FORUM
BUCHTIPS
FALSCHE NUMMER
In der Erstsemester-Info der PUTZ 7/96 wurde für die Potsdamer Stadt- und Landesbibliothek irrtümlich eine falsche Ttelefon- nummer angegeben. Richtig muß es heißen: 0331/2842 - 0.
GEWISSENSGRÜNDE
BEACHTEN
Zu dem Kommentar „Kein Fair Play beim Match um Genkartoffeln' 1 in der PUTZ, Nr. 6/96, S. 22, erreichte die Redaktion folgender Leserbrief:
Wer in der fortschreitenden Genmanipulation von landwirtschaftlichen Produkten eine essentielle Bedrohung der Natur und seiner Gesundheit sieht, handelt bei der Zerstörung von genmanipulierten Agrarpflanzen aus tiefen Gewissensgründen. Seine Tät ist dadurch zwar keineswegs legal, jedoch im höchsten Maße legitim. Genmanipulierter Raps pflanzte sich bereits „unvorhergesehen" mit Wildpflanzen fort, veränderte Sojasprößlinge lösten gefährliche Reaktionen bei Allergikerlnnen aus. Von daher kann bei der Zerstörung auf dem Golmer Acker nicht von einem „unfairen Spiel" die Rede sein, genetisch veränderte Nahrungsmittel sind Realität. Ein weiterer Irrtum liegt in der Annahme, daß wenn mensch nur lange genug diskutieren würde, Willmitzer & Co den Versuch irgendwann einstellen. Die Erfahrung lehrt etwas anderes. Jegliche Proteste und Einwendungen beim Robert- Koch-Institut blieben folgenlos. Von den für 1996 beantragten 68 Versuchen wurden alle genehmigt. Bei der Auseinandersetzung um die „Golmer Kartoffel" geht es nicht um technische Detailfragen, sondern grundlegend darum, ob Agrarpflan- zen genetisch verändert werden dürfen. Ein Beginn mit Versuchen, die scheinbar nur am Rande mit Ernährungsfragen zu tun haben, zielt darauf, die Bevölkerung an die neuen Lebensmittel zu gewöhnen, bis ihr Auftreten in den Produkten der Supermarktregale aufgrund mangelnder Kennzeichnungspflicht nicht mehr überschaubar ist. Da es sich um eine so grundlegende Sache handelt, findet in Golm die eigentliche Manipulation nicht auf dem Acker statt, sondern in dem Versuch bei der umliegenden Bevölkerung Akzeptanz und Sorglosigkeit zu säen.
Carsten Herzberg
DIE PUTZ IM INTERNET
http://www.uni-potsdam.de/
u/putz/index.htm
DEUTSCH - NICHT NUR - FÜR ÖKONOMEN
„Um die Normensicherheit und das Ausdrucksvermögen eines Großteils der jungen Leute, mit denen man als Hochschullehrer für Betriebswirtschaft in Berührung kommt,“ schreibt Erwin Dichtl, „ist es so schlecht bestellt, daß man ins Grübeln gerät.“ Dichtl kam nicht nur ms Grübeln, er schritt auch zur Tät. Genauer gesagt, er verfaßte ein Buch mit dem Titel „Deutsch für Ökonomen“, welches er selbst als „eine mit Hinweisen und Empfehlungen garnierte Sammlung von über 400 mißglückten Formulierungen, von Verstößen gegen Regeln oder von falsch verwendeten Wörtern" beschreibt, wobei er jeweils seine Bewertung begründet oder eine aus seiner Sicht zweckmäßigere Fassung vorschlägt. Als Quelle dienten ihm Bücher und Aufsätze, Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen sowie Diplomarbeiten, Zielgruppe sind „zumindest Studierende der Wirtschaftswissenschaften". Doch warnt er gleich vorweg, daß die in dem Buch gebotenen Leseproben eine „teilweise nur schwerverdauliche Kost dar(stellen), die man deswegen nur in Häppchen einnehmen wird".
Dichtl stellt seinen Ausführungen zunächst ein Kapitel mit demTitel „Auf der Suche nach Stoff" voran, in dem es um Grundsätzliches einer schriftlichen Arbeit geht: Was für Arten von Fragestellungen gibt es und woher bekommt man das Material, um diese Fragestellung zu beantworten, wie strukturiert man dieses Material und welchen Kriterien sollte eine Arbeit insgesamt genügen?
