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(1.1.2019) 06
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Zur Kooperation der Potsdamer Universität mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen

EIWEISS, FETT UND KOHLENHYDRATE SIND NICHT ALLES: ÜBER VITAMINE UND SPURENELEMENTE

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

Eines der Markenzeichen der Potsdamer Universität ist ihre enge Zusammenarbeit mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, die sich in Potsdam und seinem unmittel­baren Umland sehr zahlreich angesiedelt haben. Für diese Kooperation, die über an an­deren Standorten üblichen Verknüpfungen weit hinausgeht, wurden verschiedenartige Formen entwickelt: so z. B. gemeinsame Berufungen von Professoren, die Durchführung gemeinsamer Studiengänge und der Aufbau Interdisziplinärer Zentren. Auch laufen die Vorbereitungen für die Errichtung eines gemeinsamen Campus der Potsdamer Natur­wissenschaften mit Instituten der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) und der Ftaunhofer- Gesellschaft (FhG) in Golm auf Hochtouren. In dieser Ausgabe der PUTZ wird das Deutsche Institut für Emährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) vorgestellt.

Das DIfE ist ein Institut der Wissenschaftsge­meinschaft Blaue Liste und erhält als solches seine Grundfinanzierung je zur Hälfte vom Bund und vom Land Bran­denburg. Seme Gründung erfolgte am 1. Ja­nuar 1992. Daß es trotzdem in diesem Früh­jahr seinen 50. Geburtstag feierte, beruht darauf, daß die Wurzeln des Zentralinstituts für Ernährung der ehemaligen Akademie der Wissenschaften, aus dem das DIfE her­vorging, bis in das Jahr 1946 zurückreichen. Der Wille, die ernährungswissenschaftliche Tradition in Potsdam fortzusetzen, bekundet sich auch in dem 1992 eingerichteten Studi­engang Enährungswissenschaft an der Uni­versität Potsdam. Allerdings ist von den vor­gesehenen vier Professuren bislang erst eine besetzt, und auch über die nötigen Labore und Geräte verfügt die Universität nicht. Würden nicht die sechs gemeinsam mit dem DIfE berufenen Professoren sich bei der Be­treuung der Studenten rege engagieren, wäre deren Ausbildung unmöglich. Die enge Verzahnung zwischen Universität und DIfE zeigt sich darüber hinaus auch in dem InnovationskollegMechanismen der ga­strointestinalen Bioaktivierung und -inakti- vierung" der Universität, in das von vornher­ein, nicht nur über die gemeinsamen Profes­suren, die Zusammenarbeit mit dem DIfE mit einbezogen worden ist.

Wozu brauchen wir Ernährungs­wissenschaftler?

40 Jahre lang, so wird uns berichtet, aßen die Israeliten tagein, tagaus nichts anderes als Manna, während sie von Ägypten bis Kanaan zogen: Offensichtlich gewährleiste­te die Ernährung mit Manna die optimale Versorgung der Menschen mit allen Nähr­stoffen. Was würde wohl ein Ernährungs­wissenschaftler für ein Stück himmlischen Mannas geben? Er bräuchte lediglich des­sen qualitative und quantitative Zusammen­setzung zu analysieren, um zu wissen, wel­che Nahrungsbestandteile in welchen Men­

gen ein Mensch zu sich nehmen müßte, um ausreichend versorgt zu sein und ernäh­rungsbedingte Erkrankungen zu vermei­den. Aber es gibt kein Manna mehr, und so müssen Ernährungswissenschaftler in um­fangreichen epidemologischen Studien und aufwendigen Experimenten für viele Nahrungsinhaltstoffe erst noch herausbe­kommen, welche Fünktionen sie im Körper übernehmen und in welchen Mengen man sie zu sich nehmen sollte.

