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sowie den Ankauf von Grund und Boden für die MTU in Ludwigsfelde an. In seinen Augen ist es auch falsch, die Landesnetto- kreditaufnahme als „heilige Kuh" zu betrachten - wenngleich gesetzliche Grenzen respektiert werden müßten.
Natürlich ist aber auch der PDS bewußt, daß nicht alle ihre Ziele - ein öffentlich geförderter Beschäftigungssektor zur Schaffung von sich selbst tragenden Arbeitsplätzen oder eine soziale Grundsicherung für alle Bürger - durch Kreditaufnahmen oder durch Umschichtung von einem Geldtopf in den anderen zu bezahlen sind. „Man muß vielmehr von einer Umverteilung sprechen", ging deswegen Bisky das Poblem der Finanzierung an und nannte als Stichwort die Steuerreform. So sei es völlig verkehrt, die Vermögenssteuer abzuschaffen. Auch die Steuerflucht, durch die jährlich 130 Milliarden DM dem Fiskus entgingen, müsse eingedämmt werden. Und schließlich will auch die PDS sparen, etwa bei den Rüstungsausgaben. Gefragt, was denn das spezifisch Sozialistische bzw. Antikapitalistische der PDS sei, antwortete Bisky, daß man das „Profit- pnnzip als regelndes Prinzip“ ausschalten wolle. Vielmehr sei ein „Mix von Eigentumsverhältnissen" angestrebt. So sei es beispielsweise erstrebenswert, die Rüstungsindustrie zu verstaatlichen. Zum Abschluß seines Vortrages betonte Bisky, daß niemand zum Sozialismus der DDR zurückwolle. „Unser Ziel ist es, Freiheit und soziale Sicherheit zu gewährleisten.“ ade
UM BESSER VORBEREITET ZU SEIN
Die Generation der Holocaust Überlebenden wird bald gestorben sein. Um dennoch ihre Augenzeugenbenchte zu bewahren, hat 1979 der berühmte Literaturwissenschaftler Geoffrey Hartman das Fortunoff Videoarchiv von Holocaust-Zeugnissen an der Yale Umversity in New Haven, USA eingerichtet. Hartman ist selbst Opfer der Judenverfolgung; als zehnjähriges Kind floh er 1939 mit einem Kindertransport von Frankfurt/Main nach London. Mittlerweile gibt es Zweigstellen des Archivs auf der ganzen Welt. In Deutschland sammelt das Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien an der Universität Potsdam Interviews der Überlebenden in der Berliner Gedenkstätte der Wannseekonferenz und wertet diese für öffentliche Forschungszwecke sowie für den Schulunterncht aus.
Was aber passiert, wenn es die unmittelbaren Zeugen nicht mehr gibt? „An ihre Stelle tritt der intellektuelle Zeuge“, führte Hartman in einem Vortrag am Potsdamer Einstein Forum kürzlich aus. „Intellektuelle" Zeugen sind indirekte Zeugen, die die Ereignisse nicht selbst und unmittelbar miterlebt haben, sondern sie gleichsam als Zuschauer aus einer Distanz betrachten. In unserer Zeit, in der der Abstand zu Gewalt und Vernichtung immer größer wird, haben wir es also bald nur noch mit indirekter, „intellektueller“ Zeugenschaft zu tun. Sie gleicht einem Theaterbesuch, in dem die Einbildungskraft der Zu
Russische Studierende informierten sich an der Uni Potsdam
Im Januar besuchte eine Gruppe russischer Mathematik-Studenten von der Moskauer Staatlichen Akademie für Geologische Erkundung das Institut für Mathematik der Universität Potsdam. Sie diskutierten hier mit Prof . Dr. Peter MaaB (ganz rechts), Professor für Numerische Mathematik, überdas von ihm weiterentwickelte WavelefVerfahren. Mit dieser neuen Tbchmk lassen sich große Datenmengen, die zur Darstellung hochaufgelöster digitaler Bilder benötigt werden, komprimieren. Dadurch kann ein schneller Bildaufbau realisiert oder eine rasche Übertragung digitalisierter Bilder über Tblefonleitungen erreicht werden. Reges Interesse zeigten die Gäste aus Rußland insbesondere am Einsatz des Wavelet-Verfahrens bei der Herstellung dreidimensionaler Geländemodelle, in denen das Oberfächenrelief eines Gebietes hochaufgelöst dargestellt werden kann. Außerdem tauschten die russischen Studierenden mit den Mitgliedern der Arbeitsgruppe von Maaß ihre unterschiedlichen Erfahrungen über das Studium m Rußland bzw. Deutschland aus. ade/Foto: Fritze
Begründete das Fortunoff Videoarchiv von Holocaust-Zeugnissen an der Yale-Uni- versity in New Haven, USA: Prof. Dr. Geoffrey Hartman.
Foto: fhtze
schauer durch die Geschehnisse auf der Bühne angeregt wird: In dem Zuschauer werden kognitive und emotionale Komponenten angesprochen, die zu einem mitfühlenden Verstehen führen. Hartman plädiert also für eine Ästhetisierung des Holocaustgeschehens. Die intellektuelle Distanz verhindert, daß das Leid überhand nimmt und zu einem Trauma führt, das jegliche weitere Auseinandersetzung mit den Schrecken der Vergangenheit abbricht.
Nun ist der Begriff des Zuschauers im Zusammenhang mit dem Holocaust heute mit einem Makel behaftet, denn die große Gruppe der Zuschauer, die weder eigentlich Täter, aber auf keinen Fall Opfer waren, hat dagestanden und abgewartet ohne einzugreifen, ließen sie das Unrecht geschehen. Doch Zögern und Untätigkeit, so Hartman, ermöglichen andererseits Reflexion und die Bereitschaft, sich auf das Wagnis einzulassen, daß erst mit der Zeit die Ereignisse vollständig enthüllt werden. Intellektuellen Zeugen geht es um die Verständlichkeit, sie suchen nach Antworten auf die Frage: Wie konnte es geschehen? - um für das nächste Mal besser vorbereitet zu sein.
Gertrud Grünkom
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