KULTUR
LUST AN KUNST
Angehörige der Universität Potsdam vorzustellen, die künstlerisch arbeiten, teils professionell, teils „nebenberuflich“, ist das Anliegen der Reihe „Lust an Kunst“. Jene interessierten und engagierten Mitarbeiter und Studierenden sind aus eigenem Antrieb und nicht zuletzt zum eigenen Vergnügen kulturell-künstlerisch tätig. Deutlich werden soll auch die Motivation für diese Arbeit.
Wenn in einer Zeit der virtuellen Bilderflut und immer schneller werdenden Schnittsequenzen der Werbespots ein Mensch auf die Wichtigkeit des Hörens orientiert, dann ist es ratsam, ihm Aufmerksamkeit zu schenken. Der Potsdamer Komponist Gerhard Rosenfeld, geboren 1931 in Königsberg (Ostpreußen), bemerkt in diesem Zusammenhang: „...richtiges Musikhören ist geistige Anstrengung, emotionale Beteiligung, soll das eigene Leben bereichern“. Seit 1963 ist Rosenfeld freischaffender Komponist, seit zwei Jahren mit Lehrauftrag in den Fächern Tonsatz und Komposition für die Universität Potsdam tätig. Der Unterricht findet meist im Hause Rosenfelds in Bergholz-Rehbrücke statt. Zu den studentischen Kompositionen des Jahres 1996 gehören: „Zungen und Platten“ (für Akkordeon und
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Arbeitet gern mit Studierenden: der Komponist Gerhard Rosenfeld. Foto: Rex Schober
Vibraphon - Regina Baufeld), „Nah und Fern" (für Sologitarre - Katja Bayer), Thema und Vanation (für Klannette und Piano - Antje Langner), „Alla Notte“ flfext: Salvatore Quasimodo; für Gesang und Flöte - Jule Ste- phan/Frank Mohr). Aufbauend auf guten Kenntnissen im Tonsatz läßt Rosenfeld „seinen“ Studenten beim Komponieren freie Entfaltungsmöglichkeiten. Relativ spät werden die Angemessenheit moderner Stilmittel oder Formfragen an einer Variation, einem Duo oder Trio erörtert. Was zählt, seien gedankliche Energie und eine „saubere geistige Haltung" - diesen Anspruch wußte einst
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Leo Spieß, ein Lehrer Rosenfelds, seinem Studenten zu attestieren.
Gerhard Rosenfeld fand frühzeitig Zugang zu intensivem Musikerleben. Potsdamer Konzerte unter dem Dirigenten Wilhelm Furtwängler sind ihm nachhaltig in Erinnerung. Rosenfeld studierte Musikwissenschaft an der Humboldt-Uni Berlin, dann Komposition an der Deutschen Hochschule für Musik. 1958 fand er Aufnahme in die von Hanns Eisler geleitete Meisterklasse für Komposition an der Deutschen Akademie der Künste Berlin. Anfang der 60er Jahre war Rosenfeld Lektor der Internationalen Musikbibliothek Berlin, zudem Lehrbeauftragter für Filmmusik an der Babelsberger Hochschule und Dozent für Musiktheorie an der Hanns-Eisler-Musikhochschule Berlin. Das Vermögen des Komponisten, musikalisch klar und knapp, zugleich expressiv und ausdrucksstark zu formulieren, findet sich bereits in seinem 1963 aufgeführten Violinkonzert ausgeprägt. Damals entstand dieses verheißungsvolle Werk in einer nur sechswöchigen intensiven Zusammenarbeit mit dem Geiger Gustav Schmahl. Rosenfelds Weg als sensibel-kritischer Komponist schien vorgezeigt.
Heute verweist der Komponist auf ein CEuvre, daß sich durch große Vielfalt auszeichnet. Zum Schaffen des Künstlers zählen fünf Opern, fast 60 Orchester- und vokalsymphonische Werke, ebensoviele Werke für verschiedene Kammermusikbesetzungen, 80 Lieder und Chöre, über 100, oft für den Film geschriebene, Projektarbeiten. Seit den 80er Jahren fanden Rosenfelds künstlerische Arbeiten verstärkt internationale Beachtung.
Der Komponist Leopold Soltau sagt: „Das Ich ist ein großer Wunsch, als könnte es so sein, wie die Idee vom einzelnen behauptet. In meiner Arbeit ist es der Kontrapunkt zu allem, was vorher da war". Die Haltung vermittelt Rosenfeld an Studierende, sie widerspiegelt zugleich sein Gesellschaftsverständnis. Ft.
Die Oper „Romeo und Julie" von Georg Anton Benda nach der Tragödie von William Shakespeare erlebte Mitte November 1996 ihre Premiere im Schloß- theater des Neuen Palais Potsdam. Die 1776 im Herzoglichen Hoftheater in Gotha uraufgeführte Oper gilt heute als die erste Vertonung der berühmten Liebestragödie. Benda gelingt hier die Symbiose zwischen der natürlich-einfachen Empfindsamkeit der Handlung und der tragischen Höhe der der italienischen opera seria verpflichteten Musik. Weitere Aufführungen finden am 6. und 7. Dezember 1996 jeweils um 19.00 Uhr statt. Eintrittskarten für die Vorstellungen sind an der Vorverkaufskasse im Potsdamer Theaterhaus Am Alten Markt, Tbl.: 0331/ 280 06 93, erhältlich.
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KARIBISCHES FEUER IN POTSDAM
Lateinamerikanische Rhythmen und Tänze sind fester Bestandteil der Weltkultur, werden deshalb vielerorts auch begeistert aufgenommen In Potsdam sind der kubanische Son, die brasilianische Samba, Bossa Nova, Bolero oder Rumba bisher eher selten anzutreffen. Das soll sich nun ändern. Denn zwei musik- und tanzbegeisterte junge Männer, der Kubaner Carlos Manuel Ruiz und Jochen Woher, übrigens an der Uni Potsdam tätig, gründeten im September 1996 den Latin-Dance-Club „Latino". Der Club will die Potsdamer mit diesen Rhythmen vertraut machen, als Begegnungs- und Kommunikationszentrum dienen und seine Türen für Menschen aus Latemamerika weit öffnen. Partner bei diesem Unternehmen ist die Stadt-Spiel-TLuppe Potsdam auf ihrem Theaterschiff. Mehrfach im Monat sind Interessierte zum Tänzen (teilweise mit Anleitung) und Musikhören eingeladen. Auch tropische Cocktails und Speisen bereichern dabei das Angebot. Die nächste Party steigt am 29. November, Einlaß ab 21 Uhr, auf dem Theaterschiff Potsdam, Tin der alten Fahrt. Karten gibt es in ausreichender Zahl an der Abendkasse, sie können jedoch auch bei der Potsdam-Information, Tfel.: 0331/293038, oder bei der Stadt-Spiel-Uuppe Potsdam CM: 0331/7481503) im Vorverkauf erworben werden. B.E.
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LATIN-DANCE-CLUB