Heft 
(1.1.2019) 07
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STUDIOS

EXKURSIONEN IN ALLE HIMMELSRICHTUNGEN

Reisen bildet - das gilt natürlich vor allem auch für den Hochschulbereich, der ohne einen Austausch wissenschaftlicher Me­thoden und Erkenntnisse nicht lebensfähig wäre. Für die Studierenden kommt noch der zusätzliche Nutzen eines praktischen Anschauungsunterrichts hinzu, nicht selten unterfüttert mit der Möglichkeit, erste Kontakte für das spätere Berufsleben zu knüpfen. Auch im vergangenen Sommersemester bemühten sich die Lehrkräfte der Universität Potsdam folglich, verschiedene Exkur­sionen in ihr Programm mit aufzunehmen. Mit Erfolg: Nachfolgend schildern einige Studierende, wie sie die Reisen erlebt ha­ben und was bei ihnen in erster Liniehängenblieb:

Auf hoher See nach Helgoland

Es war einmal im schönen Monat Mai, als sich zu nachtschlafender Zeit eine kühn ver­wegene Gruppe Potsdamer Studenten un­ter Führung von Dr. Detlev Rogge und sei­nem Assistenten aus dem Institut für Syste­matik und Didaktik der Biologie in der Ma­thematisch-Naturwissenschaftlichen Fakul­tät für zehn läge zum traditionellen Meeres- biologiepraktikum nach Helgoland auf­machte. Brennend auf biologische Groß­taten und in Vorlesung und Seminar gut auf die zu erwartenden Stämme und Klassen und deren Lebensräume präpariert, wurde die Nordsee bei Cuxhaven erreicht, und das Märchen war aus. Hoher Seegang hielt die Fähre im Hafen und uns eine Nacht in der Jugendherberge. Am nächsten Thg konnten wir dann Cuxhaven bei ruhiger See verlassen, und nach zweieinhalbstündiger Fahrt empfingen uns kräftige Matro­senarme zum Ausbooten mit den kleinen Börtebooten.

Die Insel Helgoland ist ca. 1,5 km 2 groß, liegt in der Deutschen Bucht ca. 50 km vom Festland entfernt und ist damit die einzige Deutsche Hochseeinsel. Im Austausch ge­gen afrikanische Kolomalgebiete wurde sie 1890 deutsch und der Besuch des Kaisers brachte ihr im selben Jahr Zollfreiheit und den systematischen Ausbau zu einer Hochseefestung. Noch heute ist die Insel durch die Baumaßnahmen des Dritten Reichs geprägt, welche auch fast zu ihrer totalen Zerstörung geführt hätten. Die Eng­länder versuchten mit tausenden von Ton­nen Restmunition am 18. Apnl 1947 die In­sel zu sprengen, und als dies nicht gelang, nutzten sie die Insel bis 1952 als Bomben- abwurfplatz. Erst dann begann der Wieder­aufbau, und Helgoland wurde zu einem Nordseekurort. Ihr roter Fels ragt ca. 60 m über die Wasserlinie empor und ist ein idea­ler Rastplatz für Zugvögel. Täglich fallen auch Schwärme zollfrei einkaufender Tägestouristen (bis zu 7000 pro Täg) in die Duty-free-Shops der Insel ein.

Mit der 1910 gegründeten Vogelwarte be­gann auf Helgoland die wissenschaftliche Erforschung des Vogelzugs, und seit 1892 werden durch die Biologische Anstalt Hel­goland (BAH) marine Lebensräume in viel­fältigen meeresbiologischen Untersuchun­gen erforscht. Gastforscher und Studen­tengruppen finden an der BAH die Mög­

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lichkeit, eigene Forschungen durchzufüh­ren. An den steilen Klippen finden jährlich über 10.000 Brutpaare verschiedener See­vögel, die dicht gedrängt auf den schmalen Felsbändern sitzen, einen Nistplatz. Diese Vogelfelsen stehen seit 1962 unter Natur­schutz und sind mit 1,1 ha das kleinste Na­turschutzgebiet Deutschlands. Unsere Gruppe von 14 Studenten untersuchte ver­schiedene Lebensräume im Felswatt, auf der Düne (einer kleinen Nachbarinsel) und das Brutverhalten am Vogelfelsen. High­lights waren die Ausfahrt mit dem For­schungsschiff Uthörn und die Beobachtung freilebender Seehunde.

