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(1.1.2019) 06
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STUDtOSt

JURASTUDENTEN NAHMEN IHRE DOZENTEN UNTER DIE LUPE

Professoren-Ranking an der Juristischen Fakultät: Beding Spitzenreiter

Es ist naiv zu glauben, die Professoren würden sich bessern, wenn die Studierenden die Hände in den Schoß legen und Däumchen drehen, lautet die Antwort der Liberalen Hochschulgruppe der Universität Potsdam auf die Hage, was sie bewogen habe, Anfang Juni anhand von Fragebögen eine Beurteilung der Professoren der Juristischen Fakultät durch die Jurastudenten zu erstellen. Zwar hätten die Ergebnisse eines derartigen Rankings keine unmittelbaren Folgen für die Professoren, für manch einen auf den hin­teren Plätzen sei es aber eine Herausforderung, beim nächsten Ranking besser abzu­schneiden. Oliver Braun von der Liberalen Hochschulgruppe spekuliert, daß die wissen­schaftlichen Mitarbeiter gegebenenfalls Druck aufihren Professor ausüben oder selbst versuchen, dessen Vorlesung - etwa durch Erstellen guter Skripte - zu verbessern.

Die Fragebögen für das Ranking wurden an die Jurastudenten der ersten sechs Seme­ster verteilt, also an rund 1100 Studierende. 360 davon beteiligten sich an der Befra­gung. Neben einem allgemeinen Tbil, in dem beispielsweise die Verkehrsanbin­dung der Standorte, die Qualität der Men­sa oder die Wohnsituation beurteilt werden sollte, wurden die Studierenden aufgefor­dert, die folgenden vier Eigenschaften der ihnen bekannten Professoren mit Noten von 1 (= spitzenmäßig) bis 5 (=völlig untaug­lich) zu bewerten: die pädagogischen Fä­higkeiten/Stoffvermittlung, die fachliche Kompetenz, das Auftreten/Charisma und die Qualität der Vorlesungsmaterialien (dazu gehörten neben eventuell ausgege­benen Sknpten auch angegebene Literatur­empfehlungen).

Über alle abgegebenen Bögen wurde eine Note für jede Eigenschaft einzeln gemittelt und aus den vier Einzelnoten eine Gesamt­note für jeden Professor ermittelt. Zu der Gesamtnote trug jede Einzelnote zu einem Viertel bei, Zu der Auswertung ist anzumer­ken, daß nicht alle Studenten alle Professo­ren kannten - die Erstsemestler beispiels­weise kannten nur vier der Professoren - und somit die Statistik unterschiedlich aussage­kräftig ist. Insgesamt wurden 21 von den 22 Professoren und Dozenten der Junstischen Fakultät bewertet (Prof. Dr. Wolfgang Lo- schelder wurde nicht miteinbezogen, da er als Rektor derzeit keine Vorlesungen hält).

Nicht unumstritten: Rankings.

Zeichnung: Oliver FFeiss

als Rektor derzeit keine Vorlesungen hält)

Spitzenreiter bei dem Rankmg ist Prof. Dr. Detlev W Belling. Ihm gaben die Studenten die Gesamtnote 1.48. Auch bei den Einzel­noten für die Vorlesungsskripte (1.35) und für die Ausstrahlung (1.68) belegte er Platz eins. Allerdings bewerteten die Studierenden das Chansma von Prof. Dr. Uwe Hellmann mit 1.7, was im Rahmen der statistischen Unge­nauigkeiten wohl für eine genauso große Ausstrahlung wie die von Belling steht. Zum besten Pädagogen wurde Prof. Dr. Werner Merle gekürt. Insgesamt erhielt er die Note 1.7, wobei die Studenten die ersten drei Ei­genschaften von ihm als sehr gut bewerte­ten, hingegen seine Vörlesungsmaterialien nur mit einer 2.3 würdigten.

