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PERSONALS
Private Telefongespräche - ein Dauerbrenner?
Mit Einführung der neuen Tblefonanlage schloß der Personalrat 1993 eine Dienstvereinbarung mit der Universitätsleitung ab. Diese Dienstvereinbarung bewegte sich im Rahmen der sogenannten Dienstanschlußverordnung, die vom Ministerium des Innern des Landes Brandenburg herausgegeben wurde und die für alle Landeseinrichtungen gilt. Inzwischen ist letztere verändert worden. Im Zuge der Sparmaßnahmen sind jetzt keine kostenfreien privaten Orts- und Nahgespräche sowie Ferngespräche bis zu einer Höhe von 5 DM mehr gestattet. So hat der Gesamtpersonalrat z.B. durchgesetzt, daß Einzelgebührennachweise für Privatgespräche (die mit * gekennzeichnet werden müssen) nur von dem Nutzer des Anschlusses beantragt werden dürfen und nicht von den Vorgesetzten, die dadurch Einblick in die Persönlichkeitssphäre erhalten könnten. Das erfordert aber, daß man sich seine Privatgespräche notiert, damit es nicht zu unnötigen Streitereien bzw. zur Verweigerung der Kostenerstattung kommt, wenn sich mehrere Beschäftigte einen Anschluß teilen müssen. Trotzdem stellen viele Beschäftigte einen Antrag auf Gebührennachweis für Privatgespräche. Die Summen liegen jedoch oft unter 1 DM, und so stellt sich die Rage nach dem finanziellen und verwaltungstechnischen Aufwand. Es könnte sein, die Dienststellenleitung erwägt stärkere Kontrollmaßnahmen, so etwa Stichproben, ob es sich tatsächlich um dienstliche oder private Gespräche handelt, oder Sperrung des Amtsanschlusses u.ä., was nicht im Interesse der Beschäftigten sein kann. Ruth Henrich
Görtemaker Vertrauensdozent
Dem erfolgreichen Beispiel vieler amerikanischer Universitäten folgend, regte kürzlich die Fülbright-Kommission an, Flilbright- Vertrauensdozenten an deutschen Hochschulen zu benennen. Gedacht ist in diesem Zusammenhang an Personen, die über eigene Erfahrungen im deutsch-amerikanischen Austausch verfugen. Somit sind diese besonders prädestiniert, Studierenden und Akademikern als Ansprechpartner für das Ful- bright-Programm zur Verfügung zu stehen. Gleichzeitig sollen diese Dozenten auch als Kontaktpersonen für amerikanische Ril- bright-Stipendiaten und -Professoren an der jeweiligen deutschen Hochschule fungieren. Im Sommersemester 1996 wurde Manfred Görtemaker, Professor für Neuere Geschichte mit dem Schwerpunkt 19, und 20. Jahrhundert, zum Vertrauensdozenten der Universität Potsdam ernannt. Er konnte viele Jahre Studien- und Lehrerfahrungen in den USA sammeln und erweist sich deshalb als hervorragender Kenner beider Hochschulsysteme. B.E.
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Kurze Studienzeiten in neuen Studiengängen
In mehreren früheren Ausgaben der PUTZ (zuletzt 6/96: Titelbericht) wurde auf die erfreulich kurzen Studienzeiten an der Universität Potsdam hingewiesen. Bei neu eingerichteten Studiengängen ist es jedoch völlig selbstverständlich, daß die ersten Absolventenjahrgänge eine sehr kurze durchschnittliche Studiendauer aufweisen, weil Studierende mit längerer Verweildauer in die späteren Abschlußjahrgänge fallen.
Angenommen, es wären 20 Studierende in einem im Jahr 1992 eingerichteten Studiengang erstmalig immatrikuliert worden. Wenn von diesen 20 z.B. zehn Studierende den Abschluß zum frühest möglichen Zeitpunkt, also beispielsweise im Jahr 1996, machen würden, dann ergäbe sich für diesen Absolventenjahrgang eine durchschnittliche Studiendauer von vier Jahren. Die verbliebenen zehn Studierenden würden - je nach Studiendauer - in die Absolventenjahrgänge 1997, 1998, usw. fallen und damit die durchschnittliche Studiendauer des jeweiligen Absolventenjahrganges entsprechend erhöhen. Eine Betrachtung der Studiendauern nach Absolventenjahrgängen kann also bei neu eingerichteten Studiengängen zu der irrigen Ansicht führen, dieser Studiengang würde besonders schnell absolviert. Dabei können z.B. im ersten Absolventenjahrgang nur die Studierenden mit der kürzesten Studiendauer enthalten sein. Richtet man die Betrachtung dagegen auf die Studienanfängerjahrgänge, so erhielte man ein zuverlässigeres Bild. (Entsprechende Berechnungen sind auf der Basis von statistischen Verweildauermodellen möglich.)
