizidmolekül binden, es nachfolgend spal­ten und somit für dessen Nachweis geeig­net sein können. Manuela Rohde (Universi­tät Potsdam) und Gnt Zahn (Humboldt-Uni­versität Berlin) haben im Seminar ihre Kon­zepte zur Lösung dieser Aufgabe darge­stellt.

Das Seminar hat gezeigt, daß solche Veran­staltungen nicht nur em notwendiger Be­standteil der Profilierung junger Wissen­schaftler sind. Es verdeutlichte auch, daß die enge Zusammenarbeit von Beteiligten aus den verschiedenen Wissenschaftsdis- ziplmen der Biochemie, Molekularbiologie, organischen Chemie, Strukturanalytik und physikalischen Chemie auf dieser Ebene eine wesentliche Voraussetzung zum Gelin­gen der Arbeiten ist. Bernd Kallies

Wie kein anderer verkörperte demnach Schliemann, der Sohn eines armen Fästors, der es zum Millionär gebracht hatte, den Typ des Erfolgsmenschen. Er war der Laie, der allen Fachmeinungen zum Trotz, sich seinen angeblichen Kindheitstraum erfüllte und die homerischen Helden zum Leben er­weckte. Schliemann, der Schatzsucher, rühr­te auf vielfältige Weise bis heute an die Sehn­süchte der Menschen. Inzwischen Tfeil mo­derner Massenkultur, ist das anhaltende wis­senschaftliche Interesse an ihm durch eine zweieinhalbtausend Titel umfassende Biblio­graphie dokumentiert.

Die Fachwissenschaft hat Schliemanns ar­chäologische Kompetenz lange akzeptiert und die Authentizität des Priamosschatzes Fortsetzung nächste Seite

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MYTHOS, SKANDAL UND GESCHICHTE

William Calder III. über Heinrich Schliemann heute

William Calder III, Professor für Latein und Griechisch an der University Urbana/Illi- nois (USA), war der zweite Gast beim Kolloquium der Althistoriker und Klassischen Phi­lologen an der Universität Potsdam in diesem Sommersemester. Calder zählt aufgrund einer Vielzahl von Arbeiten über bedeutende Gelehrte der deutschen Altertums­wissenschaft zu den wohl bekanntesten Vertretern auf dem Gebiet der Wissenschafts­geschichte. Am Neuen Palais referierte er engagiert und erfrischend persönlich über sein jüngstes Forschungsfeld, Wirken und Wirkung Heinrich Schliemanns.