IM GESPRÄCH
STUDIOSI
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POTSDAMER UNIVERSITÄT NACH WIE VOR SEHR BELIEBT
2.530 Studienanfänger erhöhen die Studentenzahl auf 9.714
Fortsetzung von Seite 19 PUTZ: Mit dem neuen Programm werden auch mehr ausländische Studenten nach Potsdam kommen. Wie ist das Akademische Auslandsamt auf diesen verstärkten Ansturm vorbereitet?
Neum: Ich denke, nicht schlecht. Letzlich ist ein Programm nur so gut, wie es auch administrativ betreut werden kann. Im Vergleich zu früheren Jahren können wir deutliche Fortschritte bei der administrativen, sozialen und kulturellen Betreuung vorweisen. In Zusammenarbeit mit deutschen Studierenden haben wir Strukturen aufgebaut, die es den Neuankömmlingen ermöglichen, ohne allzugroße Hürden ihr Studium aufzunehmen. Entsprechend positiv äußern sich die Studierenden dazu. Manche von ihnen wollen sogar länger bleiben. Trotz aller noch vorhandenen Probleme ist das doch ein gutes Zeichen. Die akademische Betreuung ist natürlich Aufgabe der Wissenschaftler in den Bereichen.
PUTZ: Eine entscheidende Rolle bei Studienaufenthalten im Ausland spielen Fragen der Anerkennung erbrachter Leistungen. Welche Entwicklungen zeichnen sich diesbezüglich ab?
Neum: In Europa existieren voneinander stark abweichende Ausbildungssysteme. Ein großes Maß an Koordination ist bereits vor Antritt des Studienaufenthaltes nötig, um das Studium so zu planen, daß sich die Regelstudienzeit nicht über Gebühr verlängert. Eine vollständige Integration in den Heimatstudiengang gelingt dennoch bislang nur in Ausnahmefällen. Das soll sich in Zukunft ändern. Gegenwärtig wird an der Entwicklung eines europaweit anwendbaren Anerkennungssystems gearbeitet.
PUTZ: Dieses zu erwartende System scheint überfällig. Aber hat es nicht auch Schattenseiten?
Neum: Ja, und diese Kritikpunkte werden auch immer wieder diskutiert. Trotzdem möchte ich in erster Linie auf den zu erwartenden Vorteil hinweisen. Die unterschiedlichen Studien- und Bewertungssysteme nämlich werden für die Studierenden transparenter und die Auswahl der Kurse wird vereinfacht. In unserer dem SOKRATES- Antrag vorangestellten bildungspolitischen Erklärung befürwortet die Universität die Einführung eines europäischen Anerkennungssystems. Dessen Realisierung liegt dann bei den Fakultäten selbst. Kritisch wird gesehen, daß möglicherweise eine Harmonisierung der Studiengänge „von oben“ angestrebt und damit gewissermaßen direkt in die universitäre Autonomie hineinzuregieren versucht wird. Diese Debatte wird in Deutschland mit besonderem Engagement geführt.
PUTZ: Vielen Dank für das Gespräch.
Die Zahl der mit dem Wintersemester 1996/ 97 an der Potsdamer Universität eingeschriebenen Studierenden stieg bis Anfang Oktober dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent. Damit absolvieren jetzt 9.714 Studierende, 6.035 Studentinnen und 3.679 Studenten, eine Ausbildung an der Alma mater der Landeshauptstadt. Darunter befinden sich 6.756 Vollzeitstudierende und 2.958 Tteilzeitstudierende (Aufbaustudium Lehramt). Die Verteilung der Studienanfänger im ersten Fachsemester im Völlzeitstudium auf die fünf Fakultäten der Hochschule sieht wie folgt aus: Juristische Fakultät 272, Philosophische Fakultät I 389, Philosophische Fakultät II 319, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakul
tät 398 und Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät 330 Studienanfänger. In der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät ist damit beispielsweise ein Zuwachs an Studienanfängern im Vollzeitstudium gegenüber dem Vörjahressemester von 82 Prozent zu verzeichnen. Dies ist insbesondere auch auf die Einführung der neu
en Diplomstudiengänge Betnebswirtschafts- lehre (60 Anfänger), Soziologie (45) und Verwaltungswissenschaft (55) zurückzuführen. In die Fächergruppe Sprach- und Kulturwissenschaften einschließlich Musik und Sport haben sich allein 708 Studienanfänger im Völlzeitstudium eingeschrieben. Damit entschieden sich gegenüber dem letzten Wintersemester 21 Prozent mehr Studienanfänger für jene Fächergruppe. Innerhalb dieser interessieren sich 311 Studienanfänger für die Philologien.
In den naturwissenschaftlichen Fächern haben sich 16 Prozent mehr junge Leute als im Wintersemester 1995/96 immatrikuliert. Hier sind vornehmlich die Studiengänge der Fächer Informatik (40 Anfänger), Biologie/
Biochemie (82), Ernährungswissenschaften (21) und Geographie/Geoökologie (102) gefragt. Die Bewerberzahlen für diese Studiengänge überschritten teilweise das Vier- bis Sechsfache des Studienplatzangebotes. Auch die Anzahl der ausländischen Studierenden stieg im Vergleich zum Vorjahr um 30 Prozent auf nun 371. red.
Latein und Griechisch neu im Programm
In diesem Semester war erstmals die Einschreibung für die Magisterstudiengänge Lateinische Philologie im Haupt- und Nebenfach und Griechische Philologie im Nebenfach sowie für die Lehramtsstudiengänge Latem, Sekundarstufe II/I, 1. und 2. Fach möglich. Auch kann Latein als drittes, sogenanntes Erweiterungsfach studiert werden. Letzteres findet als Weiterbildung großen Zuspruch: so nahmen 27 Lehrerinnen und Lehrer aus dem gesamten Land Brandenburg mit Semesterbeginn ein sechssemestriges Studium auf. Das Potsdamer Institut für Klassische Philologie sieht seine Aufgabe darin, neben der Aufarbeitung und Vermittlung der griechisch-römischen Antike auch eine Kooperation mit benachbarten Fachgebieten und Instituten anzustreben: mit der Alten Geschichte, der Philosophie, der Religionswissenschaft und nicht zuletzt mit der Archäologie; darüber hinaus werden die modernen Philologien als wichtige Dialogpartner in der Auseinandersetzung mit der Rezeption antiker Werke angesehen. Das Angebot an Lehrveranstaltungen ist daher breit angelegt. ER.
Der gute Ruf der Um Potsdam spricht sich herum: auch in diesem Jahr stieg die Zahl der sich einschreibenden jungen Leute wieder deutlich an. Foto: Dribukeit
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PUTZ 8-9/96
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