CAMPUS
NEUE AUFGABEN BRINGEN NEUE ERFORDERNISSE
L-E-R-Studiengang an der Uni im Entstehen - aber: nicht ohne finanzielle Unterstützung
Potsdamer Modells der Lehrerbildung zu erfüllen“, sagt die Uni-Prorektorin für Lehre und Studium, Prof. Dr. Bärbel Kirsch. Allerdings sei der Landesregierung nachdrücklich anzuzeigen, daß die Realisierung der Vorhaben „nicht ohne organisatorische und sachgemäße finanzielle Unterstützung geschehen kann“. Derzeit sei die Alma mater lediglich in der Lage, 30 bis 40 Prozent der inhaltlichen Anforderungen abzudecken. Die Bereitstellung einer Ethik-Professorenstelle, die Ausarbeitung einer eigenen Fachdidaktik und die Kooperation beispielsweise mit der Humboldt- Universität zu Berlin auf dem Gebiet der Theologie stünden auf der Tägesordnung.
Rektor Prof. Dr. Wolfgang Lo- schelder berief inzwischen die Arbeitsgruppe „Lehramtsstudiengang L-E-R" an der Uni ein. Ihr Leiter ist der Philosophieprofessor Dr. Hans J.
Schneider. In der Gruppe sind Professoren aller wichtigen Bezugswissenschaften von L-E-R - Pädagogik, Psychologie, Philosophie, Politische Bildung, Religionswissenschaft, Soziologie, Grundschulpädagogik - vertreten. Die entscheidende Aufgabe bestehe nun dann, bis zum Ende des Sommersemesters 1997 die Studienordnung für einen interdisziplinären Lehr
amtsstudiengang zu entwickeln, so Schneider.
Das mit Beginn des laufenden Schuljahres an 69 Schulen der Sekundarstufe I neu installierte Fach erfährt während seiner schrittweisen Einführung bis 1999 eine wissenschaftliche Begleitung. Deshalb rief Bildungsministerin Angelika Peter einen Wissenschaftlichen Beirat ins Leben. Dem fünfköpfigen unabhängigen Gremium gehört auch der Religionswissenschaftler an der Um Potsdam, Prof. Dr. Karl Erich Grözinger, an. ,jWir wollen eigene Vorstellungen unter Berücksichtigung der Diskussion zum Modellversuch als Empfehlungen unterbreiten.“ Zur Meinungsbildung erfolgten beispielsweise Spezialistenbefragungen. Nicht nur Grözinger ist davon überzeugt, daß die Uni Potsdam in Sachen L-E-R die Vorreiterrolle einer in ganz Deutschland längst überfälligen Debatte übernehmen könne. Der Bremer Professor für Religionspädagogik Jürgen Lott sieht in Potsdam in den Strukturen des Lehramtsstudiums und dem Potsdamer Modell der Lehrerbildung jene fachlichen Anknüpfungspunkte, die gute Voraussetzungen darstellten, dieses Studium gerade hier einzurichten. B.E.
Stein um Stein zum Studiengang L-E-R an der Uni? Foto: zg.
BÜCHER FÜR DIE JÜDISCHEN STUDIEN
Karl Erich Grözinger konnte zwei Privatbibliotheken ankaufen
„Wissen voneinander, einander verstehen, Brücken schlagen, Toleranz und Ehrfurcht vor dem Leben einüben, Gemeinsamkeiten entdecken, Alternativen diskutieren, Wurzeln suchen, historische Entwicklungen und Verirrungen sowie menschliche Macht und Ohnmacht wahrnehmen und sich so auf eine Welt vorbereiten“, diese Horizonte erkennt Friedrich Schorlemmer für das Schulfach Lebens- gestaltung-Ethik-Religionskunde (L-E-R).
