Heft 
(1.1.2019) 07
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FORUM

BUCHTIPS

PERSONALS

Private Telefongespräche - ein Dauerbrenner?

Mit Einführung der neuen Tblefonanlage schloß der Personalrat 1993 eine Dienst­vereinbarung mit der Universitätsleitung ab. Diese Dienstvereinbarung bewegte sich im Rahmen der sogenannten Dienstanschlußver­ordnung, die vom Ministerium des Innern des Landes Brandenburg herausgegeben wurde und die für alle Landeseinrichtungen gilt. In­zwischen ist letztere verändert worden. Im Zuge der Sparmaßnahmen sind jetzt keine kostenfreien privaten Orts- und Nahgesprä­che sowie Ferngespräche bis zu einer Höhe von 5 DM mehr gestattet. So hat der Ge­samtpersonalrat z.B. durchgesetzt, daß Ein­zelgebührennachweise für Privatgespräche (die mit * gekennzeichnet werden müssen) nur von dem Nutzer des Anschlusses bean­tragt werden dürfen und nicht von den Vorge­setzten, die dadurch Einblick in die Per­sönlichkeitssphäre erhalten könnten. Das er­fordert aber, daß man sich seine Privatgesprä­che notiert, damit es nicht zu unnötigen Strei­tereien bzw. zur Verweigerung der Kostener­stattung kommt, wenn sich mehrere Beschäf­tigte einen Anschluß teilen müssen. Trotzdem stellen viele Beschäftigte einen Antrag auf Gebührennachweis für Privatgespräche. Die Summen liegen jedoch oft unter 1 DM, und so stellt sich die Rage nach dem finanziellen und verwaltungstechnischen Aufwand. Es könnte sein, die Dienststellenleitung erwägt stärkere Kontrollmaßnahmen, so etwa Stichproben, ob es sich tatsächlich um dienstliche oder priva­te Gespräche handelt, oder Sperrung des Amtsanschlusses u.ä., was nicht im Interesse der Beschäftigten sein kann. Ruth Henrich

Görtemaker Vertrauensdozent

Dem erfolgreichen Beispiel vieler amerika­nischer Universitäten folgend, regte kürzlich die Fülbright-Kommission an, Flilbright- Vertrauensdozenten an deutschen Hoch­schulen zu benennen. Gedacht ist in diesem Zusammenhang an Personen, die über eige­ne Erfahrungen im deutsch-amerikanischen Austausch verfugen. Somit sind diese beson­ders prädestiniert, Studierenden und Akade­mikern als Ansprechpartner für das Ful- bright-Programm zur Verfügung zu stehen. Gleichzeitig sollen diese Dozenten auch als Kontaktpersonen für amerikanische Ril- bright-Stipendiaten und -Professoren an der jeweiligen deutschen Hochschule fungieren. Im Sommersemester 1996 wurde Manfred Görtemaker, Professor für Neuere Geschich­te mit dem Schwerpunkt 19, und 20. Jahrhun­dert, zum Vertrauensdozenten der Universi­tät Potsdam ernannt. Er konnte viele Jahre Studien- und Lehrerfahrungen in den USA sammeln und erweist sich deshalb als her­vorragender Kenner beider Hochschul­systeme. B.E.

Seite 28

Kurze Studienzeiten in neuen Studiengängen

In mehreren früheren Ausgaben der PUTZ (zuletzt 6/96: Titelbericht) wurde auf die erfreulich kurzen Studienzeiten an der Universität Potsdam hingewiesen. Bei neu eingerichteten Studiengängen ist es jedoch völlig selbstverständlich, daß die ersten Absolventenjahrgänge eine sehr kurze durchschnittliche Studiendauer auf­weisen, weil Studierende mit längerer Verweildauer in die späteren Abschluß­jahrgänge fallen.

Angenommen, es wären 20 Studierende in einem im Jahr 1992 eingerichteten Stu­diengang erstmalig immatrikuliert wor­den. Wenn von diesen 20 z.B. zehn Studie­rende den Abschluß zum frühest mögli­chen Zeitpunkt, also beispielsweise im Jahr 1996, machen würden, dann ergäbe sich für diesen Absolventenjahrgang eine durchschnittliche Studiendauer von vier Jahren. Die verbliebenen zehn Studieren­den würden - je nach Studiendauer - in die Absolventenjahrgänge 1997, 1998, usw. fallen und damit die durchschnittli­che Studiendauer des jeweiligen Absol­ventenjahrganges entsprechend erhöhen. Eine Betrachtung der Studiendauern nach Absolventenjahrgängen kann also bei neu eingerichteten Studiengängen zu der irrigen Ansicht führen, dieser Studien­gang würde besonders schnell absol­viert. Dabei können z.B. im ersten Ab­solventenjahrgang nur die Studierenden mit der kürzesten Studiendauer enthalten sein. Richtet man die Betrachtung dage­gen auf die Studienanfängerjahrgänge, so erhielte man ein zuverlässigeres Bild. (Entsprechende Berechnungen sind auf der Basis von statistischen Verweildauer­modellen möglich.)

