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(1.1.2019) 07
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rückt auch Präsident Nelson Mandela ins Blickfeld, und schon beginnen die Kli­schees zu bröckeln. Im Vorbereitungs­seminar erkannten die Studierenden, wie wenig sie über Südafrika und insbesonde­re über Namibia wußten.

Zusammen mit Prof. Dr. Horst Brunner und Dr. Bernd Tächochner machte sich die Gruppe über Paris bzw. London auf den Weg. Nach insgesamt 15 Flugstunden emp­fing die Reisenden die Südhalbkugel mit strahlender Sonne und spätsommerlichen 26°C.

Zunächst stand dasDepartement Geogra­fie en Omgewingstudie (Departement für Geographie und Umweltwissenschaften) der Uni in Stellenbosch, einer kleinen Uni­versität bei Cape Town auf dem Besuchs­programm. Hier bot sich die Möglichkeit, erste Kontakte mit Geographie und geoöko- logischen Verhältnissen der Kapregion zu knüpfen, welche dann am nächsten Täg im Cape of Good Hope Nature Reserve ver­tieft wurden. Auch das obligatorische Tbun- Foto am Kaap de Goeie Hoop, das den südwestlichsten Punkt des afrikanischen Kontinents darstellt und gleichzeitig die Grenze zwischen Atlantik und Indik mar­kiert, wurde nicht versäumt.

Jetzt begann die eigentliche Fahrt, die bis in den Norden Namibias führen sollte. Die Praktikanten durchstreiften die Karoo und erreichten schließlich den Oranje mit den Augrabies-Wasserfällen. Damals ahnten sie noch nicht, daß dies für längere Zeit das letzte Mal sein würde, einen wasser­führenden Fluß zu sehen. Zwar ist bekannt, daß die Frage der Wasserversorgung in die­ser Region entscheidend ist, aber die Trag­weite des Problems erfaßten die Potsdamer erst beim Anblick der vielen trockenen Flußbetten der periodischen und episodi­schen Flüsse. ImKalahari Gemsbok Natio­nal Park konnten sie in den Tfockentälern der Riviere Auob und Nossob u.a. Gepar­den, Löwen und verschiedene Antilopen aus nächster Nähe bewundern.

Nächstes Ziel war die namibische Atlan­tikküste bei Walvis Bay. Dazu mußte zu­nächst die Namib durchquert werden. Diese Küstenwüste erstreckt sich über 2.000 km und reicht vom Süden Angolas über Namibia bis in den Norden Südafri­kas. Sie ist eine der trockensten Wüsten der Welt. Einige Gebiete erhalten weniger als 10 mm Niederschlag pro Jahr. Hier galt demNamib Navorsingsinstituut, der international bedeutsamen For­schungsstation Gobabeb, ein Besuch. Sie wurde 1963 eingerichtet und wird heute u.a. von Geologen, Archäologen, Zoolo­gen und Botanikern aus aller Welt genutzt. Nördlich von Walvisbaai liegt Swakop- mund. Diese Stadt ist kulturell sowie ar­chitektonisch sehr stark durch die deut­sche Kolonialzeit geprägt, wovon sich die

Studierenden selbst ein Bild machen konnten.

Schließlich erreichten sie denEtosha Na­tional Park, den nördlichsten Punkt der Route. Dieser Park zeichnet sich vor allem durch einen sehr kleinräumigen Wechsel der auf unterschiedlichen Böden ausgebil­deten Vegetationstypen aus. Auf den Erkun­dungsfahrten sahen die Exkursions­teilnehmer neben den inzwischen schon bekannten Tieren viele Giraffen, Zebras und Elefanten,

Dann ging es wieder zurück in Richtung Kaapstad, später in Namibias Hauptstadt Windhoek und schließlich zum Fishriver Canyon im Süden des Landes. Dieser wird nach dem Grand Canyon als der zweitgröß­te seiner Art bezeichnet.