In den folgenden fünf Kapiteln (die jeweils zusätzlich in Unterkapitel gegliedert sind) präsentiert er nach einer meist kurzen Einleitung die von ihm zusammengetragenen Formulierungen und setzt sich anhand dieser Beispiele mit logischen und grammatischen Fehlern sowie mit schlechtem oder eintönigem Stil auseinander, Im Anhang geht Dichtl noch kurz auf die Verwendung und Gestaltung von Abbildungen und Tabellen ein, stellt kurz die Kernelemente der Rechtschreibreform dar und erklärt 130 ausgewählte Fachbegriffe überwiegend aus den Bereichen Grammatik und Stilistik. „Deutsch für Ökonomen" ist kein Lehrbuch, das sämtliche Defizite, die man in der geschriebenen Sprache antrifft, behandelt. Aber es deckt einen weiten Bereich von offensichtlichen Fehlern, wie etwa die Verwendung eines falschen Kasus, bis hin zu weniger offensichtlichen, wie die Steigerung von kategoralen Adjektiven, ab. (Beispielsweise fällt bei der von Dichtl zitierten Fbrmulierung „Ärzte sollen in den Praxen präsenter sein“ auf den ersten Blick gar nicht auf, daß hier ein Adjektiv gesteigert wurde, welches sich nicht steigern läßt.) Zwar entstammen viele der von Dichtl gebrachten Beispiele dem
Bereich der Wirtschaft, aber auch Nicht- Ökonomen, sei es als Leser oder Schreiber, werden durch sie veranlaßt, kritischer mit Sprache umzugehen. ade
Erwin Dichtl: Deutsch für Ökonomen, Lehrbeispiele für Sprachbeflissene, Mün- chen/Vahlen, 1995, 107 Seiten, 19,80 DM.
KATALOG ZUM 250. GEBURTSTAG ERSCHIENEN
Ein imposanter Katalog liegt auf dem Tisch. Entstanden ist er in Ergänzung der jüngst beendeten Ausstellung Visionäre Lebensklugheit. Joachim Heinrich Campe in seiner Zeit“. Zu sehen war diese gleichzeitig sowohl im Braunschweigischen Landesmuseum als auch in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel. Aktuellen Anlaß hierfür bot der 250. Geburtstag des wohl bedeutendsten Repräsentanten der pädagogischen Aufklärung. Als Herausgeber der begleitenden Publikation fungierte der an der Universität Potsdam wirkende Pädagoge Prof. Dr. Hanno Schmitt.
Die Edition widmet sich analog der Ausstellung zwei Schwerpunkten: einerseits der Biographie Campes, andererseits dessen vielfältigen Projekten und deren Realisierung. Auch die Reisen des Universalsten, schließlich machte er sich als Pädagoge, Schriftsteller wie Aufklärer einen Namen, erfahren hier ihre Würdigung. Widersprüche werden dabei nicht ausgespart. Dem Leser öffnet sich so eine schillernde Lebenswelt vergangener läge. Regionalgeschichte und übergreifende Aspekte der Aufklärung im 18. Jahrhundert bilden in diesem Zusammenhang enge Beziehungsgeflechte. Neben einer umfänglichen Studie Hanno Schmitts mit Blick auf biographische Aspekte finden sich im ersten Tteil des Buches Reflexionen zu „Campe im Bild", Untersuchungen bezüglich dessen Funktion als Direktor des Dessauer Philantropins, gartenarchitektonischer Gedanken des Pädagogen in Braunschweig, Erläuterungen zum Schaffen in Hamburg und Trittau, die Wertung der Reise durch Deutschland und in die Schweiz. Abgerundet wird der Abschnitt mit der Darstellung der Beziehungen zu Herzog Carl Wilhelm Ferdinand sowie des Verhältnisses zur Zensur.
Die sich Campes Projekten widmende zweite Hälfte des Kataloges beinhaltet Beiträge zu Erziehungskonzeptionen und der Geltung als Kinderliterat sowie Jugendschriftsteller. Gebührenden Platz gibt es für die „spektakuläre" Färis-Reise ebenso wie für den Klassiker der Mädchenerziehungstheorie Väterlicher Rath für meine Töchter“. Daneben rücken das Standardwerk der Pädagogik der Aufklärung „Allgemeine Revision", die Industrieschulbewegung und Campes Indu-
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PUTZ 8-9/96