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der bereisten Gebiete zeigen.
Die Zeit bildet die vierte Dimension. Der Reisende bewegt sich sowohl in der Zeit seines Herkunftslandes, als auch innerhalb der Chronologie seiner Reise, die ihre eigene Zeitlichkeit schafft. Berücksichtigt wissen möchte Ette auch Sprünge zwischen verschiedenen histonschen und kulturellen Zeitebenen. Daß der Reisende sich durch die unterschiedlichen sozialen Gruppen und Schichten des von ihm bereisten Landes bewegt, führt zur sozialen, der fünften Dimension. Imagination und Fiktion ist für Ette die sechste. Durch den Rückgriff auf fiküona- le Muster erweise sich diese Literatur für den jeweiligen zeitgenössischen Leser als attraktiv. In diesem Kontext verwies der Hochschullehrer auf die Tatsache, daß sich die Grenzlinie zwischen fiktionaler Literatur und Reiseliteratur nur sehr schwer bestimmen ließe. .Viele Texte, die wir heute der fik- tionalen Literatur zuordnen, sind aus der Perspektive des Reiseberichts oder gar als Reiseberichte gelesen worden. “ Andererseits würden „faktenonentierte“ Darstellungen fiktional gelesen und gedeutet. Die große Resonanz auf den Vortrag auch außerhalb der Um ist sicher dem Forschungsgegenstand, der Thematik, aber mindestens ebenso der Vortragsweise und Kompetenz Prof. Ettes zuzuschreiben. B.E.
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DIE POLITIKER UND DAS GELD
Prof. Dr. Wilfried Fuhrmann hielt seine Antrittsvorlesung
Den Ratschlag an Wirtschaftswissenschaftler, nicht nur Volks- und betriebswirtschaftliche, sondern ebenso weltwirtschaftliche Studien zu betreiben, beherzigt Prof. Dr. Wilfried Fuhrmann aus der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät. Seiner kürzlich gehaltenen Antrittsvorlesung gab der Professor für Wirtschaftstheorie mit dem Schwerpunkt makroökonomische Theorie und Politik den Titel „Geld und Integration - Politiker und Geld. Währungsunion, Arbeitsmärkte und Standorte“.
Fuhrmann nutzte sein Referat vor allem zur Darlegung von Hypothesen und Fragen, weniger um Altbekanntes zu wiederholen. So sorgten viele transnationale Unternehmen, internationale Investoren und Spekulanten dafür, daß sich die Entwicklung von einem weltweiten Wettbewerb in einem langfristigen Integrationsprozeß hin zu einem System von vollständig integrierten globalen und dadurch fast schon wieder theoretisch-lokalen Märkten vollziehe. Daraus schlußfolgerte Fuhrmann: „Letztlich werden wir vom Wettbewerb um knappes Kapital und den Transaktionskosten in Form von Markt-, Unternehmens- und politischen Transaktionskosten getrieben. Denn wir leben, wie der Ökonom Ench Schneider zu sagen pflegte, auf der Erde stets unter dem kalten Stern der Knappheit."
Der Hochschullehrer fragte weiter: „Haben die Ökonomen aber ein Referenzsystem ohne internationale Institutionen und Politik bzw. Politiker entwickelt?" Sie hätten insofern die Rechnung ohne den Wirt gemacht, da sie glaubten und teilweise noch glauben, daß Kooperationen im Sinne regionaler Arrangements den ökonomischen Integrationsprozeß und damit die Globalisierung beschleunigten. Des weiteren seien nicht-ökonomische Präferenzen der Politiker oftmals vernachlässigt worden. Da politische Eingriffe in den Ordnungsrahmen Effizienzverluste bewirkten, erhielten unabhängige Institutionen bestimmte, quasi hoheitliche Funktionen.
Drei dieser „noch“ unabhängigen Institutionen in Deutschland nannte der Professor: das Bundeskartellamt, die Universitäten und die Bundesbank. Für Politiker existierten jedoch immer neue Gründe, um Kontrolle und Steuerung bzw. Instrumentalisierung der Geld- und Währungspolitik auszuüben. Als Beispiel führte er die Finanzierung von Defiziten der öffentlichen Haushalte, Unternehmen und anderer durch direkte Zentralbankkredite, inflationsbedingte höhere reale Steueraufkommen bei progressiven Täri- fen oder über den Zugriff auf die Währungsreserven an. Theoretische Erklärungen und allgemeine empirische Erfahrungen belegten jedoch eindeutig, daß alle bisher bekannten Formen der politischen Instrumentalisierung langfristig scheitern und zu Effizienzverlusten führten. „Ttendenziell steigen mit dem Grad der politischen Abhängigkeit
einer Zentralbank die Inflationsrate und die Arbeitslosigkeit bei sinkendem realem Wachstum.“
Was den inter- nationalen W ä h r u'n g s - Wettbewerb anbelangt, so habe sich die DM als das Anlage- und Täuschmedium einer offenen Währungsgemeinschaft ohne legislativen Zwang entwickelt und sich in diesem Sinne zunehmend entnationalisiert. Die kooperative Lösung der Europäischen Währungsunion reduziere über die festgelegten Stimmenverhältnisse im Europäischen System der Zentralbanken (ESZB) und die Gerichte nun aber die DM wieder zum Medium einer nationalen Zahlungsgemeinschaft, vergleichbar den .anderen rein nationalen Währungen wie den Escudo.
Ist es die Aufgabe des Staates, so Fuhrmann, eine legislativ originäre Zahlungsgemeinschaft mit einem anderen Staat zu gründen? Auch für derartige Kooperationen gelte, daß Politiker die beste Währung auswählen sollten. Sie hätten jedoch die Wettbewerbslösung ausgeschlossen. Angesichts dieser und anderer Wirrnisse zitierte Wilfried Fuhrmann zum Schluß seiner Antrittsvorlesung Goethe: „Wenn nur die Menschen das Rechte, nachdem es gefunden, nicht wieder umkehrten und verdüsterten, so wäre ich zufrieden". B.E.
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Prof. Dr. Wilfried Fuhrmann
PUTZ 2/97
Seite 6