Heft 
(1.1.2019) 08
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CAMPUS

CHAOS, ORDNUNG UND RAUSCHEN

Zu einem internationalen Workshop am Müggelsee

Vor Beginn des hektischen Vorlesungsbetriebes trafen sich im Kongreßzentrum Rahnsdorf am Müggelsee Physiker aus aller Welt zu einem Workshop überPhysik und Dynamik zwischen Chaos, Ordnung und Rauschen. Die Veranstaltung wurde von den theoretischen Physikern Prof. Dr. Jürgen Kurths (Universität Potsdam), Prof. Dr. Arkadi Pikovsky (Universität Potsdam) und Prof. Dr. Lutz Schimansky-Geier (Humboldt-Uni­versität zu Berlin) organisiert. Der weitere Organisationsstab setzte sich ausschließ­lich aus Mitgliedern der Universität Potsdam zusammen. Eine bereits existierende, fruchtbare Zusammenarbeit dieser Gruppen von theoretischen Physikern beider Uni­versitäten wurde somit fortgesetzt. Die finanzielle Unterstützung wurde durch die WE- Heraeus Stiftung und die Max-Planck-Gesellschaft gewährleistet.

An dem Workshop nahmen rund 80 Fachleu­te aus 15 Ländern teil, der am weitesten ge­reiste Gast kam aus dem fernen China. Die Anwesenheit von internationalen Spitzen­forschern verlieh der Konferenz besondere Bedeutung und spiegelte die internationale Wertschätzung wider, die den Gruppen aus Potsdam und Berlin entgegengebracht wird. Insbesondere zu erwähnen sind der Entdek- ker der Universalität von Übergängen ins Chaos, Prof. Dr. Mitchell Feigenbaum (Rockefeller Universität New York/USA), Prof. Dr. Jim Yorke (Universität Maryland/ USA), der den BegnffChaos erstmals wis­senschaftlich präzisiert hat, Prof. Dr. Peter

Grassberger (Universität Wuppertal), und Prof. Dr. Celso Grebogi (ebenfalls Universi­tät Maryland), die jeweils bahnbrechend in Ihrem Fachgebiet tätig waren und sind. Er­wähnenswert ist auch die große Zahl osteu­ropäischer Wissenschaftler, die durch ihre Beiträge die Konferenz bereicherten und die sonst so oft bemängelte Vorherrschaft der sogenannten Ersten Welt etwas minderten. Hauptanliegen der Tägung war es, Speziali­sten aus verschiedenen Gebieten der Chaosforschung zusammenzuführen.

Die Beschreibung physikalischer Eigen­schaften von Systemen (einSystem kann so ziemlich alles sein, was aus mehr als ei­ner Komponente besteht) folgt oft einfachen

Gesetzen, die ein sehr kompliziertes Verhal­ten (Chaos) produzieren können. Anderer­seits lehrt die Erfahrung, daß nicht alles im Chaos endet (sondern nur fast alles). Eine weitere Komponente des Systemverhaltens bezieht oft Rauschen ein; hier muß man zur Erklärung statistische Mittel zur Hilfe neh­men (unterRauschen kann man sich der Einfachheit halber z.B. Radiorauschen oder Fernsehflimmern vorstellen). Somit sind die drei Grundthemen der Tägung - Chaos, Ordnung und Rauschen im Zusammenhang mit der charakteristischen Dynamik von Sy­stemen - drei Seiten einer Medaille. Neueste Fortschntte führten zu einem erheb­lich verbesserten Ver­ständnis von komplizier­ten Systemen. Hier reicht die Anwendung von physikalischen Quantensystemen, che­mischen Reaktionen über die belebte Materie - biologische Popula­tionsmodelle oder Zell­wachstum - bis hm zu soziologischen Erkennt­nissen für menschliches Verhalten. Besondere Aufmerksamkeit wurde dabei Problemen zuteil, die keiner der drei oben genannten charakteristi­schen Dynamik eindeu­tig zugeordnet werden können, sondernirgendwo dazwischen" lie­gen. Diese Problematik wurde bisher noch nicht zufriedenstellend erklärt, obwohl gera­de die Anwendungen der Theorien in dieses Feld fallen.

Die Atmosphäre der Konferenz kann trotz des dichtgepackten Programms als ent­spannt bezeichnet werden. In der Abge­schiedenheit des Müggelsees ließ es sich gut konzentrieren und kommunizieren. Durch die lockere Atmosphäre war es ins­besondere den jüngeren Tfeilnehmern mög­lich, untereinander Kontakte zu knüpfen, aber auch mit den Koryphäen in ausführli­chen Meinungsaustausch zu kommen.

Markus Abel, Michael Zaks

DISKUSSIONEN AN DER AKTUELLEN FORSCHUNGSFRONT"

Kooperation zwischen der Berliner Sportpädagogik und der Potsdamer Sportsoziologie

Nachwuchsförderung gehört zu den er­klärten Zielen der Deutschen Vereini­gung für Sportwissenschaft. Interessier­te Doktoranden und Habilitanden wer­den deshalb in regelmäßigen Abständen zuSommerakademien eingeladen, die einerseits Gelegenheit zum inter­universitären Erfahrungsaustausch über gemeinsameArbeitsprobleme bieten sollen - die Diskussion der eigenen For­schungsvorhaben vor allem in Klein­gruppen steht hier im Vordergrund - , und andererseits die Möglichkeit eröff­nen wollen, mit anerkanntenProfis aus der Sportwissenschaft und ihren Be­zugswissenschaftenan der aktuellen Forschungsfront zu diskutieren. Die diesjährige Sommerakademie der Deut­schen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs) stand unter dem Rahmenthema Sozialwissenschaftliches Arbeiten von der Theoriekonstruktion bis zur Daten­interpretation.

Während die vorangegangenen Sommer­akademien die Bewegungs- und Trainings­wissenschaftler zusammengeführt hatten, waren diesmal die Sportpädagogen und die Sportsoziologen am Zuge, und diese haben auf die Einladung offenbar gewartet: Insgesamt 35 Nachwuchswissenschaftler sind ihr gefolgt. Die einwöchige Veranstal­tung fand an der Führungs- und Verwaltungsakademie des Deutschen Sportbundes in Berlin statt. Vorbereitet und geleitet wurde sie von eineminterdiszipli­nären Tteam, in dem die Sportpädagogik der Freien Universität Berlin (Prof. Dr. Wolf- Dietrich Brettschneider, Institut für Sport­wissenschaft) und die Sportsoziologie an der Universität Potsdam (Prof. Dr. Jürgen Baur, Arbeitsbereich Sport und Gesell­schaft im Institut für Sportwissenschaft) kooperierten.

Die Berlin-Potsdamer Kooperation be­stimmte auch das Akademieprogramm. In den Hauptreferaten wurden die beiden Strömungen der empirischen Sozialfor­schung durch je einen ihrer prominente­sten deutschen Protagonisten vertreten: Prof. Dr. Jürgen Bortz (TU Berlin) für die quantitativen und PD Dr. Uwe Flick (Han­nover) für die qualitativen Methoden. Das schon von diesen Referenten ausgespro­chene Plädoyer für eine Gegenstandsan­gemessenheit und gegenideologische Entscheidungen bei der Methodenwahl

Entspanntes Plaudern am Rande des offiziellen Tägungsprogramms: Prof. Dr. Peter Grassberger, Prof Dr. Mitchell Feigenbaum, Prof Dr.

Celso Grebogi, Prof. Dr. Jürgen Kurths (v.l.n.r.).

Foto: zg.

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PUTZ 8-9/96