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(1.1.2019) 07
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BRANDENBURGS KOMMUNEN AUF DEM WEG

Das Kommunalwissenschaftliche Institut leistet Begleitforschung für kommunale Reformprojekte

Am Kommunalwissenschaftlichen Institut (KWI) der Universität Potsdam gibt es seit dem ersten April 1996 ein Projekt zur wissenschaftlichen Begleitung kommunaler Re­formprojekte im Land Brandenburg. Seit etwa einem Jahr unterstützt eine Initiative des Innenministeriums acht Modellkommunen im Land Brandenburg bei der Reform ih­rer Kommunalverwaltung. Dabei dominiert die Reformstrategie, neuartige Steuerungs­instrumente im Rahmen einesNeuen Steuerungsmodells, das zu großen Teilen von der Kommunalen Gemeinschaftsstelle entwickelt worden ist, einzuführen. Das Projekt leiten Prof. Dr. Werner Jann und Prof.Dr. Dieter Wagner aus der Wirtschafts- und Sozi­alwissenschaftlichen Fakultät der Uni Potsdam sowie Dr. Christoph Reichard von der Fhchhochschule für Wirtschaft und Technik, Berlin.

Amt Grantee und Gemeinden

Im Mittelpunkt der Reform stehen Ziele wie Steigerung der Effizienz und Effektivität des Verwaltungshandelns und eine größere Bür­gernähe der Verwaltung. Dies soll u.a. durch die Übernahme betriebswirtschaftlicher In­strumente geschehen. Wesentliche Bestand­teile der Reform sind die Neugestaltung des Verhältnisses von Politik und Verwaltung, die Abkehr von der bisher praktizierten Input- Steuerung der Verwaltung und die Aufhe­bung der Trennung zwischen Fach- und Ressourcenverantwortung. Bisher sind em­pirisch gesicherte Erkenntnisse über Chan­cen, Risiken und besonders erfolgreiche Strategien einer solchen der Verwaltungs­reform noch nicht verfügbar.

Durch die Auswertung der ersten Ein­führungserfahrungen bzw. die Analyse der bisherigen Umsetzungsschritte soll eine Pro­gnose von Chancen und Risiken der Reform­strategien ermöglicht werden, Es wird unter­sucht, ob die erhofften Veränderungen ein- treten, welche Bedingungen dabei beachtet werden müssen und welche Strategien be­sonders erfolgreich sind. Ziel ist ein intensi­ver Erfahrungsaustausch, der es den Re­formkommunen und auch den übrigen Kom­munen des Landes ermöglicht, aus - guten wie schlechten - Erfahrungen zu lernen und einen eigenen erfolgreichen Modernisie­rungsprozeß zu organisieren. Hauptaufgaben der Begleitforschung sind daher vor allem die Beobachtung und syste­matische Dokumentation der Reformpro­zesse, die Identifikation besonders erfolg­versprechender Reformelemente und -Stra­tegien sowie die Organisation eines Wis­senstransfers und Erfahrungsaustauschs für die und zwischen den Kommunen. Diesem Zweck dient u.a. die Veranstaltung von Work­shops für die Modellkommunen. Der erste dieser Workshops fand im vergangenen Sommersemester statt. Die Vertreter der Modellkommunen konnten sich aus erster Hand über den Stand in den anderen Modellkommunen informieren. Zudem wur­den besonders schwierige Problemfelder der Verwaltungsreform - das Verhältnis von Bürger und Verwaltung sowie die Einbezie­hung der Politik in die Verwaltungsreform -

behandelt. So berichtete Günter Müllender aus Michendorf über denAmtstest Michendorf, eine Bürgerbefragung, mit der sich die Verwaltung des Amtes der öffentli­chen Kritik stellte und allen Einwohnern die Möglichkeit zur Bewertung der Arbeit der örtlichen Verwaltung gab. Anhand dieses Beispiels wurden die besonderen Probleme der Einbeziehung der Interessen der Bürger in die Arbeit der Verwaltung diskutiert. Das Beispiel Michendorf zeigte, daß zwar gene­rell das Image der öffentlichen Verwaltung schlecht ist, aber bei präziser Nachfrage durchweg gute Noten für die Arbeit der Ver­waltung erteilt werden und das Interesse an solchen yerwaltungstests in der Bevölke­rung sehr gering ist.

Entscheidend für das Gelingen der Verwal­tungsreform ist - so die Einschätzung im

In diesen acht Modellkommunen soll das neue Steuerungsmodell zur Verwaltungsmodernisie­rung eingeführt werden. Zeichnung: KWI

KWI - die Unterstützung der Kommunalpo­litik. Eine erfolgreiche Reform setze einen Kulturwandel nicht nur in der Verwaltung, sondern auch bei den Kommunalpolitikern voraus, Die Kommunalpolitiker sollen sich stärker mit den notwendigen strategischen Fragestellungen beschäftigen und das täg­liche Geschäft der Verwaltung überlassen, Wie diese wohlfeile Forderung erfüllt wer­den soll, ist allerdings bisher noch weitge­hend unklar.

Weitere Informationen zu diesem Modell­projekt sind erhältlich bei Christian Maaß, Kommunalwissenschaftliches Institut der Um Potsdam, Tbl. 0331/977-4428. C.M.

ABSCHIEDSBESUCH

Ende August trafen sich Mitglieder des scheidenden Präsidiums der Humboldt-Uni Berlin und der Potsdamer Uni-Leitung in der brandenburgischen Alma mater. An dem Gespräch nahmen von Berliner Seite Präsidentin Prof Dr. Marlis Dürkop (2.V.I.), die Vizepräsidenten Dr. Monika Ziehnski (4. v.l.), Prof. Dr Hans-Wolfgang Presber (4. v.r.) und Prof. Dr. Michael Müller-Preußker (r.) sowie Kanzler Rainer Neumann (3. v.r.) teil. Die gastgebende Hochschule vertraten deren Rektor Prof. Dr. Wolfgang Loschelder (1.) sowie die Prorektoren Prof. Dr. Helene Harth (2.v.r.) und Prof. Dr. Ralf Menzel (3.V.1). Der Meinungsaustausch, dem bereits intensive Kontakte vorausgegangen waren, diente dem weiteren Kennenlernen gegenseitiger Positionen. Auf der Tagesordnung standen aktuelle Probleme und mögliche Perspektiven. Die Potsdamer wollen auch zum neugewählten Führungsgremium der Humboldt-Universität Berlin konkrete Beziehungen aufnehmen. PG./Foto: Fritze

PUTZ 7/96

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