Heft 
(1.1.2019) 08
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MENSCHENWÜRDIGE ZUKUNFT ERREICHEN ODER VERFEHLEN?

Kolloquium über Biotechnologie als Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts

In Brandenburg hat man die Zeichen der Zeit erkannt. Auch wenn das Ziel, ge­meinsam mit Berlin zu den drei vom Bundesforschungsministerium geförder­ten Regionen der Biotechnologie in Deutschland zu gehören, nicht erfüllt wurde, liegen erklärtermaßen Arbeits­schwerpunkte auf den Gebieten der Pflanzenbiotechnologie, der Bioanalytik und der Umweltbiotechnologie.

Rund 100 Unternehmen mit 3600 Mitarbei­tern erwirtschaften in der Region bereits 1,7 Milliarden DM. Bis zum Jahre 2000 soll der Umsatz um 70 Prozent steigen. Deshalb ar­beiten Forschungsinstitute und andere Insti­tutionen in Berlin und Brandenburg in der Molekularbiologie, Gentechnologie, expe­rimentellen und klinischen Genetik sowie genetischen Epidemiologie zusammen. Durch die Bündelung der acht universitären Forschungseinrichtungen in Brandenburg, der zehn sonstigen Institute und der 32 Fir­men sind nach Auffassung des Wirtschafts­ministers Dr. Burkhard Dreher schon jetzt Erfolge zu verzeichnen.

Um zuChancen und Grenzen der Bio­technik" zu diskutieren, trafen sich Ende September 80 Wissenschaftler, Vertreter der Wirtschaft und von Umweltverbänden, Journalisten sowie Politiker an der Potsda­mer Uni. Auf dem vom Wissenschaftsmini­sterium veranstalteten Kolloquium betonte Minister Steffen Reiche die Bedeutung der Biotechnologie als Schlüsseltechnologie

des 21. Jahrhunderts für die Forschungs­landschaft Brandenburgs. Gleichzeitig setzte er sich mit dem in diesem Zusam­menhang notwendigeaAufklarungsbedarf in der Bevölkerung auseinander. Wir müs­sen Antworten liefern zu Chancen und Ri­siken der Biotechnologie und Kompetenz zeigen in der demokratischen Kontrolle der Auswirkungen der neuen TfechnoloA gie." Auch wenn die gesetzlichen Grund-' lagen für die Gentechnik in Deutschland zu den strengsten der Welt gehörten, so habe der Verbraucher ein Recht auf .die Kennzeichnung gentechnisch veränderter Lebensmittel. Den Sieg über viele Krank­heiten, die Züchtung ertragreicher, krank- heits- und trockenresistenter Nutzpflanzen, neue Möglichkeiten zum Abbau von Um­weltgiften und die ressourcen- und ener­gieschonende Produktion industrieller Rohstoffe verbuchen Biotechniker als ihre Erfolge. Kritiker befürchten jedoch einun­kontrolliertes Wachstum gentechnisch vep änderter Pflanzen und die ungewollte Übertragung von Eigenschaften auf ande-'

re Organismen.

Df. der Einstieg in diese zentralen Zukunfts- technologien längst vollzogen ist, sei eine Verweigerung nicht mehr möglich, konsta­tierte der Jurist Prof. Dr. Eckart Klein von der Uni Potsdam. Deshalb sei ein die nationa­len Grenzen, überschreitender Konsens zu suchen,Eine menschenwürdige Zukunft erreichen oder verfehlen wir alle gemein­sam." In diesem Zusammenhang erwähn­

te der im Menschenrechtsausschuß der Vereinten Nationen sitzende Wissenschaft­ler die gerade vom Europarat verabschie­dete Bioethik-Konvention. Der Schutz der Menschenrechte und der Menschenwürde im Hinblick auf die Anwendung von Biolo­gie und Medizin wird damit auf eine völker­rechtliche Grundlage gestellt. Die mit der Gentechnik möglichen Eingriffe in das menschliche und tierische Leben erwiesen sich als so schwerwiegend, daß Klein eine umfassende Informationspflicht aller Betei­ligten für unabdingbar hält.

Zu cfenen, die an der Universität Potsdam biotecTfjnologische Forschung betreiben, gehört Prof. Dr. Frieder Scheller. Er ist Spre­cher dös InnovationskollegsBiomoleku­lare Erkennungssysteme für biochemische Analytik", Die aktuellen Entwicklungen ba­sieren, so der Wissenschaftler, auf der ge­zielten Veränderung des Erbmatenals, das heißt der Nukleinsäuren, zur Verbesserung der Eigenschaften von Eiweißstoffen, die dann in Bioreaktoren hergestellt werden. Die erfolgreichstenoptimierten Eiweiße sind Waschmittelenzyme, Humaninsulin und andere Arzneimittel. Scheller erwartet, daß in naher Zukunft biotechnologisch er­zeugte Moleküle auch für die Verarbeitung und Speicherung von Informationen in ei­ner neuen Rechnergeneration zum Einsatz 'gelangen. Mit unserem Engagement auf dem Gebiet der aktuellen Biotechnologie schaffen wir die Basis für Ttechnologien des nächsten Jahrzehnts". B.E.

ERSTES DIPLOM IN DER BETRIEBSWIRTSCHAFTSLEHRE

Saskia Heyder (links) hat es geschafft. Sie verließ jetzt als erste Studentin der Betriebs­wirtschaftslehre mit dem TitelDiplom- Kauffrau die Wirtschafts- und Sozialwissen­schaftliche Fakultät als Absolventin. Die 1972 in Jfemplin Geborene gehörte zu den ersten, die Anfang der 90er Jahre ihr Studi­um, übergangsbedingt zunächst der Volks­wirtschaftslehre, dann der Betriebswirt­schaftslehre, an dieser seinerzeit neu ge­gründeten Fakultät aufnahmen. Kürzlich nun konnte ihr der damalige Dekan dieser Fakultät, Prof. Dr. Dieter Wagner (rechts), das Zeugnis überreichen. Die im Studium erworbenen Fähigkeiten und Kenntnisse wendete Saskia Heyder bereits bestens an. Bestritt sie doch auf Anhieb gegen zahlrei­che Konkurrenz em Gruppenauswahl­verfahren (Assessment Center) in einer großen Ttelekommumkationsfirma als Sie­gerin. Dort arbeitet sie sich nun in das Controlling der Unternehmenspraxis ein.

B.E. /Foto: Tribukeit

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PUTZ 8-9/96