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(1.1.2019) 07
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IN TIEFER SORGE UM DIE ZUKUNFT

Kehrtwendung bei der staatlichen Finanzierung des Bildungswesens gefordert

Öffentlichen Schulterschluß übten die Präsidenten der Vereinigung der Untemehmens- verbände in Berlin und Brandenburg, der Landesarbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern des Landes Brandenburg und der Vorsitzende der Brandenbur- gischen Landesrektorenkonferenz, als sie in einer Pressekonferenz unmittelbar vor dem Beschluß des Kabinetts zum Haushalt 1997 auf die Gefahren einer weiteren Spar­politik bei den Hochschulen hinwiesen. Sie erklärten wörtlich:

Das Entwicklungstempo des wissenschaft­lich-technischen Wandels beschleunigt sich auch durch die Dynamik der Informa- tionsgesellschaft zunehmend und setzt ge­waltige Innovationspotentiale in Wissen­schaft und Wirtschaft voraus. Die Internatio- nalisierung der Märkte schreitet unaufhalt­sam voran. Das Land Brandenburg war in den letzten Jahren einer umfassenden De­industrialisierung und gravierenden Um­bruchprozessen ausgesetzt. Voraussetzun­gen für einen wirtschaftlichen und gesell­schaftlichen Umbau und Aufbau unseres Landes in dieser Situation struktureller Ver­änderungen sind eine intensive und breit gefächerte Ansiedlungspolitik und eine lei­stungsfähige Wissenschaftsstruktur.

In der Informationsgesellschaft der Zukunft ist Wissen der wichtigste Rohstoff. Bildung und Ausbildung müssen die Menschen be­fähigen, Wandel und Veränderungen, die zum Dauerzustand unserer Gesellschaft werden, nicht nur zu ertragen, sondern als Antwort auf die veränderte Wirklichkeit selbst zu initiieren und zu gestalten. Das Land Brandenburg hat mit seinen drei Uni­versitäten, fünf Fachhochschulen und der Hochschule für Film und Fernsehen sowie über zwei Dutzend außerhochschulischen Forschungsinstitutionen eine hervorragen­de Ausgangsbasis geschaffen, um über den Wissenschaftsstandort den Wirtschafts­standort Brandenburg an das internationa­le Wettbewerbsniveau heranzuführen. Um diesen Weg erfolgreich weiterzuführen, bedarf es umfassender Anstrengungen der Landespolitik.

Die Konsolidierung der öffentlichen Finan­zen ist eine wichtige Politikstrategie im In­teresse der Zukunftssicherung unseres Landes. Konsolidierung bedarf aber der Schwerpunktsetzung bei den investiven Bereichen des Landeshaushalts. Entschei­dend ist die Perspektive, den Anschluß an die internationale Entwicklung, die nicht nur eine europäische, sondern eine welt­weite Dimension hat, zu schaffen. Wirt­schaftsförderung, Bildung und Wissen­schaft müssen dabei an oberster Stelle ste­hen und bedingen sich gegenseitig. Nur wenn es gelingt, Studierende aus aller Welt nach Brandenburg zu holen und Studieren­

de aus Brandenburg in alle Welt zu schik- ken, wird die Leistungsfähigkeit unseres Landes international sichtbar. Studenten sind vorzügliche Botschafter.

Die Politik der Landesregierung für die nächsten Haushaltsjahre läßt darauf schlie­ßen, daß das Diktat der knappen Mittel die dringend notwendigen Investitionen nicht zuläßt und den Aufbau der Hochschulen zu einem vorzeitigen Ende bringt. Bei wach­senden Studentenzahlen werden die Mittel­zuweisungen drastisch verringert. Selbst die erforderlichen Sach- und Personalmittel stehen nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung. Studiengänge mit fehlenden Laboren und Werkstätten, überfüllte Hörsä­le, unzureichende Bibliotheken und vor al­lem ungenügende Betreuung behindern den Anschluß an die internationale Ent­wicklung.

