Heft 
(1.1.2019) 07
Einzelbild herunterladen

WISSENSCHAFT AKTUELL

Zur Kooperation der Potsdamer Universität mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen - heute:

POLYMERE: MAKROMOLEKÜLE FÜR FAST JEDEN FALL

Das Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung

Eines der Markenzeichen der Potsdamer Universität ist ihre enge Zusammenarbeit mit außeruniversitären Forschungseinrichtun­gen, die sich in Potsdam und seinem unmittelbaren Umland sehr zahlreich angesiedelt haben. Für diese Kooperation, die über an anderen Standorten üblichen Verknüpfungen weit hinausgeht, wurden verschiedenartige Formen entwickelt: so z. B. gemeinsa­me Berufungen von Professoren, die Durchführung gemeinsamer Studiengänge und der Aufbau Interdisziplinärer Zentren. Auch laufen die Vorbereitun­gen für die Errichtung eines gemeinsamen Campus der Potsdamer Naturwissenschaf­ten mit Instituten der Max-Planck-Gesellschaft und der Rraunhofer-Gesellschaft in Golm derzeit auf Hochtouren. Mit diesem Artikel über das Flraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung wird in der PUTZ eine Reihe fortgeführt, in der nach und nach die Einrichtungen vorgestellt werden sollen, die vor allem auf naturwissenschaftlichem Gebiet mit der Universität Potsdam kooperieren.

Den von der Henning-Kaufmann-Stiftung verge­benen Deutschen Sprachpreis bekam kürzlich Peter Eisenberg von der Universität Potsdam, hier bei seiner Rede während des Festaktes, überreicht. Die feierliche Übergabe der mit 10.000 DM dotierten Auszeichnung erfolgte im traditionsreichen Weimar. Der Wissenschaftler bekleidet an der Alma mater der brandenburgi- schen Landeshauptstadt die Professur für Deutsche Gegenwartssprache. Verdienste um die deutsche Sprachwissenschaft erwarb sich Eisenberg nach Meinung der urteilenden Jury nicht nur durch seinenGrundriß der deutschen Grammatik". Er habe demnach darüber hinaus durch zahlreiche ertragreiche Untersuchungen zum Verhältnis von gesprochener und geschrie­bener Sprache auch zur Klärung des gegen­wärtigheftigumstrittenen Sprachbereichs der Orthographie beigetragen. Deren jüngste Re­form begleite der Linguist mitwohlbegründe­ter wie wegweisender" Kritik.

Die Stiftung wurde 1983 als Nachlaßstiftung des Gymnasiallehrers und Namensforschers Dr. Henning Kaufmann gegründet. Bereits ein Jahr später vergab sie erstmals den Deutschen Sprachpreis. Zu den bisher Geehrten gehören unter anderem die Arbeitsstellen für die Neu­bearbeitung des Grimmschen Wörterbuchs bei der Akademie der Wissenschaften der DDR und der Akademie der Wissenschaften zu Göt­tingen (1986), Will Quadflieg (1987), eine Gruppe rumäniendeutscher Schriftsteller (1989) oder das Münchner Goethe-Institut zur Pflege der deutschen Sprache im Ausland und zur För­derung der internationalen kulturellen Zusam­menarbeit (1994). PG./Foto: Geske

EU-Forschungsstipendien

Die Nationale Kontaktstelle TMR hat eine ak­tualisierte Auflage desLeitfadens für An­tragsteller herausgegeben. DieserLeitfa­den wendet sich vor allem an junge Dokto­randen (bzw. Graduierte) und Post-Docs, aber auch an erfahrene Wissenschaftler, die sich für einen Forschungsaufenthalt im euro­päischen Ausland interessieren. Es wird ein umfassender Überblick über die entspre­chenden Stipendienangebote verschiedener EU-Forschungsförderprogramme des 4. Rah­menprogramms zu Forschung, technologi­scher Entwicklung und Demonstration gege­ben. Der Leitfaden ist im Internet unter folgen­der Adresse hinterlegt: http://www.kp.dlr.de/ AUG/TMR. Weitergehende Informationen sind aber auch im Dezernat 1 der Universität Potsdam unter Tbl. 0331/977-1778, e-mail: richter@ rz.uni-potsdam.de erhältlich. ri.

