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(1.1.2019) 02
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sowie den Ankauf von Grund und Boden für die MTU in Ludwigsfelde an. In seinen Au­gen ist es auch falsch, die Landesnetto- kreditaufnahme alsheilige Kuh" zu betrach­ten - wenngleich gesetzliche Grenzen re­spektiert werden müßten.

Natürlich ist aber auch der PDS bewußt, daß nicht alle ihre Ziele - ein öffentlich geförder­ter Beschäftigungssektor zur Schaffung von sich selbst tragenden Arbeitsplätzen oder eine soziale Grundsicherung für alle Bürger - durch Kreditaufnahmen oder durch Um­schichtung von einem Geldtopf in den ande­ren zu bezahlen sind.Man muß vielmehr von einer Umverteilung sprechen", ging des­wegen Bisky das Poblem der Finanzierung an und nannte als Stichwort die Steuerre­form. So sei es völlig verkehrt, die Vermö­genssteuer abzuschaffen. Auch die Steuer­flucht, durch die jährlich 130 Milliarden DM dem Fiskus entgingen, müsse eingedämmt werden. Und schließlich will auch die PDS sparen, etwa bei den Rüstungsausgaben. Gefragt, was denn das spezifisch Soziali­stische bzw. Antikapitalistische der PDS sei, antwortete Bisky, daß man dasProfit- pnnzip als regelndes Prinzip ausschalten wolle. Vielmehr sei einMix von Eigen­tumsverhältnissen" angestrebt. So sei es beispielsweise erstrebenswert, die Rü­stungsindustrie zu verstaatlichen. Zum Ab­schluß seines Vortrages betonte Bisky, daß niemand zum Sozialismus der DDR zurück­wolle.Unser Ziel ist es, Freiheit und sozia­le Sicherheit zu gewährleisten. ade

UM BESSER VORBEREITET ZU SEIN

Die Generation der Holocaust Überleben­den wird bald gestorben sein. Um dennoch ihre Augenzeugenbenchte zu bewahren, hat 1979 der berühmte Literaturwissenschaftler Geoffrey Hartman das Fortunoff Videoarchiv von Holocaust-Zeugnissen an der Yale Umversity in New Haven, USA eingerichtet. Hartman ist selbst Opfer der Judenverfol­gung; als zehnjähriges Kind floh er 1939 mit einem Kindertransport von Frankfurt/Main nach London. Mittlerweile gibt es Zweigstel­len des Archivs auf der ganzen Welt. In Deutschland sammelt das Moses Mendels­sohn Zentrum für europäisch-jüdische Studi­en an der Universität Potsdam Interviews der Überlebenden in der Berliner Gedenkstätte der Wannseekonferenz und wertet diese für öffentliche Forschungszwecke sowie für den Schulunterncht aus.

Was aber passiert, wenn es die unmittelba­ren Zeugen nicht mehr gibt?An ihre Stelle tritt der intellektuelle Zeuge, führte Hartman in einem Vortrag am Potsdamer Einstein Forum kürzlich aus.Intellektuelle" Zeugen sind indirekte Zeugen, die die Ereignisse nicht selbst und unmittelbar miterlebt haben, sondern sie gleichsam als Zuschauer aus einer Distanz betrachten. In unserer Zeit, in der der Abstand zu Gewalt und Vernichtung immer größer wird, haben wir es also bald nur noch mit indirekter,intellektueller Zeu­genschaft zu tun. Sie gleicht einem Theater­besuch, in dem die Einbildungskraft der Zu­

Russische Studierende informierten sich an der Uni Potsdam

Im Januar besuchte eine Gruppe russischer Mathematik-Studenten von der Moskauer Staatlichen Akademie für Geologische Erkundung das Institut für Mathematik der Universität Potsdam. Sie disku­tierten hier mit Prof . Dr. Peter MaaB (ganz rechts), Professor für Numerische Mathematik, überdas von ihm weiterentwickelte WavelefVerfahren. Mit dieser neuen Tbchmk lassen sich große Daten­mengen, die zur Darstellung hochaufgelöster digitaler Bilder benötigt werden, komprimieren. Dadurch kann ein schneller Bildaufbau realisiert oder eine rasche Übertragung digitalisierter Bilder über Tblefonleitungen erreicht werden. Reges Interesse zeigten die Gäste aus Rußland insbesondere am Einsatz des Wavelet-Verfahrens bei der Herstellung dreidimensionaler Geländemodelle, in denen das Oberfächenrelief eines Gebietes hochaufgelöst dargestellt werden kann. Außerdem tauschten die russischen Studierenden mit den Mitgliedern der Arbeitsgruppe von Maaß ihre unterschied­lichen Erfahrungen über das Studium m Rußland bzw. Deutschland aus. ade/Foto: Fritze

Begründete das Fortunoff Video­archiv von Holo­caust-Zeugnissen an der Yale-Uni- versity in New Haven, USA: Prof. Dr. Geoff­rey Hartman.

Foto: fhtze

schauer durch die Geschehnisse auf der Bühne angeregt wird: In dem Zuschauer werden kognitive und emotionale Kompo­nenten angesprochen, die zu einem mitfüh­lenden Verstehen führen. Hartman plädiert also für eine Ästhetisierung des Holocaust­geschehens. Die intellektuelle Distanz ver­hindert, daß das Leid überhand nimmt und zu einem Trauma führt, das jegliche weitere Auseinandersetzung mit den Schrecken der Vergangenheit abbricht.

Nun ist der Begriff des Zuschauers im Zu­sammenhang mit dem Holocaust heute mit einem Makel behaftet, denn die große Gruppe der Zuschauer, die weder eigent­lich Täter, aber auf keinen Fall Opfer waren, hat dagestanden und abgewartet ohne ein­zugreifen, ließen sie das Unrecht gesche­hen. Doch Zögern und Untätigkeit, so Hart­man, ermöglichen andererseits Reflexion und die Bereitschaft, sich auf das Wagnis einzulassen, daß erst mit der Zeit die Ereig­nisse vollständig enthüllt werden. Intellek­tuellen Zeugen geht es um die Verständlich­keit, sie suchen nach Antworten auf die Fra­ge: Wie konnte es geschehen? - um für das nächste Mal besser vorbereitet zu sein.

Gertrud Grünkom

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