CAMPUS
SCHULE UM DIE JAHRHUNDERTWENDE
Institut für Pädagogik beteiligte sich an Ausstellung
Großmutters und Urgroßmutters Zeiten ließen grüßen. Einen Einblick in die Schulwelt längst vergangener Tage bot jüngst die Ausstellung „Schulbank, Rohrstock, Federkiel“ in der Potsdamer Gesamtschule 22. An deren Zustandekommen hatten sich neben der Einrichtung selbst das Institut für Pädagogik der in der Landeshauptstadt etablierten Alma mater und das Schulmuseum Berlin beteiligt, aus dem auch die Exponate stammten.
„Wir wollten Geschichte erlebbar machen, zugleich jedoch Sensibilität für das Hier und Heute in den Klassenzimmern schaffen“, resümiert Prof. Dr. Hanno Schmitt aus der Philosophischen Fakultät II, Mitorganisator der Schau. Gezeigt wurden Bänke, Schreibgeräte und Lehrmittel aus der Kaiserzeit um 1900. Ausgewählte historische Fotographien beziehungsweise Zeichnungen vermittelten zudem einen Eindruck von den herrschenden Lernbedingungen vor fast 100 Jahren. Nostalgie allerdings kam nach Meinung von Besuchern gar nicht erst auf. Bei genauerem Hinsehen nämlich verriet die Sammlung: Jene Knirpse von damals besaßen zwar das Glück, lesen, schreiben, rechnen lernen zu können, unterlagen aber dem Zwang, still zu sitzen, die Hände auf den Tisch zu legen, sich Kommandos wie „Steht auf!“, „Setzt euch!“, „Seht nach dem Fenster!", „Streckt die Arme hoch!“ und anderen unterzuordnen. Ihre Lehrer achteten dabei strengstens auf Präzision wie Gleichmäßigkeit der Ausführung gegebener Befehle. Vermeintlich Ungehorsame straften sie ohne Zögern mit dem zur „körperlichen Züchtigung“ der anvertrauten Schützlinge üblichen Rohrstock. Dessen Vorgängerin, die Rute, gehörte bereits der Vergangenheit an.
Daß die Exposition gerade an die Schule 22 geholt wurde, scheint kein Zufall. Widmet man sich hier doch seit längerem der Umsetzung reformpädagogischer Lehrmethoden, insbesondere den Ideen Maria Montessoris. Schon um die Jahrhundertwende drängte die 1870 geborene Italienerin auf eine Un-
ternchtsform, die entgegen realer schulischer Praxis auf viel Bewegung setzte. Mon- tessori attackierte die zivilisierte Gesellschaft, „die ihre eigenen Kinder durch sinnlose Disziplin und Anpassung des Besten beraubt, ... ihrer Würde und ihrer Freiheit, ihrer Schaffenskraft und Kreativität“. Konsequenzen für eine neue Schule folgten, wenn auch zögerlich. Am Ort der Ausstellung jedenfalls finden sie fruchtbaren Boden. Mädchen und Jungen in fünf Klassen des Grundschulbereichs erleben dies täglich, während sie sich vermehrt spielend und handelnd Wissen aneignen. „Wir haben uns wirklich vom stillsitzenden Lernen als Grundprinzip verabschiedet und uns auf den Weg gemacht“, so Direktorin Ulrike Kegler. RG.
Nicht nur für die Kinder war die Ausstellung „Schulbank, Rohrstock, Federkiel" ein Erlebnis. Vermittelte sie doch einen anschaulichen Eindruck von der Schulwelt um 1900. Foto: TYibukeit
ARBEIT DER FREMDSPRACHENVERBÄNDE UNTERSTÜTZT
Zum „ Brandenburgischen Sprachentag“ haben sich Ende vergangenen Jahres rund 100 Fremdsprachen- und Hochschullehrer sowie Verlagsvertreter an der Universität Potsdam in Golm getroffen. Eingeladen hatte der Fachverband Moderne Fremdsprachen (FMF) des Landes Brandenburg, nun schon zum zweiten Mal in Zusammenarbeit mit den anderen philologischen Verbänden des Landes - dem Brandenburgischen Interessenverband für den Russischunterricht, der Vereinigung der Französischlehrer und dem Deutschen Ältphilologenverband. Neben fremdsprachenpolitischen Fragestellungen, die zunehmend ein gemeinsames Vorgehen aller Verbände erfordern, lag der Schwerpunkt auf der Arbeit mit modernen Medien beim Fremdsprachenlernen im gesteuerten und autonomen Lembereich (insbesondere mit Computern).
Da Computerarbeit schwerlich ohne entsprechende technische Ausstattung demonstrierbar ist - über die derzeit kaum eine Schule im Land Brandenburg verfügt - bat der FMF in Vorbereitung der Tägung die Universität Potsdam, die über modern ausgestattete Computer-Pools verfügt, um Unterstützung. Sowohl der Kanzler der Universität Potsdam, Alfred Klein, als auch Dr. Hermann Walter, Leiter der Zentralen Einrichtung für Informationsverarbeitung und Kommunikation (ZEIK)/Bereich Golm, ließen
dem Projekt von Anfang an eine entsprechende Unterstützung zukommen und ermöglichten dadurch die Realisierung des Sprachentages an der Universität. Neben Dr. Walter waren es eine Reihe weiterer Mitarbeiter der Hochschule, die - ob Mitglied eines philologischen Fachverbandes oder nicht - mit seminanstischen Beiträgen und sehr praktisch angelegten Workshops den anwesenden Fremdsprachenlehrerinnen und -lehrern Anregungen vermittelten und gleichzeitig zum Erfahrungsaustausch an
regten. Der Hauptvortrag wurde gehalten von Prof. Dr. Dieter Wolff von der Bergischen UniversitäVGesamthochschule Wuppertal zum Thema: „Neue Technologien und fremdsprachliches Lernen". Das Pädagogische Landesinstitut Brandenburg (PLIB) ermöglichte wiederum eine Zertifizierung für die anwesenden Lehrerinnen und Lehrer. Unterstützung ward dem Sprachentag ferner durch das Amerika Haus Berlin, den Französischlehrerverband, den Cornelsen- Verlag, Fremdsprachenverlage, die Telekom sowie durch zwei Studentinnen aus der Slavistik zuteil. Dr. Gabriele Blell aus dem Institut für Anglistik und Amerikanistik der Universität zog folgendes Fazit: „Die Gestaltung des Sprachentages zeigte einmal mehr, daß die Universität Potsdam und die Stadt Potsdam sowie das Land Brandenburg keine .Berührungsängste 1 mehr zeigen, sie vielmehr für gemeinsame Projekte und eine enge Zusammenarbeit aufgeschlossen sind.“ G.B.
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PUTZ 2/97