Es wurde nun nach langwierigen und oft sehr emotional geführten Debatten nach der Entscheidung des Brandenburger Landtages am 12. Apnl 1996 per Schulgesetz als reguläres Schulfach eingeführt. Daraus ergibt sich ein hoher Lehrbedarf. Weiterbüden- de Studien im Fach L-E-R werden derzeit nur in einem von der Universität Potsdam gemeinsam mit den Ministerien für Bildung, Jugend und Sport sowie für Wissenschaft, Forschung und Kultur betreuten Sonderprogamm durchgeführt. Seit Oktober 1996 studieren 180 Lehrennnen und Lehrer an den Studienorten Prenzlau, Brandenburg, Eberswalde, Potsdam, Neuruppin, Frankfurt und Elsterwerda. „Im nächsten und im darauffol- gendenjahr sollen wiederum jeweils ca. 200 Studies aufgenommen werden“, erläutert Prof. Dr. Bernhard Muszynski, Leiter des Weiterbildungszentrums der Uni. Für eine flächendeckende Einführung von L-E-R im Land Brandenburg rechnet man mit einem Bedarf von 1.300 bis 1.500 Lehrern allein für die Sekundarstufe I. Im Jahre 2000 läuft allerdings das Sonderprogramm aus. Deshalb ist zum Wintersemester 1998/99, dem Zeitpunkt der letztmaligen Studienaufnahme, in Übereinkunft mit dem Bildungs- und dem Wissenschaftsministerium die Etablierung eines Aufbaustudienganges L-E-R an der Potsdamer Uni vorgesehen.
Schon seit 1992 leisten jedoch Uni-Mitarbeiterwesentliche Vorarbeiten, die das Fundament für den Aufbau eines universitären Studienganges bilden können. So betätigten sich Wissenschaftler gutachterlich an den Vorläufern von Rahmenrichtlinien, brachten sich in den Gesellschaftlichen Rat ein, erstellten verschiedene Papiere. Das Zentrum für Pädagogische Forschung und Lehrerbildung veranstaltete das Kolloquium „L-E-R - ein neues Unterrichtsfach als Herausforderung für die universitäre Lehre und Forschung“.
Die Um stellt sich also „dieser schwierigen, aber auch interessanten Aufgabe. Das Fach ist eine Herausforderung zu innovativen Gedanken, bietet reichlich Gelegenheit, interdisziplinäres Vorgehen zu praktizieren und dabei implizit Grundgedanken des
Die Juden sind das Volk des Buches, und so können Jüdische Studien nicht ohne Bibliotheken arbeiten. Prof. Dr. Karl Erich Grözinger, verantwortlich für die jüdische Religions- und Geistesgeschichte an der Universität Potsdam, ist es unter Einwerbung erheblicher Drittmittel gelungen, zwei wertvolle Privatbibliotheken aus Israel und Rumänien anzukaufen, die bundesweit als Besonderheit gelten dürften.
Die erste Sammlung, ca. 2000 vorwiegend hebräische und einige jiddische Bände, bieten einen repräsentativen Querschnitt durch die jüdische Religions- und Geistesgeschichte von der Antike bis zur Aufklärung, unter ihnen eine Reihe schwer auffindbarer Raritäten sowie einige geschlossene hebräische Zeitschnften. Diese Bibliothek, von dem weltweit bekannten Jerusalemer Gelehrten Israel Mehlmann gesammelt, wurde aus Mitteln der Fritz Thyssen
Stiftung, des Brandenburgischen Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur sowie aus Berufungsmitteln erworben. An ihrer bibliothekarischen Erschließung wird derzeit gearbeitet.
Die zweite, aus Mitteln des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft über die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) erworbene Sammlung, ist gerade erst in Potsdam eingetroffen. Prof. Grözinger dazu: „Hierbei handelt es sich um ein in Deutschland einzigartiges Juwel von etwa 2000 Bänden in jiddischer Sprache. Es ist die professionelle Sammlung des Direktors des Jiddischen Theaters von Bukarest, Israel Bercovici". Bercovici, 1988 gestorben, war Dramaturg und künstlerischer Leiter des Theaters, Literaturhistoriker, Übersetzer und Dichter. Diese seine Aktivitäten lassen sich an dem gleichfalls miterworbenen Nachlaß dokumentieren, der hunderte von vorwiegend jiddischen Bnefen mit Trägern
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