STUDtOSt
JURASTUDENTEN NAHMEN IHRE DOZENTEN UNTER DIE LUPE
Professoren-Ranking an der Juristischen Fakultät: Beding Spitzenreiter
„Es ist naiv zu glauben, die Professoren würden sich bessern, wenn die Studierenden die Hände in den Schoß legen und Däumchen drehen“, lautet die Antwort der Liberalen Hochschulgruppe der Universität Potsdam auf die Hage, was sie bewogen habe, Anfang Juni anhand von Fragebögen eine Beurteilung der Professoren der Juristischen Fakultät durch die Jurastudenten zu erstellen. Zwar hätten die Ergebnisse eines derartigen Rankings keine unmittelbaren Folgen für die Professoren, für manch einen auf den hinteren Plätzen sei es aber eine Herausforderung, beim nächsten Ranking besser abzuschneiden. Oliver Braun von der Liberalen Hochschulgruppe spekuliert, daß die wissenschaftlichen Mitarbeiter gegebenenfalls Druck auf „ihren“ Professor ausüben oder selbst versuchen, dessen Vorlesung - etwa durch Erstellen guter Skripte - zu verbessern.
Die Fragebögen für das Ranking wurden an die Jurastudenten der ersten sechs Semester verteilt, also an rund 1100 Studierende. 360 davon beteiligten sich an der Befragung. Neben einem allgemeinen Tbil, in dem beispielsweise die Verkehrsanbindung der Standorte, die Qualität der Mensa oder die Wohnsituation beurteilt werden sollte, wurden die Studierenden aufgefordert, die folgenden vier Eigenschaften der ihnen bekannten Professoren mit Noten von 1 (= spitzenmäßig) bis 5 (=völlig untauglich) zu bewerten: die pädagogischen Fähigkeiten/Stoffvermittlung, die fachliche Kompetenz, das Auftreten/Charisma und die Qualität der Vorlesungsmaterialien (dazu gehörten neben eventuell ausgegebenen Sknpten auch angegebene Literaturempfehlungen).
Über alle abgegebenen Bögen wurde eine Note für jede Eigenschaft einzeln gemittelt und aus den vier Einzelnoten eine Gesamtnote für jeden Professor ermittelt. Zu der Gesamtnote trug jede Einzelnote zu einem Viertel bei, Zu der Auswertung ist anzumerken, daß nicht alle Studenten alle Professoren kannten - die Erstsemestler beispielsweise kannten nur vier der Professoren - und somit die Statistik unterschiedlich aussagekräftig ist. Insgesamt wurden 21 von den 22 Professoren und Dozenten der Junstischen Fakultät bewertet (Prof. Dr. Wolfgang Lo- schelder wurde nicht miteinbezogen, da er als Rektor derzeit keine Vorlesungen hält).
Nicht unumstritten: Rankings.
Zeichnung: Oliver FFeiss
als Rektor derzeit keine Vorlesungen hält)
Spitzenreiter bei dem Rankmg ist Prof. Dr. Detlev W Belling. Ihm gaben die Studenten die Gesamtnote 1.48. Auch bei den Einzelnoten für die Vorlesungsskripte (1.35) und für die Ausstrahlung (1.68) belegte er Platz eins. Allerdings bewerteten die Studierenden das Chansma von Prof. Dr. Uwe Hellmann mit 1.7, was im Rahmen der statistischen Ungenauigkeiten wohl für eine genauso große Ausstrahlung wie die von Belling steht. Zum besten Pädagogen wurde Prof. Dr. Werner Merle gekürt. Insgesamt erhielt er die Note 1.7, wobei die Studenten die ersten drei Eigenschaften von ihm als sehr gut bewerteten, hingegen seine Vörlesungsmaterialien nur mit einer 2.3 würdigten.
