Heft 
(1.1.2019) 02
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HAPPY BIRTHDAY!

365 Stunden Programm = ein Jahr uniRadio

Montag, 7. Januar 1997, 9 Uhr, ein ganz normaler Redaktionstag im uniRadio beginnt: Durchsicht der Themenmappe, Terminvorschau, Bericht der aktuellen Nachrichten­lage, Themendiskussion und Rechercheaufträge. Ein ganz normaler Redaktionstag? Nicht ganz. Nach den Weihnachtsferien ist die Redaktion zum ersten Mal wieder gut besetzt, allerdings sind die Mehrzahl der Studierenden Anfänger, denn es ist der er­ste Tag der neuen Praktikanten. Wie muß ich das Mikrofon halten? Wie schreibe ich eine Nachricht? Und überhaupt, was ist eigentlich eine Recherche? Am Ende, um 17 Uhr, muß eine Sendung stehen, die sich von der journalistischen Qualität anderer Sendungen nicht unterscheidet. Die festen Mitarbeiter, allen voran der programm­verantwortliche Redakteur Thomas Prinzler, sind heute besonders gefordert. Für die Neulinge etwas Chaos, viel Ratlosigkeit und Angst. Doch mit Geduld und Joumalis- mustraining im Schnellgang ist um 17 Uhr jeder irgendwie in der Sendung vertreten und zwar so, daß der Moderator nicht sagen muß:Sorry, heute uniRadio von Anfän­gern für Anfänger! Und das ist wieder ganz normal.

123 Studentinnen und Studenten aus unter­schiedlichsten Studienrichtungen unter­schiedlicher Hochschulen wurden als Praktikanten im ersten uniRadio-Jahr wie an diesem lüg ins kalteRadio-Wasser ge­worfen , um sich nach vier Wochen inten­siver Radio-Praxis Jungjournalisten nennen zu können. Die theoretische Auseinander­setzung mit dem Medium, Nachrichten-, Sprech- und Interviewtraining, Technik­übungen am Computer und im Studio und last not least die tägliche Umsetzung des Gelernten in die Praxis von uniRadio - Live at Five", all das ist als Ausbildungs-

DieNachtschiene" von uniRadio

Seit Montag, den 3. Februar sendet uniRa­dio 87,9 täglich auch von 21 bis 22 Uhr. Das MagazinNachtschiene ist ein aktuelles Tälk-Magazin für die akademische und stu­dentische Szene.Nachtschiene" soll die Lebenswelt und den Lebensstil von Stu­denten beleuchten, Menschen aus Berliner und Brandenburger Hochschulen vor das Mikrofon holen.Nachtschiene ist vor Ort: Live mit Reportagen aus dem studenti­schen, wissenschaftlichen und kuturellen Leben. Und dieNachtschiene versucht, News und Service für Nachtschwärmer zu bieten. Das alles bei SO Prozent Musik: von Rock über Independent Musik bis hin zu Soul oder Rap ist vieles zu hören, was nicht in den Top 30 ist.

Seit mehr als einem Jahr sendet uniRadio 87,9 Berlin-Brandenburg eingebettet in das Programm von Voice of America. Täglich von 17 bis 18 Uhr ist das aktuelle Tüges- magazinLive at Five zu hören. Jetzt konn­te das Programm um eine weitere tägliche Sendestunde von 21 bis 22 Uhr mit diesem Talk-MagazinNachtschiene erweitert werden. Allerdings kann dies zunächst nur vorläufig geschehen. Werreinhören" will, kann dies auf 87,9 MHz oder im Kabelnetz Potsdam auf 103,3 MHz (Berlin 94,SS MHz) tun. P m -

konzept in der Radio-Landschaft einzigar­tig. Ein gutes Ergebnis, das zum ersten Geburtstag von uniRadio am 15. Januar gefeiert wurde.

Und doch war dies nicht der wichtigste Grund zum Feiern. In einer Zeit massiver Bedrohungen des Bestands von Ausbildung und Forschung durch eine rigide Spar­politikhatten 13 Hochschulen und Univer­sitäten aus Berlin und Brandenburg - dar­unter die Universität Potsdam nach wie vor als die einzige brandenburgische Hoch­schule - den Mut, dieses uniRadio als ge­meinsames Projekt aufzubauen und zu fi­nanzieren. Sie hatten den Mut, ein Radio- Konzept zu entwickeln, mit dem die Kompe­tenz und Vielfalt der Berlin-Brandenburger Hochschullandschaft journalistisch einer breiten Öffentlichkeit nahegebracht werden soll. Kompetenz, indem die tagesaktuellen Alltagsthemen aus der Sicht der Wissen­schaft erläutert werden, und Vielfalt, indem den Hörern die weitgefächerte Bedeutung

von Wissenschaft, Forschung und Lehre nähergebracht wird.

Dieses Konzept ist im ersten Jahr aufgegan­gen.Live at Five hat regelmäßig und teil­weise mit exklusiven Informationen die Spardebatte begleitet, hat zum Beispiel den Berliner Wissenschaftssenator Peter Ra- dunski und den brandenburgischen Wis­senschaftsminister Steffen Reiche ins .Ver­hör 1 ' genommen, die unterschiedlichen po­litischen Standpunkte dargestellt und Kon­troversen befördert. Live-Reporter begleite­ten die Studentenproteste in Berlin und Potsdam. Mancher Experte sprach im uniRadio zum ersten Mal zu einem aktuel­len Thema und wurde von den anderen Medienentdeckt. Ein Wissenschaftler des Lateinamerika-Instituts lieferte Hinter­gründe zur Geiselnahme in Peru, ein Medi­ziner erläuterte die Auswirkungen der Käl­tewelle für den menschlichen Organismus, ein FU-Professor porträtierte seinen ehema­ligen Doktoranden, den serbischen Oppo­sitionsführer Djindjic. DochLive at Five allein bildet noch nicht das ganze uniRadio; am Wochenende bereichern Wissen- schaftssendungen, Vorträge, Literatur-, Mu­sik- und Kulturmagazine und das experi­mentierfreudige Studentenmagazin RX-5 die Diskussion.

Aber keine Feier ohne Kritik: uniRadio muß thematisch noch vielfältiger werden, uniRadio muß exklusiv Themen kreieren, uniRadio muß sich in einer breiteren Öffent­lichkeit noch etablieren. Das ist für eine ein- stündige Insel im englischsprachigen Raum der Voice of America auf 87,9 nicht leicht, aber langfristig machbar. Ein erster Schritt ist jedenfalls gelungen, im journali­stischen Kollegenkreis wird uniRadio ernst genommen. Und das kann nun wieder ge­feiert werden. Andreas-R. Wosnitza

Den Gesprächspartnern iw Interview einmalauf den Zahn zu fühlen auch das lernten 123 studen­tische Praktikanten während des ersten Jahres von uniRadio. Foto: Tribukeit

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PUTZ 2/97