Heft 
(1.1.2019) 08
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KULTUR

DAS SCHEINBAR EINFACHE, DAS SO SCHWER ZU MACHEN IST

Potsdamer Theaterleute interessieren sich für die Uni

Der Politiker Claus Dobberke, die künst­lerische Geschäftsführerin des Kabaretts Obelisk Gretel Schulze, der Galerist Rai­ner Sperl, die Direktorin des Film­museums Dr. Bärbel Dalichow, der Kultur­hausleiter Dr. Martin Langner - sie alle wollen eine intensivere Kooperation mit der Potsdamer Uni in Sachen Kultur (sie­he PUTZ 3/96). Die Tsilnehmer am ersten Akademischen Kulturstammtisch Anfang November 1996 bekräftigten das Anlie­gen: die Uni muß in der City stärker prä­sent sein. Aber wie ist das zu verwirkli­chen? Ideen gibt es reichlich. An deren Umsetzung hapert es allerdings größten­teils noch.

Intendant will mit Studierenden reden

Das scheinbar so Einfache ist offensicht­lich schwer zu realisieren. Der Intendant des Hans Otto Theaters (HOT) Stephan Märki erkennt, die Uni und sein Theater betreffend, ähnliche Probleme. Beide mit Sparauflagen konfrontiert, wirkten sie noch nicht im erforderlichen und mögli­chen Maße in die Stadt und die Region. Am Flair einer Studentenstadt fehle man­ches. Deshalb gelte es, die Ursachen hier­für herauszufinden. Um Genaueres zu er-

Sucht die Interessen der Studierenden heraus­zufinden: Hans Otto Theater-Intendant Stephan Märki. Foto: zg.

fahren, möchte er mit den Studierenden direkt ms Gespräch kommen. Ihn beschäf­tigt die Frage, wie Kommunikation herzu­stellen ist. Er will herausfinden, was die jungen Leute erwarten, weshalb sie die Aufführungen eher zurückhaltend besu­chen. .Wenn sie nicht kommen, finden ihre Interessen natürlich weniger Berücksich­tigung." Das sucht der Theatermann zu ändern, dennuns ist sehr an einem Feed­back gelegen. Märki ist davon überzeugt,

daß seine Einrichtung von der geistigen Substanz der Stadt und damit auch der Uni getragen wird. Theater habe einen Bildungsauftrag zu erfüllen. Es müsse Fra­gen stellen, ohne sie in jedem Falle zu be­antworten, Unbequemes aussprechen und Utopien vertreten. Die damit verbundene Neugier erwartet der Intendant nicht zu­letzt von Studierenden und Hochschul­angehörigen.

Kartenverkauf zukünftig an der Uni?

Bewährtes stärker zu nutzen und publik zu machen, dafür plädiert die Chefdra­maturgin Heike Wintz.Noch vor den Premierentagen laden wir das Publikum zu einem Einblickm den Entstehungspro­zeß der jeweiligen Inszenierung ein. Das beinhaltet nicht nur die Besuche von Pro­ben. Als Angebot der ReihePremieren­fieber" stehen ebenso Einführungen zu Autoren, deren Werken und Gespräche mit den Produktionsteams.Wir wollen, daß uns das Publikum, für das wir ja Thea­ter machen, mit seiner Sympathie und sei­ner Kritik hilft", so Wmtz. Den Vergleich zwischen Proben undEndprodukt anzu­stellen, sei ganz sicher spannend und reiz­voll, sagt der Geschäftsführende Direktor des HOT, Dr. Rene Serge Mund. Vorausset­zung für all dies ist allerdings der Besuch der Aufführungen.

Um denjenigen der Studierenden und Uni- Angehörigen, dienur" ihre Bequemlichkeit überwinden müssen, den Kartenkauf zu erleichtern, erwägen die Theaterleute, ei­nen Uni-Tisch direkt an der Hochschule ein­zurichten. Neben dem Ticketerwerb könn­te dort ab und zu ein Dramaturg oder ande­rer Mitarbeiter zum Gespräch zur Verfü­gung stehen, meint Heike Wintz. Vorstellbar ist für Serge Mund, auf diese Weise bei Bedarf Statisten ausfindig zu machen. Auch die Einführung eines Studenten­abonnements wird erwogen. Den schmalen Geldbeutel der Studierenden berücksichti­gend, erhalten sie bereits jetzt alle Karten zum halben Preis. Bei gutem Willen aller Beteiligten sollten diese Ideen und Vorha­ben schnell umsetzbar sein.

Offene Ohren für Uni-Interessen

Als schwieriger, aber nicht unlösbar, er­weist sich ganz sicher anderes, Wenn die Uni ihr Interesse bekundet, ihre Bedürfnis­se artikuliert, stößt sie bei uns immer auf offene Ohren", versichern die HOT-Verant- wortlichen. Warum sollte es also nicht möglich sein, die Tradition des Hochschul­theatertages wiederzubeleben? Wenn es Sinn macht und gut vorbereitet ist, dann würden wir auch an der Uni mit einem

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Nach der Zerstörung derKanaloper'' 1945fand in Potsdam das Theater ab 1949 m einer umge­bauten ehemaligen Thnzgaststätte seinen Spiel- ort. Das Hans Otto Theater in der Zimmerstraße '10 (unser Foto), als Zwischenlösung geplant, wurde nach 42 Jahren Spielbetrieb 1991 aus baupolizeilichen Gründen geschlossen. Nun ist vorgesehen, es bis 1999 zu einem modernen funktionalen Theater umzubauen, um es wieder als Hauptspielstätte nutzen zu können. Foto.zg.

geeigneten Stück und anschließendem Gespräch auftreten", versichert Wintz. Sie hat beispielsweise die aktuelle Inszenie­rungRattenjagd von Peter Thrrim im Blick. Studentenarbeiten aus dem künstle­rischen Bereich könnten das Foyer der Blechbüchse verschönern. Ein (vorhan­dener) Schaukasten an der Uni wäre ge­eignet, über Neuestes aus dem Theater zu informieren. Kontakte zu den Instituten für Musik und Musikpädagogik bzw. Germa­nistik würden sich als fruchtbar für beide Seiten erweisen. Ermutigendes gibt es bereits: Die kürzlich von HOT und dem Bereich Betriebwirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Marketing der Uni erarbei­tete Besucherbefragung ergab wichtige, für das Theater verwertbare Aufschlüsse (siehe PUTZ 7/96).

Auf Unterstützung durch die Uni hoffen die Theaterleute in eigener Sache. Denn das Theater um das Theater hat sich über die Grenzen der Stadt hinaus herumgespro­chen. Das ProvisoriumBlechbüchse auf dem Alten Markt nehmen die Zuschauer nur schwer an, das Haus in der Zimmer­straße steht derzeit mehr oder weniger leer, die Theater- und Orchesterfusion ist umstritten. In dieser schwierigen Situation ist der Ruf nach öffentlich geäußerter Un­terstützung vieler Verbündeter nur zu ver­ständlich. B.E.

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PUTZ 8-9/96