STUDIOS
EXKURSIONEN IN ALLE HIMMELSRICHTUNGEN
Reisen bildet - das gilt natürlich vor allem auch für den Hochschulbereich, der ohne einen Austausch wissenschaftlicher Methoden und Erkenntnisse nicht lebensfähig wäre. Für die Studierenden kommt noch der zusätzliche Nutzen eines praktischen Anschauungsunterrichts hinzu, nicht selten unterfüttert mit der Möglichkeit, erste Kontakte für das spätere Berufsleben zu knüpfen. Auch im vergangenen Sommersemester bemühten sich die Lehrkräfte der Universität Potsdam folglich, verschiedene Exkursionen in ihr Programm mit aufzunehmen. Mit Erfolg: Nachfolgend schildern einige Studierende, wie sie die Reisen erlebt haben und was bei ihnen in erster Linie „hängenblieb“:
Auf hoher See nach Helgoland
Es war einmal im schönen Monat Mai, als sich zu nachtschlafender Zeit eine kühn verwegene Gruppe Potsdamer Studenten unter Führung von Dr. Detlev Rogge und seinem Assistenten aus dem Institut für Systematik und Didaktik der Biologie in der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät für zehn läge zum traditionellen Meeres- biologiepraktikum nach Helgoland aufmachte. Brennend auf biologische Großtaten und in Vorlesung und Seminar gut auf die zu erwartenden Stämme und Klassen und deren Lebensräume präpariert, wurde die Nordsee bei Cuxhaven erreicht, und das Märchen war aus. Hoher Seegang hielt die Fähre im Hafen und uns eine Nacht in der Jugendherberge. Am nächsten Thg konnten wir dann Cuxhaven bei ruhiger See verlassen, und nach zweieinhalbstündiger Fahrt empfingen uns kräftige Matrosenarme zum Ausbooten mit den kleinen Börtebooten.
Die Insel Helgoland ist ca. 1,5 km 2 groß, liegt in der Deutschen Bucht ca. 50 km vom Festland entfernt und ist damit die einzige Deutsche Hochseeinsel. Im Austausch gegen afrikanische Kolomalgebiete wurde sie 1890 deutsch und der Besuch des Kaisers brachte ihr im selben Jahr Zollfreiheit und den systematischen Ausbau zu einer Hochseefestung. Noch heute ist die Insel durch die Baumaßnahmen des Dritten Reichs geprägt, welche auch fast zu ihrer totalen Zerstörung geführt hätten. Die Engländer versuchten mit tausenden von Tonnen Restmunition am 18. Apnl 1947 die Insel zu sprengen, und als dies nicht gelang, nutzten sie die Insel bis 1952 als Bomben- abwurfplatz. Erst dann begann der Wiederaufbau, und Helgoland wurde zu einem Nordseekurort. Ihr roter Fels ragt ca. 60 m über die Wasserlinie empor und ist ein idealer Rastplatz für Zugvögel. Täglich fallen auch Schwärme zollfrei einkaufender Tägestouristen (bis zu 7000 pro Täg) in die Duty-free-Shops der Insel ein.
Mit der 1910 gegründeten Vogelwarte begann auf Helgoland die wissenschaftliche Erforschung des Vogelzugs, und seit 1892 werden durch die Biologische Anstalt Helgoland (BAH) marine Lebensräume in vielfältigen meeresbiologischen Untersuchungen erforscht. Gastforscher und Studentengruppen finden an der BAH die Mög
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lichkeit, eigene Forschungen durchzuführen. An den steilen Klippen finden jährlich über 10.000 Brutpaare verschiedener Seevögel, die dicht gedrängt auf den schmalen Felsbändern sitzen, einen Nistplatz. Diese Vogelfelsen stehen seit 1962 unter Naturschutz und sind mit 1,1 ha das kleinste Naturschutzgebiet Deutschlands. Unsere Gruppe von 14 Studenten untersuchte verschiedene Lebensräume im Felswatt, auf der Düne (einer kleinen Nachbarinsel) und das Brutverhalten am Vogelfelsen. Highlights waren die Ausfahrt mit dem Forschungsschiff Uthörn und die Beobachtung freilebender Seehunde.
