(UV;-- STUDIOSI'
rückt auch Präsident Nelson Mandela ins Blickfeld, und schon beginnen die Klischees zu bröckeln. Im Vorbereitungsseminar erkannten die Studierenden, wie wenig sie über Südafrika und insbesondere über Namibia wußten.
Zusammen mit Prof. Dr. Horst Brunner und Dr. Bernd Tächochner machte sich die Gruppe über Paris bzw. London auf den Weg. Nach insgesamt 15 Flugstunden empfing die Reisenden die Südhalbkugel mit strahlender Sonne und spätsommerlichen 26°C.
Zunächst stand das „Departement Geografie en Omgewingstudie“ (Departement für Geographie und Umweltwissenschaften) der Uni in Stellenbosch, einer kleinen Universität bei Cape Town auf dem Besuchsprogramm. Hier bot sich die Möglichkeit, erste Kontakte mit Geographie und geoöko- logischen Verhältnissen der Kapregion zu knüpfen, welche dann am nächsten Täg im „Cape of Good Hope Nature Reserve“ vertieft wurden. Auch das obligatorische Tbun- Foto am Kaap de Goeie Hoop, das den südwestlichsten Punkt des afrikanischen Kontinents darstellt und gleichzeitig die Grenze zwischen Atlantik und Indik markiert, wurde nicht versäumt.
Jetzt begann die eigentliche Fahrt, die bis in den Norden Namibias führen sollte. Die Praktikanten durchstreiften die Karoo und erreichten schließlich den Oranje mit den Augrabies-Wasserfällen. Damals ahnten sie noch nicht, daß dies für längere Zeit das letzte Mal sein würde, einen wasserführenden Fluß zu sehen. Zwar ist bekannt, daß die Frage der Wasserversorgung in dieser Region entscheidend ist, aber die Tragweite des Problems erfaßten die Potsdamer erst beim Anblick der vielen trockenen Flußbetten der periodischen und episodischen Flüsse. Im „Kalahari Gemsbok National Park“ konnten sie in den Tfockentälern der Riviere Auob und Nossob u.a. Geparden, Löwen und verschiedene Antilopen aus nächster Nähe bewundern.
Nächstes Ziel war die namibische Atlantikküste bei Walvis Bay. Dazu mußte zunächst die Namib durchquert werden. Diese Küstenwüste erstreckt sich über 2.000 km und reicht vom Süden Angolas über Namibia bis in den Norden Südafrikas. Sie ist eine der trockensten Wüsten der Welt. Einige Gebiete erhalten weniger als 10 mm Niederschlag pro Jahr. Hier galt dem „Namib Navorsingsinstituut“, der international bedeutsamen Forschungsstation Gobabeb, ein Besuch. Sie wurde 1963 eingerichtet und wird heute u.a. von Geologen, Archäologen, Zoologen und Botanikern aus aller Welt genutzt. Nördlich von Walvisbaai liegt Swakop- mund. Diese Stadt ist kulturell sowie architektonisch sehr stark durch die deutsche Kolonialzeit geprägt, wovon sich die
Studierenden selbst ein Bild machen konnten.
Schließlich erreichten sie den „Etosha National Park“, den nördlichsten Punkt der Route. Dieser Park zeichnet sich vor allem durch einen sehr kleinräumigen Wechsel der auf unterschiedlichen Böden ausgebildeten Vegetationstypen aus. Auf den Erkundungsfahrten sahen die Exkursionsteilnehmer neben den inzwischen schon bekannten Tieren viele Giraffen, Zebras und Elefanten,
Dann ging es wieder zurück in Richtung Kaapstad, später in Namibias Hauptstadt Windhoek und schließlich zum Fishriver Canyon im Süden des Landes. Dieser wird nach dem Grand Canyon als der zweitgrößte seiner Art bezeichnet.
