Zur Kooperation der Potsdamer Universität mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen
EIWEISS, FETT UND KOHLENHYDRATE SIND NICHT ALLES: ÜBER VITAMINE UND SPURENELEMENTE
Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke
Eines der Markenzeichen der Potsdamer Universität ist ihre enge Zusammenarbeit mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, die sich in Potsdam und seinem unmittelbaren Umland sehr zahlreich angesiedelt haben. Für diese Kooperation, die über an anderen Standorten üblichen Verknüpfungen weit hinausgeht, wurden verschiedenartige Formen entwickelt: so z. B. gemeinsame Berufungen von Professoren, die Durchführung gemeinsamer Studiengänge und der Aufbau Interdisziplinärer Zentren. Auch laufen die Vorbereitungen für die Errichtung eines gemeinsamen Campus’ der Potsdamer Naturwissenschaften mit Instituten der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) und der Ftaunhofer- Gesellschaft (FhG) in Golm auf Hochtouren. In dieser Ausgabe der PUTZ wird das Deutsche Institut für Emährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) vorgestellt.
Das DIfE ist ein Institut der Wissenschaftsgemeinschaft Blaue Liste und erhält als solches seine Grundfinanzierung je zur Hälfte vom Bund und vom Land Brandenburg. Seme Gründung erfolgte am 1. Januar 1992. Daß es trotzdem in diesem Frühjahr seinen 50. Geburtstag feierte, beruht darauf, daß die Wurzeln des Zentralinstituts für Ernährung der ehemaligen Akademie der Wissenschaften, aus dem das DIfE hervorging, bis in das Jahr 1946 zurückreichen. Der Wille, die ernährungswissenschaftliche Tradition in Potsdam fortzusetzen, bekundet sich auch in dem 1992 eingerichteten Studiengang Enährungswissenschaft an der Universität Potsdam. Allerdings ist von den vorgesehenen vier Professuren bislang erst eine besetzt, und auch über die nötigen Labore und Geräte verfügt die Universität nicht. Würden nicht die sechs gemeinsam mit dem DIfE berufenen Professoren sich bei der Betreuung der Studenten rege engagieren, wäre deren Ausbildung unmöglich. Die enge Verzahnung zwischen Universität und DIfE zeigt sich darüber hinaus auch in dem Innovationskolleg „Mechanismen der gastrointestinalen Bioaktivierung und -inakti- vierung" der Universität, in das von vornherein, nicht nur über die gemeinsamen Professuren, die Zusammenarbeit mit dem DIfE mit einbezogen worden ist.
Wozu brauchen wir Ernährungswissenschaftler?
40 Jahre lang, so wird uns berichtet, aßen die Israeliten tagein, tagaus nichts anderes als Manna, während sie von Ägypten bis Kanaan zogen: Offensichtlich gewährleistete die Ernährung mit Manna die optimale Versorgung der Menschen mit allen Nährstoffen. Was würde wohl ein Ernährungswissenschaftler für ein Stück himmlischen Mannas geben? Er bräuchte lediglich dessen qualitative und quantitative Zusammensetzung zu analysieren, um zu wissen, welche Nahrungsbestandteile in welchen Men
gen ein Mensch zu sich nehmen müßte, um ausreichend versorgt zu sein und ernährungsbedingte Erkrankungen zu vermeiden. Aber es gibt kein Manna mehr, und so müssen Ernährungswissenschaftler in umfangreichen epidemologischen Studien und aufwendigen Experimenten für viele Nahrungsinhaltstoffe erst noch herausbekommen, welche Fünktionen sie im Körper übernehmen und in welchen Mengen man sie zu sich nehmen sollte.