Wieder in Südafrika angekommen, durch­querten die Potsdamer noch das Nama- qualand und verabschiedeten sich wenig später vom Kreuz des Südens.Dieser Ab­schied fiel uns einigermaßen schwer, denn wir hatten nicht nur eine in ihren geoöko- logischen Zusammenhängen fremde und faszinierende Welt kennengelernt, sondern auch viele gastfreundliche und aufgeschlos­sene Menschen getroffen. Die Klischees und Ressentiments hatten wir schon in den ersten lägen über Bord geworfen, und es zeigte sich einmal mehr, daß man die Welt nicht mit einer dualen Schwarz-Weiß-Schablone im Kopf verstehen kann, so das Fazit der Rei­senden, Andreas Barsch

Meeresbiologische Exkursion nach Frankreich

Eine Gruppe von zwölf Biologiestudenten verschiedener Studienrichtungen (z.B. Pri- marstufe, Diplombiologie 2. Semester, 8. und 10. Semester, Geoökologie, Biochemie) und ein Doktorand nahmen an der Exkursi­on zum Thema Meeresbiologie unter der Leitung von Dr. Detlev Rogge aus dem In­stitut für Systematik und Didaktik der Biolo­gie in der Mathematisch-Naturwissen­schaftlichen Fakultät teil. Die Veranstaltung dauerte vom 15. bis 23. Juni 1996.

Auf der Hinfahrt besichtigten wir in St. Malo das GezeitenkraftwerkLa Rance. Hier wurde die Mündung des Flusses La Rance von 1961 bis 1965 trockengelegt, um die riesigen Hirbinen des Gezeiten­kraftwerkes zu installieren. Heute versorgt das Kraftwerk die Stadt St. Malo und die Umgebung mit Strom. Nach zweitägiger Fahrt mit den beiden Kleinbussen kamen wir dann am Institut Biologique des Roscoff an. Der klassische Institutsstand­ort Roscoff, der schon seit Jahrzehnten nicht nur Meeresbiologen anzieht, befin­det sich in der Bretagne, dort, wo der At­lantik in den Ärmelkanal übergeht, Hier gibt es einen Tidenhub von durchschnitt­lich zehn Meter (der stärkste Tidenhub in

Andreas Lechner war erfolgreich bei seiner Wattwanderung in der Nähe von Roscoff: Fand er doch einen Sackwurzeltang. Foto: privat

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ganz Europa). Bei mehreren Wattwande­rungen hatten wir die Möglichkeit, die Gezeiten von ihrer eindrucksvollsten Sei­te kennenzulernen. Auch das instituts­eigene Aquarium verschaffte uns eine gute Vorstellung von der Unterwasserwelt vor der Küste Roscoffs.

Die Mitarbeiter des Instituts Biologique hatten uns ein eigenes Labor mit fließen­dem Meer- und Süßwasser sowie mehrere Aquarien zur Hälterung und Beobachtung unserer Tiergruppen zur Verfügung ge­stellt. Es wurden bestimmt und untersucht: Plankton, Schwämme, Stachelhäuter, Hohl­tiere, Fische, Krebstiere, Mollusken, Tüni- caten, Vielborsterund Vögel. Die Mitarbei­ter des Instituts bemühten sich auch, uns tatkräftige Unterstützung bei der Bestim­mung der dort heimischen Arten zu geben. Leider hatten wir einige Sprachbarrieren zu überwinden. Martin Kern (Student der Bio­chemie) war als einziger der französischen Sprache mächtig und hatte viel zu tun, all unsere Anliegen den französischen Mitar­beitern zu übersetzen,

Auch auf unserer Kutterfahrt war Martin eine große Hilfe. Die Besatzung fischte für uns mit verschiedenen Methoden z.B. Riff- abgrasung, Sandschiebung und Plankton­netz, um ein charakteristisches Spektrum der vorhandenen Individuen zu erhalten. Mit einem wissenschaftlichen Abschluß­kolloquium beendeten wir die meeresbio­logische Arbeit in Roscoff. Von einigen be­arbeiteten Tiergruppen (Plankton, Mollus­ken, Crustaceen) wurden auch Belegexem­plare für die Universität Potsdam mitge­bracht. Peggy Schuhmann/Anja Schilitz

PUTZ 7/96

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