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(1.1.2019) 02
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CAMPUS

NEUE AUFGABEN BRINGEN NEUE ERFORDERNISSE

L-E-R-Studiengang an der Uni im Entstehen - aber: nicht ohne finanzielle Unterstützung

Potsdamer Modells der Lehrerbildung zu er­füllen, sagt die Uni-Prorektorin für Lehre und Studium, Prof. Dr. Bärbel Kirsch. Allerdings sei der Landesregierung nachdrücklich an­zuzeigen, daß die Realisierung der Vorhaben nicht ohne organisatorische und sachgemä­ße finanzielle Unterstützung geschehen kann. Derzeit sei die Alma mater le­diglich in der Lage, 30 bis 40 Prozent der inhaltlichen Anforderungen abzudecken. Die Bereitstellung einer Ethik-Professorenstelle, die Ausarbeitung einer eigenen Fach­didaktik und die Kooperation bei­spielsweise mit der Humboldt- Universität zu Berlin auf dem Ge­biet der Theologie stünden auf der Tägesordnung.

Rektor Prof. Dr. Wolfgang Lo- schelder berief inzwischen die ArbeitsgruppeLehramtsstu­diengang L-E-R" an der Uni ein. Ihr Leiter ist der Philoso­phieprofessor Dr. Hans J.

Schneider. In der Gruppe sind Professoren aller wichtigen Be­zugswissenschaften von L-E-R - Pädagogik, Psychologie, Philoso­phie, Politische Bildung, Religi­onswissenschaft, Soziologie, Grundschul­pädagogik - vertreten. Die entscheidende Aufgabe bestehe nun dann, bis zum Ende des Sommersemesters 1997 die Studien­ordnung für einen interdisziplinären Lehr­

amtsstudiengang zu entwickeln, so Schnei­der.

Das mit Beginn des laufenden Schuljahres an 69 Schulen der Sekundarstufe I neu in­stallierte Fach erfährt während seiner schrittweisen Einführung bis 1999 eine wis­senschaftliche Begleitung. Deshalb rief Bil­dungsministerin Angelika Peter einen Wissenschaftlichen Beirat ins Le­ben. Dem fünfköpfigen unabhän­gigen Gremium gehört auch der Religionswissenschaftler an der Um Potsdam, Prof. Dr. Karl Erich Grözinger, an. ,jWir wollen eigene Vorstellungen unter Berücksichti­gung der Diskussion zum Mo­dellversuch als Empfehlungen unterbreiten. Zur Meinungsbil­dung erfolgten beispielsweise Spezialistenbefragungen. Nicht nur Grözinger ist davon über­zeugt, daß die Uni Potsdam in Sachen L-E-R die Vorreiter­rolle einer in ganz Deutsch­land längst überfälligen De­batte übernehmen könne. Der Bremer Professor für Religions­pädagogik Jürgen Lott sieht in Potsdam in den Strukturen des Lehramtsstudiums und dem Potsdamer Modell der Lehrerbildung jene fachlichen Anknüpfungspunkte, die gute Vorausset­zungen darstellten, dieses Studium gerade hier einzurichten. B.E.

Stein um Stein zum Studiengang L-E-R an der Uni? Foto: zg.

BÜCHER FÜR DIE JÜDISCHEN STUDIEN

Karl Erich Grözinger konnte zwei Privatbibliotheken ankaufen

Wissen voneinander, einander verste­hen, Brücken schlagen, Toleranz und Ehrfurcht vor dem Leben einüben, Ge­meinsamkeiten entdecken, Alternativen diskutieren, Wurzeln suchen, historische Entwicklungen und Verirrungen sowie menschliche Macht und Ohnmacht wahr­nehmen und sich so auf eine Welt vorbe­reiten, diese Horizonte erkennt Friedrich Schorlemmer für das Schulfach Lebens- gestaltung-Ethik-Religionskunde (L-E-R).