Dies war ein Muster, das sich in der Bewertung von mehreren Professoren zeigte: Die „intrinsischen“ ersten drei Eigenschaften bekamen Noten innerhalb einer schmalen Bandbreite, und nur Vorlesungsmaterialien wichen deutlich von der übrigen Bewertung ab - und zwar mit schlechteren Noten. Nach Meinung von Oliver Braun liegt das daran, daß die pädagogischen Fähigkeiten, die Ausstrahlung und die fachliche Kompetenz bei den Studierenden zu einem Gesamtbild des Professors beitragen und es schwer ist, diese drei Eigenschaften klar zu trennen - bei schlechten pädagogischen Fähigkeiten zeigt sich die fachliche Kompetenz unter Umständen schlecht und umgekehrt - während die Vorlesungsmaterialien separat betrachtet werden können. Das Schlußlicht beim Ranking bildete Prof. Dr. Harald Herrmann mit einer Gesamtnote von 3.5.
Nach Aussage der Liberalen Hochschulgruppe besteht zwar der Wille, solch ein Ranking regelmäßig durchzuführen, allerdings könnte es bei ihnen in Zukunft personelle Mängel geben. Von den insgesamt zehn Mitgliedern der Gruppe (davon acht Jurastudenten) werden vier im nächsten Jahr ihr Examen machen bzw. haben es bereits, zwei sind im fünften bzw. sechsten Semester. Wer Interesse hat, in der Gruppe mitzuarbeiten, ist also sehr gern gesehen und sollte sich für nähere Informationen an Ralf Ramm, Ttelefon (030) 773 49 07 wenden. ade
ES MEHREN SICH DIE STUDIENSTIFTLER
Auf den ersten Blick war der Gruppe, die sich am Abend des 7. Mai 1996 im Büro von Prof. Dr. Wilhelm Bürklin aus der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät traf, nicht viel gemein - weder hinsichtlich Alter noch Fachrichtung. Einige studieren erst seit wenigen Semestern, andere schreiben bereits an ihrer Doktorarbeit. Aber alle 14 sind an der Uni Potsdam und Stipendiaten der Studienstiftung des Deutschen Volkes.
Waren es vor einem Jahr lediglich drei Studienstiftler in Potsdam, so sind es mittlerweile bereits 15, eine für die junge Alma mater positive Bilanz. Insgesamt fördert die Studienstiftung zur Zeit rund 5000 Studierende - rund 500 davon in den neuen Bundesländern.
Neben sehr guten Leistungen im Studium legt die Stiftung bei der Auswahl auch Wert auf die Persönlichkeit und das gesellschaftspolitische Engagement der Stipendiaten. Die Studienstiftler werden an ihrer Hochschule von einem Professor oder einer Professorin „betreut“, der oder die selbst Mitglied der Studienstiftung ist. In Potsdam hat Bürklin diese Aufgabe übernommen.
Am 7. Mai begann das Treffen damit, daß sich jeder Student kurz vorstellte und über seine Fachrichtung und sonstigen Interessen erzählte. Meret Krämer beispielsweise studiert Physik und Philosophie und engagiert sich für Potsdam im „International Association for the Exchange of Students for Tfechnical Experiance“ (IAESTE), ein internationales Netzwerk, das für Studenten der Naturwissenschaften Austauschprogramme organisiert.
Eine andere Studienstiftlerin schilderte die Probleme, auf die sie derzeit bei ihrer Promotion stößt. Als Sinologin schreibt sie eine Arbeit über Juden in China in der Zeit von 1844-1849. Allerdings haben ihr die Chinesischen Behörden noch keinen Zugang zu den Archiven genehmigt.
Politologen, Juristen, Biologen, Geoökolo- gen und Chemiker komplettierten die Runde. Später entbrannte ein Gespräch über Nutzen und Risiken der Gentechnik. Am Wochenende zuvor hatte in Golm eine Informationsveranstaltung über die „Freisetzung von genetisch veränderten Kartoffeln“ stattgefunden. Binnen weniger Minuten verwandelte sich die ruhige Gruppe in eine enthusiastische Diskussionsrunde, in der naturwissenschaftliche Türgumente mit gefühlsmäßigen Bedenken konfrontiert wurden und die Erläuterung der rechtlichen Grundlagen zur Gentechnik der Diskussion aber ein nüchternes Fundament gaben. ade
PUTZ 6/96
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