MENSCHENWÜRDIGE ZUKUNFT ERREICHEN ODER VERFEHLEN?
Kolloquium über Biotechnologie als Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts
In Brandenburg hat man die Zeichen der Zeit erkannt. Auch wenn das Ziel, gemeinsam mit Berlin zu den drei vom Bundesforschungsministerium geförderten Regionen der Biotechnologie in Deutschland zu gehören, nicht erfüllt wurde, liegen erklärtermaßen Arbeitsschwerpunkte auf den Gebieten der Pflanzenbiotechnologie, der Bioanalytik und der Umweltbiotechnologie.
Rund 100 Unternehmen mit 3600 Mitarbeitern erwirtschaften in der Region bereits 1,7 Milliarden DM. Bis zum Jahre 2000 soll der Umsatz um 70 Prozent steigen. Deshalb arbeiten Forschungsinstitute und andere Institutionen in Berlin und Brandenburg in der Molekularbiologie, Gentechnologie, experimentellen und klinischen Genetik sowie genetischen Epidemiologie zusammen. Durch die Bündelung der acht universitären Forschungseinrichtungen in Brandenburg, der zehn sonstigen Institute und der 32 Firmen sind nach Auffassung des Wirtschaftsministers Dr. Burkhard Dreher schon jetzt Erfolge zu verzeichnen.
Um zu „Chancen und Grenzen der Biotechnik" zu diskutieren, trafen sich Ende September 80 Wissenschaftler, Vertreter der Wirtschaft und von Umweltverbänden, Journalisten sowie Politiker an der Potsdamer Uni. Auf dem vom Wissenschaftsministerium veranstalteten Kolloquium betonte Minister Steffen Reiche die Bedeutung der Biotechnologie als Schlüsseltechnologie
des 21. Jahrhunderts für die Forschungslandschaft Brandenburgs. Gleichzeitig setzte er sich mit dem in diesem Zusammenhang notwendigeaAufklarungsbedarf in der Bevölkerung auseinander. Wir müssen Antworten liefern zu Chancen und Risiken der Biotechnologie und Kompetenz zeigen in der demokratischen Kontrolle der Auswirkungen der neuen TfechnoloA gie." Auch wenn die gesetzlichen Grund-' lagen für die Gentechnik in Deutschland zu den strengsten der Welt gehörten, so habe der Verbraucher ein Recht auf .die Kennzeichnung gentechnisch veränderter Lebensmittel. Den Sieg über viele Krankheiten, die Züchtung ertragreicher, krank- heits- und trockenresistenter Nutzpflanzen, neue Möglichkeiten zum Abbau von Umweltgiften und die ressourcen- und energieschonende Produktion industrieller Rohstoffe verbuchen Biotechniker als ihre Erfolge. Kritiker befürchten jedoch einunkontrolliertes Wachstum gentechnisch vep änderter Pflanzen und die ungewollte Übertragung von Eigenschaften auf ande-'
• re Organismen.
Df. der Einstieg in diese zentralen Zukunfts- technologien längst vollzogen ist, sei eine Verweigerung nicht mehr möglich, konstatierte der Jurist Prof. Dr. Eckart Klein von der Uni Potsdam. Deshalb sei ein die nationalen Grenzen, überschreitender Konsens zu suchen, „Eine menschenwürdige Zukunft erreichen oder verfehlen wir alle gemeinsam." In diesem Zusammenhang erwähn
te der im Menschenrechtsausschuß der Vereinten Nationen sitzende Wissenschaftler die gerade vom Europarat verabschiedete Bioethik-Konvention. Der Schutz der Menschenrechte und der Menschenwürde im Hinblick auf die Anwendung von Biologie und Medizin wird damit auf eine völkerrechtliche Grundlage gestellt. Die mit der Gentechnik möglichen Eingriffe in das menschliche und tierische Leben erwiesen sich als so schwerwiegend, daß Klein eine umfassende Informationspflicht aller Beteiligten für unabdingbar hält.
Zu cfenen, die an der Universität Potsdam biotecTfjnologische Forschung betreiben, gehört Prof. Dr. Frieder Scheller. Er ist Sprecher dös Innovationskollegs „Biomolekulare Erkennungssysteme für biochemische Analytik", Die aktuellen Entwicklungen basieren, so der Wissenschaftler, auf der gezielten Veränderung des Erbmatenals, das heißt der Nukleinsäuren, zur Verbesserung der Eigenschaften von Eiweißstoffen, die dann in Bioreaktoren hergestellt werden. Die erfolgreichsten „optimierten“ Eiweiße sind Waschmittelenzyme, Humaninsulin und andere Arzneimittel. Scheller erwartet, „daß in naher Zukunft biotechnologisch erzeugte Moleküle auch für die Verarbeitung und Speicherung von Informationen in einer neuen Rechnergeneration zum Einsatz 'gelangen. Mit unserem Engagement auf dem Gebiet der aktuellen Biotechnologie schaffen wir die Basis für Ttechnologien des nächsten Jahrzehnts". B.E.
ERSTES DIPLOM IN DER BETRIEBSWIRTSCHAFTSLEHRE
Saskia Heyder (links) hat es geschafft. Sie verließ jetzt als erste Studentin der Betriebswirtschaftslehre mit dem Titel „Diplom- Kauffrau“ die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät als Absolventin. Die 1972 in Jfemplin Geborene gehörte zu den ersten, die Anfang der 90er Jahre ihr Studium, übergangsbedingt zunächst der Volkswirtschaftslehre, dann der Betriebswirtschaftslehre, an dieser seinerzeit neu gegründeten Fakultät aufnahmen. Kürzlich nun konnte ihr der damalige Dekan dieser Fakultät, Prof. Dr. Dieter Wagner (rechts), das Zeugnis überreichen. Die im Studium erworbenen Fähigkeiten und Kenntnisse wendete Saskia Heyder bereits bestens an. Bestritt sie doch auf Anhieb gegen zahlreiche Konkurrenz em Gruppenauswahlverfahren (Assessment Center) in einer großen Ttelekommumkationsfirma als Siegerin. Dort arbeitet sie sich nun in das Controlling der Unternehmenspraxis ein.
B.E. /Foto: Tribukeit
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PUTZ 8-9/96