D. Schwandt/J.Krebs
Die Jura-Studenten fuhren nach Straßburg und Karlsruhe
Vom 11. bis 13. Juni 1996 leitete Prof. Dr. Eckart Klein aus der Juristischen Fakultät eine Exkursion nach Straßburg und Karlsruhe. Auf dem Programm standen Gespräche mit Fachgrößen des Europarates, des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte und des Bundesverfassungsgerichts, Nebenbei bot sich die Gelegenheit zu Besichtigungen der jeweiligen Gebäude und zu zahlreichen interessanten Begegnungen.
Nach Meinung des Direktors der Politischen Abteilung des Europarates, Hans- Peter Furrer, stellt der Europarat heute den wesentlichen TM einer gesamteuropäischen Anstrengung zur Friedenserhaltung dar. Besonders hervorzuheben sei die Bedeutung des Europarates bezüglich der Hilfe zur Demokratisierung durch die Integration Rußlands und anderer früherer Ostblock-Staaten. Dabei führt das Ausklammern der Bereiche Wirtschaft und Sicherheit nach Auffassung von Marcus Jäger, der über die juristische Zusammenarbeit in Europa referierte, zwar zu effektiven Einigungen. Andererseits rückten durch die Begrenzung auf „nur schöngeistige Dinge" wie Kultur, Sicherung von Menschenrechten und Verbesserung der Lebensstandards, die Europäische Union und die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa gegenüber dem Europarat in den Vordergrund.
Im Rahmen der Exkursion fanden ferner Gespräche mit Vertretern des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte und der Ständigen Vertretung der Bundes
republik Deutschland beim Europarat statt. Neben den Veranstaltungen blieb für die Tteilnehmer jedoch noch ausreichend Zeit, einer Einladung der Presse- und Informationsabteilung des Europarates zu einem Mittagessen zu folgen und Straßburg als Stadt zu erkunden. Besichtigungen im Münster, ausgedehntes Abendessen nach Elsässer Art oder einfach nur der kleine Kaffee in einem der vielen winzigen Straßencafes gaben der Exkursion einen Anstrich von Urlaub. Es bestand sogar die Möglichkeit, einem kostenlosen Konzert des italienischen Popsängers Zuccero beizuwohnen. Die Rückfahrt führte über Karlsruhe. Am dortigen Bundesverfassungsgericht führte ein Gespräch mit Bundesverfassungsrichter Prof, Dr. Raul Kirchhof in Arbeit und Selbstverständnis des Bundesverfassungsgerichtes ein. Bei der seltenen Gelegenheit, „derart interessante Informationen aus erster Hand zu erhalten, wurden auch spektakuläre jüngere Urteile wie das Kruzifix-, das Asyl- und das Somalia-Urteil andiskutiert. Anhand des Maastricht-Urteils verdeutlichte Prof. Kirchhof das Verhältnis von Gemeinschaftsrecht zu deutschem Recht. Zwar seien durch den neuen Artikel 23 des Grundgesetzes Kompetenzen an die Europäische Gemeinschaft übertragen worden. Jedoch erlaube diese Übertragung keine Änderung wesentlicher Verfassungsprinzipien, insbesondere der Grundrechte. Trotz der Strapazen der langen Omnibusfahrt war die Exkursion unter der Leitung von Prof. Dr. Klein, der über das Bordmikrofon den Bus zu einem eher ungewohnten Vörlesungsort für die jeweiligen Veranstaltungseinführungen nutzte, eine sehr interessante fachliche Bereicherung für die Teilnehmer. Thilo Seelbach
Geoökologisches Geländepraktikum „südliches Afrika"
Als im Februar vergangenen Jahres im Institut für Geographie und Geoökologie Plätze für ein dreiwöchiges geoökologisches Geländepraktikum in Südafrika und Namibia angeboten wurden, war natürlich die erste Reaktion: Super, da muß man unbedingt mit! Später trat dann eine andere FYa- ge in den Vordergrund: Darf man denn dorthin überhaupt fahren? Nach wie vor gehen die Gedanken in Richtung rassistische Buren und unterdrückte Schwarze, wenn von diesem Land die Rede ist. Dann
PUTZ 7/96