CAMPUS
BIOMOLEKÜLE FÜR DIE TECHNIK
Deutsch-Russische Sommerschule „Analytische Biotechnologie" in Luckenwalde
wurde von Prof. Dr. Hans Oswald (Potsdam) aufgegriffen und durch Überlegungen zur Verknüpfung qualitativer und quantitativer Methoden vertieft. Den sportwissenschaftlichen Part der Vorträge übernahmen Prof. Dr. Wolf-Dietrich Brettschneider (FU Berlin) mit Überlegungen zu Stand und Perspektiven der Sportpädagogik sowie Prof. Dr. Jürgen Baur (Potsdam) mit der Vorstellung einer iterativ heuristischen Konzeption von Forschungsprogrammen. Schließlich wurde durch den Beitrag „EDV-gestützte Analyse qualitativer Daten“ von PD Dr. Udo Kuckartz (FU Berlin) eine analytische und praktische Wendung herbeigeführt.
Raum zur Diskussion der eigenen Arbeiten wurde in Kleingruppen geboten, die häufig durch die Referenten selbst betreut wurden. Neben der Wissensvermittlung durch Vorträge und Diskussionen war es mindestens gleichwichtig, Kontakte zu knüpfen, mit anderen „Betroffenen“ Bedingungen des Arbeitens zu diskutieren oder sich einfach nur der Tätsache zu versichern, daß anderswo auch nur mit Wasser gekocht wird. Den Rahmen dafür boten etliche „social events“, mit denen eine gute Balance hergestellt wurde zwischen intensiver Arbeit im Plenum und in den Kleingruppen sowie geselliger Kommunikation, bei der man vieles „nachhaken“ konnte.
Stefan Telschow
UNI UNTERSTÜTZT BIOTECHNOLOGIEPARK
Am Standort des Biotechnologieparks in Luckenwalde fand Ende September 1996 die Deutsch-Russische Sommerschule der Analytischen Biotechnologie statt. Gastgeber war das Institut für Biochemie und Molekulare Physiologie, Professur für Analytische Biochemie der Universität Potsdam in Zusammenarbeit mit dem Interdisziplinären Forschungsverbund Bioanalytik Brandenburg-Berlin und dem Potsdamer Innovations- und Technologie-Transfer (PITT). Mit der Sommerschule engagierte sich die Potsdamer Hochschule nach dem Workshop mit Unternehmen im August 1996 zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit für den neuen Biotechnologie-Standort südlich von Berlin. Ziel der vom Bundesforschungsministerium geförderten Tägung mit rund 60 Tfeilnehmern war es, die bilaterale Zusammenarbeit zwischen deutschen und russischen Forschern zu unterstützen sowie jungen Wissenschaftlern beider Länder die Gelegenheit zu geben, ihre Ergebnisse selbst zu präsentieren und mit international führenden Vertretern der analytischen Biochemie zu diskutieren. Die alle zwei Jahre stattfindende Sommerschule wurde erstmals in Deutschland ausgenchtet. mit.
PUTZ 8-9/96
Die Anwendung von wissenschaftlichen Erkenntnissen auf dem Gebiet der Biotechnologie für technische Problemstellungen ist das erklärte Ziel des Innovationskollegs „Biomolekulare Erkennungssysteme für die biochemische Analytik“. In ihm arbeiten seit etwa einem Jahr Institute der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam sowie Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam, der Freien Universität und der Humboldt-Universität zu Berlin zusammen. Die seit etwa 20 Jahren am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin-Buch und jetzt an der Professur für Analytische Biochemie der Potsdamer Uni betriebene erfolgreiche Forschung auf dem Gebiet der Biosensorik besitzt einen international anerkannten Stellenwert.