Ob wir eine CD hören, einen Kugelschrei­ber zur Hand nehmen oder eine Kartoffel essen: Polymere begegnen uns auf Schritt und Tritt. Es sind all jene Riesenmoleküle, die dadurch entstehen, daß sich sehr viele gleiche oder gleichartige Grundmoleküle (Monomere) faden-, netz- oder gitterförmig miteinander verbinden. Zu ihnen gehören beispielsweise Proteine, Stärke oder Cellu­lose. Das breite Spektrum von in der Natur vorkommenden Polymeren wird ständig durch künstlich hergestellte erweitert. Die Motivation dafür ist, daß sie zu den vielsei­tigsten Werk- und Wirkstoffen überhaupt gehören. Manche sind hart und spröde, manche zäh und schlagfest, andere weich und biegsam. Darüber hinaus lassen sich Moleküle mit den unterschiedlichsten opti­schen, thermischen und elektrischen Ei­genschaften produzieren. Die Herstellung und Charakterisierung von Polymeren ist somit ein weites Feld und bietet vielen For­schern Platz. So beschäftigen sich die rund 50 Mitarbeiter am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung (LAP) mit der Physik, der Chemie und den Material­eigenschaften von Polymeren sowie mit Verfahrens- und Produktentwicklung auf verschiedenen Einsatzgebieten dieser Stof­fe.'Speziell interessieren sich die Physiker und Chemiker für drei Aufgabenkomplexe: Im ersten geht es darum, Umweltbelastun­gen, die durch die Herstellung, den Einsatz oder die Entsorgung von polymeren Stoffen entstehen, zu vermindern und um Reduzie­rung von Umweltbelastungen mit Hilfe von Polymeren. Der zweite Komplex befaßt sich mit Cellulose und Stärke u.a. hinsichtlich neuer Verwendungsmöglichkeiten. Der dritte Bereich schließlich beinhaltet die Ent­wicklung von Polymeren mit speziellen

Werkstoff- oder Fünktionseigenschaften. Das LAP wurde 1992 gegründet und baut auf einem Institut der Akademie der Wis­senschaften auf. Wie alle Institute der Fraunhofer Gesellschaft wird auch hier an­wendungsorientiert für öffentliche Auftrag­geber und für Auftraggeber aus der Wirt­schaft geforscht, so daß sich das Institut zu einem großen Tfeil selbst finanziert.

Polymere für den Einsatz im Klärwerk

Was mir nahesteht, das sind Produkte, die mit dem Umweltschutz im weitesten Sinne zu tun haben, mit Problemen der Wasser­reinigung, mit der Eliminierung von hoch­toxischen Verbindungen aus Wassern im besonderen, beschreibt Dr. Werner Jaeger seinen Arbeitsbereich. Er leitet die AG Wasserlösliche Polymere/Polymerdisper- sionen am IAE Hier läuft unter anderem derzeit eines der Gemeinschaftsprojekte vom LAP und der Universität Potsdam ne­ben weiteren Kooperationen mit den Inter­disziplinären Zentren für Biopolymere so­wie für dünne Organische imd Biochemi­sche Schichten. In diesem vom Bundesmi­nisterium für Bildung und Forschung finan­zierten Forschungsvorhaben, an dem ne­ben Jaeger auch Prof. Dr. Joachim Kötz von der Universität Potsdam und Prof. Dr. Wer­ner Michael Kuhlike von der Universität Hamburg beteiligt sind, geht es um die Ent­wässerung von Klärschlamm. Klärschläm­me bestehen aus den Feststoffen, die aus dem Abwasser sedimentieren und die teil­weise im Klärwerk biologisch abgebaut werden, sowie - zum weitaus größeren Tfeil - aus Wasser. Um die enormen Mengen an Klärschlamm, die im Klärwerk anfallen, zu reduzieren, wird dort zunächst der Wasser­gehalt maschinell gesenkt (u.a. durch Zen-

Seite 20

PUTZ 7/96