D. Schwandt/J.Krebs

Die Jura-Studenten fuhren nach Straßburg und Karlsruhe

Vom 11. bis 13. Juni 1996 leitete Prof. Dr. Eckart Klein aus der Juristischen Fakultät eine Exkursion nach Straßburg und Karlsru­he. Auf dem Programm standen Gespräche mit Fachgrößen des Europarates, des Eu­ropäischen Gerichtshofes für Menschen­rechte und des Bundesverfassungsge­richts, Nebenbei bot sich die Gelegenheit zu Besichtigungen der jeweiligen Gebäude und zu zahlreichen interessanten Begeg­nungen.

Nach Meinung des Direktors der Politi­schen Abteilung des Europarates, Hans- Peter Furrer, stellt der Europarat heute den wesentlichen TM einer gesamteuropäi­schen Anstrengung zur Friedenserhaltung dar. Besonders hervorzuheben sei die Be­deutung des Europarates bezüglich der Hilfe zur Demokratisierung durch die Inte­gration Rußlands und anderer früherer Ost­block-Staaten. Dabei führt das Ausklam­mern der Bereiche Wirtschaft und Sicher­heit nach Auffassung von Marcus Jäger, der über die juristische Zusammenarbeit in Europa referierte, zwar zu effektiven Eini­gungen. Andererseits rückten durch die Begrenzung aufnur schöngeistige Dinge" wie Kultur, Sicherung von Menschenrech­ten und Verbesserung der Lebensstan­dards, die Europäische Union und die Or­ganisation für Sicherheit und Zusammenar­beit in Europa gegenüber dem Europarat in den Vordergrund.

Im Rahmen der Exkursion fanden ferner Gespräche mit Vertretern des Europäi­schen Gerichtshofes für Menschenrechte und der Ständigen Vertretung der Bundes­

republik Deutschland beim Europarat statt. Neben den Veranstaltungen blieb für die Tteilnehmer jedoch noch ausreichend Zeit, einer Einladung der Presse- und Informa­tionsabteilung des Europarates zu einem Mittagessen zu folgen und Straßburg als Stadt zu erkunden. Besichtigungen im Mün­ster, ausgedehntes Abendessen nach El­sässer Art oder einfach nur der kleine Kaf­fee in einem der vielen winzigen Straßenca­fes gaben der Exkursion einen Anstrich von Urlaub. Es bestand sogar die Möglichkeit, einem kostenlosen Konzert des italieni­schen Popsängers Zuccero beizuwohnen. Die Rückfahrt führte über Karlsruhe. Am dortigen Bundesverfassungsgericht führte ein Gespräch mit Bundesverfassungsrich­ter Prof, Dr. Raul Kirchhof in Arbeit und Selbstverständnis des Bundesverfassungs­gerichtes ein. Bei der seltenen Gelegenheit, derart interessante Informationen aus erster Hand zu erhalten, wurden auch spektakulä­re jüngere Urteile wie das Kruzifix-, das Asyl- und das Somalia-Urteil andiskutiert. Anhand des Maastricht-Urteils verdeutlich­te Prof. Kirchhof das Verhältnis von Gemeinschaftsrecht zu deutschem Recht. Zwar seien durch den neuen Artikel 23 des Grundgesetzes Kompetenzen an die Euro­päische Gemeinschaft übertragen worden. Jedoch erlaube diese Übertragung keine Änderung wesentlicher Verfassungs­prinzipien, insbesondere der Grundrechte. Trotz der Strapazen der langen Omnibus­fahrt war die Exkursion unter der Leitung von Prof. Dr. Klein, der über das Bord­mikrofon den Bus zu einem eher unge­wohnten Vörlesungsort für die jeweiligen Veranstaltungseinführungen nutzte, eine sehr interessante fachliche Bereicherung für die Teilnehmer. Thilo Seelbach

Geoökologisches Gelände­praktikumsüdliches Afrika"

Als im Februar vergangenen Jahres im In­stitut für Geographie und Geoökologie Plät­ze für ein dreiwöchiges geoökologisches Geländepraktikum in Südafrika und Nami­bia angeboten wurden, war natürlich die erste Reaktion: Super, da muß man unbe­dingt mit! Später trat dann eine andere FYa- ge in den Vordergrund: Darf man denn dorthin überhaupt fahren? Nach wie vor gehen die Gedanken in Richtung rassisti­sche Buren und unterdrückte Schwarze, wenn von diesem Land die Rede ist. Dann

PUTZ 7/96