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die ersten Absolventenjahrgänge von neu eingerichteten Studiengängen immer sehr kurze durchschnittliche Studienzeiten aufweisen und die durchschnittlichen Studienzeiten der folgenden Absolventenjahrgänge stetig ansteigen.
Mit der Darstellung dieses Sachverhaltes möchte ich nicht die studienzeitverkürzenden Effekte in Abrede stellen, die sich durch ein zahlenmäßig günstiges Verhältnis zwischen Lehrenden und Lernenden oder durch Tütorenprogramme etc, ergeben können. Aus methodischer Sicht sind die an Abschlußjahrgängen orientierten durchschnittlichen Studienzeiten jedoch schlechte Indikatoren für solche Effekte, weil sie mit Wirkungen vermischt sein können, die auf die Besonderheiten der Studienanfängerjahrgänge, insbesondere auf deren schwankenden Umfang, zurückzuführen sind.
Holger Meinken
WITTGENSTEIN TOTAL
Nach zwei vergeblichen Versuchen in den 70er und 80er Jahren und abenteuerlichen Editionsergebnissen scheint es jetzt geklappt zu haben: Michael Nedo gibt im Springer-Verlag Wien eine neue und kritische Edition der Werke Ludwig Wittgensteins (1889-1950), der wohl heute unbestritten zu den größten Philosophen des 20. Jahrhunderts zählt, heraus. Sie soll die achtbändige (Lese-) Ausgabe des Suhrkamp Verlages in den nächsten Jahren ersetzen und ergänzen.
Diese Wiener Ausgabe" erhebt den Anspruch auf Vollständigkeit, was bei den ca. 20.000 nachgelassenen Manuskriptseiten (rund 20 % sind bisher nur veröffentlicht), deren Sichtung und Ordnung viel Arbeit bedeutet, ein lobenswertes Vorhaben ist. Die Nachlaßverwalter haben zwar vorerst nur die Zustimmung für die Veröffentlichung der Arbeiten aus denjahren 1929 bis 1933 gegeben, aber schon für diesen kleinen Zeitraum sind 15 Bände, die ersten fünf davon sind jetzt erschienen, geplant. Sicherlich sind dabei insgesamt keine sensationellen Neuheiten zu erwarten, eher wird der an Wittgenstein Interessierte von der Materialfülle und der „Bearbeitungswut“ irritiert werden und -es bleibt zu hoffen, daß es nicht „Zettels Albtraum" wird (so H. Mayer in der FAZ), der den Leser abschreckt.
Wichtiger ist sicherlich, daß man sich mit dieser neuen Edition ein genaueres Bild über die Arbeitsweise Wittgensteins und seine „Kämpfe mit dem Wort" machen kann. Denn folgt man den Ausführungen im Einleitungsband, so scheinen bei den bisherigen Ausgaben Wittgensteinscher Werke grobe Fehler bei der Editionsarbeit gemacht worden zu sein, weil deren Ziel immer mehr im Zeichen einer Ordnung als einer textkritischen Darbietung der Gedankenwelt Wittgensteins stand. Michael Nedo kritisiert im Einleitungsband „die Auswahl und Umstellung von Wittgensteins Bemerkungen in den bisher publizierten Schriften", weil „die zu der heute üblichen aphoristischen Lektüre von Wittgensteins Werk beigetragen hat“. Gerade auch das Weglassen der vorhandenen - meist chiffrierten - persönlichen, meist die Lebensumstände Wittgensteins betreffenden Äußerungen in den bisherigen Publikationen, ist für die Rekonstruktion seiner Biographie ein großer Verlust. Alle „ethischen Aspekte“, die Wittgenstein am Ende des TRACTATUS als so bestimmend für sein Werk hervorgehoben hat, sind zum überwiegenden (feil deswegen immer noch auf Vermutungen angewiesen. Die seit Rühjahr '94 erscheinenden Bände können natürlich bei einigen Wittgenstein Interpreten den Wunsch wachrufen, jetzt endlich die Philosophie Ludwig Wittgensteins rekonstruieren zu wollen - doch da könnte wohl nur Wittgenstein selbst als berufen gelten.
PUTZ 7/96