WISSENSCHAFT AKTUELL
Zur Kooperation der Potsdamer Universität mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen - heute:
POLYMERE: MAKROMOLEKÜLE FÜR FAST JEDEN FALL
Das Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung
Eines der Markenzeichen der Potsdamer Universität ist ihre enge Zusammenarbeit mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, die sich in Potsdam und seinem unmittelbaren Umland sehr zahlreich angesiedelt haben. Für diese Kooperation, die über an anderen Standorten üblichen Verknüpfungen weit hinausgeht, wurden verschiedenartige Formen entwickelt: so z. B. gemeinsame Berufungen von Professoren, die Durchführung gemeinsamer Studiengänge und der Aufbau Interdisziplinärer Zentren. Auch laufen die Vorbereitungen für die Errichtung eines gemeinsamen Campus’ der Potsdamer Naturwissenschaften mit Instituten der Max-Planck-Gesellschaft und der Rraunhofer-Gesellschaft in Golm derzeit auf Hochtouren. Mit diesem Artikel über das Flraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung wird in der PUTZ eine Reihe fortgeführt, in der nach und nach die Einrichtungen vorgestellt werden sollen, die vor allem auf naturwissenschaftlichem Gebiet mit der Universität Potsdam kooperieren.
Den von der Henning-Kaufmann-Stiftung vergebenen Deutschen Sprachpreis bekam kürzlich Peter Eisenberg von der Universität Potsdam, hier bei seiner Rede während des Festaktes, überreicht. Die feierliche Übergabe der mit 10.000 DM dotierten Auszeichnung erfolgte im traditionsreichen Weimar. Der Wissenschaftler bekleidet an der Alma mater der brandenburgi- schen Landeshauptstadt die Professur für Deutsche Gegenwartssprache. Verdienste um die deutsche Sprachwissenschaft erwarb sich Eisenberg nach Meinung der urteilenden Jury nicht nur durch seinen „Grundriß der deutschen Grammatik". Er habe demnach darüber hinaus durch zahlreiche ertragreiche Untersuchungen zum Verhältnis von gesprochener und geschriebener Sprache auch zur Klärung des gegenwärtigheftigumstrittenen Sprachbereichs der Orthographie beigetragen. Deren jüngste Reform begleite der Linguist mit „wohlbegründeter wie wegweisender" Kritik.
Die Stiftung wurde 1983 als Nachlaßstiftung des Gymnasiallehrers und Namensforschers Dr. Henning Kaufmann gegründet. Bereits ein Jahr später vergab sie erstmals den Deutschen Sprachpreis. Zu den bisher Geehrten gehören unter anderem die Arbeitsstellen für die Neubearbeitung des Grimmschen Wörterbuchs bei der Akademie der Wissenschaften der DDR und der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (1986), Will Quadflieg (1987), eine Gruppe rumäniendeutscher Schriftsteller (1989) oder das Münchner Goethe-Institut zur Pflege der deutschen Sprache im Ausland und zur Förderung der internationalen kulturellen Zusammenarbeit (1994). PG./Foto: Geske
EU-Forschungsstipendien
Die Nationale Kontaktstelle TMR hat eine aktualisierte Auflage des „Leitfadens für Antragsteller“ herausgegeben. Dieser „Leitfaden“ wendet sich vor allem an junge Doktoranden (bzw. Graduierte) und Post-Docs, aber auch an erfahrene Wissenschaftler, die sich für einen Forschungsaufenthalt im europäischen Ausland interessieren. Es wird ein umfassender Überblick über die entsprechenden Stipendienangebote verschiedener EU-Forschungsförderprogramme des 4. Rahmenprogramms zu Forschung, technologischer Entwicklung und Demonstration gegeben. Der Leitfaden ist im Internet unter folgender Adresse hinterlegt: http://www.kp.dlr.de/ AUG/TMR. Weitergehende Informationen sind aber auch im Dezernat 1 der Universität Potsdam unter Tbl. 0331/977-1778, e-mail: richter@ rz.uni-potsdam.de erhältlich. ri.