Das Land hat 13.000 Studienplätze geschaf­fen, auf denen 18.000 junge Menschen stu­dieren. Im Jahr 2000 werden über 40.000 junge Brandenburger studieren wollen, ohne daß bis jetzt absehbar der Investitions­rahmen für den Ausbau der Studienplätze gesichert worden ist. Bereits jetzt sind wir Export-Land für Studenten und graduierte Nachwuchskräfte, während zu wenig aus­ländische Studenten den Weg nach Bran­denburg finden. Wer die Formel vom Standort Brandenburg seriös nutzen will, muß für eine Kehrtwendung bei der staatli­chen Finanzierung des Bildungswesens ein treten.

Die Hochschulen sind bereit, die öffentli­chen Mittel sparsam und mit einem Höchst­maß an Effektivität einzusetzen. Kurze Stu­dienzeiten, praxisnahe Ausbildung und an­wendungsbezogene Forschung sind an den brandenburgischen Hochschulen Realität. Die Hochschulen bringen gern ihre Innova­tionspotentiale in die notwendige Reform­diskussion zur effektiveren Nutzung der Hochschulkapazitäten und zur alternativen Hochschulfinanzierung mit ein. Eine enge Abstimmung zwischen beiden Ländern ist dringend erforderlich, Dies betrifft die Ko­operation zwischen den Wissenschafts­verwaltungen, aber vor allen Dingen zwi­schen den Hochschulen untereinander, um den Standort Berlin-Brandenburg gemein­sam zu sichern. Eine gemeinsame Kommis­

sion für Wissenschaft und Forschung sollte schnellstmöglich ms Leben gerufen wer­den, um die notwendigen Abstimmungs­prozesse in Gang zu bringen. Wir brauchen eine rationale, zukunftsweisende Struktur­planung im Bereich von Wissenschaft und Wirtschaft! Wir brauchen mehr Kreativität der politischen Entscheidung, um auch bei knappen Mitteln sinnvolle Problemlösun­gen zu entwickeln zur Verbesserung der Lebensqualität der Bewohner unseres Lan­des!

Wir brauchen Verläßlichkeit der Planung und die notwendigen Mittel, die die Hoch­schulen in die Lage versetzen, zur rechten Zeit die zukunftsweisenden Aufgaben anzu­packen im Interesse der Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft der Region. Wir müssen unser Land wieder attraktiv ma­chen für einheimische und ausländische Unternehmen, als Platz, wo man investieren muß, um bei der Gestaltung weltweit wich­tiger Zukunftsfelder dabei sein zu können. Wir bitten den Ministerpräsidenten, die Landesregierung über diese gemeinsame Erklärung zu informieren und diese bei der Entscheidung über die Eckdaten des Haus­halts '97 zu berücksichtigen. Unabhängig davon werden wir eine Kommission zur Erarbeitung konkreter Maßnahmen zur Ver­besserung des Wissenschaftsstandortes Brandenburg ms Leben rufen und bitten um Entsendung von Vertretern aus den Wissenschafts- und Wirtschaftsressorts.

FREMDSPRACHENLERNEN UND INTERNET

Firemdsprachenlehrerinnen und -lehrer an Hochschulen haben großes Interesse an ei­ner Weiterbildung im BereichNeuere Medien", Die Länderarbeitsgemeinschaft der Hochschullektorinnen Berlin-Branden­burg (LAG B-B) widmete deshalb ihr zwei­tes Arbeitstreffen im Juli 1996 dem Internet. Gebündelt und praxisorientiert wurden er­ste Erfahrungen mit demNetz der Netze im universitären Fremdsprachenunterricht vermittelt. Als Kooperationspartner an der Universität Potsdam trugen das Sprachen­zentrum sowie die ZEIK III Babelsberg, namentlich Dr. Frank Gärtner und Gabrie­le Grabsch, wesentlich zum Gelingen des Workshops bei. Aufgrund des auch überre­gional großen Interesses an dem Thema soll eine weitere Veranstaltung am Sams­tag, dem 30.11.1996 an der Berliner Hum­boldt-Universität (HUB) stattfinden. Genaue Informationen gibt es bei David Bowskill, HUB Sprachenzentrum, Reinhardstraße 7, 10099 Berlin; via e-mail an David=Bow- skill@rz.hu-berlin.de oder über die World Wide Web Adresse http://enterprise.rz.uni- potsdam.de/u/LAG-Arbeitstreffen/Lag- main.htm. S.-E/Sko.

PUTZ 7/96

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