NACHWUCHSWISSENSCHAFTLER NUTZEN SPITZENTECHNOLOGIE
Doktorandenseminar des Innovationskollegs „Biochemische Erkennungssysteme"
Im Herbst 1995 begann das an der Universität Potsdam eingerichtete Innovationskolleg „Biochemische Erkennungssysteme für die biochemische Analytik“ seine Arbeit (PUTZ 7/95 berichtete). Dieses interdisziplinäre Forschungsvorhaben wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert und ist eines von insgesamt 21 derartig geförderten Projekten an Hochschulen der neuen Bundesländer. Wie bei jeder akademischen Forschung wird ein Großteil der praktischen Arbeit innerhalb dieses Projektes von Doktoranden und Diplomanden getragen. Am 14. Mai 1996 fand in der Außenstelle des Instituts für Biochemie und Molekulare Physiologie im Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin-Buch das erste Doktorandenseminar des Innovationskollegs statt, um den jungen Wissenschaftlern der beteiligten Arbeitsgruppen Gelegenheit zu geben, die Zielstellungen und erste Ergebnisse ihrer Arbeit zur breiten Diskussion zu stellen.
Claudia Lehmann (Deutsches Institut für Ernährungsforschung Rehbrücke) konnte über Erfahrungen bei der Isolierung und Charakterisierung eines Enzyms aus biologischem Material berichten. Dieses Enzym enthält das in Lebewesen äußerst selten verwendete Element Selen und zerstört hochtoxische organische Peroxide. Diese Fähigkeit soll zum Nachweis solcher Stoffe ausgenutzt werden. Dazu müssen dieses und auch andere Enzyme an Elektrodenoberflächen gebunden werden. Die Tatsache, daß isolierte Biomoleküle auf eine chemische Bearbeitung meist mit einem Verlust ihrer Fünktion reagieren, macht solche Verfahren zu einer großen Herausforderung. Jm Wen (Universität Potsdam) konnte hier ihre bereits äußerst reichhaltigen Erfahrungen bei der Ttestung verschiedener Tbchni- ken zur Bindung von Proteinen an Metalloberflächen und Möglichkeiten zur Messung elektrochemischer Vorgänge in solchen Systemen darstellen.
Ein weiteres Problem stellt die Notwendigkeit dar, mehrere Enzymsysteme an Sensoren zu binden. Die Natur löst dieses Problem durch Multienzymkomplexe, die in Zellmembranen eingelagert sind. Im Innovationskolleg soll durch die gekoppelte Verwendung von mehreren Enzymen eine ähnliche Effektivität erreicht werden. Katrin Streffer (Universität Potsdam) arbeitet mit an solchen Verfahren. Sie konnte im Laufe ihrer Tätigkeit bereits ein System entwickeln, das zum Nachweis von Phenolen in Trinkwasser geeignet ist. Phenole gehören zu Indikatorsubstanzen für die Wasserqualität.
PUTZ 6/96
Enzyme, die die natürlichen Biokatalysato- ren aller Lebewesen sind, besitzen zwar eine hohe Effektivität bei der Ausführung chemischer Reaktionen, ihre Vielfalt ist aber von der Natur vorgegeben. Daraus ergibt sich der zweite Schwerpunkt des Innovationskollegs. Hier geht es darum, mit Hilfe von Tbchniken der Immunologie und der Molekularbiologie neuartige Biomoleküle mit gewünschten Eigenschaften zu produzieren. Ein möglicher Weg erschließt sich durch die Nachvollziehung der Fälligkeit des Immun-
Modellierte Struktur der Erkennungsregion eines im Innovationskolleg hergestellten Antikörpers, der em Hamstoffpestizid bindet, Abb.: zg.
Calder führte einem beeindruckten Publikum die Entstehung einer Legende vor. Den Erfolg des „Mythos Schliemann“ siedelte er dabei zwischen zwei Koordinaten an. Hierbei gehört zum einen nach Ansicht des Referenten die aus verschiedenen Quellen gespeiste Bereitschaft, Schliemann zur Ikone deutscher Archäologie zu erheben. Zum anderen aber fließe die Mythi- sierung Schliemanns aus dessen eigener Geltungssucht, die in einer pathologischen Selbstinszenierung mündete, bei der er Ungenauigkeiten und sogar Fälschungen in Kauf nahm.
Mit dem einfachen Handwerkszeug des Historikers - der Quellenverifizierung -, aber auch mit psychologischen Deutungsmustern kam Calder der Legende auf die Spur.
Systems von Tieren, spezifisch Gifte oder Krankheitserreger über Antikörper zu erkennen und aus dem Körper zu entfernen. Gelingt es, Antikörper zusätzlich mit der Fähigkeit von Enzymen zur Ausführung einer chemischen Reaktion zu versehen, eröffnen sich vollkommen neue Wege zur Anwendung von biotechnologischen Verfahren in der Technik. Das Innovationskolleg beteiligt sich an dieser jungen Forschungsrichtung mit der Produktion und Charakterisierung von Antikörpern, die spezifisch ein bestimmtes Pestizidmolekül binden, es nachfolgend spalten und somit für dessen Nachweis geeignet sein können. Manuela Rohde (Universität Potsdam) und Gnt Zahn (Humboldt-Universität Berlin) haben im Seminar ihre Konzepte zur Lösung dieser Aufgabe dargestellt.
Das Seminar hat gezeigt, daß solche Veranstaltungen nicht nur em notwendiger Bestandteil der Profilierung junger Wissenschaftler sind. Es verdeutlichte auch, daß die enge Zusammenarbeit von Beteiligten aus den verschiedenen Wissenschaftsdis- ziplmen der Biochemie, Molekularbiologie, organischen Chemie, Strukturanalytik und physikalischen Chemie auf dieser Ebene eine wesentliche Voraussetzung zum Gelingen der Arbeiten ist. Bernd Kallies
Wie kein anderer verkörperte demnach Schliemann, der Sohn eines armen Fästors, der es zum Millionär gebracht hatte, den Typ des Erfolgsmenschen. Er war der Laie, der allen Fachmeinungen zum Trotz, sich seinen „angeblichen“ Kindheitstraum erfüllte und die homerischen Helden zum Leben erweckte. Schliemann, der Schatzsucher, rührte auf vielfältige Weise bis heute an die Sehnsüchte der Menschen. Inzwischen Tfeil moderner Massenkultur, ist das anhaltende wissenschaftliche Interesse an ihm durch eine zweieinhalbtausend Titel umfassende Bibliographie dokumentiert.
Die Fachwissenschaft hat Schliemanns archäologische Kompetenz lange akzeptiert und die Authentizität des Priamosschatzes Fortsetzung nächste Seite
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MYTHOS, SKANDAL UND GESCHICHTE
William Calder III. über Heinrich Schliemann heute
William Calder III, Professor für Latein und Griechisch an der University Urbana/Illi- nois (USA), war der zweite Gast beim Kolloquium der Althistoriker und Klassischen Philologen an der Universität Potsdam in diesem Sommersemester. Calder zählt aufgrund einer Vielzahl von Arbeiten über bedeutende Gelehrte der deutschen Altertumswissenschaft zu den wohl bekanntesten Vertretern auf dem Gebiet der Wissenschaftsgeschichte. Am Neuen Palais referierte er engagiert und erfrischend persönlich über sein jüngstes Forschungsfeld, Wirken und Wirkung Heinrich Schliemanns.