Wie vage die Kenntnisse oft noch sind, zei­gen die Erläuterungen von Prof. Dr. Regina Brigelius-Flohe zu den empfohlenen Täges- dosen von Vitaminen:Die Menge an Vitami­nen, die man aufnehmen muß, kennt man aufgrund der zugehörigen Vitaminmangel- krankheiten, - also zum Beispiel Skorbut bei Vitamin C, Beri-Ben bei bestimmten B-Vit­aminen. Man weiß, wieviel man von einem bestimmten Vitamin aufnehmen muß, um solche richtigen Mangelkrankheiten zu ver­hindern, und daher kommen die Empfehlun­gen. Ob das tatsächlich das Optimum ist, das man braucht, das weiß man nicht. Es ist das Minimum, um nicht krank zu werden. Anhand vieler epidemiologischer Studien und retrospektiver Beobachtungen wisse man, wieviel von jedem Vitamin auf der gan­zen Welt normalerweise zu sich genommen werde und wo eine Mangelkrankheit auftau­che bzw. wo sie nicht mehr auftauche. Dar­aus könne man die Mindestmenge für jedes Vitamin extrapolieren.

Wieviel Vitamin E benötigt der Mensch?

Brigelius-Flohe leitet die Arbeitsgruppe ,Vit­amine und Atherosklerose am DIfE und ist mit einem Tfeilprojekt am Inovationskolleg beteiligt. Gleichzeitig ist sie eine der sechs Professoren, die gemeinsam von Universität und DIfE berufen wurden. Sie beschäftigt sich beispielsweise mit der Frage, wie sich feststellen läßt, ob ein Mensch tatsächlich optimal mit Vitamin E versorgt ist. Wie alle Vitamine ist das Vitamin E ein lebensnotwen­diger Stoff, der nicht vom Körper synthetisiert

Stefanie Maurer untersucht mit Hilfe eines Atom­absorptionsgerätes den Selengehalt in Zellkultu­ren, damit die anschließenden Experimente unter definierten Bedingungen ablaufen können.

Foto: DIfE-Archiv

werden kann, also mit der Nahrung aufge­nommen werden muß. Seine bislang wich­tigste bekannte Funktion besteht darin, freie Radikale - das sind Moleküle mit unge- paarten Elektronen, die dadurch extrem re­aktiv sind - zu binden, die im Körper durch Rauchen und Alkohol, UV-Strahlung und Um­weltschadstoffe entstehen. Vitamin E be­zeichnet man deswegen auch als Antioxid­ans. Freie Radikale reagieren heftig mit körpereigenen Stoffen und zerstören sie da­durch. Langfristig kann dies zu Herz-Kreis­lauferkrankungen wie Herzinfarkt oder Athe­rosklerose oder zu Krebs führen,Wenn ein Vitamin E-Molekül als Antioxidans wirkt, erklärt Brigelius-Flohe,dann wird es, falls es nicht regeneriert wird, so um- und abge­baut, daß man das an den Stoffwechselpro­dukten noch erkennt. Anschließend werden diese durch die Galle, teilweise auch über den Urin ausgeschieden.

Mit ihrer Arbeitsgruppe hat sie herausgefun­den, daß im Urin noch ein anderes Vitamin E-Abbauprodukt (das als a-CEHC bezeich­net wird) auftaucht, dessen Struktur noch intakt ist, was bedeutet, daß es nicht als Anti­oxidans gewirkt hat. Dieses Abbauprodukt läßt sich allerdings nur nachweisen, wenn im Blutplasma ein bestimmter Schwellenwert an Vitamin E überschritten ist. Zuvor hatten sie nämlich herausgefunden, daß Vitamin E nur solange vom Körper resorbiert wird, bis das Blutplasma gesättigt ist. Wie hoch dieser Schwellenwert ist, ist individuell verschie­den. Brigelius-Flohe glaubt, daß er von der Belastung des Körpers mit freien Radikalen abhängt: Je mehr freie Radikale aufträten, desto mehr Vitamin E würden zu dessen Bin­dung benötigt. Würde dem Körper darüber hinaus noch mehr Vitamin E angeboten, so baue er es zu dem wasserlöslichen a-CEHC um, welches mit dem Urin ausgeschieden würde. Wäre dies richtig, so könnte a-CEHC

PUTZ 6/96

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