Dies war ein Muster, das sich in der Bewer­tung von mehreren Professoren zeigte: Die intrinsischen ersten drei Eigenschaften bekamen Noten innerhalb einer schmalen Bandbreite, und nur Vorlesungsmaterialien wichen deutlich von der übrigen Bewertung ab - und zwar mit schlechteren Noten. Nach Meinung von Oliver Braun liegt das daran, daß die pädagogischen Fähigkeiten, die Ausstrahlung und die fachliche Kompe­tenz bei den Studierenden zu einem Ge­samtbild des Professors beitragen und es schwer ist, diese drei Eigenschaften klar zu trennen - bei schlechten pädagogischen Fähigkeiten zeigt sich die fachliche Kompe­tenz unter Umständen schlecht und umge­kehrt - während die Vorlesungsmaterialien separat betrachtet werden können. Das Schlußlicht beim Ranking bildete Prof. Dr. Harald Herrmann mit einer Gesamtnote von 3.5.

Nach Aussage der Liberalen Hochschul­gruppe besteht zwar der Wille, solch ein Ranking regelmäßig durchzuführen, aller­dings könnte es bei ihnen in Zukunft perso­nelle Mängel geben. Von den insgesamt zehn Mitgliedern der Gruppe (davon acht Jurastudenten) werden vier im nächsten Jahr ihr Examen machen bzw. haben es bereits, zwei sind im fünften bzw. sechsten Semester. Wer Interesse hat, in der Gruppe mitzuarbei­ten, ist also sehr gern gesehen und sollte sich für nähere Informationen an Ralf Ramm, Ttelefon (030) 773 49 07 wenden. ade

ES MEHREN SICH DIE STUDIENSTIFTLER

Auf den ersten Blick war der Gruppe, die sich am Abend des 7. Mai 1996 im Büro von Prof. Dr. Wilhelm Bürklin aus der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät traf, nicht viel gemein - weder hin­sichtlich Alter noch Fachrichtung. Einige studieren erst seit wenigen Semestern, andere schreiben bereits an ihrer Doktor­arbeit. Aber alle 14 sind an der Uni Pots­dam und Stipendiaten der Studienstiftung des Deutschen Volkes.

Waren es vor einem Jahr lediglich drei Studienstiftler in Potsdam, so sind es mitt­lerweile bereits 15, eine für die junge Alma mater positive Bilanz. Insgesamt fördert die Studienstiftung zur Zeit rund 5000 Studie­rende - rund 500 davon in den neuen Bun­desländern.

Neben sehr guten Leistungen im Studium legt die Stiftung bei der Auswahl auch Wert auf die Persönlichkeit und das gesell­schaftspolitische Engagement der Stipen­diaten. Die Studienstiftler werden an ihrer Hochschule von einem Professor oder einer Professorinbetreut, der oder die selbst Mitglied der Studienstiftung ist. In Potsdam hat Bürklin diese Aufgabe übernommen.

Am 7. Mai begann das Treffen damit, daß sich jeder Student kurz vorstellte und über seine Fachrichtung und sonstigen Interes­sen erzählte. Meret Krämer beispielsweise studiert Physik und Philosophie und enga­giert sich für Potsdam imInternational Association for the Exchange of Students for Tfechnical Experiance (IAESTE), ein inter­nationales Netzwerk, das für Studenten der Naturwissenschaften Austauschprogram­me organisiert.

Eine andere Studienstiftlerin schilderte die Probleme, auf die sie derzeit bei ihrer Pro­motion stößt. Als Sinologin schreibt sie eine Arbeit über Juden in China in der Zeit von 1844-1849. Allerdings haben ihr die Chine­sischen Behörden noch keinen Zugang zu den Archiven genehmigt.

Politologen, Juristen, Biologen, Geoökolo- gen und Chemiker komplettierten die Run­de. Später entbrannte ein Gespräch über Nutzen und Risiken der Gentechnik. Am Wochenende zuvor hatte in Golm eine Infor­mationsveranstaltung über dieFreisetzung von genetisch veränderten Kartoffeln statt­gefunden. Binnen weniger Minuten verwan­delte sich die ruhige Gruppe in eine enthu­siastische Diskussionsrunde, in der natur­wissenschaftliche Türgumente mit gefühls­mäßigen Bedenken konfrontiert wurden und die Erläuterung der rechtlichen Grund­lagen zur Gentechnik der Diskussion aber ein nüchternes Fundament gaben. ade

PUTZ 6/96

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