CAMPUS
QUO VADIS AUSBILDUNG?
Fachschaftsrat Anglistik & Amerikanistik sorgt sich um die Zukunft des Lehrbetriebs
In wirtschaftlichen Krisenzeiten muß gespart werden. Das ist eine einleuchtende Tatsache. Der Bund muß sparen, die Länder müssen sparen, der Bürger bzw, die Bürgerin muß sparen. So weit, so gut. Nun aber hat das Land Brandenburg sogar begonnen, seine Zukunft einzusparen. Es entzieht dem Bildungssektor durch ungeschickte Umverteilung der sowieso schon raren Finanzen zunehmend den Boden unter den Füßen. Fast im gesamten Lehrbetrieb, von der Grundschule bis zur Hochschule, sowie anderen Weiterbildungseinrichtungen wird zunehmend spürbar, was diese Landesregierung unter Krisenmanagement versteht.
Auf die Hochschulebene bezogen, bedeutet dies u.a. eine Nichtberufung von Professoren, Verzögerung der Rufe von Professoren und damit eine aktive Behinderung, wenn nicht gar Sabotage des Lehrbetriebes einer aufstrebenden und im Aufbau befindlichen Universität. Es ist (vielleicht) bekannt, daß an jeder Hochschule in periodischen Abständen eine altersbedingte Fluktuation von Lehrkräften stattfindet. In diesem Semester ist diese Fluktuation am Institut für Anglistik und Amerikanistik besonders eklatant spürbar geworden, da neben zwei Professoren aus den Abteilungen Sprachwissenschaft und Amerikanische Literaturwissenschaft, welche aus Altersgründen ausscheiden, auch noch der Abgang eines weiteren Professors beklagt werden muß, der einem Ruf nach Freiburg/ Breisgau folgte. Letzterer lehrte Amerikanische Literatur- und Kulturgeschichte, so daß die Amerikanistik für unabsehbare Zeit quasi „nackt“ dasteht. Einer Alibilösung kommt der Vorschlag des Wissenschaftsministeriums gleich, der besagt, daß die erstgenannten Professoren überredet werden sollen, für eine Übergangszeit weiterzumachen, um den Personalengpaß zu überbrük- ken. Einer dieser Kandidaten hat sich nun aus ehrenvollem Berufsethos bereit erklärt, dies zu tun, weil er zu Recht die Meinung vertritt, daß man das Finanzloch des Landes nicht auch noch auf dem Rücken der Studenten austragen könne. Aber auch für eine Weiterbeschäftigung (über das Rentenalter hinaus) bedarf es eines Lehrauftrages, der den Professor für Sprachwissenschaft bis heute noch nicht erreicht hat. Soll so die Zukunft der Potsdamer Hochschule aussehen, daß Planungsunsicherheit der Hochschule ein qualifiziertes Studium nicht mehr zuläßt!?
Das Institut für Anglistik & Amerikanistik hat in diesem Wintersemester die höchste Zahl von Erstsemestern in der Philosophischen
Fakultät I zu verzeichnen. Das wäre eine erfreuliche Angelegenheit, wenn man nicht eben um die ordnungsgemäße Abwicklung seines Studiums durch das Nichtvorhandensein geeigneter Lehrkräfte fürchten müßte. Studenten mit diesen Abschlüssen haben dann kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt, ob es das Studium im Magisterbereich oder im Lehramtsbereich betrifft, der sowieso schon überfüllt ist. Letztendlich werden neue Lehrer auf die Schüler losgelassen, die kaum mehr wissen, als deren Schutzbefohlene. Kann man
Ein Austauschprogramm zwischen dem Department of Nutrition and Food Science der University of Kentucky (UK) in Lexington und dem Institut für Ernährungswissenschaft der.Universität Potsdam (UP) haben Professor Dr. Bernhard Hennig, Director of graduate Studies, Department of Nutrition and Food Science, und Professor Dr. Jürgen Kroll, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Ernährungswissenschaft, anläßlich eines Besuches von Hennig in Potsdam und eines Gegenbesuches von Kroll in Lexington (jeweils verbunden mit Seminaren und Vorträgen an der Gastuniversität) vereinbart. Das Programm beinhaltet die Entwicklung einer Zusammenarbeit zwischen dem Institut für Ernährungswissenschaft und dem Department für Ernährung und Lebensmittelwissenschaft und zielt auf einen Austausch für Studierende des Studienganges Ernährungswissenschaft beider Universitäten nach Absolvierung des
so etwas dann vor der nächsten Generation verantworten? Wir, der Fachschaftsrat Anglistik & Amerikanistik, die Studierendenvertretung aller Englischstudenten dieser Universität sagen: Nein! zu diesem Bildungskahlschlag. Wir fordern die verantwortlichen Stellen im Ministerium, allen voran den Minister Steffen Reiche, dazu auf, auf diesem bildungspolitischen Weg ins Nirwana umzukehren und die katastrophalen Folgen dieser Politik zu bedenken.
Fachschaftsrat Anglistik & Amerikanistik
Hauptstudiums (Anfertigung von Diplomar-' beiten - Master thesis - an der jeweiligen Gastuniversität), auf die Möglickeit einer Dissertation auf dem Gebiet-der Ernährungswissenschaft in dem jeweiligen Gastinstitut (Ph. D. thesis) sowie auf einen Wissenschaftleraustausch (Forschungsaufenthalte, „sabbatical leaves") verbunden mit speziellen Lehraufgaben im „Gast-Studiengang“ und der Bearbeitung gemeinsamer Forschungsprojekte ab. Diese internationale Zusammenarbeit bedeutet einen weiteren Schritt in Richtung Profilierung des Studienganges Ernährungswissenschaft an der Universität Potsdam und setzt Akzente hinsichtlich neuer Ansätze in Lehre und Forschung. Unser Foto zeigt Prof. Dr. Bernhard Hennig mit der Studentin Simone Kaiser aus dem Studiengang Ernährungswissenschaft der Universität Potsdam im Department of Nutrition and Food Science in Lexington. J.K./Foto: privat
AUSTAUSCHPROGRAMM MIT DER UNIVERSITÄT VON KENTUCKY
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PUTZ 8-9/96