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die ersten Absolventenjahrgänge von neu eingerichteten Studiengängen immer sehr kurze durchschnittliche Studienzei­ten aufweisen und die durchschnittlichen Studienzeiten der folgenden Absolventen­jahrgänge stetig ansteigen.

Mit der Darstellung dieses Sachverhaltes möchte ich nicht die studienzeitver­kürzenden Effekte in Abrede stellen, die sich durch ein zahlenmäßig günstiges Verhältnis zwischen Lehrenden und Ler­nenden oder durch Tütorenprogramme etc, ergeben können. Aus methodischer Sicht sind die an Abschlußjahrgängen ori­entierten durchschnittlichen Studienzei­ten jedoch schlechte Indikatoren für sol­che Effekte, weil sie mit Wirkungen ver­mischt sein können, die auf die Besonder­heiten der Studienanfängerjahrgänge, insbesondere auf deren schwankenden Umfang, zurückzuführen sind.

Holger Meinken

WITTGENSTEIN TOTAL

Nach zwei vergeblichen Versuchen in den 70er und 80er Jahren und abenteuerlichen Editionsergebnissen scheint es jetzt geklappt zu haben: Michael Nedo gibt im Springer-Ver­lag Wien eine neue und kritische Edition der Werke Ludwig Wittgensteins (1889-1950), der wohl heute unbestritten zu den größten Philo­sophen des 20. Jahrhunderts zählt, heraus. Sie soll die achtbändige (Lese-) Ausgabe des Suhrkamp Verlages in den nächsten Jahren ersetzen und ergänzen.

Diese Wiener Ausgabe" erhebt den An­spruch auf Vollständigkeit, was bei den ca. 20.000 nachgelassenen Manuskriptseiten (rund 20 % sind bisher nur veröffentlicht), deren Sichtung und Ordnung viel Arbeit be­deutet, ein lobenswertes Vorhaben ist. Die Nachlaßverwalter haben zwar vorerst nur die Zustimmung für die Veröffentlichung der Arbeiten aus denjahren 1929 bis 1933 gege­ben, aber schon für diesen kleinen Zeitraum sind 15 Bände, die ersten fünf davon sind jetzt erschienen, geplant. Sicherlich sind dabei insgesamt keine sensationellen Neu­heiten zu erwarten, eher wird der an Wittgen­stein Interessierte von der Materialfülle und derBearbeitungswut irritiert werden und -es bleibt zu hoffen, daß es nichtZettels Alb­traum" wird (so H. Mayer in der FAZ), der den Leser abschreckt.

Wichtiger ist sicherlich, daß man sich mit dieser neuen Edition ein genaueres Bild über die Arbeitsweise Wittgensteins und seineKämpfe mit dem Wort" machen kann. Denn folgt man den Ausführungen im Ein­leitungsband, so scheinen bei den bisheri­gen Ausgaben Wittgensteinscher Werke gro­be Fehler bei der Editionsarbeit gemacht worden zu sein, weil deren Ziel immer mehr im Zeichen einer Ordnung als einer text­kritischen Darbietung der Gedankenwelt Wittgensteins stand. Michael Nedo kritisiert im Einleitungsbanddie Auswahl und Um­stellung von Wittgensteins Bemerkungen in den bisher publizierten Schriften", weildie zu der heute üblichen aphoristischen Lektü­re von Wittgensteins Werk beigetragen hat. Gerade auch das Weglassen der vorhande­nen - meist chiffrierten - persönlichen, meist die Lebensumstände Wittgensteins betref­fenden Äußerungen in den bisherigen Publi­kationen, ist für die Rekonstruktion seiner Biographie ein großer Verlust. Alleethi­schen Aspekte, die Wittgenstein am Ende des TRACTATUS als so bestimmend für sein Werk hervorgehoben hat, sind zum überwie­genden (feil deswegen immer noch auf Ver­mutungen angewiesen. Die seit Rühjahr '94 erscheinenden Bände können natürlich bei einigen Wittgenstein Interpreten den Wunsch wachrufen, jetzt endlich die Philoso­phie Ludwig Wittgensteins rekonstruieren zu wollen - doch da könnte wohl nur Wittgen­stein selbst als berufen gelten.

PUTZ 7/96