Somit lag es nahe, die mit langjähriger Tradition durchgeführte Sommerschule zu dieser Thematik in diesem Jahr nach Potsdam zu holen. Jährlich treffen sich auf dieser Plattform führende Biochemiker und Molekularbiologen insbesondere der Moskauer Lomonossow-Universität und deutscher Forschungseinrichtungen. Sie informieren dort über eigene Arbeiten und neue Entwicklungen und geben Nachwuchswissenschaftlern die Gelegenheit, eigene Konzepte vorzustellen.
Daß als Thgungsort für die im September durchgeführte Veranstaltung Luckenwalde gewählt wurde, mag verwundern. Staatssekretär Prof. Dr. Friedrich Buttler unterstrich allerdings in seiner Eröffnungsrede zu Beginn des anspruchsvollen Tägungspro- gramms, daß der in Luckenwalde geplante Biotechnologiepark Brandenburg zu einem Zentrum zukunftsweisender Spitzentechnologie mit anwendungsorientierter Grundlagenforschung in der hiesigen Region entwickelt werden soll. Diesem Anspruch folgend nahmen Teilnehmer u.a. von Instituten der TU München und den Universitäten Tübingen, Stuttgart, Regensburg und Bochum sowie der Universität Cincinnati/USA die Einladung der Organisatoren an. In diesem Jahr wurde die Sommerschule vom Sprecher des Innovationskollegs Prof. Dr. Frieder Scheller (Universität Potsdam), sowie von Prof. Dr. Alexey Egorov (Moskauer Staatsuniversität) und Prof. Dr. Fritz Spener (Institut für Chemo- und Biosensorik Münster) organisiert. Die Präsenz von Vertretern russischer und deutscher Biotechnologiefirmen auf der Tägung unterstreicht das Anliegen aller
Beteiligten, technisch anwendbare Applikationen, u. a. für die klinische Diagnostik oder die Umweltanalytik, zu entwickeln. Das Tägungsprogramm war gefüllt mit Vorträgen, Posterpräsentationen und Gerätedemonstrationen zu allen Schwerpunkten der analytischen Biotechnologie. Sie reichen von Methoden zur Klärung von Vorgängen auf molekularer Ebene über Möglichkeiten zur gezielten Veränderung biologischer Systeme bis zu fertigen Analysegeräten. Einen besonderen Stellenwert nahmen Präsentationen zur Produktion, Umwandlung und Verstärkung von Signalen ein, die in Folge eines chemischen oder physikalischen Erkennungsprozesses zwischen einem Biomolekül und einem Analyten entstehen. Diese Techniken sind eine wesentliche Voraussetzung für die Nutzung solcher Systeme in Biosensoren. Solche Geräte sind z.B. für die ambulante Routineanalytik von Glucose emsetzbar. Auf diese Weise gelingt auch die Herstellung von Sensoren für die Herbizid-Rückstandsanalytik in Wasser. Diese arbeiten mit Elektroden, auf deren Oberfläche Antikörper oder Enzyme immobilisiert sind.
Neben dem wissenschaftlichen Programm bot die Sommerschule den über 60 Tfeilnehmern auch Gelegenheit, einen Einblick in die kulturelle Vielfalt der Region Potsdam/ Berlin zu erhalten. So standen an zwei Nachmittagen ein Besuch des Campus’ der Uni Potsdam Am Neuen Palais, ein Abstecher durch den Park Sanssouci und ein Besuch des Neuen Gartens sowie eine Tour durch das alte und das neue Berlin auf der Tägesordnung. Auf der Abschiedsfeier unterstrichen die Organisatoren ihr Bestreben, die bestehenden wissenschaftlichen und persönlichen Kontakte zwischen den in Europa führenden und sich thematisch ergänzenden Forschungskapazitäten auf dem Gebiet der analytischen Biotechnologie auch weiterhin zu pflegen. Die nächste Veranstaltung dieser Art ist im April 1997 in Thschkent/Usbekistan geplant.
Bernd Källies
030/6958210
• Banddurchsagen Tag + Nacht
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