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IN TIEFER SORGE UM DIE ZUKUNFT
Kehrtwendung bei der staatlichen Finanzierung des Bildungswesens gefordert
Öffentlichen Schulterschluß übten die Präsidenten der Vereinigung der Untemehmens- verbände in Berlin und Brandenburg, der Landesarbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern des Landes Brandenburg und der Vorsitzende der Brandenbur- gischen Landesrektorenkonferenz, als sie in einer Pressekonferenz unmittelbar vor dem Beschluß des Kabinetts zum Haushalt 1997 auf die Gefahren einer weiteren Sparpolitik bei den Hochschulen hinwiesen. Sie erklärten wörtlich:
Das Entwicklungstempo des wissenschaftlich-technischen Wandels beschleunigt sich auch durch die Dynamik der Informa- tionsgesellschaft zunehmend und setzt gewaltige Innovationspotentiale in Wissenschaft und Wirtschaft voraus. Die Internatio- nalisierung der Märkte schreitet unaufhaltsam voran. Das Land Brandenburg war in den letzten Jahren einer umfassenden Deindustrialisierung und gravierenden Umbruchprozessen ausgesetzt. Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbau und Aufbau unseres Landes in dieser Situation struktureller Veränderungen sind eine intensive und breit gefächerte Ansiedlungspolitik und eine leistungsfähige Wissenschaftsstruktur.
In der Informationsgesellschaft der Zukunft ist Wissen der wichtigste Rohstoff. Bildung und Ausbildung müssen die Menschen befähigen, Wandel und Veränderungen, die zum Dauerzustand unserer Gesellschaft werden, nicht nur zu ertragen, sondern als Antwort auf die veränderte Wirklichkeit selbst zu initiieren und zu gestalten. Das Land Brandenburg hat mit seinen drei Universitäten, fünf Fachhochschulen und der Hochschule für Film und Fernsehen sowie über zwei Dutzend außerhochschulischen Forschungsinstitutionen eine hervorragende Ausgangsbasis geschaffen, um über den Wissenschaftsstandort den Wirtschaftsstandort Brandenburg an das internationale Wettbewerbsniveau heranzuführen. Um diesen Weg erfolgreich weiterzuführen, bedarf es umfassender Anstrengungen der Landespolitik.
Die Konsolidierung der öffentlichen Finanzen ist eine wichtige Politikstrategie im Interesse der Zukunftssicherung unseres Landes. Konsolidierung bedarf aber der Schwerpunktsetzung bei den investiven Bereichen des Landeshaushalts. Entscheidend ist die Perspektive, den Anschluß an die internationale Entwicklung, die nicht nur eine europäische, sondern eine weltweite Dimension hat, zu schaffen. Wirtschaftsförderung, Bildung und Wissenschaft müssen dabei an oberster Stelle stehen und bedingen sich gegenseitig. Nur wenn es gelingt, Studierende aus aller Welt nach Brandenburg zu holen und Studieren
de aus Brandenburg in alle Welt zu schik- ken, wird die Leistungsfähigkeit unseres Landes international sichtbar. Studenten sind vorzügliche Botschafter.
Die Politik der Landesregierung für die nächsten Haushaltsjahre läßt darauf schließen, daß das Diktat der knappen Mittel die dringend notwendigen Investitionen nicht zuläßt und den Aufbau der Hochschulen zu einem vorzeitigen Ende bringt. Bei wachsenden Studentenzahlen werden die Mittelzuweisungen drastisch verringert. Selbst die erforderlichen Sach- und Personalmittel stehen nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung. Studiengänge mit fehlenden Laboren und Werkstätten, überfüllte Hörsäle, unzureichende Bibliotheken und vor allem ungenügende Betreuung behindern den Anschluß an die internationale Entwicklung.
