Heft 
(1.1.2019) 02
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der bereisten Gebiete zeigen.

Die Zeit bildet die vierte Dimension. Der Reisende bewegt sich sowohl in der Zeit seines Herkunftslandes, als auch innerhalb der Chronologie seiner Reise, die ihre eige­ne Zeitlichkeit schafft. Berücksichtigt wissen möchte Ette auch Sprünge zwischen ver­schiedenen histonschen und kulturellen Zeit­ebenen. Daß der Reisende sich durch die unterschiedlichen sozialen Gruppen und Schichten des von ihm bereisten Landes bewegt, führt zur sozialen, der fünften Di­mension. Imagination und Fiktion ist für Ette die sechste. Durch den Rückgriff auf fiküona- le Muster erweise sich diese Literatur für den jeweiligen zeitgenössischen Leser als attraktiv. In diesem Kontext verwies der Hochschullehrer auf die Tatsache, daß sich die Grenzlinie zwischen fiktionaler Literatur und Reiseliteratur nur sehr schwer bestim­men ließe. .Viele Texte, die wir heute der fik- tionalen Literatur zuordnen, sind aus der Perspektive des Reiseberichts oder gar als Reiseberichte gelesen worden. Anderer­seits würdenfaktenonentierte Darstellun­gen fiktional gelesen und gedeutet. Die gro­ße Resonanz auf den Vortrag auch außer­halb der Um ist sicher dem Forschungs­gegenstand, der Thematik, aber minde­stens ebenso der Vortragsweise und Kom­petenz Prof. Ettes zuzuschreiben. B.E.

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DIE POLITIKER UND DAS GELD

Prof. Dr. Wilfried Fuhrmann hielt seine Antrittsvorlesung

Den Ratschlag an Wirtschaftswissenschaftler, nicht nur Volks- und betriebswirtschaft­liche, sondern ebenso weltwirtschaftliche Studien zu betreiben, beherzigt Prof. Dr. Wil­fried Fuhrmann aus der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät. Seiner kürz­lich gehaltenen Antrittsvorlesung gab der Professor für Wirtschaftstheorie mit dem Schwerpunkt makroökonomische Theorie und Politik den TitelGeld und Integration - Politiker und Geld. Währungsunion, Arbeitsmärkte und Standorte.

Fuhrmann nutzte sein Referat vor allem zur Darlegung von Hypothesen und Fragen, weniger um Altbekanntes zu wiederholen. So sorgten viele transnationale Unterneh­men, internationale Investoren und Speku­lanten dafür, daß sich die Entwicklung von einem weltweiten Wettbewerb in einem langfristigen Integrationsprozeß hin zu ei­nem System von vollständig integrierten globalen und dadurch fast schon wieder theoretisch-lokalen Märkten vollziehe. Dar­aus schlußfolgerte Fuhrmann:Letztlich werden wir vom Wettbewerb um knappes Kapital und den Transaktionskosten in Form von Markt-, Unternehmens- und politischen Transaktionskosten getrieben. Denn wir le­ben, wie der Ökonom Ench Schneider zu sagen pflegte, auf der Erde stets unter dem kalten Stern der Knappheit."

Der Hochschullehrer fragte weiter:Haben die Ökonomen aber ein Referenzsystem ohne internationale Institutionen und Politik bzw. Politiker entwickelt?" Sie hätten inso­fern die Rechnung ohne den Wirt gemacht, da sie glaubten und teilweise noch glau­ben, daß Kooperationen im Sinne regiona­ler Arrangements den ökonomischen Inte­grationsprozeß und damit die Globalisie­rung beschleunigten. Des weiteren seien nicht-ökonomische Präferenzen der Politi­ker oftmals vernachlässigt worden. Da po­litische Eingriffe in den Ordnungsrahmen Effizienzverluste bewirkten, erhielten unab­hängige Institutionen bestimmte, quasi ho­heitliche Funktionen.

Drei diesernoch unabhängigen Institutio­nen in Deutschland nannte der Professor: das Bundeskartellamt, die Universitäten und die Bundesbank. Für Politiker existier­ten jedoch immer neue Gründe, um Kontrol­le und Steuerung bzw. Instrumentalisierung der Geld- und Währungspolitik auszuüben. Als Beispiel führte er die Finanzierung von Defiziten der öffentlichen Haushalte, Unter­nehmen und anderer durch direkte Zentral­bankkredite, inflationsbedingte höhere rea­le Steueraufkommen bei progressiven Täri- fen oder über den Zugriff auf die Währungs­reserven an. Theoretische Erklärungen und allgemeine empirische Erfahrungen beleg­ten jedoch eindeutig, daß alle bisher be­kannten Formen der politischen Instrumen­talisierung langfristig scheitern und zu Effi­zienzverlusten führten.Ttendenziell steigen mit dem Grad der politischen Abhängigkeit

einer Zentral­bank die Inflati­onsrate und die Arbeitslosigkeit bei sinkendem realem Wachs­tum.

Was den inter- nationalen W ä h r u'n g s - Wettbewerb an­belangt, so habe sich die DM als das Anlage- und Täuschmedium einer offenen Währungs­gemeinschaft ohne legislativen Zwang ent­wickelt und sich in diesem Sinne zuneh­mend entnationalisiert. Die kooperative Lö­sung der Europäischen Währungsunion re­duziere über die festgelegten Stimmenver­hältnisse im Europäischen System der Zen­tralbanken (ESZB) und die Gerichte nun aber die DM wieder zum Medium einer na­tionalen Zahlungsgemeinschaft, vergleich­bar den .anderen rein nationalen Währun­gen wie den Escudo.

Ist es die Aufgabe des Staates, so Fuhr­mann, eine legislativ originäre Zahlungs­gemeinschaft mit einem anderen Staat zu gründen? Auch für derartige Kooperationen gelte, daß Politiker die beste Währung aus­wählen sollten. Sie hätten jedoch die Wett­bewerbslösung ausgeschlossen. Ange­sichts dieser und anderer Wirrnisse zitier­te Wilfried Fuhrmann zum Schluß seiner Antrittsvorlesung Goethe:Wenn nur die Menschen das Rechte, nachdem es gefun­den, nicht wieder umkehrten und verdüster­ten, so wäre ich zufrieden". B.E.

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Prof. Dr. Wilfried Fuhrmann

PUTZ 2/97

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