Ob wir eine CD hören, einen Kugelschreiber zur Hand nehmen oder eine Kartoffel essen: Polymere begegnen uns auf Schritt und Tritt. Es sind all jene Riesenmoleküle, die dadurch entstehen, daß sich sehr viele gleiche oder gleichartige Grundmoleküle (Monomere) faden-, netz- oder gitterförmig miteinander verbinden. Zu ihnen gehören beispielsweise Proteine, Stärke oder Cellulose. Das breite Spektrum von in der Natur vorkommenden Polymeren wird ständig durch künstlich hergestellte erweitert. Die Motivation dafür ist, daß sie zu den vielseitigsten Werk- und Wirkstoffen überhaupt gehören. Manche sind hart und spröde, manche zäh und schlagfest, andere weich und biegsam. Darüber hinaus lassen sich Moleküle mit den unterschiedlichsten optischen, thermischen und elektrischen Eigenschaften produzieren. Die Herstellung und Charakterisierung von Polymeren ist somit ein weites Feld und bietet vielen Forschern Platz. So beschäftigen sich die rund 50 Mitarbeiter am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung (LAP) mit der Physik, der Chemie und den Materialeigenschaften von Polymeren sowie mit Verfahrens- und Produktentwicklung auf verschiedenen Einsatzgebieten dieser Stoffe.'Speziell interessieren sich die Physiker und Chemiker für drei Aufgabenkomplexe: Im ersten geht es darum, Umweltbelastungen, die durch die Herstellung, den Einsatz oder die Entsorgung von polymeren Stoffen entstehen, zu vermindern und um Reduzierung von Umweltbelastungen mit Hilfe von Polymeren. Der zweite Komplex befaßt sich mit Cellulose und Stärke u.a. hinsichtlich neuer Verwendungsmöglichkeiten. Der dritte Bereich schließlich beinhaltet die Entwicklung von Polymeren mit speziellen
Werkstoff- oder Fünktionseigenschaften. Das LAP wurde 1992 gegründet und baut auf einem Institut der Akademie der Wissenschaften auf. Wie alle Institute der Fraunhofer Gesellschaft wird auch hier anwendungsorientiert für öffentliche Auftraggeber und für Auftraggeber aus der Wirtschaft geforscht, so daß sich das Institut zu einem großen Tfeil selbst finanziert.
Polymere für den Einsatz im Klärwerk
Was mir nahesteht, das sind Produkte, die mit dem Umweltschutz im weitesten Sinne zu tun haben, mit Problemen der Wasserreinigung, mit der Eliminierung von hochtoxischen Verbindungen aus Wassern im besonderen“, beschreibt Dr. Werner Jaeger seinen Arbeitsbereich. Er leitet die AG „Wasserlösliche Polymere/Polymerdisper- sionen“ am IAE Hier läuft unter anderem derzeit eines der Gemeinschaftsprojekte vom LAP und der Universität Potsdam neben weiteren Kooperationen mit den Interdisziplinären Zentren für Biopolymere sowie für dünne Organische imd Biochemische Schichten. In diesem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierten Forschungsvorhaben, an dem neben Jaeger auch Prof. Dr. Joachim Kötz von der Universität Potsdam und Prof. Dr. Werner Michael Kuhlike von der Universität Hamburg beteiligt sind, geht es um die Entwässerung von Klärschlamm. Klärschlämme bestehen aus den Feststoffen, die aus dem Abwasser sedimentieren und die teilweise im Klärwerk biologisch abgebaut werden, sowie - zum weitaus größeren Tfeil - aus Wasser. Um die enormen Mengen an Klärschlamm, die im Klärwerk anfallen, zu reduzieren, wird dort zunächst der Wassergehalt maschinell gesenkt (u.a. durch Zen-
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PUTZ 7/96