Heft 
(1.1.2019) 08
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BRANDENBURG SETZT AUF INTEGRATIVEN UNTERRICHT

ArbeitstagungSchulische Erziehungshilfe - grenzüberschreitend"

an der Universität Potsdam

Verstörte Schüler, Gewalt in der Schule, Aussteigermentalität: So lauten nur einige der Stichwörter zum Problem der Verhaltensstö­rungen in der Schule, für die die schulische Erziehungshilfe Lösungen parat hält.Grenzüberschreitungen spielen dabei gleich in mehrfacher Hinsicht eine Rolle. Letztlich aber besteht deren Ziel in der Überwindung verengter Sicht und Schuldzuschreibung auf den Einzelschüler oder in der Aufnahme internationaler Perspektiven in die aktuelle Auseinandersetzung. Den brennenden Flragen gegenwärtiger schulischer Bildungsprobleme widmeten sich erst jüngst Fachvertreter aus dem In- und Ausland während einer Tägung zum ThemaSchulische Erziehungshilfe an der Universität Potsdam. Als deren Veranstalter fungierte das Institut für Sonder­pädagogik an der Philosophischen Fakultät II. Annähernd 300 Teilnehmer waren gekommen, um dem Treffen beizuwohnen. Zur Veranstaltung selbst gehörte ebenfalls ein Intensivtraining in Potsdam wie auch später in Cottbus.

Die schulische Erziehungshüfe befindet sich bundesweit in Schieflage, so die ein­hellige Meinung der anwesenden Pädago­gen. Das Netz der notwendigen Unter­stützungssysteme werde demnach löchri­ger. Kontinuierliche Kürzungen personeller wie finanzieller Ressourcen führten zu tiefen Einschnitten. Es erfolgten zudem Strei­chungen von Schul - angeboten mit Er­ziehungshilfe oder die­se bestünden, wie auch in Brandenburg, nur bis zur sechsten Klasse. Fatale Folgen für die Schwächsten der Gesellschaft blie­ben so nicht aus.

Davon betroffen sind Schüler mit ganz un­terschiedlichen Ver­haltensauffälligkeiten.

Deren Spektrum reicht von verbalen und physischen Ag­gressionen über de­pressive Haltungen, unreifem Verhalten bis hin zu kriminellen Nei­gungen und anderem mehr. Inzwischen wei­sen immerhin 12 bis 16 Prozent der gesam­ten Schülerschaft ei­nes Jahrgangs diese und ähnliche Eigen­heiten auf.Nur ein ge­ringer Ifeil aber von ih­nen erfährt eine angemessene Art der För­derung, so der Oldenburger Pädagoge Prof. Dr. Heinz Neukäter.Die anderen blei­ben auf der Strecke, lautet sein Fazit. Etwas mehr als zehn Schulen für Er­ziehungshilfe befinden sich im Land Bran­denburg. Dazu zählen allerdings schon pri­vate Initiativen. 447 Schüler der Primarstu- fe lernen derzeit in Förderschulen für Er­ziehungshilfe und in eigenen Förderschul­klassen. Darüber hinaus erhalten 518 Mäd­chen und Jungen gemeinsamen Unterricht. Noch jedoch gibt es regional große Unter­schiede bei beidem. Zudem fehlt es nicht

selten an ausreichend qualifiziertem, den komplizierter werdenden Anforderungen gewachsenem Personal. Klarheit zur Rolle der Erziehungshilfe im Land schafft das seit 1. August dieses Jahres gültige neue Schul­gesetz. Es verankert fest deren Notwendig­keit und betont den Aspekt der Fortführung jenes bereits eingeschlagenen Weges der

integrativen Unterrichtung förderungs­bedürftiger wie anderer Kinder. Künftig be­deutet dies konkret die vermehrte Übernah­me sonderpädagogischer Anteile in die all­gemeine Schule. Das Handicap: die Meß­latte jeder Erziehungshilfe-Maßnahme bil­det die Haushaltslage.

Genau die hat möglicherweise auch Aus­wirkungen auf die Situation des die Tägung ausrichtenden Instituts für Sonderpäda­gogik der Potsdamer Alma mater.Die ak­tuellen Sparmaßnahmen lassen Schlimmes befürchten", so Prof. Dr. Otto Dobslaff dazu. Gegenwärtig gehe es um den Erhalt der

Substanz des wohl kleinsten Instituts seiner Art in Deutschland. An ihm sorgen sich im Kern vier Professoren und zehn wissen­schaftliche Mitarbeiter um eine fundierte Ausbildung der Studenten. 280 sind es im Moment, die sich ausnahmslos im Aufbau­studium vier Semester lang theoretisches Wissen aneignen. Noch können sie das

Lehramt in sieben Fachrichtungen anstre­ben. Zur Palette der Fächer gehören die Pädagogik der Lernbehinderten, Verhal­tensgestörten, geistig - und sprachlich Be­hinderten, der Körper-, Hör- sowie Seh­behinderten. Der Andrang zur Nach- qualifizierung auf den einzelnen Gebieten ist auch sechs Jahre nach der Gründung der Einrichtung ungebrochen groß. Volle Hörsäle und Seminarräume zeugen davon. Das soll auch in Zukunft so bleiben, for­dert Prof. Dr. Herbert Goetze, Direktor des Instituts, im Namen seiner Mitarbeiter.

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Ein Mittelweg muß gefunden werden, ln Brandenburg setzt man dabei auf Integration. Zeichnungen: Simon

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