Wie vage die Kenntnisse oft noch sind, zeigen die Erläuterungen von Prof. Dr. Regina Brigelius-Flohe zu den empfohlenen Täges- dosen von Vitaminen: „Die Menge an Vitaminen, die man aufnehmen muß, kennt man aufgrund der zugehörigen Vitaminmangel- krankheiten, - also zum Beispiel Skorbut bei Vitamin C, Beri-Ben bei bestimmten B-Vitaminen. Man weiß, wieviel man von einem bestimmten Vitamin aufnehmen muß, um solche richtigen Mangelkrankheiten zu verhindern, und daher kommen die Empfehlungen. Ob das tatsächlich das Optimum ist, das man braucht, das weiß man nicht. Es ist das Minimum, um nicht krank zu werden.“ Anhand vieler epidemiologischer Studien und retrospektiver Beobachtungen wisse man, wieviel von jedem Vitamin auf der ganzen Welt normalerweise zu sich genommen werde und wo eine Mangelkrankheit auftauche bzw. wo sie nicht mehr auftauche. Daraus könne man die Mindestmenge für jedes Vitamin extrapolieren.
Wieviel Vitamin E benötigt der Mensch?
Brigelius-Flohe leitet die Arbeitsgruppe ,Vitamine und Atherosklerose“ am DIfE und ist mit einem Tfeilprojekt am Inovationskolleg beteiligt. Gleichzeitig ist sie eine der sechs Professoren, die gemeinsam von Universität und DIfE berufen wurden. Sie beschäftigt sich beispielsweise mit der Frage, wie sich feststellen läßt, ob ein Mensch tatsächlich optimal mit Vitamin E versorgt ist. Wie alle Vitamine ist das Vitamin E ein lebensnotwendiger Stoff, der nicht vom Körper synthetisiert
Stefanie Maurer untersucht mit Hilfe eines Atomabsorptionsgerätes den Selengehalt in Zellkulturen, damit die anschließenden Experimente unter definierten Bedingungen ablaufen können.
Foto: DIfE-Archiv
werden kann, also mit der Nahrung aufgenommen werden muß. Seine bislang wichtigste bekannte Funktion besteht darin, freie Radikale - das sind Moleküle mit unge- paarten Elektronen, die dadurch extrem reaktiv sind - zu binden, die im Körper durch Rauchen und Alkohol, UV-Strahlung und Umweltschadstoffe entstehen. Vitamin E bezeichnet man deswegen auch als Antioxidans. Freie Radikale reagieren heftig mit körpereigenen Stoffen und zerstören sie dadurch. Langfristig kann dies zu Herz-Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkt oder Atherosklerose oder zu Krebs führen, „Wenn ein Vitamin E-Molekül als Antioxidans wirkt“, erklärt Brigelius-Flohe, „dann wird es, falls es nicht regeneriert wird, so um- und abgebaut, daß man das an den Stoffwechselprodukten noch erkennt. Anschließend werden diese durch die Galle, teilweise auch über den Urin ausgeschieden.“
Mit ihrer Arbeitsgruppe hat sie herausgefunden, daß im Urin noch ein anderes Vitamin E-Abbauprodukt (das als a-CEHC bezeichnet wird) auftaucht, dessen Struktur noch intakt ist, was bedeutet, daß es nicht als Antioxidans gewirkt hat. Dieses Abbauprodukt läßt sich allerdings nur nachweisen, wenn im Blutplasma ein bestimmter Schwellenwert an Vitamin E überschritten ist. Zuvor hatten sie nämlich herausgefunden, daß Vitamin E nur solange vom Körper resorbiert wird, bis das Blutplasma gesättigt ist. Wie hoch dieser Schwellenwert ist, ist individuell verschieden. Brigelius-Flohe glaubt, daß er von der Belastung des Körpers mit freien Radikalen abhängt: Je mehr freie Radikale aufträten, desto mehr Vitamin E würden zu dessen Bindung benötigt. Würde dem Körper darüber hinaus noch mehr Vitamin E angeboten, so baue er es zu dem wasserlöslichen a-CEHC um, welches mit dem Urin ausgeschieden würde. Wäre dies richtig, so könnte a-CEHC
PUTZ 6/96
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