Es wurde nun nach langwierigen und oft sehr emotional geführten Debatten nach der Entscheidung des Brandenburger Landta­ges am 12. Apnl 1996 per Schulgesetz als reguläres Schulfach eingeführt. Daraus er­gibt sich ein hoher Lehrbedarf. Weiterbüden- de Studien im Fach L-E-R werden derzeit nur in einem von der Universität Potsdam ge­meinsam mit den Ministerien für Bildung, Ju­gend und Sport sowie für Wissenschaft, For­schung und Kultur betreuten Sonderpro­gamm durchgeführt. Seit Oktober 1996 stu­dieren 180 Lehrennnen und Lehrer an den Studienorten Prenzlau, Brandenburg, Ebers­walde, Potsdam, Neuruppin, Frankfurt und Elsterwerda.Im nächsten und im darauffol- gendenjahr sollen wiederum jeweils ca. 200 Studies aufgenommen werden, erläutert Prof. Dr. Bernhard Muszynski, Leiter des Weiterbildungszentrums der Uni. Für eine flächendeckende Einführung von L-E-R im Land Brandenburg rechnet man mit einem Bedarf von 1.300 bis 1.500 Lehrern allein für die Sekundarstufe I. Im Jahre 2000 läuft aller­dings das Sonderprogramm aus. Deshalb ist zum Wintersemester 1998/99, dem Zeitpunkt der letztmaligen Studienaufnahme, in Über­einkunft mit dem Bildungs- und dem Wis­senschaftsministerium die Etablierung eines Aufbaustudienganges L-E-R an der Potsda­mer Uni vorgesehen.

Schon seit 1992 leisten jedoch Uni-Mitarbei­terwesentliche Vorarbeiten, die das Funda­ment für den Aufbau eines universitären Studienganges bilden können. So betätig­ten sich Wissenschaftler gutachterlich an den Vorläufern von Rahmenrichtlinien, brachten sich in den Gesellschaftlichen Rat ein, erstellten verschiedene Papiere. Das Zentrum für Pädagogische Forschung und Lehrerbildung veranstaltete das Kolloqui­umL-E-R - ein neues Unterrichtsfach als Herausforderung für die universitäre Lehre und Forschung.

Die Um stellt sich alsodieser schwierigen, aber auch interessanten Aufgabe. Das Fach ist eine Herausforderung zu innovativen Gedanken, bietet reichlich Gelegenheit, in­terdisziplinäres Vorgehen zu praktizieren und dabei implizit Grundgedanken des

Die Juden sind das Volk des Buches, und so können Jüdische Studien nicht ohne Bi­bliotheken arbeiten. Prof. Dr. Karl Erich Grözinger, verantwortlich für die jüdische Religions- und Geistesgeschichte an der Universität Potsdam, ist es unter Einwer­bung erheblicher Drittmittel gelungen, zwei wertvolle Privatbibliotheken aus Is­rael und Rumänien anzukaufen, die bun­desweit als Besonderheit gelten dürften.

Die erste Sammlung, ca. 2000 vorwiegend hebräische und einige jiddische Bände, bieten einen repräsentativen Querschnitt durch die jüdische Religions- und Geistes­geschichte von der Antike bis zur Aufklä­rung, unter ihnen eine Reihe schwer auf­findbarer Raritäten sowie einige geschlos­sene hebräische Zeitschnften. Diese Biblio­thek, von dem weltweit bekannten Jerusa­lemer Gelehrten Israel Mehlmann gesam­melt, wurde aus Mitteln der Fritz Thyssen

Stiftung, des Brandenburgischen Ministeri­ums für Wissenschaft, Forschung und Kul­tur sowie aus Berufungsmitteln erworben. An ihrer bibliothekarischen Erschließung wird derzeit gearbeitet.

Die zweite, aus Mitteln des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft über die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) erworbene Sammlung, ist gerade erst in Potsdam eingetroffen. Prof. Grözinger dazu: Hierbei handelt es sich um ein in Deutsch­land einzigartiges Juwel von etwa 2000 Bän­den in jiddischer Sprache. Es ist die profes­sionelle Sammlung des Direktors des Jiddi­schen Theaters von Bukarest, Israel Bercovici". Bercovici, 1988 gestorben, war Dramaturg und künstlerischer Leiter des Theaters, Literaturhistoriker, Übersetzer und Dichter. Diese seine Aktivitäten lassen sich an dem gleichfalls miterworbenen Nachlaß dokumentieren, der hunderte von vorwiegend jiddischen Bnefen mit Trägern

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