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(1.1.2019) 02
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CAMPUS

CHEMIE IN BERLIN UND POTSDAM # W ® i. *

Brückenschlag zwischen universitärer Forschung und industrieller Anwendung

Seit 1984 führen der Berliner Landesver­band der Chemischen Industrie e.V und die R-eie sowie die Technische Universi­tät Berlins jährliche Gemeinschafts­veranstaltungen durch, auf denen neue­ste Forschungsergebnisse vorgestellt und die gegenseitigen Kontakte vertieft werden. Mit der Wiedervereinigung Deutschlands und Berlins gesellten sich schließlich auch die Humboldt-Universi­tät zu Berlin und die Universität Potsdam zu dem Kreis, der nun Ende des vergan­genen Jahres erstmals im Brandenburgi- schen an der Potsdamer Uni tagte. In sei­nen begrüßenden Worten bekannte sich der Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur Brandenburgs, Steffen Reiche, dabei klar zur Chemie und den Naturwis­senschaften an der Universität Potsdam: Mich überzeugt das Kooperations­konzept der Potsdamer Naturwissen­schaften als ein wegweisendes, erklär­te er und bezeichnete die Chemie in die­sem Zusammenhang als Kemfach für an­dere Disziplinen.

Das in Potsdam aufgebaute integrative Netz einer engen Kooperation mit außerum- versitären Forschungseinrichtungen und Berliner Angeboten spiegelte sich denn auch in der Zahl der Veranstaltungs­teilnehmer wider, die im Verlauf des Täges

Chemie in Berlin und Potsdam

Die Communs der Universität Potsdam schmückten die Einladungen zu der Gemein­schaftsveranstaltungChemie in Berlin und Potsdam", Abb.: Fritze/Jeromin

auf über 400 anstieg. Das Programm sah dabei nach den einleitenden Worten des Wissenschaftsministers und des Potsdamer Dekans der Mathematisch-Naturwissen­schaftlichen Fakultät, Prof. Dr. Jürgen Kurths, diverse Fachvorträge, eine Posterschau und eine Rede des Vorsitzenden des Berliner Verbandes der Chemischen Industrie e.V, Hansjürgen Neide, vor. Neide betonte darin nicht nur, daß sie mit diesem Forum die For­derung nach Ausbau der Zusammenarbeit von Hochschulen und Wirtschaft erfüllen wollten; er ging auch auf diederzeit eher hemmenden politischen Rahmenbedingun- gen für die Wirtschaft und die äußerst schwierige Situation für die Berliner und Brandenburger Hochschulen ein. Insge­samt, so Neide, liefe die Region durch die beschlossenen Einsparungen Gefahr, für Investoren uninteressanter zu werden.

Was die Berliner Chemie beträfe, so sei die Situation zum einen negativ, da sie über eine konsumorientierte Produktpalette verfügte und gerade hier starke Nachffageausfälle zu verzeichnen wären. Zu den wichtigsten Pro­duktionsbereichen der in Berlin ansässigen Chemiefirmen zählten Pharma, Kosmetik, Farben und Lacke sowie Fotochemie. Auf der anderen Seite konnte Hansjürgen Neide

jedoch darauf verweisen, daß viele Berliner Chemieunternehmen schon seit Jahren auf den Weltmärkten aktiv seien und durch eine hohe Exportquote Ausfälle auf dem Inlands­markt zumindest kompensieren würden: Während in der gesamten Berliner Industrie die Exportquote bei nur 14 Prozent läge, er­reichte sie in der chemischen Industrie der Stadt 45 Prozent.

Was den von Berlins Chemiefirmen in den ersten neun Monaten 1996 erzielten Umsatz betrifft, so bezifferte ihn der Verbandsvorsit­zende auf 3,1 Milliarden DM. Dazu beige­tragen haben rund 17.000 Mitarbeiter, 3,5 Prozent weniger als im Jahr zuvor.Damit konnte der Beschäftigungsrückgang zwar noch nicht gestoppt werden, es gab aber eine deutliche Verlangsamung gegenüber den Vorjahren, betonte Neide und wies in diesem Zusammenhang darauf hm, daß die Berliner chemische Industrie seiner Ein­schätzung nach immer noch ein wichtiger Arbeitgeber für Hochschulabsolventen sei. - Erfreulich war deshalb auch die zahlrei­che Teilnahme von Chemie-Studierenden der vier Universitäten an der Gemein- schaftsveranstaltung, die sich nicht zuletzt vor diesem Hintergrund wirklich zu einem Forum entwickelte. Hg.

REISENDE UND DAHEIMGEBLIEBENE

Zur Antrittsvorlesung Prof. Dr. Ottmar Ettes

Reisen ist seit Jahrhunderten ein Traum vieler Menschen. Aber auch Reiseliteratur übt eine ganz eigene Faszination aus. So regte seine Reise 1789 nach Paris Joachim Heinrich Campe zu folgenden Zeilen an:Hier dehnte sich unser Horizont auf ein­mal, wenigstens stromauf- und abwärts, zu einer unbeschreib­lich schönen und großen Perspektive aus; und der widerliche Eindruck, den der bis dahin von uns gesehene Theil der un­förmlichen Riesenstadt auf uns gemacht hatte, löste sich hier plötzlich in Bewunderung und Erstaunen auf.

Um der Anziehungskraft jener Literatur nachzuspüren, beschäftigte sich Prof. Dr. Ottmar Ette in seiner kürzlich gehaltenen Antrittsvorlesung mit dem ThemaReisende und Daheimgebliebene. Der Reisebericht und seine Bewegungen. Der Professor für spanisch- und französischsprachige Litera­tur im Institut für Romanistik der Philosophi­schen Fakultät I versteht Reiseliteratur als eine Art Spezialisierung von Verstehens­prozessen im Raum. Ette unterscheidet hier­bei sechs Dimensionen. So die kartographi­sche Erfassung und Auswertung der Reisen. Der wohl bekannteste deutschsprachige Reisende des 19. Jahrhunderts, Alexander von Humboldt, hat in seine Tägebücher ne­ben schriftlichen Notizen kartographische Aufnahmen von Flüssen eingezeichnet, die

Prof, Dr, Ottmar Ette

Foto: Tribukeit

das linienhafte Vordringen des Reisenden vor Augen führen. Er hinterließ wahreNaturgemälde" in ihrer Entstehung. Als dritte Dimension des Rau­mes erfaßte der Referent jene, die sich ge­rade der Reisebericht des ausgehenden 18, und beginnenden 19, Jahrhunderts zu eigen machte und erforschte: die Höhendimen­sion. Denn Bergbesteigungen fehlten in den Berichten jener Zeit selten. Genannt sei in diesem Zusammenhang Humboldts be­rühmte Ersteigung des Chimborazo. Sie führte zu neuartigen Formen kartographi­scher Höhendarstellungen und Aufrissen, die relationstreue wie schematische Profile Fortsetzung nächste Seite

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