Das Land hat 13.000 Studienplätze geschaffen, auf denen 18.000 junge Menschen studieren. Im Jahr 2000 werden über 40.000 junge Brandenburger studieren wollen, ohne daß bis jetzt absehbar der Investitionsrahmen für den Ausbau der Studienplätze gesichert worden ist. Bereits jetzt sind wir Export-Land für Studenten und graduierte Nachwuchskräfte, während zu wenig ausländische Studenten den Weg nach Brandenburg finden. Wer die Formel vom „Standort Brandenburg“ seriös nutzen will, muß für eine Kehrtwendung bei der staatlichen Finanzierung des Bildungswesens ein treten.
Die Hochschulen sind bereit, die öffentlichen Mittel sparsam und mit einem Höchstmaß an Effektivität einzusetzen. Kurze Studienzeiten, praxisnahe Ausbildung und anwendungsbezogene Forschung sind an den brandenburgischen Hochschulen Realität. Die Hochschulen bringen gern ihre Innovationspotentiale in die notwendige Reformdiskussion zur effektiveren Nutzung der Hochschulkapazitäten und zur alternativen Hochschulfinanzierung mit ein. Eine enge Abstimmung zwischen beiden Ländern ist dringend erforderlich, Dies betrifft die Kooperation zwischen den Wissenschaftsverwaltungen, aber vor allen Dingen zwischen den Hochschulen untereinander, um den Standort Berlin-Brandenburg gemeinsam zu sichern. Eine gemeinsame Kommis
sion für Wissenschaft und Forschung sollte schnellstmöglich ms Leben gerufen werden, um die notwendigen Abstimmungsprozesse in Gang zu bringen. Wir brauchen eine rationale, zukunftsweisende Strukturplanung im Bereich von Wissenschaft und Wirtschaft! Wir brauchen mehr Kreativität der politischen Entscheidung, um auch bei knappen Mitteln sinnvolle Problemlösungen zu entwickeln zur Verbesserung der Lebensqualität der Bewohner unseres Landes!
Wir brauchen Verläßlichkeit der Planung und die notwendigen Mittel, die die Hochschulen in die Lage versetzen, zur rechten Zeit die zukunftsweisenden Aufgaben anzupacken im Interesse der Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft der Region. Wir müssen unser Land wieder attraktiv machen für einheimische und ausländische Unternehmen, als Platz, wo man investieren muß, um bei der Gestaltung weltweit wichtiger Zukunftsfelder dabei sein zu können. Wir bitten den Ministerpräsidenten, die Landesregierung über diese gemeinsame Erklärung zu informieren und diese bei der Entscheidung über die Eckdaten des Haushalts '97 zu berücksichtigen. Unabhängig davon werden wir eine Kommission zur Erarbeitung konkreter Maßnahmen zur Verbesserung des Wissenschaftsstandortes Brandenburg ms Leben rufen und bitten um Entsendung von Vertretern aus den Wissenschafts- und Wirtschaftsressorts.
FREMDSPRACHENLERNEN UND INTERNET
Firemdsprachenlehrerinnen und -lehrer an Hochschulen haben großes Interesse an einer Weiterbildung im Bereich „Neuere Medien", Die Länderarbeitsgemeinschaft der Hochschullektorinnen Berlin-Brandenburg (LAG B-B) widmete deshalb ihr zweites Arbeitstreffen im Juli 1996 dem Internet. Gebündelt und praxisorientiert wurden erste Erfahrungen mit dem „Netz der Netze“ im universitären Fremdsprachenunterricht vermittelt. Als Kooperationspartner an der Universität Potsdam trugen das Sprachenzentrum sowie die ZEIK III Babelsberg, namentlich Dr. Frank Gärtner und Gabriele Grabsch, wesentlich zum Gelingen des Workshops bei. Aufgrund des auch überregional großen Interesses an dem Thema soll eine weitere Veranstaltung am Samstag, dem 30.11.1996 an der Berliner Humboldt-Universität (HUB) stattfinden. Genaue Informationen gibt es bei David Bowskill, HUB Sprachenzentrum, Reinhardstraße 7, 10099 Berlin; via e-mail an David=Bow- skill@rz.hu-berlin.de oder über die World Wide Web Adresse http://enterprise.rz.uni- potsdam.de/u/LAG-Arbeitstreffen/Lag- main.htm. S.-E/Sko.
PUTZ 7/96
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