Wieder in Südafrika angekommen, durchquerten die Potsdamer noch das Nama- qualand und verabschiedeten sich wenig später vom Kreuz des Südens. „Dieser Abschied fiel uns einigermaßen schwer, denn wir hatten nicht nur eine in ihren geoöko- logischen Zusammenhängen fremde und faszinierende Welt kennengelernt, sondern auch viele gastfreundliche und aufgeschlossene Menschen getroffen. Die Klischees und Ressentiments hatten wir schon in den ersten lägen über Bord geworfen, und es zeigte sich einmal mehr, daß man die Welt nicht mit einer dualen Schwarz-Weiß-Schablone im Kopf verstehen kann“, so das Fazit der Reisenden, Andreas Barsch
Meeresbiologische Exkursion nach Frankreich
Eine Gruppe von zwölf Biologiestudenten verschiedener Studienrichtungen (z.B. Pri- marstufe, Diplombiologie 2. Semester, 8. und 10. Semester, Geoökologie, Biochemie) und ein Doktorand nahmen an der Exkursion zum Thema Meeresbiologie unter der Leitung von Dr. Detlev Rogge aus dem Institut für Systematik und Didaktik der Biologie in der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät teil. Die Veranstaltung dauerte vom 15. bis 23. Juni 1996.
Auf der Hinfahrt besichtigten wir in St. Malo das Gezeitenkraftwerk „La Rance“. Hier wurde die Mündung des Flusses La Rance von 1961 bis 1965 trockengelegt, um die riesigen Hirbinen des Gezeitenkraftwerkes zu installieren. Heute versorgt das Kraftwerk die Stadt St. Malo und die Umgebung mit Strom. Nach zweitägiger Fahrt mit den beiden Kleinbussen kamen wir dann am Institut Biologique des Roscoff an. Der klassische Institutsstandort Roscoff, der schon seit Jahrzehnten nicht nur Meeresbiologen anzieht, befindet sich in der Bretagne, dort, wo der Atlantik in den Ärmelkanal übergeht, Hier gibt es einen Tidenhub von durchschnittlich zehn Meter (der stärkste Tidenhub in
Andreas Lechner war erfolgreich bei seiner Wattwanderung in der Nähe von Roscoff: Fand er doch einen Sackwurzeltang. Foto: privat
iy-'Mßw/F&x
<* ; M
ganz Europa). Bei mehreren Wattwanderungen hatten wir die Möglichkeit, die Gezeiten von ihrer eindrucksvollsten Seite kennenzulernen. Auch das institutseigene Aquarium verschaffte uns eine gute Vorstellung von der Unterwasserwelt vor der Küste Roscoffs.
Die Mitarbeiter des Instituts Biologique hatten uns ein eigenes Labor mit fließendem Meer- und Süßwasser sowie mehrere Aquarien zur Hälterung und Beobachtung unserer Tiergruppen zur Verfügung gestellt. Es wurden bestimmt und untersucht: Plankton, Schwämme, Stachelhäuter, Hohltiere, Fische, Krebstiere, Mollusken, Tüni- caten, Vielborsterund Vögel. Die Mitarbeiter des Instituts bemühten sich auch, uns tatkräftige Unterstützung bei der Bestimmung der dort heimischen Arten zu geben. Leider hatten wir einige Sprachbarrieren zu überwinden. Martin Kern (Student der Biochemie) war als einziger der französischen Sprache mächtig und hatte viel zu tun, all unsere Anliegen den französischen Mitarbeitern zu übersetzen,
Auch auf unserer Kutterfahrt war Martin eine große Hilfe. Die Besatzung fischte für uns mit verschiedenen Methoden z.B. Riff- abgrasung, Sandschiebung und Planktonnetz, um ein charakteristisches Spektrum der vorhandenen Individuen zu erhalten. Mit einem wissenschaftlichen Abschlußkolloquium beendeten wir die meeresbiologische Arbeit in Roscoff. Von einigen bearbeiteten Tiergruppen (Plankton, Mollusken, Crustaceen) wurden auch Belegexemplare für die Universität Potsdam mitgebracht. Peggy Schuhmann/Anja Schilitz
PUTZ 7/96
Seite 23